Gedanken z. Monatsspruch
"Gott spricht: Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Mal 3,20 (L)
von Dekan Christian Link, Evangelischer Kirchenbezirk Baden-Baden und Rastatt
Zum „Orange day“, dem Tag zur „Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am 25. November wird mir ein Instagram-Post zugespielt: „´Sprich nicht darüber, meine Schwester...´. Das sagt Absalom zu seiner Schwester Tamar, nachdem ihr Halbbruder Amnon ihr Gewalt angetan hatte. Nicht reden dürfen, zum Schweigen verurteilt werden: Auch das ist eine Form von Gewalt.“
Auch wir im Bezirk haben orangefarbene Kerzen verteilt in diesem Jahr. Wir haben sie mit Orten versehen, an denen Frauen getötet wurden. Wir wollten die Frauen und ihre Leidensorte sichtbar machen und leuchten lassen. Überall, wohin ich mit den Kerzen kam, habe ich gehört: „Wie gut, dass ihr das macht. Wie grausam, dass es das gibt bei uns.“
Und dann sitze ich in einer Männerrunde, eine Frau ist mit dabei. Wir essen gemeinsam und ich verteile die Kerzen. Es folgt große Zustimmung, wie schrecklich diese Gewalt an Frauen, oft durch Männer aus ihrem privaten Umfeld ist. Wie gut unsere Aktion ist. Zwei Augenblicke später aber sagt einer der Männer: „wir haben auch eine Kerzenaktion.“ Und schon sind wir bei einer anderen Farbe, einem anderen Thema. Und ich denke: Niemand hat sich angegriffen gefühlt, keinem war es peinlich, jeder hat zugestimmt: es ist wichtig. Und doch habe ich männliche Kommunikation erlebt.
So mag es Frauen oft gehen in Männerrunden. Kaum gibt es mal ein Thema, in denen Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Gewalt an Frauen angesprochen wird, schon wechselt das Thema. Es gerät aus dem Blick, dem Focus, dem Sinn, für was eigentlich Raum wäre: Unvorstellbare Gewalt. Das fällt mir ein, als ich den Instagram Post lese, der mir zugespielt wird. „Zum Schweigen verurteilt werden: Auch das ist eine Form von Gewalt.“
Ich hoffe und bete, dass wir dieses Schweigen durchbrechen können und es aushalten, wenn Themen in den Blick kommen, die Gewalt ansprechen und verhindern wollen. Wenn wir Licht leuchten lassen in der Finsternis, wenn wir Gott klagen, dass wir zu oft wegsehen, nicht achtsam sind. Wir dürfen lernen das auszuhalten und licht werden und Licht sein. Wir dürfen Christus bitten, dass er uns dazu macht, was wir sind und es dann auch tun. „Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt.“
