Gedanken zum Juni 2026

MONAT Juni 2026
 
„Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; 
denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!“ Hebr 13,3 (E)
von Pfarrerin Dr. Annette Weippert, Evangelische Christusgemeinde Baden-Baden

Quelle: privat - eingebettet von kirchenbezirk-babara.de

Gefangenschaft und Misshandlung – das kannten die Christinnen und Christen, an die sich der Hebräerbrief richtet, aus eigener Erfahrung (Hebr 10,34). Sie standen mit ihrem Glauben außerhalb der Mehrheit, das war Grund genug, ihnen zuzusetzen. Diese Bedrohung kennen auch heute noch viele Menschen weltweit: Sie müssen Willkür bis hin zu Gefangenschaft fürchten, weil sie eine andere Religion haben als die Mehrheit in ihrem Land – oder auch, weil sie in anderen Belangen nicht die Position der Regierung teilen.
„Denkt an die Gefangenen!“ Für mich gehört zu meinem christlichen Glauben, andere mit im Blick zu behalten. Das bedeutet auch, Menschen nicht zu vergessen, die durch Unrecht ihre Freiheit verlieren. Während man in der Antike vor allem ganz praktisch durch Versorgung mit Essen half, können wir heute viel weitreichender wirken, zum Beispiel durch Unterstützung von Menschenrechtsorganisationen, aber auch durch unser Gebet.
„Denkt an die Gefangenen!“ Der Hebräerbrief macht hier keine Einschränkungen. Als Christinnen und Christen sollen wir nicht nur an die Opfer von Glaubensverfolgung denken. Es geht um alle, die eingesperrt sind. Auch in Deutschland sitzen über 40.000 Menschen in Haft. Ich vertraue darauf, dass alle diese Menschen einen fairen Prozess bekommen haben und eine rechtmäßige Strafe absitzen. Erschreckend finde ich dennoch: Gefangene sind in unserer Gesellschaft nahezu unsichtbar: Hinter hohen Mauern und Stacheldraht, isoliert von der Außenwelt. Ein Gefängnisaufenthalt stigmatisiert sie auf Dauer. Viele der Gefangenen sind Opfer der Umstände geworden, in denen sie aufgewachsen sind. Umstände, in die auch ich hätte hineingeboren werden können. Manche leisten im Gefängnis auch nur eine Ersatzfreiheitsstrafe ab, weil sie angeordnete Geldstrafen nicht bezahlen konnten. Umso wichtiger, sich Vorurteilen nicht anzuschließen und die Gefangenen nicht zu vergessen, obwohl es bequemer wäre. Auch daran erinnert uns der Monatsspruch aus dem Hebräerbrief.