Gottesdienst am Sonntag, den 28. November 2021 - 1. Advent

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den 1. Advent 2021. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt ein neues Kirchenjahr.
Der Wochenspruch lenkt unseren Blick auf den, dessen Kommen wir erwarten: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sacharja 9, 9a).
Einen gesegneten Advent wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Wir beginnen mit dem bekannten Adventslied „Macht hoch die Tür“ (EG 1, Str.1.2.5)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Psalm 24 II (EG 711.2)
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!
Wer ist der König der Ehre?
Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.
Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!
Wer ist der König der Ehre?
Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.
Amen.

Gebet:
Komm uns nahe, guter Gott.
Komm mit deiner Gerechtigkeit in unsere unheile Welt.
Komm in unsere Herzen, uns zu erlösen und zu heilen.
Mach unsere Gesichter hell, dass sie von innen her strahlen, dass wir aus uns herausgehen können und einander gerecht werden.
Amen.

Wir lesen einen Abschnitt aus dem Buch des Propheten Jeremia. Es ist zugleich der Predigttext für den 1. Advent (Jeremia 23, 5-8):
„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.“
Amen.

Lied EG 314, 1.2.5 „Jesus zieht in Jerusalem ein“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
die Tücher hier vorne an der Kanzel und am Altar (man nennt sie Paramente oder Antependien) sind heute in Violett, es ist die Farbe des Advents. Violett ist die Morgendämmerung, der Übergang zwischen Dunkel und Hell. Manchmal sind wir zu dieser Zeit wach, haben schlecht geschlafen, weil in der Nacht die Sorgen in uns aufgestiegen sind. Aber wenn dann allmählich das Licht des neuen Tages heranbricht, erscheint uns das, was uns in der Nacht beschäftigt hat, auf einmal gar nicht mehr so schlimm. Vielleicht haben wir schon eine Ahnung, wie es für uns weitergehen kann, neue Hoffnung…

Vor einer Woche haben wir unserer Verstorbenen gedacht und das Trostwort aus der Offenbarung des Johannes vom neuen Himmel und der neuen Erde gehört. Auch so ein Übergang vom Dunkel zum Licht…

Und heute das große „Siehe“ aus dem Buch des Propheten Jeremia. „Siehe, es kommt die Zeit für mehr Recht und Gerechtigkeit.“ Das ist das Thema unserer Zeit. Einer Zeit, die wir als krisenhaft erleben. Was darf man noch, was nicht? Alles wird zu viel und ist doch zu wenig. Und irgendwie reicht es jetzt auch. Wer unterdrückt hier wen eigentlich, fragen sich viele. Angesichts der Spannung zwischen denen, die sich für andere aufopfern und denen, die auf ihre persönlichen Freiheitsrechte pochen. Ist es die Minderheit der Ungeimpften, die die Mehrheit der Geimpften unterdrückt? Oder ist es vielleicht genau umgekehrt? Darüber gehen die Meinungen bei uns weit auseinander. Wir erleben eine Spannung, die sich kaum aushalten lässt. Was ist gerecht? Was darf rechtlich sein? Und nicht nur um Corona geht es, auch in anderen Bereichen fragen wir nach Recht und Gerechtigkeit.

Siehe, es kommt die Zeit, hören wir heute von dem Propheten Jeremia. Siehe, es kommt die Zeit von Recht und Gerechtigkeit. Nicht eine strafende Gerechtigkeit ist gemeint. Gott setzt sich ein für die Armen, die Schwachen, die Verlierer, die ein Recht auf ein würdiges Leben haben und deren Lebensrechte bedroht sind. Es kommt die Zeit einer verantwortungsvollen Regierung, die Verheißung, dass Israel endlich sicher wohnen kann. Während der Prophet Jeremia diese kräftigen Worte spricht, steht er inmitten des zerstörten Jerusalems. Schwarze, verbrannte Erde.
Die Menschen ermordet, versklavt, vertrieben. Zerstört der Traum vom herrlichen Reich Davids. Der hoffnungsvolle Spross am Stamm Davids verkohlt. Und der Tempel: in Rauch aufgegangen. Schwarze Rauchsäulen im Violett des Morgengrauens. Der siebenarmige Leuchter, die Schriftrollen, die Bundeslade geplündert. Und Gott hat längst die Stadt und den Tempel und die Menschen verlassen. Der Glaube der Menschen ist verstummt angesichts der Macht der Siegermächte. Die eigenen Könige, die haben in Israel fast immer versagt. Sie stürzten das Land und die Menschen in den Abgrund. Sie bestimmten, was gerecht ist, nämlich das, was ihnen selbst nützte. „Meine Gerechtigkeit“, so lautete der Name des letzten Königs Zedekia übersetzt. Und Jeremia sagt: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit. Gott- und kein anderer. Gott war es, der uns aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Er wird uns auch aus der Fremde zurückbringen, wo wir sicher wohnen können. Und Gott mitten unter uns.

Liebe Geschwister! Und wir Christinnen und Christen? Allzu schnell sehen wir in dem erhofften Spross Davids, von dem Jeremia spricht, Jesus. Wir nennen ihn Christus, Gesalbter, Messias. Aber König?
Er selbst tut alles dafür, dieses Bild nicht aufkommen zu lassen.
Auf einem kleinen, trippelnden Esel kommt er angeritten. Er ist kein Macher, der alle Probleme dieser Welt einfach so wegwischt.
Eigentlich ist Violett ja gar keine richtige Farbe. Es setzt sich zusammen aus dem Blau des Himmels, des Göttlichen und dem Rot des Blutes, des Menschlichen. Himmel und Erde, Göttliches und Menschliches- in Christus verbunden. Auch Jesus Christus hat die Verheißung Jeremias nicht erfüllt. Noch immer gibt es ungerechte Machthaber, leiden Menschen unter unwürdigen Bedingungen, sind Millionen weltweit auf der Flucht. Und doch öffnet die Verheißung des Propheten ganz leise die Tür zum Advent, fangen seine Worte an zu leuchten- so voller Trost und Hoffnung, dass einem die Augen und das Herz aufgehen. Dieser König kommt aus einfachen Verhältnissen. David, der Hirtenjunge, und Jesus, der Sohn des Zimmermanns, kommen von ganz unten. Und doch sind sie es, die die Verheißung des Propheten Jeremia offenhalten und sie stark machen.
Lehren mich auf immer neue Weise staunen, dass Gott seine Verheißungen immer wieder erfüllt. Mitten in der Welt, mitten unter uns, der König hinterlasst seine Spuren. Wir müssen nur genau hin- schauen.
Die Menschen, die in unserer krisenhaften Zeit genau wissen, wo ihr Platz ist, nah bei denen, die immer zu kurz kommen. Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal, die mit großer Professionalität den Kranken beistehen. Alle die, die neue Miet- und Genossenschaftsmodelle entwickeln, damit auch Arme sicher wohnen können, weil sie ein Recht darauf haben. Die sich um die Geflüchteten kümmern, die an der EU-Grenze zwischen die Fronten geraten sind. Und das sind nur einige Beispiele. Sie alle machen mir Mut, lassen mich das Licht erahnen, das in die Dunkelheit hineinscheint und sie vertreiben wird.

Liebe Geschwister, Violett ist die Farbe des Advents, der Sehnsucht, der brennenden Erwartung. Alle sollen sicher wohnen in ihrem Lande. Gott steht zu seinem Wort. Da kommt noch was. „Siehe, es kommt die Zeit,…“
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 12, 1-4 „Gott sei Dank durch alle Welt“

Fürbitten:
Barmherziger und gerechter Gott, du bist das Licht der Welt und willst die Welt hell machen.
Darum bitten wir dich: Leuchte in unsere Dunkelheiten.
Und du weißt genau, welche das sind.
Stell alles in dein freundliches, tröstendes Licht.
Sende dein Licht und erleuchte die, die in Staat und Stadt, in Wissenschaft und Wirtschaft Verantwortung tragen.
Zünde ein Feuer an und wärme die, die an Körper und Seele frieren.
Lass ein Licht aufgehen denen, die keinen Ausweg mehr wissen.
Zeige einen Funken Hoffnung denen, die trauern und kaum Trost finden.
Lass uns im Licht der Adventskerzen deine Nähe spüren.
Amen.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Segen:
Gott segne dich und behüte dich auf allen deinen Wegen.
Amen.

Lied EG 13, 1-3 „Tochter Zion“

 

Gottesdienst am Sonntag, den 21. November 2021 - Ewigkeitssonntag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den diesjährigen Ewigkeitssonntag. Heute denken wir besonders an die Menschen aus unserer Gemeinde, die im zu Ende gehenden Kirchenjahr verstorben sind und an ihre Angehörigen. Auch unser Leben wird eines Tages zu Ende gehen. Niemand weiß, wann und wie das sein wird. Worte aus der Offenbarung des Johannes (Kapitel 21, Verse 1-7) sollen uns Trost und Hoffnung geben:
„Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“
Amen.

Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied „Morgenglanz der Ewigkeit“ (EG 450, 1.2.5)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Herr, unser Gott,
du hast unser irdisches Dasein begrenzt.
Es fällt uns schwer zu begreifen,
dass unser Leben ein Ende haben muss.
Lehre uns, was es heißt zu sterben,
damit uns das Leben nicht entgleitet.
Bewahre unsere Zeit in deiner Hand.
Halte uns durch das Sterben
und den Tod hindurch
und geleite uns einst in dein ewiges Reich.
Amen.

Der Lesungs- und zugleich der Predigttext stehen in der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, 1-7:
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabgekommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
IIch glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied „Der Himmel, der ist“ (EG 153, 1-3)

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Trauerfamilien, liebe Gemeinde,
in dem jetzt zu Ende gehenden Kirchenjahr habe ich so viel Trauer gesehen und gespürt. Kinder, die um ihren Vater trauern, um ihre Mutter, eine Frau um ihren Mann, ein Mann um seine Partnerin. Enkel um die Großmutter, ein Patenkind um den Patenonkel. Menschen, die um ihren Freund und guten Bekannten trauern. Der Schmerz war oft so groß. Denn die Liebe war so groß. Manche waren voller Tränen,
manche wie erstarrt. Viele konnten nachts nicht schlafen, und viele mochten nichts essen. Manche versuchten zu fliehen. Manche waren voller Wut. So viel Trauer.

Manche Angehörigen haben den Tod aber auch als Erlösung ihres Angehörigen gesehen, oft nach schwerer Krankheit, nicht zu lindernden Schmerzen und Unglück. Dass sie jetzt ruhen können und ausruhen wünschen sie ihnen, und das ist ein tröstlicher Gedanke.
Und manchmal haben sie sehen können, dass das Gesicht des verstorbenen Menschen ganz entspannt aussah, fast den Anflug eines Lächelns hatte, dass der ganze Körper entkrampft und gelöst dalag.

Das ist immer die eine Seite der Trauer. Wir wissen, dass es gut so ist. Ruhe für den verstorbenen Menschen. Wir sagen: er hat es jetzt besser. Jetzt tut ihm nichts mehr weh, er oder sie hat keine Angst mehr. Jetzt geht es ihm oder ihr gut.

Aber das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist, dass in uns alles durcheinander ist. Dass das Leben der Hinterbliebenen nicht mehr so ist wie vorher. Ein tiefes Loch, ein dunkler Abgrund.
Die Höllenqualen, von denen die Generationen in früheren Jahrhunderten gesprochen haben, die man früher für die Verstorbenen fürchtete, diese Qualen leiden die Zurückgebliebenen. Die Dunkelheit, den Schmerz, die Unruhe, das Suchen, das Gefühl: er kommt jeden Moment wieder, sie ist gar nicht gestorben, er ist nur für einen Moment gegangen, der geliebte Mensch ist nur wie verreist, gleich wird er wieder da sein.

„Jeder Tod ist für den, der damit leben muss, wie eine Lawine, ein Erdbeben, ein Zusammenbruch bestehender Lebensvorstellungen“, schreibt der Bestatter und Trauerbegleiter Fritz Roth. “Der Tod bricht in die alltägliche Welt ein. Der Trauernde muss seinen Weg durch ein Trümmerfeld finden. Und wenn er versucht, die Bruchstücke zu sortieren, entdeckt er die Spuren, die von der Lebensbahn des Verstorbenen zurückgeblieben sind.“

Den Weg durch das Trümmerfeld gehen, die Bruchstücke sortieren, sich erinnern, die Sehnsucht spüren, immer wieder. Den Tod zulassen, annehmen; akzeptieren, dass der, den ich geliebt habe, gegangen ist. Sehen, was mir geblieben ist, wer neben mir geht, ich bin nicht allein. Über allem das Wort aus dem Trostbuch der frühen verfolgten Christen, der Offenbarung des Johannes: “Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Gott wird abwischen alle Tränen. Hat dir schon einmal jemand die Tränen abgewischt? Das ist anders, als ein Taschentuch gereicht bekommen. Das ist viel näher, intimer. Eine Nähe, die ich sicher nicht von allen Menschen haben möchte. Aber wenn es möglich, ist es etwas ganz Besonderes. Wie eine Mutter ihr Kind tröstet, ein Mann die Frau, die er liebt, so tröstet Gott uns. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das erste ist vergangen.

Ein neues Leben. Ja, nach dieser Trauer ist ein neues Leben möglich. Auch, wenn es jetzt so weit weg scheint. Gar nicht zu erreichen. Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen.

Einmal wird ein Neues sein. Und manchmal ist es jetzt schon. In einem Moment. Wenn du lachst, wenn du Freude spürst, wenn es dir gut geht. Wenn du erlebst, dass Menschen neben dir sind, mit denen du gern zusammen bist, dass du nicht allein bist, dass einer mit dir spricht.

„Alles beginnt mit der Sehnsucht“, sagt die Dichterin Nelly Sachs. Die Trauer beginnt mit der Sehnsucht nach dem Verstorbenen. Und das neue Leben beginnt mit der Sehnsucht nach neuer Freude, neuem Glück, neuem Leben. Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen.

Gott sagt: Ich will deine Sehnsucht stillen. Ich will dir ein Neues geben. Weißt du eigentlich, wonach du dich sehnst? Weißt du eigentlich, was du brauchst, weißt du eigentlich, was dir fehlt, wonach du dürstest? Gott verheißt: Ich will deinen Durst stillen. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Wie früher wird es nicht mehr sein. Anders. Ein Stück der Trauer, des Schmerzes, der Sehnsucht nach dem Verstorbenen wird bleiben.
Da ist eine Stelle in deinem Inneren, da blüht nichts mehr. Eine Leerstelle.

Ein Platz in deinem Herzen, wo der Mensch ist, den du einmal geliebt hast. Die Stelle soll bleiben. Doch während du sortierst, während du die Bruchstücke deines bisherigen Lebens sortierst, wirst du auch merken, was wichtig war, was groß war und was schön, und was du davon in deinem Herzen und in deinem künftigen Leben bewahren willst. Es ist vielleicht die Erinnerung an das warme Gefühle, wie schön es war, mit den Eltern zu kuscheln. Es ist die Erinnerung an einen zärtlichen Kuss, an ein umwerfendes Lächeln. Und wie wir die Liebe und die Lebensfreude des anderen spüren durften. Es ist vielleicht die Erinnerung an gemeinsame Gespräche, wo wir auf ei- ner Wellenlänge waren. Es ist vielleicht die Erinnerung an einen gemeinsamen Tanz, ein Lied, ein Blick. Tief in deinem Herzen wird das bleiben. Wird dich wärmen. Du wirst es suchen bei anderen Menschen und in anderen Situationen. „Und Gott sagt: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Gott sagt: Ich will deinen Durst stillen. Ich wünsche dir den Mut, den, den du geliebt hast, zu lassen, ihn loszulassen, gehen zu lassen in Gottes ewiges Licht. Ich wünsche dir, dass andere Menschen dich begleiten und ermutigen auf deinem Weg durch die Trauer.
Ich wünsche dir, dass du begreifen kannst, was du erlebst, dass du siehst, was du verloren hast; aber dass du auch siehst, wie reich dein Leben auch nach diesem Verlust ist. Ich wünsche dir, dass du eines Tages sehen kannst, dass nach jedem Abend ein neuer Morgen kommt, dass jedem Abstieg ein neuer Aufstieg folgt, dass auch aus der größten Tiefe die Auferstehung folgt.
Ich wünsche dir, dass du auch einmal aus tiefstem Herzen sagen kannst: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied „Du kannst nicht tiefer fallen“ (EG 533, 1-3)

Fürbitten:

Du Gott, unser Vater und unsere Mutter,
wir denken heute daran, dass wir und die Menschen,
die wir lieben, sterben müssen.
Wir leiden unter dieser Grenze und unter der Macht,
die der Tod in unserem Leben und in unserer Welt hat.

Du hast uns aber auch die Hoffnung geschenkt,
dass dein Sohn den Tod überwunden und begrenzt hat.
Und wir hoffen, dass wir durch das Sterben hindurch
zum Leben gelangen.

Wir bitten dich für die Menschen, die uns vorausgegangen sind
auf dem Weg in die Ewigkeit, die wir loslassen mussten.
Halte du sie weiterhin in deiner Hand und lass sie dereinst auferstehen, damit sie bei dir leben.

Wir bitten dich für die Menschen,
die alt und hochbetagt sind
oder durch Krankheit gezeichnet.
Hilf ihnen, die wenige Zeit, die ihnen bleibt,
zu nutzen, dass sie ihr Leben versöhnt beschließen können und Frieden finden.

Wir bitten dich für die Schmerzen,
die unter Schmerzen leiden und
die ein Ende ihrer Qual herbeisehnen.
Sei bei ihnen in ihrem Leiden,
und lass sie Hilfe finden.
Stelle ihnen Menschen zur Seite,
die bei ihnen wachen.

Wir bitten dich für uns selbst,
die wir oft ohne Ziel vor uns hin leben.
Öffne unsere Augen, dass wir erkennen,
was wirklich zählt in unserem Leben,
dass wir die Zeit, die uns gegeben ist,
nicht verschwenden, sondern zu deiner Ehre
und zum Wohl der Menschen einsetzen.

Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater unser im Himmel,…

Segen:
Gott segne dich und behüte dich, von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Lied „Komm, Herr, segne uns“ (EG 170, 1-3)

 

Gottesdienst am Sonntag, den 14. November 2021 - Volkstrauertag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 14. November 2021.
An diesem Tag, dem Volkstrauertag, gedenken wir der Opfer der vergangenen und gegenwärtigen Kriege. Wir sehnen uns nach Frieden in unserer friedlosen und unerlösten Welt.
Der Wochenspruch für die neue Woche erinnert uns daran, dass wir als Christinnen und Christen nicht nachlassen im Bemühen um den Frieden:
„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5, 9)
Einen gesegneten, friedlichen Sonntag wünscht Ihre/eure Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Wir beginnen mit dem Lied EG 295,1.3.4 „Wohl denen, die da wandeln“ 

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:

Herr, wir danken dir, dass du uns nicht uns selbst überlässt, sondern uns immer wieder in dein Haus rufst. So kommen wir heute zu dir und bitten dich, dass wir dein Wort nicht nur hören, sondern auch tun.  Heute hören wir auf dein Wort, das uns zum Frieden ruft. 
„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Amen. 

Die Lesung und zugleich der Predigttext für den heutigen Volkstrauertag steht im Römerbrief des Apostels Paulus, im 8. Kapitel, Verse 18- 25: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterwerfen der Vergänglichkeit, ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat-doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen wir in uns und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.“
Amen.

Lied NL 116, 1-4 „Freunde, dass der Mandelzweig“ 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Geschwister!
„So schön wie hier kann´s im Himmel gar nicht sein“, so lautet der Titel eines Buches von Christoph Schlingensief. Er war Regisseur, inszenierte Theater- und Opernaufführungen, war Autor, hatte eine Professur. In der Öffentlichkeit trat er meist ziemlich provokant auf. Dann erkrankte er an Krebs. Und schrieb darüber ein Buch. Wie die Krankheit sein Leben verändert hat. Dass er eine Riesenangst vor dem Sterben hat. Er liebt das Leben. „Ich hab kein Bock auf Himmel“, formuliert er. Vor 11 Jahren verstarb er, im Alter von 49 Jahren.

„So schön wie hier kann´s im Himmel gar nicht sein.“, schreibt Schlingensief. „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ Schreibt der Apostel Paulus. Christoph Schlingensief hatte keinen Bock auf diese Herrlichkeit. Und doch erwartete er sie. Auf seine ganz eigene Art. Er war katholisch, 12 Jahre lang Messdiener. Und er hatte eine Beziehung zu Gott. Auf seine Weise. In seinen Arbeiten befasst er sich immer wieder mit der Frage nach Gott, der Erlösung. „Der Himmel jedenfalls kann sich auf einen unbequemen Neuzugang gefasst machen.“ Meinte er augenzwinkernd. Zuletzt schaute aus seinen Augen das Leiden.  „Dieser Zeit Leiden fallen nicht ins Gewicht gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ Das Leben so lieben, dass man es sich im Himmel nicht schöner vorstellen kann. So würde ich auch gerne leben. Manchmal gelingt es, dann wieder nicht. Und wenn Paulus sich nach der künftigen Herrlichkeit Gottes sehnt, dann in solchen Momenten, in denen sich das Leben nicht so leicht lieben lässt. Weil das Leiden sich davorschiebt. Weil das Seufzen lauter wird als das Lachen. Uns Christen wurde manchmal vorgeworfen, dass wir die Nöte und Probleme, das Leiden in dieser Welt gar nicht so ernstnehmen und stattdessen die Menschen auf ein besseres Jenseits vertrösten. Oder, dass die Kirchen sich dem Leiden und dem Bösen nicht entgegenstellen, weil sie ja auf die Ewigkeit hoffen. Ja, das stimmt. Das ist passiert. Gerade in den beiden letzten Weltkriegen. Wo viele Christinnen und Christen meinten, sie dürften sich nicht in weltliche Angelegenheiten einmischen. Sie nahmen es hin, dass Menschen unmenschlich und ungerecht behandelt wurden, verfolgt und auf grausamste Weise getötet wurden. Und sie gehörten sogar selbst zu den Tätern.

Heute ist Volkstrauertag. Ein Tag zum Seufzen. Zum Seufzen darüber, dass Menschen Menschen töten. Dass es Kriege gab und gibt. Seufzen über die vielen Toten der Weltkriege. 17 Millionen im 1. Weltkrieg. 60 Millionen im 2. Weltkrieg. Russen, Amerikaner, Engländer, Franzosen, Italiener, Deutsche und viele andere Völker. Soldaten und Zivilisten. Kinder, Frauen, Männer. Dazu noch in den Vernichtungslagern: Menschen jüdischen Glaubens, Sinti und Roma, Homosexuelle, Kommunisten, bekennende Christen. Auch Behinderte, die als lebensunwertes Leben bezeichnet wurden, wurden systematisch umgebracht.

„Wir wissen“, schreibt Paulus. „Wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. Nicht al -lein aber sie, sondern auch wir selbst seufzen in uns und sehnen uns nach der Erlösung.“ Seufzen bis heute, denn das Kriegführen nimmt kein Ende. Im Gegenteil. Im Internet kann man es nachlesen: aktuell gibt es weltweit zurzeit 30 Kriege und Bürgerkriege. Es sind auch Konflikte dabei, über die man nur wenig erfährt. Sie sind wohl für die Nachrichten zu unwichtig.

Die ganze Schöpfung seufzt und ängstigt sich und mit ihr die Männer und Frauen und Kinder in: Afghanistan, Syrien, Myanmar, im Südsudan, Somalia, in der Ostukraine…

Und in all den anderen Ländern. Der Genfer Journalist Andreas Zumach hat einmal einen Vortrag gehalten zum Thema, warum es so schwer ist, Gewalt zu überwinden. Er beschreibt die Welt, wie sie ist. Spricht in seinem Vortrag von Starrsinn, Egoismus und Hass, von der Gewalt, die daraus entsteht. Zum Seufzen. Ziemlich niederschmetternd. Wie soll man da das Leben lieben? Aber dann bringt er doch noch Beispiele der Hoffnung. Er sagt:
„Es gibt ja durchaus positive, Hoffnung machende Beispiele aus den letzten Jahrzehnten, wo dies gelungen ist. Gerade auch dank des Engagements von Christinnen und Christen oder von Angehörigen anderer Religionen. Das erfährt man nicht oder nur viel zu selten aus den Medien. Schlagen Sie die Zeitung auf, so springt Ihnen entgegen, wo religiöse Akteure wieder einmal Gewalt anwenden und Konflikte verschärfen. Mord und Totschlag im christlichen Ruanda oder Kenia; islamistische Terroranschläge in Afghanistan und Irak; Gewaltakte von Hindu-Nationalisten in Indien oder von buddhistischen Extremisten aus Sri Lanka, …
Jede Religion dieser Erde hat Blut an den Händen, keine kann sie in Unschuld waschen.“

Aber es gibt sie, diese positiven Beispiele erfolgreicher Gewalteindämmung und -überwindung durch Menschen, die sich von ihrem religiösen Hintergrund her einsetzen. Es gibt sogar zahlreiche Beispiele, die zeigen, wie Religionen ihr Friedenspotential in politischen Gewaltkonflikten segensreich und wirksam einsetzen konnten.

Hier nur eine kleine Auswahl: Im afrikanischen Staat Mosambik vermittelte die katholische Laienbewegung Sant Egidio zusammen mit einem Bischof 1992 ein dauerhaft stabiles Friedensabkommen.

Die Protestbewegung in der ehemaligen DDR hätte sich ohne die Hilfe der evangelischen Kirche kaum entwickeln können. Die friedliche Revolution wäre nicht lange gewaltfrei geblieben.

Während des Genozids in Ruanda 1994, als christliche Hutus etwa eine Million christliche Tutsis niedermetzelten, gab es nur eine Bevölkerungsgruppe, die sich der Gewalt widersetzte. Das waren die Muslime in Ruanda, die es unter den Hutus wie auch unter den Tutsis gab. Sie leisteten passiven Widerstand, und halfen Flüchtlingen, egal welcher Religion oder Ethnie, den Todesschwadronen zu entkommen.

Liebe Geschwister, wenn wir diese oder andere Beispiele lesen, dann können wir innerlich aufatmen. Wir müssen nicht auf den Himmel warten, um Frieden zu erwarten. Einen Vorgeschmack davon kann es heute schon geben. Wenn Menschen das Leiden in der Welt sehen und sich für die gequälte Schöpfung einsetzen, damit sie sich nicht mehr seufzen und ängsten muss. Aber was stimmt denn nun? Der Satz von Christoph Schlingensief, dass es so schön wie hier im Himmel gar nicht sein kann? Oder der von Paulus, der von der Herrlichkeit spricht, die uns von Gott her, erwartet. Ich denke, beide Sätze stimmen. Es kommt auf die Perspektive an. In der völlig ausweglosen Zeit, wo Krieg und Gewalt, Krankheit oder Verzweiflung uns überrennen, wo das Seufzen dem Lachen keinen Platz lässt, da bleibt einfach nur die Hoffnung auf Erlösung bei Gott, eben auf den Himmel. Aber dazwischen, zwischen Seufzen und Angst, da sollten wir alles tun, was in unserer Macht steht, damit es hier, auf der Erde, schön ist. An dem Ort, an dem wir leben und überall.
Amen 

„Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen“

Lied NL 39, 1-4 „Freunde, dass der Mandelzweig“  Friedensgebet (nach der franziskanischen Tradition):  O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,  dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,  dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,  dass ich verbinde da, wo Streit ist,  dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,  dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,  dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,  dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,  dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.  Ach, Herr, lass du mich trachten:  nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;  nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;  nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.  Denn wer da hingibt, der empfängt;  wer sich selbst vergisst, der findet;  wer verzeiht, dem wird verziehen;  und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.  Amen.

Alles, was wir sonst noch sagen wollen, sagen wir mit dem Vaterunsergebet: Vater Unser im Himmel,… 

Segen:
„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Dazu segne euch Gott, der Vater, der Sohne und der Heilige Geist.
Amen.

Lied EG 421 „Verleih uns Frieden gnädiglich“ 


Gottesdienst am Sonntag, den 31. Oktober 2021 - Reformationstag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
zum Lesegottesdienst für den 31. Oktober 2021, den Reformationstag, grüße ich Sie/euch mit einem Wort aus dem Hebräerbrief, Kapitel 13, Vers 8:
„Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit."
Amen.

Mit diesem Bibelwort wurde unsere Christuskirche in der Hindenburgstraße am 12. November 1961 eingeweiht. Jetzt am Wochenende feiern wir ihr 60jähriges Jubiläum. Wir dürfen dankbar sein, dass wir hier ein so schönes Gotteshaus haben, in dem wir zusammen- kommen dürfen.
Ein gesegnetes Wochenende und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das Lied EG 317, 1-3 „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“.

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Psalm 84: Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen- deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar.“
Amen.

Gebet: Lieber himmlischer Vater, schenke uns nun deinen heiligen Geist, der uns dein Wort in unsere Herzen schreibe, so dass wir es annehmen und glauben und uns seiner in Ewigkeit freuen und trösten.
Amen.

Als biblische Lesung habe ich einen Vers aus dem 1. Korinther -brief, Kapitel 3, Vers 11 ausgewählt: „Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
Amen.

Lied EG 362, 1-4 „Ein feste Burg ist unser Gott“

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Geschwister,
wo wohnt Gott? Im Psalm 84 spricht der Beter von den „Wohnungen Gottes“. Für ihn steht fest: So, wie der Vogel ein Nest für seine Jungen hat, so wie wir alle ein Dach über dem Kopf haben, so hat auch Gott eine Wohnung. Unsere Kirchen und Kapellen werden Gotteshäuser genannt, aber heißt das, dass Gott tatsächlich hier wohnt? Für unsere evangelische Kirchengemeinde Bühlertal war es auf jeden Fall sehr wichtig, dass die evangelischen Christen einen eigenen Ort bekommen, eine eigene Kirche, an dem sie zusammen- kommen und Gottesdienste feiern können. Wo es auch einen Gemeinderaum gibt, für weitere Angebote. Ein Zuhause. Wir feiern an diesem Wochenende, dass unsere Christuskirche schon seit 60 Jahren hier in der Hindenburgstraße steht; ein wichtiges Zeichen, so eine evangelische Kirche in einem stark katholisch geprägten Umfeld. Diaspora nennt man das ja. Nur 10 Prozent der Bevölkerung sind evangelisch. Und wenn man sich vor Augen führt, dass unsere Evangelische Landeskirche in Baden in diesem Jahr ihr zweihundert- jähriges Bestehen feiert, dann hat unsere Kirche und unsere evangelische Gemeinde daran doch einen ziemlich großen zeitlichen Anteil. Am 12. November 1961 wurde unsere Christuskirche feierlich eingeweiht. Das war ein ganz großes Ereignis damals, für unserer Gemeinde, für den ganzen Ort Bühlertal. Im Beisein des Landesbischofs, des Dekans, des Ortspfarrers Joecks und des Kirchengemeinderates, mit 19 weiteren Pfarrern, vielen geladenen Gästen, evangelischen und katholischen Christen, etwa 1000 Menschen insgesamt. Bei der Einweihung wurde sie unter ein Wort aus dem Hebräerbrief gestellt, Kap. 13, Vers 8. „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Eingeweiht wurde sie, aber nicht besonders geweiht, das ist nicht üblich, anders als bei katholischen Kirchen zum Beispiel.

Trotzdem sind auch evangelische Kirchen besondere Orte. Schon durch ihr Aussehen unterscheiden sie sich von anderen Gebäuden wie z.B. einem Wohnhaus, einer Schule oder Sporthalle. Kirchen haben meistens einen Turm, von dem die Glocken läuten und uns die Zeit angeben und so hörbar auf sich aufmerksam zu machen.
Einen Glockenturm haben sonst nur wenige andere Gebäude, vielleicht noch ein Rathaus. Martin Luther sagte bei der Eröffnung einer neu-gebauten evangelischen Kirche im Jahr 1544, dass das Kirchengebäude nicht durch Weihe zu einem besonderen Gebäude wird, das ist nicht notwendig. Besonders wird ein Kirchengebäude dadurch, dass sich die christliche Gemeinde darin zum Gottesdienst versammelt: „Dass nichts anderes darin geschehe, als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang“, so Martin Luther. Das Kirchengebäude wird also besonders, weil Gott hier zu uns spricht und wir ihm antworten können durch unser Gebet oder durch unseren Gesang. Deutlich wird das auch, wenn man in eine Kirche hineingeht und sie von innen betrachtet. Heute, beim Jubiläum, nehmen wir unsere Christuskirche einmal ganz besonders in den Blick. Da gibt es eine große Kanzel. Von hier aus wird das Wort Gottes verkündigt und ausgelegt. Von hier aus redet also Gott mit uns. Dann gibt es den Altar, mit dem Kruzifix. Christus erhebt segnend seine Hände über uns. Vor dem Altar steht der Pfarrer/die Pfarrerin, um zu beten im Namen der Gemeinde oder mit der Gemeinde- das Vaterunsergebet zum Beispiel. Hier reden also wir mit Gott. Außerdem feiern wir am Altar oder vom Altar aus auch das Heilige Abendmahl. Beim Abend -mahl haben wir miteinander Gemeinschaft, mit Gott, und wir bekommen jetzt schon Anteil an Gottes ewiger Herrlichkeit und Güte. Deshalb sind Kirchen auch ein Abbild des Himmlischen auf Erden.
Im Altarraum steht auch unser schönes Taufbecken. Auf dem Deckel sind drei Bilder zu erkennen: Die Arche Noah, die Taufe Jesu, die Ausgießung des Heiligen Geistes. Durch die Taufe werden Kinder, Jugendliche oder Erwachse ne in die Gemeinde aufgenommen. Das ist für uns immer ein besonderes Ereignis. Gerade in einer Zeit, wo Kirche und Glaube eine immer geringer werdende Rolle spielen im Leben der Menschen, ist eine Taufe ein hoffnungsvolles Zeichen. Unser gesamter Altarbereich mit allem, was hier zu sehen ist, stammt übrigens aus der Hand eines einzigen Künstlers: Emil Homolka aus Königstein. Verwendet wurde bei der Umsetzung seiner Pläne Bühlertäler Granit und Bronze. Auch die Entwürfe für die Paramente hat er gefertigt. Das Bild hier vorne ist viel später erst dazugekommen und wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Es stammt von einer Künstlerin aus der Region und bezieht sich auf das Vaterunsergebet, passt also sehr gut hier hinein. In unsere Kirche gehört auch eine Orgel. Sie begleitet die Gemeinde beim Singen und Singen ist auch eine Art von Gebet oder eine Art „Reden mit Gott“.

Das ist das eine, was Kirchengebäuden zu besonderen Gotteshäusern macht: Das Aussehen innen und außen und das, was darin geschieht.

Darüber hinaus hat jeder ganz persönliche Erinnerungen an unsere Christuskirche, die prägend waren und die dieses Gotteshaus zu seiner oder ihrer Kirche gemacht hat. Wenn ich mit Menschen aus unserer Gemeinde spreche, dann erzählen sie mir oft davon, was sie besonders mit diesem Ort verbinden. Und sicher werden wir uns auch heute, im Anschluss an diesen Gottesdienst, beim Empfang, darüber austauschen.

Unsere Christuskirche ist deshalb ein Gotteshaus, weil sich Menschen hier im Namen Gottes zum Gottesdienst versammeln. Im Matthäusevangelium sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Dieses Wort ist besonders in den letzten Coronamonaten tröstlich gewesen, wenn sich nur wenige zum Gottesdienst hier eingefunden haben. Wo zwei oder drei…, das reicht schon aus. Umso schöner aber, wenn noch viel mehr Menschen in unserer Christuskirche zusammenkommen.

Gott wohnt aber nicht nur in so einer Kirche, er wohnt auch sonst überall, wo Menschen in seinem Namen zusammenkommen. Also wohnt er auch im Altenheim, in der Schule, im Kindergarten, in jedem Haus, in jedem Raum, wenn Menschen zusammen Gottesdienst feiern, gemeinsam Gottes Wort hören, gemeinsam singen und beten. So kann jedes Haus zum Haus Gottes werden, und Gott ist dann in Jesus Christus mitten unter uns. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 182, 1.2.5 Halleluja

Fürbitten:
In deinem Haus bin ich gern, Vater, wo du mein Denken füllst; da kann ich dich hören, Vater, sehn, was du willst. In deinem Haus will ich bleiben, Vater, du weist mich nicht hinaus, und nichts soll mich vertreiben, Vater, aus deinem Haus.
Amen.

(nach einem Liedtext von Manfred Siebald)

Wir beten das Vaterunsergebet: Vater unser im Himmel,…

Segen:
Der Segen Gottes komme über dich und bleibe bei dir von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Lied EG 610, 1-3 „Herr, wir bitten, komm und segne uns“

 

Gottesdienst am Sonntag, den 24. Oktober 2021 - 21. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 24. Oktober 2021; es ist der 21. Sonntag nach Trinitatis.
Die Worte des Bibelspruchs, der uns in die neue Woche begleiten soll, erinnern uns, verantwortlich mit unserer Welt und unseren Mitgeschöpfen umzugehen:
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
(Römerbrief, Kapitel 12, Vers 21)
In diesem Sinne eine gesegnete neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 432, 1-3 „Gott gab uns Atem, damit wir leben“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Psalm 19b, 8.9:
„Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und erquickt die Seele. Das Zeugnis des Herrn ist gewiss und macht die Unverständigen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz. Die Gebote des Herrn sind lauter und erleuchten die Augen. Amen“

Gebet:
Himmlischer Vater,
wir reden und hören uns manchmal selbst kaum zu.
Wir spüren, was wir gesagt haben, verletzt andere Menschen, bringt Unfrieden. Es ist so schwer, Frieden zu bringen, wo Streit herrscht.
Hilf, dass du das letzte Wort behältst.
Stärke uns, wenn wir nun auf deine Worte hören.
Amen.

Die Lesung und zugleich der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Matthäus-Evangelium,
Kapitel 10, Verse 34 bis 39:
„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer sich sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.“
Amen.

Lied EG 378, 1.2.5 „Es mag sein, dass alles fällt“

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Tage sind deutlich kürzer geworden. Abends wird es früh dunkel, und wenn man nicht gerade noch etwas zu arbeiten hat, dann ist es wunderbar entspannend, sich einfach vor den Bildschirm zu setzen und einzuschalten. Besonders beliebt sind bei vielen Menschen Serien, ganz egal, ob im Fernsehen oder bei Netflix. Da weiß man immer schon ein wenig, was, bzw. wer einen da erwartet: die Rollenfiguren sind vertraut, fast wie gute Bekannte oder sogar Familienmitglieder. Man kennt auch schon die Rahmenhandlung, hat schon einiges miterlebt, was da an Themen und Konflikten vorkommen kann. Und es ist sogar möglich, im Internet mehrere Folgen hintereinander zu schauen. Welches ist Ihre Lieblingsserie?

Und dann muss ich Folgendes erleben: schon in der ersten Szene tritt der Hauptdarsteller ganz anders auf. Er ist gar nicht mehr so freundlich oder charmant oder medizinisch kompetent oder witzig, sondern er spricht mit den anderen Darstellerinnen und Darstellern auf einmal fordernd, schroff, hart. Ich erkenne ihn nicht mehr wie- der? Hab ich was verpasst? Bin ich beim letzten Mal eingeschlafen und hab das Ende der Folge verpasst? Bin ich aus Versehen in eine neue Staffel hineingeraten? Bin ich im falschen Film gelandet?
So ähnlich, liebe Gemeinde, ist es vielleicht auch Ihnen ergangen, als Sie den heutigen Predigttext gelesen haben. Aber auch diese Worte Jesu sind ja im Neuen Testament überliefert worden. Die biblischen Texte erschließen sich uns nicht immer sofort, es gibt Brüche. Jesus und die anderen Menschen, von denen die Bibel erzählt, haben ganz unterschiedliche Seiten, manches bleibt unverständlich oder sogar ärgerlich. Im Laufe der Überlieferung ist das auch in den Texten nicht geglättet und weichgespült worden.

Und doch spüre ich, wie ich mich mit den heutigen Worten Jesu schwertue. Er hört sich so kriegerisch, so militärisch an; aber er ist doch der Friedensbringer! Und er hat in der Bergpredigt die seliggepriesen, die Frieden stiften! Nur wenige Kapitel vor unserem heutigen Text steht diese berühmte Rede Jesu. Auf der anderen Seite haben wir selbst schon erlebt oder davon gehört, dass Familien, Freundes- und Bekanntenkreise auseinandergebrochen sind. Auch am Arbeitsplatz, in Vereinen, christlichen Gemeinden, aber auch in Parteien, Gesellschaften, auch zwischen Ländern, wie wir es gerade in der EU erleben, kann es äußerst heftige Auseinandersetzungen geben. Da werden auf einmal Vertrauen und langjährige Verbindungen zerstört. In den letzten Monaten war es oft das Thema Corona, das die Menschen gegen- einander aufgebracht hat. Aber es gibt auch viele andere Themen und Fragen, bei denen Menschen zu Feinden werden können: im großen politisch-gesellschaftlichen Bereich bis hin zu den privaten und persönlichen Themen, die uns beschäftigen. Da werden manchmal Eltern und Kinder, Vereins- oder Hausgenossen einander zu Feinden. So, wie Jesus es beschreibt.

Deshalb lassen seine Sätze mich auch nicht los. So, wie ich mir Gedanken mache um Streit oder Spannungen bei Bekannten, im Freundeskreis oder in der Familie, versuche ich zu verstehen.
Wie kommt es, dass Jesus hier so anders erscheint? Warum redet
er so? Hab ich da was verpasst?

Deshalb blättere ich im Matthäusevangelium erst einmal zurück, so, wie ich auch bei meiner Lieblingsserie in der Mediathek oder im Internet noch einmal zurückgehen kann und nachschauen, was da vorher passiert ist. Ja, im fünften Kapitel bei Matthäus, da steht Jesus auf dem Berg und ruft den Menschen zu: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen!“ Aber gleich die nächsten Sätze lauten: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und Böses gegen euch reden.“ Auch, als er einige Verse weiter zur Feindesliebe aufruft, steht dann da: „ Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“

Von seinen ersten Zuhörerinnen und Zuhörern, damals am Fuß des Berges, ist auch nicht überliefert, dass sie dann frohen Mutes in ihren Alltag zurückgekehrt sind, und alles war für sie klar.

Für die erste Zuhörerschaft waren die Worte der Bergpredigt Jesu, die bei Matthäus in den Kapiteln 5- 7 überliefert sind, keine Frei -zeit- oder Kirchentagserfahrung. Ganz im Gegenteil: am Ende des
7. Kapitels wird beschrieben, dass die Menschen entsetzt waren über die Lehre Jesu. Denn sie war ganz anders, als sie es von den Schrift- gelehrten gewohnt waren. Jesus spricht mit Vollmacht, mit göttlicher Autorität. Sie werden durch seine Worte herausgerissen aus ihren Hör-, Denk- und Glaubensgewohnheiten. Diese Art zu sprechen und auf andere zu wirken, wird sein Markenzeichen, auch bei anderen Begebenheiten, von denen das Matthäusevangelium erzählt.

Es hängt, vermute ich, mit unserem Bild von Jesus zusammen, das uns seit unserer frühen Kindheit vor Augen gestellt wurde: der Liebe und Freundliche, der Versöhner. Aber diese andere Seite und diese anderen, harten Worte gibt es eben auch. Die verdrängen wir lieber! Aus dem Kreis der vielen Menschen, die ihm nachgefolgt sind, hatte Jesus sich gerade 12 Personen ausgesucht, seinen engsten Jüngerkreis, dem er eine besondere Verantwortung und Vollmacht mit auf den Weg gab. Die Jünger sollen wie Jesus selbst das Kommen den Reiches Gottes verkündigen mit dem, was sie sagen und was sie tun.
Er will ihnen klarmachen, dass sie nicht überall mit Zustimmung rechnen können, dass es Widerstände und Auseinandersetzungen geben wird. Die neue Welt Gottes ist nahe, sollen sie den Menschen weitersagen. Für Kompromisse um eines lieben Friedens willen ist da keine Zeit!
Für die Leserinnen und Leser des Matthäusevangeliums war das eine eigene Lebenserfahrung. Als sie sich der neuen Glaubensbewegung anschlossen, wurden sie oft zu Außenseitern in ihrer Familie. Wenn nur sie selbst sich taufen ließen und nicht gleich alle anderen Familienmitglieder dazu, brachten sie Unfrieden. Aber der Zusammenhalt in der Familie war wichtig für die Menschen damals, es gab sonst keine anderen Möglichkeiten der Absicherung und der Fürsorge. Und auch bei uns heute hat die Familie nach wie vor einen ganz hohen Stellenwert. Sich damals in die Nachfolge Jesu zu begeben, war weder familienfreundlich noch friedenbringend. Es konnte sogar bedeuten, das Kreuz auf sich zu nehmen, wie Jesus sagt.

Liebe Geschwister,
nach diesen Verständnishilfen können wir uns den letzten Satz aus dem heutigen Predigttext noch einmal anschauen: „Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren und wer sein Leben verliert um meinet- willen, der wird’s finden.“ Es geht nicht nur um Familienstreitigkeiten um Jesu willen. Am Ende geht es um uns selbst. Um die Frage: Worauf kommt es mir an im Leben? Bin ich für mich selbst mein einziges Lebensziel oder bin ich bereit, mich an Jesus zu orientieren, auch, wenn ich mich mit manchen seiner Worte schwertue?
So geht es mir am Ende meiner Beschäftigung mit dem Predigttext für heute wie mit einem Film, bei dem ich eigentlich erst umschalten wollte, ihn aber doch zu Ende geschaut habe. Er regt mich an zum Nachdenken über etwas, womit ich mich sonst wahrscheinlich nicht auseinandergesetzt hätte. Ich bleibe irgendwie dankbar zurück.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.

Lied EG 433 „Wir bringen Frieden für alle“

Fürbitten:
Herr, unser Vater,
wir bitten dich für die Menschen, die sich gerade in einer Sinnkrise befinden, die ihr Lebensziel aus den Augen verloren haben:
Sei du ihnen ein treuer Begleiter in ihrer schweren Zeit.

Stärkender Gott,
wir bitten dich für die, die vor schweren Entscheidungen stehen:
Stehe du ihnen als Ratgeber zur Seite.

Barmherziger Bruder,
wir bitten dich für Familien, in denen das Gespräch abgebrochen ist, wo es schwerfällt, einander zu akzeptieren:
Zeige du ihnen neue Wege aufeinander zu.

Mächtiger Gott,
wir bitten dich für die Menschen, die in Gesellschaft und Politik Verantwortung tragen und die so mit ihrem Tun und Lassen über Krieg und Frieden entscheiden:
Schenke du Weisheit und Besonnenheit.

Allmächtiger Gott,
wir bitten dich für unsere Geschwister, die gefährdet sind,
weil sie an ihrem Glauben an dich festhalten:
Sei du ihnen Schutz und Schild.

Gnädiger Gott,
wir bitten dich für uns, dass wir spüren, wo wir mit unserem Reden mutiger sein müssen und mit unserem Handeln deutlicher, damit wir glaubwürdig von deiner neuen Welt weitersagen und dafür einstehen.

Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
„Vater unser im Himmel,…“

Segen:
Gott segne dich und behüte dich auf all deinen Wegen.
Amen.

Lied EG 171, 1-3 „Herr, wir bitten, komm und segne uns“

 

Gottesdienst am Sonntag, den 10. Oktober 2021 - 19. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 10. Oktober 2021. Es ist der 19. Sonntag nach Trinitatis.
Dazu grüße ich Sie/euch mit einem Vers aus dem Johannesevangelium Kapitel 15, Vers 5: „Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun."
Amen.

Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht
Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Wir beginnen mit dem Lied „Kommt herbei, singt dem Herrn“ (EG 617, 1-3)

Eingangswort:
Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gebet:
Herr, wir danken dir, dass wir in deinem Namen versammelt sein dürfen.
Wir denken heute besonders an die 10 jungen Menschen,
die in unserer Gemeinde mit dem Kirchlichen Unterricht begonnen haben.
Nun bitten wir dich um dein gutes Wort und deinen reichen Segen,
wenn wir beten, singen und auf dich hören.
Amen.

Die biblische Lesung und zugleich der Predigttext stehen im Johannesevangelium,
Kapitel 15, Verse 1 bis 5:
„Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun."
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied „Ich möcht, dass einer mit mir geht“ (EG 209, 1-4)

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
an einem sonnigen Herbsttag segelte eine junge Spinne durch die milde Luft. Sie landete schließlich in einer Hecke. Zappelnd und tastend ließ sie sich weit hinab und baute sich ein wundervolles Netz, in das sie sich behaglich setzte. Die Zeiten waren gut, es flog ihr viel kleines Getier in die feinen Maschen, und die Spinne wurde davon dick und schwerfällig. Eines Morgens wollte die Spinne ihre Wohnung inspizieren. Sie lief auf den engen Straßen ihrer Netzfäden herum wie eine Seiltänzerin und guckte überallhin, um festzustellen, ob alles in Ordnung sei. Da entdeckte sie einen Faden, der gerade in die Höhe lief und bei dem sie nicht erkennen konnte, wo er eigentlich endete. Sie starrte in die Höhe, aber sie entdeckte kein Ende. Sie schüttelte darüber den Kopf und fand diesen Faden einfach sinnlos. Verärgert biss sie ihn durch- und im nächsten Augenblick klappte das Netz wie ein feuchter Lappen über ihr zusammen und tötete sie. Der Faden, den sie durchgebissen hatte, war der Faden von oben gewesen, an dem sie seinerzeit angesegelt kam.

Heute und am vergangenen Sonntag wurde die neue Konfirmanden- gruppe vorgestellt: 10 Mädchen und Jungen, die in unserer Gemeinde mit dem Konfirmandenunterricht begonnen haben. Mit ihren 13 oder 14 Jahren sind sie keine Kinder mehr, sondern junge Leute auf dem Weg zum Erwachsensein. Sie sind- bildlich gesprochen- wie die Spin- ne dabei, ihr eigenes Netz zu knüpfen und sich einzurichten in ihrer Welt. Sie entscheiden, welchen Schulabschluss sie anstreben, welchen Beruf sie einmal ergreifen wollen. Sie bilden sich über viele Fragen eine eigene Meinung und vertreten sie auch gegenüber den Erwachsenen. Sie vertrauen nicht mehr blindlings jedem Menschen wie Kinder, sondern werden wählerischer und anspruchsvoller in ihren Freundschaften. All das: Schullaufbahn, Berufswahl, Freundschaften und Beziehungen, Interessen und Standpunkte sind die Fäden, aus denen das Netz ihres Lebens geknüpft ist. Wir hoffen für sie, dass es ein gutes Netz wird, ein Stück Heimat, das sie trägt und in dem sie sich geborgen fühlen.

Die Spinne in der kleinen Geschichte fühlt sich jedenfalls sehr wohl in ihrem Netz und damit das so bleibt, macht sie sich eines Tages auf und untersucht ihr Zuhause sehr gründlich. Sie betrachtet ihre Lebensgrundlage in allen Einzelheiten und schaut nach, ob alles in Ordnung ist, ob das Fundament Bestand hat oder ob sie künftig etwas ändern muss. Das ist ein sehr guter Einfall der Spinne, und wir Menschen tun gut daran, es auch so zu machen.

Es ist lebenswichtig, dass wir uns von Zeit zu Zeit hinsetzen und Bilanz ziehen; uns Rechenschaft ablegen über unser Leben. Was ist mir gelungen? Was habe ich versäumt? Was möchte ich gerne anders machen? Das sind Fragen, die zu stellen und zu beantworten sich lohnt. Und die meisten von uns haben auch solche Haltepunkte in ihrem Leben, wo Bilanz gezogen wird. Für die einen ist das der Jahreswechsel oder der Geburtstag, von dem aus man mit guten Vorsätzen ins neue Jahr geht. Für andere ist es der Sonntagsgottesdienst, in dem man zur Besinnung kommt über die vergangene Woche und Kraft schöpft für die kommende Zeit. Für wieder andere sind es Lebenseinschnitte wie die Geburt der Kinder, die Einschulung oder ein besonderes Jubiläum, eine überstandene schwere Erkrankung oder der Eintritt in den Ruhestand, wo man über sein Leben nachdenkt.

Bei ihrer Lebensbilanz macht die Spinne in unserer Geschichte allerdings eine merkwürdige Entdeckung. Da ist ein Faden, der über ihr Netz hinausgeht, sie kann gar nicht erkennen, wo er eigentlich hinführt. Er scheint überhaupt nicht zu ihrem Netz dazuzugehören, ein überflüssiges und störendes Anhängsel. Kurz entschlossen beißt sie den Faden durch- und im nächsten Augenblick klappt das Netz über ihr zusammen! Denn der scheinbar sinnlose Faden war in Wirklichkeit der Faden, in dem das ganze Netz seinen Ursprung und seinen Halt hatte.

Der Spinne ist also bei ihrer Lebensbilanz ein folgenschwerer Irrtum unterlaufen: was sie für unnützen Ballast hielt, war in Wirklichkeit das Fundament ihres Lebens. Wie konnte das passieren? Ich denke, sie hat etwas sehr Wichtiges vergessen, als sie ihre kleine Welt überprüfte. Sie hat vergessen zu fragen: woher komme ich eigentlich? Wem verdanke ich mein Dasein? Wer oder was hält die Linien meines Lebens zusammen? Denn, wenn sie so gefragt hätte, hätte sie ganz von selbst erkannt, dass die scheinbar überflüssige Verbindung nach oben in Wirklichkeit der Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens ist. So aber zerstört sie sich ihre Lebensgrundlage.

Ein trauriges Ende für eine Geschichte, denken Sie jetzt vielleicht. Ich meine dagegen: wir können uns freuen, denn wo diese Geschichte aufhört, fängt unser Leben erst an. Wir können es nämlich besser machen als die Spinne. Wir können fragen: woher kommt mein Leben und wer hält es? Zu allen Zeiten haben Menschen so gefragt, und jede Zeit, jede Religion, jede Weltanschauung hat versucht, darauf zu antworten. Als Christen sagen wir: Gottes Liebe ist der Faden von oben, der unser Lebensnetz hält. Gottes Liebe ist es, der wir unser Leben verdanken und die unser Leben trägt bis auf den heutigen Tag. In Jesus Christus hat er uns einen guten Begleiter an die Seite gestellt; so, wie wir es gerade gesungen haben:“ Ich möcht, dass einer mit mir geht, der´s Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten.“ Mit ihm und untereinander sind wir zu einer engen Gemeinschaft verbunden. Jesus hat diese Verbindung einmal mit folgenden Worten ausgedrückt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Ohne den Geist Jesu würden wir vertrocknen wie Trauben, die vom Weinstock abgerissen sind. Ohne Gottes Liebe fiele das Netz unseres Lebens zusammen wie ein nasser Lappen. Deshalb: Lasst uns diese Liebe nie vergessen! Wir dürfen auf sie vertrauen. Sie ist der Lebensfaden, der uns hält. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ (EG 648, 1-3)

Fürbitten:
Herr, heute beten wir für unsere Gemeinde, dass junge und alte Menschen einen Platz in ihr haben, dass wir aufeinander hören und miteinander reden und für die da sind, die uns brauchen.

Wie wird es weitergehen mit unserer Welt? Mit den Gesunden und den Kranken, mit dem Frieden unter Menschen und Völkern, mit deiner evangelischen Kirchengemeinde bei uns und deinen christlichen Kirchen weltweit?

Herr, höre unsere Fragen und Sorgen!
Wir vergessen dich oft, aber du bleibst uns nahe.
Gut zu wissen, dass du immer zu uns hältst.
Lass uns Vertrauen haben zu dir.

Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater unser im Himmel,…

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

 

Gottesdienst am Sonntag, den 03. Oktober 2021 - Erntedank

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den kommenden Sonntag, den 3. Oktober 2021. Wir feiern das Erntedankfest, wir danken Gott, dass wir alles haben, was wir zum Leben brauchen. Und das ist ja noch viel mehr als Essen und Trinken! Das Erntedankfest erinnert uns zugleich daran, mit denen zu teilen, denen es nicht so gut geht wie uns. Deshalb: lasst uns dankbar sein und großzügig teilen, „denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ (2. Kor 9, 7).

Ein gesegnetes Erntedankfest und eine gute neue Woche wünscht
Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das Lied „Morgenlicht leuchtet“ (EG 455, 1-3).

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Als Eingangspsalm sprechen wir Worte aus Psalm 145:
Aller Augen warten auf dich, Herr,
und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf und sättigst alles,
was lebt, nach deinem Wohlgefallen.
Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen.
Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren
und hört ihr Schreien und hilft ihnen.
Amen.

Gebet:
Himmlischer Gott,
du hast die ganze Welt geschaffen,
Himmel und Erde, Wasser und Land.
Du machst die Erde fruchtbar,
lässt sie erblühen und Frucht bringen zur Zeit der Ernte.
Öffne unsere Herzen, dass wir die Erde als deine Gabe erkennen,
die du uns anvertraut hast, damit wir sie bewahren.
Lass uns teilen, was die Erde hervorbringt,
damit alle Welt daran teilhat.
Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft in Ewigkeit.
Amen.

Als Lesungs- und zugleich als Predigttext haben wir heute einen Abschnitt aus dem 2. Korintherbrief des Apostels Paulus, Kapitel 9, Verse 6- 15:
„Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er`s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht (Psalm 112,9): „Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.“ Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!“
Amen.

Lied „Wir pflügen und wir streuen“ (EG 508,1.2)

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Geschwister,
zuerst möchte ich heute am Erntedankfest einmal Danke! sagen. Danke, Herr, dass wir alles haben, was wir zum Leben brauchen und noch mehr, als wir brauchen. Danke auch, dass du uns dieses Leben geschenkt hast, Herr. Danke, dass du uns bisher begleitest und bewahrt hast, auch in den zurückliegenden schweren Zeiten.

Das Danken kann man nicht befehlen. Es stellt sich selbst ein, wenn wir erkennen, dass es auch ganz anders sein könnte, dass nichts selbstverständlich ist. Dankbarkeit kann man nicht anordnen, aber die Haltung, die man dafür braucht, die kann man einüben. Dass man das sehen kann, das kann man einüben.

Ich fange mal bei mir selbst an. Da ist der Traktor vor mir auf der Straße, versuche, ihn zu überholen, weil ich es eilig habe, aber ich komme einfach nicht vorbei, zuviel Gegenverkehr.

Dann ärgere ich mich beim Einkaufen darüber, dass gerade meine Lieblingssorte Äpfel nicht zu bekommen sind. Und die Milch, die ich sonst immer bekomme, war die neulich nicht deutlich preiswerter? Und dann ärgere ich mich noch über die Mitarbeiterin, die mich an der Kasse genervt anschaut, weil ich die Waren nicht schnell genug auf das Laufband lege. Warum lächelt sie nicht freundlich und geduldig, schließlich wird sie dafür doch bezahlt?

Und jetzt setze ich einmal die Dankes-Brille auf und versuche, anders zu sehen:

Danke, du Landwirt vor mir auf der Straße. Du stehst jeden Tag früh auf und gehst spät ins Bett, verbringst deinen ganzen Tag auf dem Acker und auf dem Feld, damit ich Brot zu essen habe. Oder du schuftest im Stall, damit ich Fleisch essen kann, obwohl du immer wieder um deine Existenz bangen musst und nicht weißt, wie lange du deinen Betrieb noch weiterführen kannst.

Danke, Mitarbeiterin im Supermarkt, dass du dort arbeitest, die Regale immer wieder auffüllst mit dem, was ich dort kaufen möchte und wofür du viel zu schlecht bezahlt wirst. Danke, Kassiererin, dass du Stunde um Stunde an der Kasse sitzt, dich mit unfreundlichen Kunden auseinandersetzen musst und dabei in der Corona-Krise besonderer Gefahr ausgesetzt gewesen bist.

Liebe Geschwister, macht mal mit. Schaut einmal das an, was euch stört, was euch ärgert, auf das, worüber ihr euch heute schon geärgert habt oder immer wieder aufregt.

Die Politiker und Politikerinnen, die auf dich den Eindruck machen, dass es ihnen vor allem um Machterwerb und Machterhalt geht und die sich nicht um das kümmern, was die Menschen in ihrem Land bewegt.

Die anderen, die immer alles besser wissen und dir vorschreiben wollen, was du tun sollst.

Die Lehrerinnen und Lehrer, die von dir im neuen Schuljahr volle Leistung verlangen und sich nicht dafür interessieren, wie schlecht du eigentlich durch die Zeit des homeschoolings gekommen bist.

Die Unfreundlichkeit, mit der dir andere begegnen und du weißt nicht, wieso man dich so behandelt.

Die fehlende Wertschätzung für das, was du Tag für Tag in deinem Beruf, in der Familie oder bei deinem ehrenamtlichen Engagement leistest.

Und ganz bestimmt vieles mehr.

Und nun, tu das alles einmal zur Seite, auch wenn dein Ärger und deine Frustration groß sind.

Und schau einmal hier nach vorne zum Altar. Die vielen Gaben, die hier versammelt sind. Ein Ausschnitt von dem, was ist und was auch nicht sein könnte. Symbol für so vieles, für das du danken könntest: Danke. Symbol für ein reiches Leben, das dir geschenkt ist- in, mit und durch alle Arbeit und alle Anstrengung hindurch, die du selbst hineingesteckt hast.

„Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott“, so haben wir es gerade in dem bekannten Erntedanklied „Wir pflügen und wir streuen“ gehört.
Zum Danken, zum Erntedankfest gehört dazu, auch an jede zu denken, die nicht so viel haben wie wir. An jene, für die das tägliche Brot keine Selbstverständlichkeit ist, sondern die morgens mit Sorgen aufstehen und die abends mit Hunger ins Bett gehen. An alle, die nicht wissen, ob sie den Tag überleben werden. Menschen in unserer Nähe oder Menschen, die weit weg von uns leben.

Sie sind Menschen wie wir. Sie brauchen unsere Gedanken, unsere Gebete, sie brauchen unser Mitgefühl. Sie brauchen vor allem: Ihr täglich Brot. Deshalb ist es gut, wenn wir in der nächsten Woche die Erntegaben hier auf dem Altar zur Tafel bringen, wo es an Bedürftige abgegeben werden kann. Deshalb ist auch das Einsammeln der Kollekte in jedem Gottesdienst (zurzeit nur am Ausgang) ein wichtiger Bestandteil, denn dadurch wird unser Glaube praktisch und konkret. Hier wird real, was wir im Glaubensbekenntnis aussprechen: die Gemeinschaft der Heiligen, die wir Christinnen und Christen sind oder besser gesagt: sein sollen. Darum geht es auch dem Apostel Paulus, der den heutigen Bibeltext verfasst hat. Er innert die Menschen in Korinth daran, weil er sie für die Kollekte begeistern möchte, die er an vielen Orten rund ums Mittelmeer für die Christen in Jerusalem einsammeln möchte, die in Not geraten sind.

Christinnen und Christen bilden weltweit eine Gemeinschaft, die solidarisch ist und für die das Miteinander-Teilen und Abgeben elementar ist. Und dabei machen wir oft die erstaunliche Erfahrung, dass das Abgeben uns genauso froh macht oder sogar noch mehr wie das Bekommen. Diese Gemeinschaft, diese gegenseitige Verbundenheit, diese Dankbarkeit, die strahlt aus, in unsere Herzen und in unser Leben, in unsere Kirchen, in unsere Welt.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied „Danke“ (EG 334, 1-4)

Wir beten:

Wir haben viele Gründe, dir zu danken, du großzügiger Gott.
Danke für die Schönheit der Erde und die Weite des Meeres, für Berge und Hügel, Flüsse und Bäche, für die Vielfalt der Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer.

Wir danken dir für Sonne und Regen, für das Wachsen der Saat und das Reifen der Früchte, für die Blumen auf dem Feld und den Schatten der Bäume.
Du beschenkst uns reichlich und füllst unsere Hände mit Gaben, damit wir uns freuen, damit wir in Fülle leben und mit anderen Menschen teilen.

Wir bitten dich, dass du uns die Augen öffnest, damit wir hinter dem Reichtum der Gaben dich erkennen als den Schöpfer und Erhalter allen Lebens.

Wir bitten dich, dass du unsere Herzen öffnest, damit wir die Not sehen, die es in der Welt gibt, damit wir unsere Hände öffnen und von dem abgeben, was du uns schenkst.
Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel,…

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

Lied „Laudate omnes gentes“ (EG 181.6)

 

Gottesdienst am Sonntag, den 26. September 2021 - 17. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!
Herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 26. September 2021. Es ist der Tag der Bundestagswahlen, ein wichtiger Tag für uns alle. Der Bundestagswahlkampf hat in den letzten Monaten das öffentliche Leben, die Berichterstattung in den Medien und manchmal auch unsere privaten Gespräche geprägt. Die meisten von uns sind gespannt, wer am Ende als Sieger, als Siegerin daraus her- vorgehen wird. Da tut es gut, wenn wir uns durch den Wochenspruch für die neue Woche daran erinnern lassen, dass der wichtigste Sieg durch Jesus Christus ja schon längst errungen ist. „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (1. Johannesbrief, Kapitel 5, Vers 4). Was für ein Glück!
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das Lied „Kommt herbei, singt dem Herrn“ (EG 617, 1-3).

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Wir lesen als Eingangspsalm Worte aus Psalm 73 (Verse 23- 28) in der ökumenischen Einheitsübersetzung:
„Ich aber bleibe immer bei dir, du hältst mich an meiner Rechten. Du leitest mich nach deinem Ratschluss und nimmst mich am Ende auf in Herrlichkeit. Was habe ich im Himmel außer dir! Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde. Auch wenn mein Leib und meine Seele verschmachten, Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig. Ja, wer dir fern ist, geht zugrunde; du vernichtest alle, die dich treulos verlassen. Ich aber- Gott nahe zu sein ist mein Glück. Ich setze auf Gott, den Herrn, mein Vertrauen. Ich will all deine Taten verkünden."
Amen.

Gebet:
Himmlischer Vater, du bist in Jesus Christus unser Bruder geworden.
Mache unseren Glauben stark.
Lass uns mutig und begeistert auch anderen Menschen davon erzählen, was wir glauben und hoffen.
Damit wir erkennbar werden als deine Kinder, Geschwister Christi.
Das bitten wir im Heiligen Geist.
Amen.

Die biblische Lesung für den heutigen Sonntag steht im 10. Kapitel des Römerbriefes, Verse 9-15a.17: „Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. Denn die Schrift spricht (Jesaja 28, 16):“Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn „wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden“ (Joel 3, 5). Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi."
Amen.

Lied „Such, wer da will“ EG 346, 1-3

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
sind Sie glücklich? Wenn ja- warum? Oder warum nicht? Was fehlt Ihnen zum Glück? Was ist eigentlich Glück für Sie? Gesundheit? Das wird für viele jetzt im Vordergrund stehen. Erfolg? Die Personen und Parteien, die bei der heutigen Bundestagswahl kandidieren, würden bestimmt den Wahlsieg, den Erfolg nennen. Geld? Gute Beziehungen? Oder einfach einmal Ruhe zu haben? Was bedeutet für Sie Glück?
Glück ist in den letzten Jahren- vor Corona- bei uns ein Modethema geworden. Und selbst jetzt kommt es vor. Da haben wir es als Glück bezeichnet, wenn wir einen Impftermin ergattern konnten. Oder wenn der Coronatest negativ ausfiel. Oder dass wir uns doch wieder mit anderen Menschen treffen durften, sogar feiern. Dass die Schulen wieder zum Regelbetrieb übergehen konnten. So ein Glück! Früher hießen die Leitwörter anders: Pflicht, Ehre, Zucht, Leistung. Aber nach und nach hat sich „Glück“ in den Vordergrund geschoben.
Das Glück hat offenbar schon die Menschen der Bibel vor 2000 bis 3000 Jahren bewegt. So auch den Beter von Psalm 73, den wir als Eingangspsalm gelesen haben. „Gott nahe zu sein ist mein Glück“, formuliert er.

3 Beobachtungen über das Glück sind mir im Hinblick auf Psalm 73 wichtig geworden.

1.Glück ist kein Zustand, sondern eine Beziehung.
Der Psalmbeter stellt nicht fest, dass er das Glück hat und dass nun alles gut ist. Glück habe ich niemals in der Tasche. Glück ist kein Zustand.
Glück ist ein Beziehungswort. Gott nahe zu sein ist mein Glück. Es ist wie bei zwei Menschen, die sich lieben. Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob der geliebte Mensch irgendwo weit weg und unerreichbar ist, oder ob er im Nebenzimmer sitzt und ein Buch liest. Auch, wenn ich im Augenblick gar nicht mit ihm kommuniziere- er ist doch ganz nahe und schon das ist Glück. Genauso ist es mit Gott. Ihn in der Nähe zu wissen, ist wirkliches Glück. Das ganze Leben erhält dadurch eine andere Färbung. Gott nahe zu sein ist mein Glück. Und das Beste ist daran, dass dieses Glück nicht einmal von meiner augenblicklichen Entfernung zu Gott abhängt. Der Kern unseres christlichen Glaubens ist ja, dass Gott sich zu uns auf den Weg gemacht hat. Er ist Mensch geworden, er kam in unsere Dunkelheiten. Er hat die Distanz überwunden und ist uns nahegekommen. Das Glück der Nähe Gottes ist also nicht davon abhängig, wie stark mein Glaube gerade ist.
Unser heutiger Lesungstext aus dem Römerbrief, Kapitel 10, verwendet statt des Wortes Glück die Wörter Heil und Rettung.
Der Apostel Paulus weist im Römerbrief darauf hin: wir sind schon gerettet, das Heil ist ja schon in der Welt. Was für ein Geschenk von Gott. Sogar, wenn Zweifel und Fragen da sind, ist Gott mir nahe. Sogar, wenn ich mich von ihm entferne. Ja, das ist Glück. Ein Glück, das ewig gilt. Denn die Nähe Gottes greift über die Spanne unseres Lebens hinaus. Sie gilt uns im Leben und im Sterben.

2. Dieses Glück der Nähe Gottes ist nicht zu verwechseln mit einem bequemen und leichten Leben. In dieser Beziehung gibt es keine Glücksgarantie, in keiner Beziehung gibt es das. Der Beter von Psalm 73, ein Mensch, den wir als fromm bezeichnen würden, der erlebt viel Dunkelheit, Anfechtung, Ärger. Es geht ihm- von außen betrachtet- nicht gut. Auch fromme Menschen haben schwierige Lebensumstände, auch sie erleiden Schicksalsschläge. Auch ihr Leben wird immer wieder durchgerüttelt. Glück ist nicht gleich Sorgenfreiheit, heile Welt, Wohlstand, Gesundheit. Glück ist, wenn ich auch dann noch voller Zuversicht bin, wenn mein Leben schwer wird.

3. Für den Beter von Psalm 73 gibt es eine entscheidende Schalt- stelle. Zunächst ist er tief gekränkt und verbittert, weil für ihn alles verkehrt läuft. Die Wende tritt ein, als er nachdenkt und das, was er erlebt hat, genau reflektiert. “Dann sann ich nach, um das zu begreifen“, steht in seinem Text einige Zeilen vor unserem Abschnitt. Und durch dieses Nachdenken wird der Schalter umgelegt. Ganz am Ende dieses Nachdenkens stehen bewegende Worte: Und ich lese sie jetzt noch einmal – diesmal in der vertrauteren Übersetzung von Martin Luther: “Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende in Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost
und mein Teil…Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn…“

Liebe Geschwister!
Gott nahe zu sein ist mein Glück. Zu dieser wunderbaren Einsicht kommt der Beter, indem er nachdenkt und hinter die Fassaden dessen schaut, was sich als erster Eindruck aufdrängt. Diese Arbeit steht allen bevor, die dem Glück auf der Spur sind. Es fällt nicht vom Himmel, es ist schon da. Aber wir müssen es entdecken. Das ist
manchmal schwere Arbeit, weil wir von Natur aus dazu neigen, eher das Negative in unserem Leben zu sehen. Wir suchen Argumente, die belegen, dass wir eigentlich unglücklich sein müssten. Die Kunst des Glücks besteht nun darin, diesen Mechanismus zu unterbrechen. Insofern ist jeder seines Glückes Schmied. Denn ich entscheide, wie ich mein Leben und Erleben deute und bewerte. Ob ich mich von trüben Gedanken nach unten ziehen lasse oder ob ich das sehen will, was in meinem Leben schön ist und was gelingt. Jemand erzählte mir, dass er sich immer dann, wenn dunkle Gedanken nach ihm greifen, hinsetzt und aufschreibt, was in seinem Leben alles auf der Haben-Seite steht. Und diese Liste füllt sich schnell, und sie wirkt wie eine Programmierung. Ich bin nicht mehr fixiert auf das, was mich nach unten zieht, sondern ich richte mich auf an dem, was gut ist. Nicht die Defizite bestimmen meine Gedankengänge, sondern die Ressourcen, die Schätze, das Erhebende.

Und ganz oben auf die Glücksliste gehört, dass ich wissen darf, dass Gott mir nahe ist- in der Freude und im Leid.

-an geruhsamen Tagen und genauso, wenn Stress und Hektik mich auffressen.

-wenn ich vor Kraft Bäume ausreißen könnte und auch, wenn ich kleinlaut am Boden liege.

-wenn ich gesund und munter bin, und genauso, wenn ich Krankheit und Leid ertragen muss.

Gott nahe zu sein ist mein Glück.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied „Vertraut den neuen Wegen“ (EG 395, 1-3)

Fürbitten:
Herr, dir nahe zu sein ist unser Glück.
Wir bitten dich für unsere Kirchen und die Gemeinden:
Mach sie sprachfähig und wortgewandt, wenn es darum geht, deine gute Botschaft weiterzusagen.

Wir bitten dich für alle, die öffentlich reden in den Medien und den Parlamenten:
Lass sie ehrliche und einfühlsame Worte finden und lass sie auch tun, was sie sagen.

Wir bitten dich für die Menschen, die in der Seelsorge tätig sind: Gib ihnen Worte, die trösten und Glauben wecken und einen Weg weisen durch das Leben und durch den Tod.

Wir bitten dich für die Lehrerinnen und Lehrer:
Stärke sie, dass ihre Worte die Kinder und Jugendlichen erreichen, die ihnen anvertraut sind, und die sie klug und selbstbewusst machen.

Wir bitten dich für uns selbst und unsere Nächsten:
Nimm dich unserer Sorgen, Zweifel und Hoffnungen an und mach uns gewiss, dass du uns nicht verlässt.
Denn dir nahe zu sein ist unser Glück.
Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel,…

Segen:
Gott segne dich und behüte dich auf all deinen Wegen.
Amen.

Lied „Erd und Himmel sollen singen“ (EG 499, 1-3)

 

Gottesdienst am Sonntag, den 19. September 2021 - 16. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 19. September Es ist der 16. Sonntag nach Trinitatis. Der Wochenspruch aus dem 2. Timotheusbrief, Kapitel 1, Vers 10b wird uns in die neue Woche begleiten: „Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium."
Amen.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 440, 1-4 „All Morgen ist ganz frisch und neu“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:

Herr, da sind wir!
Du kennst uns besser als wir uns selbst kennen.
Du weißt, was uns freut und was uns Angst macht.
Du weißt, welche Wünsche, Sehnsüchte und Sorgen wir haben.
Bei dir ist alles gut aufgehoben.
Wir bitten: lass uns spüren, dass du jetzt nah bei uns bist.
Erbarm dich über uns.
Amen.

Als Lesung und als Predigttext hören wir einen Abschnitt aus den Klageliedern des Jeremia,
Kapitel 3, Verse 22-26. 31- 32:
„Die Güte des Herrn ist`s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harrt und dem Menschen, der nach ihm fragt. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen. Denn der Herr verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte."
Amen.

Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 434 „Shalom Chaverim“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!
Amen.

Liebe Geschwister,
„ich darf nicht klagen“ oder „ich kann nicht klagen“, so antworten manche Menschen, wenn man sie fragt, wie es ihnen geht. Auf Trauerkarten und in Todesanzeigen fällt mir immer wieder auf, dass von „stiller Trauer“ die Rede ist. Und wenn man an einer Trauerfeier teilnimmt, ist man ja auch fast etwas erleichtert, wenn die Angehörigen sich zusammenreißen, eben nicht laut weinen, schreien oder anders ihren Gefühlen freien Lauf lassen. In anderen Kulturen, z.B. in mehr südlich oder östlich geprägten Ländern, gehen die Menschen mit der Klage anders um, sie hat ihre Berechtigung und ihren Platz. Auch in der Zeit der Bibel waren Klagen laut und gehörten dazu. Wir alle erleben Schmerz in unserem Leben. Und doch fällt es uns schwer, darüber zu sprechen. Wir erlauben uns nicht, ihm eine Stimme zu geben. Es kommt sogar vor, dass Menschen ihren Schmerz und ihre Trauer vollkommen verdrängen, bis es ihnen ganz aus dem Gedächtnis verschwunden ist. Manchmal kommt alles viel später in ihrem Leben wieder hoch, Erfahrungen aus der Kindheit etwa, die ihnen als Erwachsene oder im Alter erst wieder bewusstwerden und ihnen zu schaffen machen. Manchmal werden sie darüber krank, weil sie schlimme Lebenssituationen nicht bewältigen konnten, sondern sie übergangen haben. Uns fällt es wahrscheinlich überhaupt schwer, unsere Gefühle auszudrücken, ganz besonders die negativen. Klagen kennen wir bei uns nur als juristischen Begriff, nicht als Ausdruckmöglichkeit. Dabei tut es so gut, wenn wir uns einmal alles von der Seele weinen, schreien, klagen können, was uns belastet. Wie ein noch kleines Kind, das sich nicht verstellt, sondern direkt ausdrückt, was es gerade empfindet. Das haben wir verlernt. Stattdessen haben wir Sätze wie: „Ein Junge weint nicht!“ „Jetzt reiß dich mal zusammen!“ „Muss denn jeder mitkriegen, was in dir vorgeht?“, verinnerlicht und orientieren uns daran. Die Klagelieder des Jeremia und die Klagepsalmen des AT, die geben dem menschlichen Schmerz eine Stimme. Und das tut gut.

Ohne Klagelieder wären auch unsere Liebeslieder ganz oberflächlich. Schmerz und Trauer sind tiefempfundene und wichtige Gefühle, sie können uns ganz genau so ergreifen wie die Liebe. Es kommt aber auch vor, dass jemand nur so tut als ob, vorspielt, als wäre er von etwas tief betroffen. Unsere Gesellschaft erwartet angemessene Verhaltensweisen und dazu gehört auch, in bestimmten Situationen bestimmte Gefühle zu zeigen. Als vor wenigen Wochen sich die Hochwasserkatastrophe an der Ahr und der Erft ereignete, eilten sofort die Politiker und Politikerinnen hin und zeigten demonstrativ Betroffenheit und Anteilnahme. Es gab entsprechende Reden, Besuche bei Menschen, die besonders zu leiden hatten unter dem, was geschehen war. Die ihre ganze Existenz verloren hatten und am schlimmsten: geliebte Menschen verloren hatten. Natürlich lief die Kamera immer mit, wurden die Bilder, Aufnahmen und Reden öffentlichkeitswirksam gezeigt. Ob das immer echte Gefühle sind, das kann man bezweifeln. Besonders in Wahlkampfzeiten.

Aber das betrifft auch nicht nur die Menschen, die in der Politik tätig sind. Ich denke, wir alle lernen im Laufe unseres Erwachsen -werdens, dass es bestimmte Erwartungen gibt, die man an uns richtet und die wir erfüllen sollen. Z.B., dass man sich für ein Geschenk freudig bedankt, auch wenn es einem gar nicht gefällt, etwas aufzuessen, auch wenn es einem nicht wirklich schmeckt, Anteilnahme zu zeigen, auch wenn man gar nicht wirklich mit anderen mittrauert, mitleidet. Da mag es vorkommen, dass wir uns angewöhnt haben, Gefühle zu zeigen, die gar nicht aus der Tiefe unseres Herzens stammen. Wir erlernen sie nur, um den Erwartungen zu entsprechen.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, dieses Gebot nennt Jesus das höchste und wichtigste. Sich für den Mitmenschen einzusetzen, das ist für uns als Christinnen und Christen selbstverständlich. Nur die andere Hälfte des Wortes Jesu, auch uns selbst zu lieben, das müssen wir noch üben. Wir achten gar nicht darauf, dass es auch uns gut gehen soll. Bedürfnisse werden verdrängt, Empfindungen nicht mehr richtig wahrgenommen. Es dringt nichts mehr wirklich zu uns durch, auch nicht die echten, wahren Gefühle. Weder Schmerz noch Trauer noch Liebe. Ja, auch die Liebe kann zu einer angelernten Pose werden, die nicht im eigenen Herzen ihren Ursprung hat.

Liebe Geschwister,
Klagelieder bringen uns in Berührung mit uns selbst und mit Gott. So hören wir von Menschen, die aus einer schweren Krise ihres Lebens gestärkt hervorgegangen sind. Es gelingt ihnen, ihr Leben bewusster und intensiver wahrzunehmen als vorher. Sie suchen nicht nach einem Schuldigen für das, was sie durchmachen mussten; Gott oder das Schicksal oder irgendein anderer Mensch. Sie können das, was sie durchmachen mussten beklagen, sie trauern darüber, aber sie finden auch in einer neuen Weise zu sich selbst und zu Gott. So wird aus dem Klagelied ein Klagepsalm und daraus vielleicht sogar ein Loblied.

So höre ich nun auch der Text aus den Klageliedern Jeremias. Fast heiter klingen nun die Worte in unseren Ohren: „Die Güte des Herrn ists, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle morgen neu, und deine Treue ist groß."

Der Verfasser dieses Liedes muss ein Mensch gewesen sein, der den Kontakt zu sich selbst nicht verloren hatte, der Schmerz wahrnehmen konnte und auch darüber trauern. Der den Kontakt zu Gott nicht verloren hatte; so konnte er seinen Schmerz vor Gott tragen in seinen Gebeten. Der seine Hoffnung nicht verloren hatte. Aus seinen Gebeten und der Nähe zu Gott konnte er Kraft schöpfen für jeden neuen Tag. Er hat den Kontakt zu seinen Mitmenschen nicht verloren hatte, denn sonst wüssten wir nichts von diesem Lied. Er hat es nicht für sich behalten.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 613, 1-4 „Freunde, dass der Mandelzweig“

Fürbitten:
Herr, wir bitten dich: Schenke uns Vertrauen in deine Verheißungen.
Und einen langen Atem auch dort, wo wir keinen Sinn mehr sehen oder ihn noch nicht erkennen können.
Eines Tages werden die Tränen, das Weinen, der Schmerz vorbei sind.
Himmel und Erde werden ganz frei davon sein, ganz neu.
Deine Güte ist es, dass wir nicht gar aus sind, und deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende,
sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.
Amen.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

Lied EG 347, 1-4 „Ach, bleib mit deiner Gnade“

Gottesdienst am Sonntag, den 12. September 2021 - 15. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für kommenden Sonntag, den 12. September. Nach der Einteilung des Kirchenjahres ist das der 15. Sonntag nach Trinitatis. Wir merken, wie wir - langsam, aber sicher - auf den Herbst zugehen. Auch, wenn es in dieser Woche noch sommerlich warm gewesen ist, werden die Tage deutlich kürzer. Die Natur ist schon in den Spätsommer übergegangen. Wie schnell vergeht doch so ein Jahr! Wie schnell verfliegt die Zeit, auch unsere Menschenzeit. Wie gut, dass Gott alle Zeit in seinen Händen hält.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 454, 1-6 „Auf und macht die Herzen weit“

Eingangswort:
Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Wir beten:
Gott, wir danken dir für die vielen Früchte des Jahres,
die uns ernähren, die uns schmecken, die wir gerne anschauen.
Ganz besonders für die schönen Blumen wollen wir dir einmal danken.
Wie fruchtbar hast du die Erde gemacht und wie gut.
Lass uns dankbar und hoffnungsvoll sein, dass du noch immer so gut für uns sorgst.
Amen.

Die biblische Lesung steht im Matthäus-Evangelium, Kapitel 6, Verse 25 bis 34. Es sind Worte Jesu:
„Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“
Amen.

Wir loben Gott, indem wir unseren christlichen Glauben bekennen:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 503, 1.2. und 8 „Geh aus, mein Herz und suche Freud“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
einen sehr schönen Blumenstrauß haben wir heute wieder auf dem Altar stehen, er leuchtet in wunderbaren, kräftigen Farben. Es ist ein Genuss, ihn anzuschauen. Das ist ja etwas Besonderes in unserer Gemeinde, dass jemand von Ihnen für jeden Sonntag Blumen bereitstellt, aus dem eigenen Garten. Schon seit vielen Jahren sogar. Herzlichen Dank dafür!!!
Wenn ich die Blumen so anschaue und Ihnen geht das sicher ähnlich, dann empfinde ich: So schön ist die Natur, so Herrliches bringt der Sommer hervor, so schön kann das Leben sein. Wenn so ein bunter Strauß bei uns in der Kirche oder auch zuhause auf dem Tisch steht, dann geht es uns gleich viel besser. Mit seinem Strahlen bringt er auch uns ein wenig zum Strahlen, mit seiner Buntheit wird auch unser Leben bunter. Es ist, als erzählte er auf seine Weise von der Schönheit des Lebens, von der Vielfalt der Ereignisse, die das Leben bereichern. Blumen haben ja auch immer wieder unser Leben bereichert. Denken wir einmal zurück: Vielleicht hat schon der Vater zum Glückwunsch für unsere Geburt einen Blumenstrauß ans Bett der Mutter gebracht! Letzten Sonntag hatte die Tauffamilie schöne Sonnenblumen um die Taufschale herumgelegt. Die ältere Generation kennt es, dass man bei Konfirmation oder Kommunion ein kleines Sträußchen auf dem Gesangbuch getragen hat. Und die ganze Kirche war mit Blumen geschmückt, auch an den Bänken. Welche Blumen haben wir für unsere Hochzeit ausgesucht? Was für prächtige Sträuße kommen an runden Geburtstagen oder Jubiläen in unser Haus! Die Blumen haben die Botschaft gebracht, dass wir anderen lieb und wichtig sind und dass sie unsere Arbeit geschätzt haben und uns dankbar sind und dass sie uns Glück wünschen für die Zeit, die kommt. Und jeden Sonn- und Feiertag steht auf dem Altar in der Kirche ein Blumenstrauß, wenn wir Gottesdienst feiern. Ach, sogar bei traurigen Anlässen sind die Blumen für uns wichtig, die Kränze und Gestecke in der Trauerhalle und am Grab. Der Strauß, den wir jemandem bringen, wenn wir einen Kondolenzbesuch machen. Doch Sie wissen auch, was dann kommt: leider hält so ein frischer Strauß nur ein paar Tage. Denn die Blumen wurden ja abgeschnitten aus dem Boden, in dem sie wuchsen, von der Wurzel abgetrennt, aus der sie Kraft geholt haben. Es ist eine Blume, die noch zehrt von der Nahrung, die sie hatte, aber sie wird keine Nahrung mehr aufnehmen können. Ihr Ende ist schon abzusehen.

Noch schneller geht das beim Gras: wenn das Gras am Morgen gemäht wurde, so wird es schon am Mittag welk am Boden liegen, und am Abend kann es schon getrocknet sein - Heu für den Winter. Aber alles Leben ist daraus gewichen. Eigentlich ist das schon bedrückend, wie schnell das gehen kann, dass etwas Lebendiges leblos wird.
Im Psalm 103 wird dieses Bild vom Gras auch auf den Menschen bezogen:
“Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde.“

In dieser Beobachtung steckt der Schrecken, wie vergänglich doch alles ist, auch der Mensch. Sind wir denn nicht gerade so vergänglich wie Gras und Blume? Im Nu gemäht, im Nu verwelkt, im Nu vergangen? Ja, das ist wohl so. Und wer schon einmal dem Tod begegnet ist, einen lieben Menschen verloren hat, der weiß, wie unbegreiflich dieses Verschwinden aus dem Leben ist. Aber das ist nur die eine Seite. Und es ist wichtig, dass wir genauer hinschauen. Sicher, das Gras ist am Morgen frisch und am Abend dürr. Aber es wird im Winter den Tieren als Nahrung dienen und behält darum seinen Wert. Sicher, die Blume ist im Nu verwelkt, und ihre Schönheit ist dahin. Aber hat sie nicht für diese Zeit die Menschen erfreut? Sind wir nicht alle froh, dass wir diesen schönen Blumenstrauß sehen können? Macht er uns nicht das Herz weit? Erkennen wir nicht in ihm die Schönheit von Gottes Welt? Und auch, wenn er in einigen Tagen verwelkt sein sollte: sein Bild werden wir weiterhin in uns tragen. Wir werden uns weiter erinnern und uns freuen, dass wir ihn gesehen haben. Wir werden ihn schweren Herzens in den Kompost geben. Aber wir wissen auch, dass der Same der Blume neue Blumen hervorbringen wird. Und wir werden auch weiter anderen gerne Blumen schenken, weil wir genau wissen, wieviel Freude sie machen.

Und der Mensch? Ist unser Menschenleben sinnlos oder traurig, weil es vergänglich ist? Nein!!!

Vielleicht erkennen wir erst daran, wie kostbar die Zeit ist, die wir miteinander haben. Wir bemerken das Geschenk der Zeit nur darum, weil sie begrenzt ist. So, wie wir die Zeit des Urlaubs an einem schönen Ort genießen, weil wir wissen, dass sie kurz ist. Wenn wir immer dort leben würden, würden wir seine Schönheit kaum noch bemerken. Das Leben ist geschenkte Zeit. Wir können sie nicht festhalten. Das Miteinander ist geschenkte Liebe. Wir können sie nicht einfordern. Ein Mensch ist uns gegeben auf Zeit, wie besitzen ihn nicht. Wir alle kommen aus Gottes Hand und gehen in Gottes Hand. Gott allein ist ewig. Wir sind aufgehoben in ihm. Das Kommen und Gehen des Lebens ist aufgehoben in Gottes Ewigkeit. Das ist nicht traurig; es ist eine große Würde in dem Wissen um die geschenkte Zeit des Lebens. Nehmen wir sie dankbar aus Gottes Hand und geben sie getrost an ihn zurück. Wir sind in ihm. Das ist unser Glück.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied (blaues Gesangbuch) NL 75 Schenk uns Zeit

Gebet:
Gott, wir danken dir für die geschenkte Zeit.
Wir danken dir für das geliehene Leben.
Es ist wunderbar, die Schönheit deiner Schöpfung zu sehen, auch wenn sie vergänglich ist.
Es ist erfüllend, die Liebe untereinander zu erleben, auch, wenn sie ein Ende hat.
Es ist tröstlich, dass gelebtes Leben nicht spurlos verschwindet,
sondern auch weiterwirken kann, anderen zum Nutzen, anderen zur Freude.
Wir danken dir für schöne Erinnerungen an Menschen, Tiere und Pflanzen, die uns lieb waren.
Wir danken dir für Lebendiges, das wir pflegen und lieben dürfen.
Wir nehmen unser Leben dankbar aus deiner Hand.
Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, …

Lied EG 170, 1-3 Komm, Herr, segne uns

Segen:
Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen, Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.
So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Gottesdienst am Sonntag, den 05. September 2021 - 14. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

herzlich willkommen beim Lesegottesdienst für Sonntag, den 5. September 2021.
Im liturgischen Kalender ist es der 14. Sonntag nach Trinitatis.
Als Wochenspruch begleitet uns ein Wort aus Psalm 103, Vers 2, in die neue Woche:
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das Lied „Danke für diesen guten Morgen“
(EG 334, 1.2.5.)

Eingangswort:
Im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Herr, es tut uns so gut, auf dein Wort zu hören,
die Lieder zu singen, die von dir erzählen und dann gestärkt in unseren Alltag zurückzukehren.
Lass uns aus der Kraft der Dankbarkeit verwandelt werden und uns verändern, hin zu dir.
Amen.

Lesung und zugleich Predigttext stehen im 1. Thessalonicherbrief, Kap. 5, Verse 14- 24:
„Wir ermahnen euch aber, liebe Geschwister: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem anderen Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann. Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unter- lass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus in euch. Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun."
Amen.

Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 365, 1.2.4 „Von Gott will ich nicht lassen“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Schwestern und Brüder!
„Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen.“
Dieses schöne Wort stammt von dem Apostel Paulus; wir haben es gerade schon im Zusammenhang mit der Lesung gehört. Eine Aufforderung, die wie ein Motto über dem heutigen Sonntag steht: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen.“
Das lassen wir uns heute von Paulus zurufen und können uns hoffentlich in seinen Worten wiederfinden. Wir sind fröhlich, dass wir hier zum Gottesdienst zusammengekommen sind, trotz steigender Inzidenzzahlen, draußen ein wunderbares, spätsommerliches Wetter. Wir beten in der Gemeinschaft, mit neuer Kraft und vertrauen darauf, dass Gott unser Beten hört. Und wir dürfen dankbar sein, dass Gott unser Leben bis hierher begleitet hat.

Paulus war ursprünglich jüdischen Glaubens. Er stammt aus der Stadt Tarsus in Kleinasien, in der heutigen Türkei. In seinen jungen Jahren war er ein scharfer Gegner des neu entstehenden Christentums, bis er durch ein besonderes Erlebnis, eine Christuserscheinung, zum Apostel der Heiden wurde. Er macht es sich von da an zur Aufgabe, durch die Lande zu reisen und christliche Gemeinden zu gründen. Leidenschaftlich und enthusiastisch spricht er von Jesus Christus; wie kaum ein anderer begeistert er seine Mitmenschen für ein Leben als Christ/Christin.

Der 1. Thessalonicherbrief, aus dem unser Predigttext stammt, ist der älteste erhaltene Brief des Paulus; zugleich ist es der älteste Text im ganzen Neuen Testament. Vermutlich hat Paulus ihn um das Jahr 50 n. Chr. von Korinth aus verfasst. Korinth und Thessaloniki, das heutige Saloniki, sind beides griechische Städte. Wir merken, wie sich hier der Übergang des christlichen Glaubens von Kleinasien nach Europa vollzieht. Ohne diesen Übergang hätte auch uns der christliche Glaube nie erreicht. Ohne den Apostel Paulus gäbe es auch in Deutschland, auch in Baden keine christlichen Gemeinden, würden wir Heute Morgen keinen Gottesdienst feiern. Könnten auch nicht im Herbst das 60jährige Jubiläum unserer Christuskirche begehen. Da wird es in der letzten Oktoberwoche einiges an Feierlichkeiten geben. Dabei fällt mir ein, dass es gar nicht mehr lange bis dahin ist und wir jetzt umgehend an die Vorbereitung gehen werden.

Paulus lobt die Christinnen und Christen in Korinth für ihren vorbildlichen Glauben. Er dankt Gott, dass die gute Nachricht in dieser Stadt so offen aufgenommen wurde. Im 5. und letzten Kapitel des Briefes empfiehlt der Apostel, dass sich die Christen mit dem „Brustpanzer des Glaubens und der Liebe“ und mit dem „Helm der Hoffnung“ ausstatten sollen. Damit sie auf die kommenden Dinge genauso gut vorbereitet sind, wie sie es schon in der Vergangenheit waren. Denn auch in Zukunft sollen sie ihrem Glauben treu bleiben. Der Tag des Herrn kommt bald, schreibt Paulus. Damit haben die Menschen fest gerechnet, dass Jesus Christus noch zu ihren Lebzeiten zurück auf die Erde kommt. Es wird nicht mehr lange dauern, glaubten sie.

Und dann im letzten Teil des 5. Kapitels unser Predigttext, viele gutgemeinte Ermahnungen, als Imperative, also in der Befehlsform, formuliert: weist zurecht, tröstet, tragt, seid geduldig, jagt dem Guten nach, seid fröhlich und so weiter. Genau 14 Aufforderungen, vierzehn gutgemeinte Handlungsideen sollen die Menschen in Thessaloniki stärken und unterstützen. Eigentlich nicht die beliebteste Form, in der wir angesprochen werden möchten. Wir lassen uns nicht gerne etwas befehlen. Gerade in unserer Zeit hören wir so oft Imperative: Haltet Abstand, tragt die Maske, vermeidet große Menschenansammlungen, lasst euch impfen. Wir bekommen mit, wie sich bei vielen Menschen Widerstand regt, sie möchten sich nicht vorschreiben lassen, was sie tun sollen, wollen sich nicht einschränken lassen. Zurzeit wird besonders viel über die Impfgegner berichtet, die sich unter Druck gesetzt fühlen. Manchmal ist man ganz überrascht, wenn man auch aus dem eigenen Bekanntenkreis hört, wer sich aus welchen Gründen nicht impfen lassen möchte. Mit der Theatergruppe meiner früheren Gemeinde bin ich noch über Whatsapp verbunden. Unter den SpielerInnen ist eine junge Frau, die große Angst vor der Corona- Impfung hat. Vor kurzem hat sie einmal einen allergischen Schock erlebt, musste auf die Intensivstation. Sie ist emboliegefährdet. Ein anderer in der Gruppe ist so ein Freigeist, der sich nicht einfach etwas vorschreiben lässt. Er ärgert sich, dass hier Menschen zu etwas gezwungen werden sollen. Dass diejenigen, die uns jetzt zu allem Möglichen drängen, sich an anderer Stelle als inkompetent erwiesen haben. Als Beispiele nennt er das Hochwasser an der Ahr und Afghanistan. Da gehen natürlich die Whatsapp- Kommentare der Theatergruppe hin und her, aber die Bedenken werden ernstgenommen, nicht einfach abgetan. Die Mitglieder der Gruppe versuchen, sich zu helfen, liefern Argumente, suchen nach Lösungen. Das ist wohltuend und ganz im Sinne des 1. Thessalonicherbriefes.

Ehrlich gesagt, lasse ich mir auch nicht so gerne etwas befehlen, aber mit den Imperativen des Apostels Paulus kann ich sehr gut leben:
„Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen.“
Auch die anderen Aufforderungen vor und nach diesem Vers sind hilfreich: Tragt die Schwachen, seid geduldig, jagt dem Guten nach, prüfet alles und das Gute behaltet.

Das ist keine Bevormundung, liebe Schwestern und Brüder.
Paulus will uns die Liebe und Güte Gottes als Fundament für unser Leben so nahe bringen, dass das unseren Alltag prägt. Dafür ist der kurze Imperativ die klarste Form. Sagt als christliche Leute euren Mitmenschen, wie ihr die Dinge seht. Wenn ihr das nicht tut, haltet ihr ihnen etwas Wichtiges vor. Habt Verständnis für die ängstlichen FreundInnen und Bekannten und schenkt ihnen Rückenwind. Tragt die Schwachen in der Gesellschaft, in der Familie, im Kollegenkreis mit. Seid geduldig. Legt die Waffen ab und verletzt euch nicht mit harten Worten. Jagt dem Guten nach, jederzeit und gegen jedermann.
Hier im christlichen Glauben findet ihr eine Lebensperspektive, die trägt, die selbst im finsteren Tal der Krankheit, der Trauer, der Verzweiflung da ist, so, wie wir Menschen das ersehnen. Darum geht es dem Apostel. Um gegenseitigen Beistand, leidenschaftliche Gespräche, aufrichtige Freundesbriefe. Damit die Güte und die Liebe und der Friede Gottes in unserem Leben Gestalt annehmen können.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 182, 1- 4 „Suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt“

Wir beten:

Herr, wir bitten dich:
Komm mit deiner Weite in unsere Enge, komm mit deiner Erlaubnis in unsere Verbote,
komm mit deiner Liebe in unsere Angst, damit wir leben und du in uns.
Komm in unser Leben und halte uns in Bewegung, dass sich uns der Grund der Freude auftut,
dass wir der Liebe Raum schaffen und den Möglichkeiten des Friedens nachgehen.
Komm in unser Leben, dass unser Danken nicht aufhört, nicht unser Glaube und nicht unsere Hoffnung.
Amen.

Und alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten, die Jesus Christus uns selbst gelehrt hat:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied EG 608 „Ubi caritas“

Segen:
Wo die Liebe wohnt und Güte, wo die Liebe wohnt, da ist unser Gott.
Dieser Gott der Liebe und der Güte segne und behüte uns auf all unseren Wegen.
Amen.

Gottesdienst am Sonntag, den 29. August 2021 - 13. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzliche Grüße zum Sonntag, dem 29. August (13. Sonntag nach Trinitatis). In dem vorliegenden Lesegottesdienst geht es um unseren Glauben, der uns manchmal so klein und unscheinbar erscheint und doch eine gewaltige Kraft entfalten kann. Ein sehr schönes passendes Lied ist z.B. das vom „Kleinen Senfkorn Hoffnung“, aber vom Glauben sprechen ja auch all die anderen geistlichen Lieder, die Sie/ihr kennen/kennt. Da darf man heute einmal selbst auswählen und für sich singen.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Im Psalm 18 lesen wir:
Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke!
Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter;
mein Gott, mein Hort, auf den ich traue,
mein Schild und Berg meines Heiles und mein Schutz.
Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Amen.

Wir beten:
Herr, wir bitten dich, stärke unseren Glauben.
Hilf, dass wir die Hoffnung nicht verlieren und für jeden Tag unseres Lebens neue Kraft von dir bekommen.
Amen.

Als Lesung und zugleich als Predigttext lesen wir aus dem Lukas-Evangelium, Kapitel 17, Verse 5 und 6:

Lukas 17, 5-6: „Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn Ihr Glauben hättet, so groß wie ein Senfkorn, dann könntet Ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.“

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Geschwister,
Jesus spricht von einem Maulbeerbaum. Von dem wussten die Israeliten damals, dass er besonders breit und tief wurzelt. Ein Maulbeerbaum, das war Vorschrift, der musste doppelt so weit von der Quelle angepflanzt werden wie alle anderen Bäume. Damit seine Wurzeln sich nicht das Wasser vom Brunnen saugten. Ein Maulbeerbaum stand fest verwurzelt. Den konnte in Israel niemand entwurzeln und einfach so umpflanzen.

„Wenn Ihr Glauben hättet, so groß wie ein Senfkorn, dann könntet Ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer, und er würde euch gehorchen“, sagt Jesus. Was für eine Behauptung! Mit dem Unglaublichsten rechnen, das ist Glauben. Darum geht es Jesus mit diesem Bild vom Maulbeerbaum.

Ich hänge dem Bild noch einen Augenblick nach: Wie viele Dinge halte ich im Leben für fest verwurzelt, wie einen Maulbeerbaum? Da bewegt sich nichts - über Jahre hinweg. Da ist alles eingefahren wie immer, unverrückbar.

Eine Feindschaft zwischen zwei Familien, die die Atmosphäre über Generationen vergiftet und keine Versöhnung möglich macht. Eine Starre in einer Kirchengemeinde, die einen lebendigen Austausch verhindert und zur Spaltung führt. Eine schwierige Situation im Betrieb, die die notwendigen Veränderungen blockiert. Unverrückbar steht sie vor einem wie ein großer Baum, der nicht wankt und weicht. Oder eine hoffnungslose Beziehung? Zwei Menschen haben sich darin verflochten wie in einem tausendfach verästelten Wurzelwerk. Und es hält die zwei fest und lässt sie nicht mehr los. Eine lange Krankheit, die an unserem Körper zehrt und uns langsam aber sicher die Kräfte aussaugt, so wie der Maulbeerbaum das Wasser der Quelle wegsaugt? Wie kann sich da etwas ändern? Das ist doch alles hoffnungslos, denke ich oft.

„Wenn Ihr Glauben hättet, so groß wie ein Senfkorn, dann könntet Ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.“

Jesus gebraucht ein Bild. Er meint: Für den Glaubenden ist das Unmöglichste - möglich!

Unverrückbar wie ein Maulbeerbaum erscheint vieles im Leben. Aber Jesus sagt: Wer glaubt, sieht die Möglichkeit: Alles kann sich ändern. Nichts muss so bleiben, wie es gerade ist oder scheinbar immer war.

Liebe Schwestern und Brüder, jetzt denken Sie vielleicht: „Diesen Glauben hätte ich auch gerne. Aber von dem Glauben, von dem Sie gerade erzählen, bin ich weit entfernt. Mein Glaube ist eigentlich ziemlich klein.“

Jesus spricht von einem Maulbeerbaum. Jesus spricht aber auch von einem Senfkorn. Das war für die Israeliten damals das kleinste Samenkorn, mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Für damalige Verhältnisse gewichtslos, bedeutungslos.

 „Wenn Ihr Glauben hättet, groß wie ein Senfkorn, dann könntet Ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: „Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!“, und er würde euch gehorchen“, sagt Jesus. Er redet im Bild: Auch der kleinste Glaube kann die unglaublichste Wirkung haben. Es ist der kleine Senfkornglaube, der uns die Kraft gibt, Dinge in Angriff zu nehmen und zu tun, die wir vorher nie für möglich gehalten hätten.

Da sitzt mir die ältere Frau beim Beerdigungsgespräch gegenüber und erzählt, wie sie ihren schwerstkranken Mann über viele Monate bis zu seinem Tod zuhause gepflegt hat.“So viele Menschen haben mir abgeraten, haben gesagt: Das schaffst du nicht. Du gehst kaputt dabei. Du musst auch an dich selbst denken. Und ich habs dann probiert. Und es war gut so. Viele haben mitgeholfen, aber trotzdem wusste ich manchmal morgens nicht, wie ich das schaffen sollte. Und dann ging es doch, immer wieder, von einem Tag zum anderen in ganz kleinen Schritten. Und für uns beide, meinen Mann und mich war das noch einmal eine ganz intensive Zeit, vielleicht die wichtigste Zeit in unserer Beziehung.“ Diesen Senfkornglauben, der uns Schritt für Schritt durch unsere Tage trägt, den haben wir nicht einfach so in der Tasche, den gibt es nicht auf Vorschuss, sondern den schenkt uns Gott jeden Tag neu.

Und woher nehme ich diesen Glauben? Wo wachsen die Senfkörner, die ich Tag für Tag brauche? Ich finde sie in der Glaubenserfahrung von Menschen, wie dieser älteren Frau, die ihren Mann liebevoll beim Sterben begleitet hat. Ich finde sie für mich vor allem aber in den Geschichten der Bibel. Ich selbst kann noch nicht über die Mauer in die Freiheit springen, aber im Psalm 18 höre ich: Es hat schon Menschen gegeben, denen das gelungen ist. Ich erfahre von Menschen, die gesund wurden, obwohl die Krankheit jahrelang an Leib und Seele zehrte. Ich höre von Menschen, denen nach jahrelanger Feindschaft die Versöhnung gelungen ist. Ich erlebe mit, wie die Gebeugten, die zu Jesus kamen, aufgerichtet werden und wie die Hungrigen satt werden. Ich borge mir den Glauben der Menschen aus, von denen die Bibel erzählt. Ihre Geschichten, ihre Erfahrungen wecken in mir die Hoffnung, dass es auch bei mir so sein könnte.

Und so werden die Geschichten der Bibel für mich zu einer Art Hoffnungs-Verleih-Anstalt, bei der ich mir die Hoffnung und die Kraft, die ich für mein Leben benötige, immer wieder ausleihe.
Manchmal aber bleiben auch diese Geschichten kraftlos, und ich stehe mit leeren Händen da in Situationen, die ich alleine nicht mehr schultern kann, wo die Last für mich allein zu schwer ist. Dann brauche ich die Unterstützung von Freunden, von Menschen, die mir im Glauben verbunden sind, die für mich beten. Es tut dann gut, zu wissen und zu spüren, dass andere mit mir sind und mich teilhaben lassen an den vielen Senfkörnern des Glaubens. Damit ich spüre: Es scheint so vieles im Leben unverrückbar wie ein Maulbeerbaum. Aber Jesus sagt: Wer Glauben hat, und sei er nur so groß wie ein Senfkorn, sieht nicht den Baum allein. Wer Glauben hat, so winzig klein wie ein Senfkorn, sieht die Möglichkeit: Alles kann sich ändern.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Als Schlussgebet sprechen wir die ersten beiden Strophen des Liedes „Kleines Senfkorn Hoffnung“:

1.Kleines Senfkorn Hoffnung, mir umsonst geschenkt,
werde ich dich pflanzen, dass du weiter wächst,
dass du wirst zum Baume, der uns Schatten wirft;
Früchte trägt für alle, alle, die in Ängsten sind.

2.Kleiner Funke Hoffnung, mir umsonst geschenkt,
werde ich dich nähren, dass du überspringst,
dass du wirst zur Flamme, die uns leuchten kann,
Feuer schlägt in allen, allen, die im Finstern sind!

Wir beten, wie Jesus Christus es uns selbst gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

 

Sommerandacht am 22. August 2021 - 12. Sonntag nach Trinitatis

Eingangslied: EG 444, 1-4 "Die güldne Sonne"

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
Amen.

Der Herr sei mit Euch…

Psalmgebet: Ps.147 (EG 775)

Barmherziger Gott,
zeige Deine Güte auch jetzt den vielen verzweifelten Menschen in Afghanistan, in den überfluteten Gebieten, in den durch Brände vernichteten Gegenden in Südeuropa.
Barmherziger Gott,
sei Du nun unter uns, wenn wir Dir zur Ehre singen, über Deine Worte nachdenken und Deine Güte suchen.
Amen.

Lied: EG 272 "Ich lobe meinen Gott"

Predigttext und Evangelium: Markus 7, 31-37

Halleluja Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Halleluja.

Ansprache:

Wunder gibt es immer wieder… so sang vor 50 Jahren Katja Ebstein. Damals hat mich ihre Musik nicht sehr begeistert. Heute ist für mich der Text interessanter geworden, es geht so weiter: heute oder morgen können sie gescheh‘n. Wunder gibt… wenn sie Dir begegnen musst du sie auch sehn.

Markus schildert die Reise Jesu im damaligen, wie jetzigen Ausland. Von der Hafenstadt im heutigen Libanon unterwegs noch weiter nach Norden und dann ins heutige Jordanien kommen Menschen auf Jesus zu und bitten ihn einem Taubstummen die Hand aufzulegen. Das erklärt vielleicht Jesu Mahnung gegen Ende des Texts, es niemandem weiterzusagen. Woher kennen diese Ausländer ihn? Warum trauen sie ihm so viel zu?

3 Aspekte scheinen doch sehr interessant an dieser Wunderheilung:
Das Wunder an sich: eine vollkommen überraschende Heilung! Durch Berührung der Ohren und der Zunge und seiner Bitte "Effata, öffne dich!", kann Christus, der Heiland diesem Taubstummen helfen.

Wie viele Ärzte haben das schon erlebt, dass aussichtslose Fälle wieder gesund wurden. Medizinisch ist heute wie damals nicht alles erklärbar: ein Wunder, eine tolle Sache.

Dann sind da die Helfer, sie haben irgendwie erfahren, dass da gerade einer durch ihren Ort kommt, der schon öfter Kranken geholfen hat. Ohne sie wäre der Taubstumme gar nicht zu Christus gekommen. Sie haben ihm zu diesem Wunder verholfen. Auch heute wären Wunder ohne alle die Helfenden und Pflegenden gar nicht möglich. Deshalb bleibt mir unverständlich, dass in unserer Gesellschaft der Pflegeberuf so miserabel geachtet und unchristlich honoriert wird.

Der 3. Aspekt ist, wenn sie dir begegnen musst du sie auch sehn. Katja Ebstein hat da sicher recht: für mich ist es durchaus ein Wunder, dass ich mein Arbeitsleben bei einem einzigen Arbeitgeber ohne viele Krankheitstage erleben durfte, obwohl ich alles ganz anders geplant hatte. Wunder anzuschauen und daraus auch den Schluss zu ziehen, es ist durch Christus und die an ihn glaubenden Helfenden geschehen, muss doch Mut machen im Glauben an Jesus Christus und dadurch: Wunder gibt es immer wieder!

Amen.

Lied EG 420, 1+3+5 "Brich mit den Hungrigen dein Brot"

Gebet:

Barmherziger Gott, lass uns mehr an Wunder glauben und sie erleben.
Hilf uns aus dieser Pandemie.
Hilf all denen die durch Feuer, Erdbeben oder Fluten alles verloren haben.
Hilf Du allen Menschen in Afghanistan zu einem friedlichen Miteinander, und nicht nur dort.
Hilf Du uns diese Welt vor der Zerstörung zu retten.
Hilf mit, eine verantwortungsvolle Regierung zu finden für unser Land, die die Ärmsten nicht noch ärmer macht.
Hilf uns, wenn wir nun unsere ganz persönlichen Bitten an Dich richten…

Wir danken Dir, dass Du uns zuhörst und Dein Sohn uns gelehrt hat, wie wir beten dürfen:
Vater unser...

Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere Vernunft bewahre eure Herzen in Christus Jesus.
Amen.

Lied: EG 170, 1-4 "Komm Herr segne uns"

Wochenspruch:
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. 
Jes. 42,3a

Und so gehen wir in die neue Woche mit der Hoffnung, all die Wunder auch zu sehen, so segne und behüte uns unser barmherziger Gott, er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, er erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen wunderbaren Frieden.
Amen.

(Bertram Eppinger)

Predigt zum Gottesdienst am 15. August 2021 in Ottersweier

Predigtext: Lukas 18, 9-14 (Basisbibel)

„Einige der Leute waren davon überzeugt, dass sie gerecht vor Gott lebten. Für die anderen hatten sie nur Verachtung übrig. Ihnen erzählte Jesus dieses Gleichnis: Zwei Männer gingen zum Tempel, um zu beten. Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zolleinnehmer. Der Pharisäer stellte sich hin und betete leise: Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen – kein Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder Zolleinnehmer wie dieser hier. An zwei Tagen in der Woche faste ich. Und ich gebe sogar den zehnten Teil von allem, was ich kaufe. Der Zolleinnehmer aber stand weit abseits. Er traute sich nicht einmal, zum Himmel aufzublicken. Er schlug sich auf die Brust und sagte: Gott vergib mir! Ich weiß, dass ich ein Sünder bin. Das sage ich euch: Der Zolleinnehmer ging nach Hause und war nun vor Gott gerecht – im Unterschied zu dem Pharisäer. Denn wer sich selbst groß macht, wird von Gott niedrig und klein gemacht. Aber wer sich selbst niedrig und klein macht, wird von Gott groß gemacht werden.“

Liebe Gemeinde,

ich fange bei uns an. Wir bemühen uns, anständig und rechtschaffen zu leben. Wir bemühen uns bei der Wahrheit zu bleiben, auch im Kleinen, auch gegenüber Verwandten. Wir bemühen uns, niemanden zu verletzen, nicht mit Worten, nicht mit Taten. Wir halten unsere Ehe hoch. Wir streichen das Zimmer nicht gerade an einem Sonntag. Und für die Opfer der Flutkatastrophe oder für Brot für die Welt ist uns ein Euro doch zu wenig. Und wir treffen uns heute hier zum Gottesdienst, zum Gebet.

Wenn meine Worte ganz oder teilweise auf mich, auf einen von uns zutreffen, dann sind wir ganz nahe bei dem einen Typ, dem frommen Schriftgelehrten, der ein rechtschaffenes Leben vor Gott und den Menschen führen will.

Da ist einer, der sich bemüht, im Sinne Gottes und seiner Gebote zu leben. Er möchte etwas tun, um im Sinne und mit Gott zu leben.

Und ein anderer lügt und betrügt. Er hat viel Geld deswegen. Wenn er einmal innehält, hoffentlich nicht erst in Untersuchungshaft – weiß er, dass er nichts vorzuweisen hat – nur Negatives. Er steht mit leeren, mit schmierigen Händen da. In unserer Beispielerzählung ist dies ein Zolleinnehmer, der immer auf die Abgaben zu seinem Vorteil draufgeschlagen hat.

Ausgerechnet der wird von Jesus als auf dem richtigen Weg bezeichnet durch sein Bekenntnis, dass er nicht vorzuweisen hat.

Müssen wir nun alle Betrüger werden, um Gott, um Jesus Christus nahe zu sein? Das ist  wohl nicht gemeint, auch wenn Jesus immer betont, dass solche Menschen die Zuwendung Gottes besonders brauchen und bekommen.

Besonders herausgestrichen wird in unserem Abschnitt die Überheblichkeit des Rechtschaffenen. Er ist in seiner Rechtschaffenheit schon da, wo er hinwill. Er braucht eigentlich garnichts mehr, und er erhebt sich über alle Sorten von Menschen.

Vorsicht: Wir erheben uns über Menschen mit anderer Hautfarbe, über Zuwanderer, obwohl wir selbst zugewandert sind. Wir erheben uns über Menschen anderer Religion, z.B. über Moslems. Männer stellen sich über Frauen, Deutsche über Ausländer.

Es bleibt die Frage: Wie können wir zu Gott hinkommen? Antwort: Überhaupt nicht. Rechtschaffen oder auf krummen Weg, beide sind restlos auf die liebende Zuwendung Gottes angewiesen. Wir können nicht, aber auch in keiner Weise Gott beeinflussen. M. Luther soll am Ende seines Lebens gesagt haben: „Wir sind Bettler, das ist wahr.“

Wir sind dankbar für die Zuwendung Gottes, die uns heute mitgeteilt wird, aber auch an Weihnachten oder an Pfingsten, wo wir den guten Geist Gottes zugesprochen bekommen. Und in diesem Sinne, im Sinne Jesu, wollen wir uns anderen Menschen helfend zuwenden. So sind wir unserem Gott nahe, ohne Ansprüche zu haben. Wir sind und bleiben Bettler vor Gott.

Amen.

(Pfarrer Badelt)

 

Sommerandacht am 08. August 2021 - Israelsonntag

Lied: EG168, 1-3+6 "Du hast uns Herr gerufen"

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Psalm 122 (NL961)

Ehre sei dem Vater.

Wir beten weiter:
Guter Gott wir dürfen immer zu Dir kommen, wenn uns Lasten drücken.
Du hast den Israeliten geholfen in der Wüste Sinai und den Bund mit denen versprochen, die Dich achten. Hilf auch uns aus dieser Pandemie und lass uns Deine Gebote sehen, die wir oft vergessen.
Hilf Du uns im jüdischen Glauben immer auch Jesus zu sehen und sein Leben als Vorbild zu haben.
Amen.

Lied: EG290, 1+2+4 "Nun danket Gott, erhebt und preiset"

Predigttext: 2. Mose 19, 1-6

Halleluja.
Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er erwählt hat!
Halleluja.

Bereits ein Vierteljahr ziehen die Israeliten von Ägypten aus in ihre Heimat und sind in der Wüste Sinai angekommen. Mose steigt auf den Berg Sinai, wo er von Gott klare Anweisungen bekommt.
Haltet meinen Bund, werdet zu Priestern und zu einem heiligen Volk. So werdet ihr mein Eigentum.

Diese ermüdete, perspektivlose Gruppe von ehemaligen Sklaven hat Ziele dringend nötig, um an eine Zukunft glauben zu können. Vor 3000 Jahren sammelt sich das Volk Israel wieder in der Heimat, dem gelobten Land. Daraus entsteht die Brücke zur Christenheit, die es nicht geben würde, wenn Gott am Berg Sinai nicht Mut gemacht hätte zu einem Neu-Anfang.

Wir feiern den Israel-Sonntag genau deshalb, uns daran zu erinnern, dass Christus als Jude das Christentum begründete. Wir also genauso unter dem Segen Gottes stehen dürfen, sein Eigentum zu sein.

Vor mehr als 70 Jahren gab es einen weiteren Exodus, als sich Juden aus aller Welt in Palästina in einem minimalen Landstreifen versammelten und ihren Staat gründeten. Friede gibt es auch nach 3000 Jahren nicht, allerdings den alten Bund mit dem göttlichen Versprechen, Gottes eigenes Volk zu sein. Auch wir Christen sollten an dem alten Bund festhalten, auch wenn wir den neuen Bund zusätzlich geschenkt bekommen haben.
Amen.

Lied: EG171, 1-4 "Bewahre uns Gott, behüte uns Gott"

Gebet:

Guter Gott, hilf Israel und uns Deinen Bund zu halten, wie Du es Mose aufgetragen hast, damit wir Dein Volk bleiben.

Guter Gott, stehe Du allen bei, die an Dir zweifeln, weil sie in den Fluten Angehörige, ihre Existenz, ihr Haus verloren haben. Gib ihnen neuen Lebensmut.

Guter Gott hilf allen von dieser Pandemie Betroffenen und Verängstigten, schütze und stärke Du Sie.

Guter Gott sei mit dieser Gemeinde, dass sie sich an Deinen Versprechungen erfreut und sie weitergibt.

Guter Gott, schenke dem Volk Israel Frieden untereinander und mit seinen Nachbarländern.

Guter Gott alles was uns sonst noch auf dem Herzen liegt, bringen wir vor Dich, wenn wir nun gemeinsam beten, wie es uns Dein Sohn gelehrt hat:

Vater unser...

Lied EG433 "Hevenu schalom"

Wochenspruch:
Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.

Segen:
Unser guter Gott des alten und des neuen Bundes segne uns und behüte uns, er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, er erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden.
Amen.

 

Gottesdienst am 01. August 2021 - 9. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!
Herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 1. August.
Im liturgischen Kalender ist es der 9. Sonntag nach Trinitatis.
Der Wochenspruch, der uns durch die neue Woche begleiten soll, lautet:
„Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen;
und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ (Lukas 12, 48)
Einen gesegneten Sonntag wünscht
Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Lied EG 455, 1-3 „Morgenlicht leuchtet“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Gott, deinen Namen will ich singen,
in dir entspringt mein Leben.
Aus deiner Schöpfung schöpfe ich meine Kraft.
In deiner Sonne blühe ich, in deinem Boden wurzle ich.
Aus dir ziehen meine Sinne Kraft.
Dein Morgen weckt mich auf.
Gott, deinen Namen will ich singen.
Amen.

Lied NL 68 „Lobe den Herrn, meine Seele“

Lesung und zugleich Predigttext: Matthäus 13, 44- 46
„Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie."
Amen.

Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 444, 1-3 „Die güldene Sonne“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Geschwister,
Jesus erzählt uns in seinen Gleichnissen von Gott, davon, was Gott den Menschen bedeuten kann. Die beiden Gleichnisse vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle, die für den heutigen Sonntag vorgeschlagen sind, sind für solche Menschen gedacht, die nach neuer Kraft und nach neuer Hoffnung für ihr Leben suchen. Die fragen: wo ist denn eigentlich Gott in meinem Alltag? Wie und wo kann ich etwas erfahren von der neuen Welt Gottes? Jesus hat doch verkündigt, dass sie sich bereits ausbreitet unter den Menschen; hat erzählt von dem Himmel, der jetzt schon die Erde berührt!
Wir haben eher manchmal das Gefühl, uns in dieser Welt selbst überlassen zu sein. Jesus versucht, mit den kurzen Texten vom Suchen und Finden, die der Evangelist Matthäus überliefert, unserer Resignation etwas entgegensetzen. Die Botschaft seiner Gleichnisse möchte ich so ausdrücken: „Auch du kannst du denen gehören, die finden, was dein Herz sucht. Gott lässt sich finden auch in deinem Leben und hier auf dem Acker dieser Erde, solange du sie bewohnst. Und wenn dir das gelingt, dann ist es so, als hättest du einen kostbaren Schatz entdeckt. Das kann schon mal dauern, macht Mühe. Gib nicht auf.“

Ich höre die Worte Jesu als feste Zusage und auch als Bitte Gottes: „Vertrau mir, dass ich dich im richtigen Moment zum Finder werden lasse. “Trotz unserer Skepsis und trotz unserem Argwohn, an dem Ort und der Zeit, die für jeden von uns passend ist. Die meisten Menschen, die eine Beziehung zu Gott entwickeln konnten und neue Lebenszuversicht gefunden haben, können die Erfahrung vieler Schatzsucher bestätigen. Eigentlich hat der Schatz uns gefunden, das manchmal sogar, obwohl wir die Suche längst aufgegeben hatten. Oder wie der Kirchenvater Augustin einmal formuliert hat:“ Du hättest Gott nie gesucht, wenn er dich nicht längst schon gefunden hätte.“
„Du bist mein Schatz“, sagen Liebespaare zueinander, wenn sie sehr verliebt sind. Es kommt leider vor, dass dieses Bekenntnis auf dem Lebensweg verstummt. Umso schöner ist es, wenn man sich immer wieder neu entdecken kann. In unserer Beziehung zu Gott ist das auch so. Wir sind immer beides: Schatzsuchende und solche, die gefunden haben. Das ist die Spannung, in der wir glauben und leben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied NL 93, 1-3 „Da berühren sich Himmel und Erde“

Gebet:
„Lebenswunsch.
Was ich dir wünsche? Dass jede Gabe, die Gott dir schenkt, mit dir wachse, und dir dazu diene, denen Freude zu schenken, die dich mögen.
Dass du immer einen Freund hast, der es wert ist, so genannt zu werden. Dem du vertrauen kannst, der dir hilft.
Und noch etwas wünsche ich dir: dass du in jeder Stunde der Freude und des Schmerzes die Nähe Gottes spürst.
Das ist mein Wunsch für dich-heute und alle Tage."
Amen.

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied NL 71 „Mögen sich die Wege“

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

 

Gottesdienst am 25. Juli 2021 - 8. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen bei unserem Lesegottesdienst für Sonntag, den 25. Juli 2021; es ist der 8. Sonntag nach Trinitatis.
Der Wochenspruch, der uns durch die neue Woche begleiten soll, steht im Epheserbrief, Kapitel 5, Verse 8b und 9:
„Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“
Eine gute und gesegnete Zeit wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Das Anfangslied ist heute „Liebster Jesu, wir sind hier“ EG 161, 1-3.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Wir beten:
Herr, du Gott der Klarheit und des Lichtes. Du machst hell, was dunkel und bedrohlich ist.
Du erweckst, was wie abgestorben scheint.
Lass dein Licht auch durch uns in diese Welt strahlen, damit Menschen ermutigt werden, an dich zu glauben.
Das bitten wir durch unsern Herrn und Bruder Jesus Christus, das Licht der Welt heute und allezeit.
Amen.

Als biblische Lesung und Predigttext ist für heute ein Abschnitt aus dem 1.Korintherbrief vorgesehen, Kapitel 6, Verse 9-12 und 19-20:
„Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Diebe noch Hab- gierige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes. Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.“
Amen.

Wir sprechen das Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied „Gott gab uns Atem“ EG 432, 1-3

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Geschwister,
am vergangenen Mittwoch haben wir uns das erste Mal mit der neuen Konfirmandengruppe getroffen, 11 Jugendliche waren da.
Beim ersten Treffen gehören immer Spiele und Aktionen dazu, damit man sich gegenseitig kennenlernen kann. Leider ist ja im Moment nichts mit viel Bewegung möglich, deshalb haben wir einen Fragebogen dagehabt, den sie beantworten sollten und mit dem/der Nebensitzenden besprechen. Eine Frage lautete: Was würdest du tun, wenn du für einen Tag BundeskanzlerIn wärest. Ein Konfirmand antwortete: Ich würde die ganzen Coronaregeln abschaffen!

Wenn wir auf die vergangenen 16 Corona- Monate zurückschauen, erinnern wir uns besonders an die vielen Regeln, die immer wieder neu aufgestellt und der jeweiligen Situation angepasst wurden. Viele Menschen haben sich daran gehalten, andere aber nicht. Es wurde immer wieder diskutiert, was hilfreich und sinnvoll ist, auch in den Medien. Teilweise leidenschaftlich, sogar erbittert diskutiert. Als in den letzten Wochen die Inzidenzzahlen deutlich fielen, haben wir uns gefreut, dass auf einmal wieder mehr Freiheiten und Möglichkeiten da waren. Aber auch hier ging es manchmal zu weit. Vor lauter Freu- de, endlich etwas von einem „normaleren“ Leben wiederzuhaben, wurden viele Schutzmaßnahmen einfach vergessen. Wie sich die großen Sportereignisse dieser Wochen, Fußball-EM und Olympiade, die Reisen, die lange aufgeschobenen und jetzt stattfindenden Feste auf die Entwicklung der Pandemie auswirken werden, bleibt noch abzuwarten.

„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten!“ Ob diese vernünftige Maxime des Paulus von den Menschen wohl beherzigt wird? Sicher nicht von allen, das haben wir ja schon gemerkt.
„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten!“ Der Apostel Paulus schreibt diese Worte an die christliche Gemeinde in Korinth in Griechenland. Korinth ist eine Hafenstadt. Seeleute und Reisende aus allen möglichen Ländern halten sich dort für kurze Zeit auf und wollen sich vergnügen. Die Stadt ist ein Schmelztiegel aller möglichen Nationen, Kulturen und Religionen. Menschen, die sich in ihrem Leben nie wieder begegnen werden, treffen dort zusammen. Man ist niemandem Rechenschaft schuldig und kann tun, was man will (und zuhause nie tun würde).

Wenn wir das heute mit den Erfahrungen lesen, die wir seit März letzten Jahres gemacht haben, so scheint dort genau die Lage zu bestehen, vor der die Menschen in unserer Zeit von WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen immer gewarnt wurden. Die man mit strengen Regeln in den Griff bekommen will. Regeln, deren Einhaltung von Ordnungsämtern überprüft wurden. Regeln, die uns einleuchteten und an die wir uns gehalten haben. Regeln, die in Frage gestellt wurden und gegen die Menschen sich auflehnen, weil sie deren Sinn nicht einsehen. Paulus argumentiert vor einem ähnlichen Hintergrund. Auch damals schon gab es Regeln, sie wurden von verschiedenen Religionen aufgestellt, auch von den Regierenden. Nicht alle scheinen sich daran gehalten zu haben. Sie fühlten sich in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt. Sie wollten ihren Vergnügungen nachgehen können, sich nichts vorschreiben lassen. Keine Rücksichten nehmen. Paulus zählt auf: Prostitution, Alkoholexzesse, Diebstahl, Ehebruch. Der Apostel weiß, welche Schäden ein solches ausschweifendes und rücksichtsloses Verhalten hervorrufen kann, für Körper und Seele. Beides gehört nämlich zusammen, das wusste man damals schon. Er macht in dem Briefabschnitt, der heute unser Predigttext ist, deutlich, dass das nicht geht. Aber er spricht keine weiteren Verbote aus, möchte nichts vorschreiben, sondern appelliert an die Vernunft der Christinnen und Christen: Lebt so verantwortungsvoll, dass ihr weder euch selbst noch anderen schadet. Er verurteilt die Menschen nicht, er möchte sie zu einem guten Leben motivieren. Sie können noch einmal neu anfangen, durch Jesus Christus. Er schreibt: „Reden wir nicht weiter über eure Sünden. Jesus hat euch reingewaschen, ein neuer Anfang ist möglich mit Gott, mit den Mitmenschen, mit euch selbst. Ergreift diese Chance.“

Liebe Geschwister!
Oft hat es in der letzten Zeit nichts gebracht, an die Vernunft der Menschen zu appellieren. Oder an ihr Verantwortungsgefühl. Aus welchen Gründen auch immer. Auch solche Menschen mit einem christlichen Hintergrund werden dabei gewesen sein.

Ich finde es sehr gekonnt, wie Paulus in seinem Brief argumentiert. Er sagt nicht: Macht, was ihr wollt. Für euch als Getaufte und von Christus Gerettete braucht ihr nichts mehr befürchten.
Er sagt: Lebt in eurer Zeit und unter euren Lebensbedingungen verantwortlich. Versucht es. Wenn Ihr dabei Fehler macht, schwach seid, wendet euch an Gott. Der wird euch dann einen neuen Anfang ermöglichen.
Wir werden in die Verantwortung gerufen, nicht davon freigemacht.
Die Korinther damals und wir heute gehören zur Gemeinde Jesu Christi. Weil das so ist, haben wir auch eine Aufgabe, meint Paulus. So leben, dass Gottes guter Geist Freude hat, in unser Leben einzuziehen.

„Ich kann tun, was ich will. Die anderen gehen mich nichts an. Ich sorge erstmal für mich.“ Dieses Denken ist- leider- menschlich und verbreitet. Es zieht sich durch die Menschheitsgeschichte hindurch.
Aus den Hochwassergebieten erreichen uns die Meldungen von Plünderungen und Betrügereien. Ein auf den ersten Blick wie ein Polizeiwagen aussehendes Fahrzeug fährt herum und verbreitet Falschmeldungen. Das ist sehr schlimm! Wir hier in Bühlertal ärgern uns zurzeit mal wieder sehr über die rücksichtslosen AutofahrerInnen, die vor der Kirche so parken, dass man mit dem Auto nicht in die Parklücken rein- oder rauskommt. Und wenn man die Leute drauf anspricht, sind sie oft ganz pampig! Das ist sehr ärgerlich! Möglicherweise entsteht eine solche Haltung bei den Menschen, die sich als den Mittelpunkt ihrer eigenen Welt verstehen. Die nach ihren eigenen Werten und Regeln leben wollen, ohne vor irgend- jemandem Rechenschaft ablegen zu wollen. Schon gar nicht vor Gott. Vielleicht entsteht eine solche Haltung, wenn man das eigene Leben durch den Tod begrenzt sieht, keine Hoffnung darüber hinaus hat. Dann muss ich ja versuchen, aus diesen Jahren, die mir zur Verfügung stehen, das Optimum herauszuholen. Denn danach ist nichts mehr. Mit dem Tod ist alles aus! Diesen Satz höre ich oft.
Für Paulus und ich hoffe- auch für uns alle- ist klar: Jesus Christus hat den Tod besiegt. Er ist auferstanden, als Zeichen für uns. Auch wir werden auferstehen, in ein neues, ganz anderes Leben bei Gott. Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen. Ich bin frei durch Jesus Christus. Schön dumm, sich dann selbst in Abhängigkeiten zu begeben.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit“, schreibt Paulus in einem anderen seiner Briefe. Zur Freiheit, die Verantwortung braucht.
Das ist christlich und vernünftig.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied „Liebe, die du mich zum Bilde“ EG 401, 1-3

Fürbitten:
Auf dich, Gott, vertrauen wir und beten zu dir:
Wir bitten für die Völker dieser Welt um Frieden und Versöhnung, für die Menschen, die in Politik, in Wissenschaft und Wirtschaft Verantwortung tragen, um Weisheit und Demut.
Für die Einflussreichen der Gesellschaft, dass sie die Interessen aller im Blick haben.

Wir bitten für deine Kirche weltweit und um unsere Gemeinde hier um Ausstrahlung und Klarheit im Reden und Handeln. Dass wir mit deiner guten Botschaft die Menschen begleiten und ihnen beistehen, besonders in den dunklen Stunden ihres Lebens.
Für die Kinder und Jugendlichen bitten wir, dass sie hier erfahren, worauf sie ihr Leben gründen können.

Wir bitten dich für die, die Trost und Hilfe brauchen, die einen lieben Menschen verloren haben, denen alles genommen wurde, was ihr Leben ausgemacht hat, wie die Menschen in den Hochwasser- gebieten, deren Schicksal uns in diesen Tagen sehr nahegeht.
Wir bitten für die, die den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen sind und für die, die schwer erkrankt sind, stehe du diesen Menschen bei und zeige auch uns, was wir für sie tun können.

Wir bitten dich: Stärke uns als Christinnen und Christen, dass wir in dieser Welt zugleich frei und verantwortungsvoll leben können.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe,…

Lied „Herr, wir bitten, komm und segne uns“ EG 610, 1.3

Segen:
Herr, wir bitten, komm und segne uns, lege auf uns deinen Frieden.
Segnend halte Hände über uns, rühr uns an mit deiner Kraft.
So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

 

Gottesdienst am 18. Juli 2021 - 7. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!
„Schon gepackt?“, so ist unser Gottesdienst für kommenden Sonntag, den 18. Juli, überschrieben. Es ist der 7. Sonntag nach Trinitatis. Wir feiern ihn als Segensgottesdienst für die bald beginnende Reisezeit und für die Lebensreise überhaupt.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das Lied EG 503, 1-3 „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Aus der Unruhe unseres Lebens kommen wir zu dir.
Wir bringen alles mit, was uns bewegt: Freuden, Sorgen, Wünsche, Traurigkeiten.
Bei dir ist alles gut aufgehoben.
Wir sind bei dir gut aufgehoben.
Dafür danken wir dir.
Amen.

Wir lesen Psalm 121:
„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.
Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!"
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 391, 1.4: „Jesu, geh voran, auf der Lebensbahn“

Predigt

Gnade sei mit euch u. Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Gemeinde! Schon gepackt?
Bald beginnen die Sommerferien. Familien und auch Einzelne packen ihre Koffer oder werden es in den nächsten Wochen noch tun. Es ist ja jetzt wieder mehr möglich, wo man hinreisen kann, trotz Corona. Schon in den letzten Monaten wurde von den Ferienfliegern berichtet, die wieder Ziele in Spanien, Griechenland oder anderswo ansteuern. Es lag auf einmal so etwas wie Aufbruchsstimmung, Urlaubsstimmung in der Luft. Nicht bei allen, aber doch bei sehr vielen Menschen. Andere wiederum sehen das sehr kritisch, machen sich Sorgen, was der zunehmende Reiseverkehr für Auswirkungen auf die Verbreitung der Pandemie haben wird. Dazu kommt: wenn man in diesen Tagen die Berichte aus den Hochwassergebieten im Westen Deutschlands und in Belgien sieht, dann ist die Vorfreude getrübt. So viele Menschen sind ums Leben gekommen, die Angehörigen und Überlebenden haben keine Ahnung, wie es weitergehen soll. An Urlaub denkt da keiner. Mancher hat noch nicht einmal einen Koffer mit dem Nötigsten packen können. An die Betroffenen wollen wir heute auch denken und in die Fürbitten miteinschließen.

Liebe Geschwister!
Hinter dem Reisen steckt so etwas wie eine Ursehnsucht. Wir wollen einmal alles hinter uns lassen können, was sonst unseren Alltag ausmacht. Neue Landschaften entdecken, eine neue Umgebung, neue Orte, neue Eindrücke. Das bekannte Zuhause hinter uns lassen, in dem wir in den letzten Monaten wie eingesperrt waren. Frei sein!
In einer fremden Umgebung noch einmal ganz anders sein können. Über die Weite des Meeres staunen. Auf einer Wiese zur Ruhe kommen. Die Erhabenheit eines Berges zu bewundern und beim Raufwandern hautnah spüren. Ein gutes Buch zu lesen. Zeit für Gespräche haben oder einfach fürs Nichtstun. Das sind Erfahrungen und Erlebnisse, mit denen wir unseren Ferienkoffer anfüllen möchten. Und auch die Menschen, die in den Ferien diesmal -oder überhaupt- lieber zuhause bleiben, werden bei Ausflügen und anderen Unternehmungen ihren Sehnsüchten nachgehen. Auch sie suchen Momente, die anders sind als das, was ihr Alltag ihnen sonst bietet.

„Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir“. Mit diesen Worten hat vor über 1500 Jahren der Kirchenvater Augustinus uns Menschen beschrieben. „Zu dir, Gott, hast du uns geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in Dir.“ Augustinus meint: Unruhig ist der Mensch, weil er noch nicht da ist, wo er hingehört, bei Gott.
Unser unruhiges Herz ist etwas Gutes, denn Gott selbst hat es uns gegeben, hat uns so erschaffen. Und es ist nicht auf ewig unruhig. Gott sagt uns zu: „Ich bin das Ziel deines Lebens. Bei mir kommst du an. Bei mir ist dein wirkliches Zuhause“. Diese Unruhe ist etwas Schönes, wie die Vorfreude auf den Urlaub, die sich schon beim Kofferpacken einstellt. Wenn man überlegt, was man alles mitnehmen möchte für da, wo man hinfahren wird. Wir stellen uns vor: wie schön wäre es, schon da zu sein. Die freudige Unruhe, diese unruhige Freude, die Augustinus meint, lenkt den Blick nach vorn, gibt uns die Kraft, loszugehen und auf ein Ziel zuzusteuern.
Es ist, als ob Gott sich selbst mit mir auf den Weg macht. Manchmal komme ich an. Ich bin am Ziel, stelle den Koffer und alles andere Lebens- Gepäck ab. Kann mich ausruhen, gewinne Abstand zu dem, was vorher mein Leben bestimmt hat. Die Anspannung wird weniger, die Unruhe geht ganz weg, ich muss nichts mehr tun, darf einfach nur da sein und den Augenblick genießen. Ein schönes Gefühl- ich bin da, wo ich immer hinwollte, ich habe mein Ziel erreicht. Und da fühle ich mich zuhause.

In den Ferien erleben das viele Menschen so, vielleicht aber auch im Alltag, wenn ich ein berufliches oder persönliches Ziel erreicht habe, wenn ich etwas geschafft habe, was viel Mühe und Aufregung ge -kostet hat. Und doch weiß ich: die Ruhe ist nicht ewig.
Irgendwann ist der schönste Urlaub zu Ende, dann geht es wieder zurück. Neue Herausforderungen werden kommen, neue Fragen werden wach, neue Ziele, auf die ich zusteuere, neue Sehnsucht stellt sich ein. Die Unruhe, die Gott mir ins Herz gegeben hat, wäre zu klein gedacht, wenn sie hier und jetzt schon zufriedengestellt wäre. Wir sind alle noch unterwegs. Solange wir leben. Und dabei kommen wir besser voran mit leichtem Gepäck.
Liebe Geschwister, für mich ist eine sehr wichtige Erfahrung im Urlaub, auf einmal zu merken, mit wie wenig man doch auskommt. Wir können ja nur so viel mitnehmen, wie wir selbst tragen können. Wir müssen Dinge loslassen und zurücklassen, die wir selbstverständlich zur Hand haben: kein voller Kleiderschrank, nur eine Auswahl, und auch das meiste davon bleibt doch ungetragen im Koffer. Kein gut bestückter Kühlschrank, nur etwas Reiseproviant.
Kein Terminkalender, der den Tag bestimmt, keine Anrufe, die man annehmen muss, auch der PC steht nicht unbedingt zur Verfügung. Es wäre auf jeden Fall besser, ihn zuhause zu lassen. Nur das Nötige dabei haben, mich auf das besinnen, was ich wirklich brauche. Einmal die Leichtigkeit des Seins zu spüren…

Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn ich das so sage, fallen mir wieder die Menschen in den Überschwemmungsgebieten ein.
Die sich nicht in Ruhe vorbereiten konnten, nichts überlegt einpacken konnten, denen alles durch die Kraft des Wassers genommen wurde. Viele haben ihr Leben verloren haben oder trauern um liebe Menschen. Wir wollen sie nicht vergessen und über ihr Schicksal hinweg- gehen. Für sie können wir beten in diesen nächsten Sommerwochen. Und daran denken, dass jeder und jede von uns am Ende des Lebens einmal alles loslassen muss.

„Zu dir hin, Gott, hast du uns geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir.“
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 395, 1-3 „Vertraut den neuen Wegen“

Fürbitten:
Herr, wir denken vor dir an die Opfer der Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und in den angrenzenden Regionen. Sie sind traurig und verzweifelt angesichts der Verluste ihrer Angehörigen, ihrer Häuser und ihrer Existenz.

Wir bitten dich: stärke die Solidarität aller, die der Katastrophe entronnen sind, die nicht selbst betroffen sind. Damit schnelle und richtige Nothilfe wieder neuen Lebensmut säen kann.

Wir bitten dich auch um Klugheit und Umkehr angesichts der nicht zu leugnenden Folgen des Klimawandels, damit wir und die nachfolgenden Generationen auch in Zukunft leben und das Leben, Sonne und Regen genießen dürfen.

Schütze die Menschen, die in der Reisezeit unterwegs sind oder die zuhause Erholung und Ruhe suchen. Lass den Urlaub auch eine Zeit des Nachdenkens sein über das, was für uns Menschen wirklich wichtig ist.

Lege auf uns alle deinen Segen.
Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, fassen wir zusammen in den Worten des Vaterunser-Gebetes:
Vater unser im Himmel,…

Lied NL 189, 1-3 „Sei behütet auf deinen Wegen“

Segen:
Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht.
Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.
Amen.

 

Gottesdienst am 11. Juli 2021 - 6. Sonntag nach Trinitatis und Konfirmation

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
heute finden Sie an dieser Stelle als Lesegottesdienst die Texte und Lieder, die in den beiden Konfirmationsgottesdiensten am Sonntag, dem 11. Juli, in der katholischen St. Michael- Kirche in Bühlertal vorkommen. Da unsere eigenen Kirchen für solche besonderen Anlässe zu klein sind, gewährt uns jedes Jahr eine der katholischen Kirchen vor Ort Gastrecht. In diesem Jahr sind wir besonders froh darüber, weil wir so die Konfirmandinnen und Konfirmanden, ihre Familien und ihre Gäste mit dem nötigen Abstand platzieren können. Als biblisches Motto haben wir ein Wort aus dem 1. Buch Mose, Kap. 12,2 über den Gottesdienst gestellt: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“
Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Der Gottesdienst beginnt mit Orgelmusik und dem Einzug der Konfirmandinnen und Konfirmanden und dem Kirchengemeinderat.

Das erste Gemeindelied ist „Aus den Dörfern und aus Städten“ (NL 2, 1.2)

Wir sind hier zusammen im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Gott, wir feiern Konfirmation.
An diesem besonderen Tag suchen wir nach Antwort, was wichtig ist für unser Leben. Darum bitten wir, dass du uns schenkst, was wir brauchen: Worte, die weiterhelfen, Vertrauen, das mutig macht, Liebe, die uns lieben lässt, Hoffnung für unser Leben und für diese Welt.
Sei uns nahe mit deiner Liebe und Wahrheit, damit alles, was wir denken und tun, Sinn gewinnt.
Amen.

Die biblische Lesung und zugleich der Predigttext steht im 1. Buch Mose, Kapitel 12, Verse 1 und 2: „Und der Herr sprach zu Abraham: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein."
Amen.

Ansprache:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,
„Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein“, das haben wir gerade in der Lesung gehört. Es sind Worte Gottes an Abraham, aus dem Alten Testament. Abraham soll Abschied nehmen von seiner Heimat, soll sich aufmachen in ein neues Land, zu neuen Menschen.
Zu diesem Schritt sagt Gott ihm seinen Segen zu. Segen hat also mit Abschied zu tun. Das haben wir während der Zeit des Kirchlichen Unterrichtes, jedenfalls als er noch oder dann wieder in Präsenzform stattfinden konnte, auch so praktiziert.
Kurz, bevor der Unterrichtsnachmittag zu Ende geht, stellen wir uns im Kreis auf. Der erste hält seine Hände über die des Nachbarn, der seine Hände wie ein Schale nach oben geöffnet ausstreckt und sagt: „Der Herr segne dich.“ Der so Gesegnete hält dann seine Hände über die ausgestreckten Hände des Nachbarn/der Nachbarin und sagt: „Der Herr behüte dich.“ So geht es im Kreis reihum. Jeder segnet und wird selbst wieder gesegnet. Und dann verabschieden wir uns und gehen auseinander.

Heute, liebe Jugendliche, nehmen eure Eltern und Familien, ein Stück Abschied von euch und eurer Kindheit. Ihr seid nicht mehr die, die ihr letztes Jahr wart, als der Unterricht begann. Das kann man auf eurem Foto im Programmheft gut sehen. Ihr seid keine Kinder mehr, ihr seid Jugendliche, junge Leute, die sich aufmachen in ein neues Land, in das spannende Land der eigenen Wege, Träume und Wünsche. Ihr seid gewachsen in diesem einen Jahr, körperlich, aber vor allem an Erfahrungen, Eindrücken, Erlebnissen. Gute und schlechte Erfahrungen, vieles davon-leider- bedingt durch die Corona-Pandemie, in jedem Fall prägend, wegweisend für euch. Für euren Aufbruch in das neue Land „Leben“ begleiten euch die guten Worte und Wünsche von uns allen, und heute am Tag eurer Konfirmation, auch von Gott: „Ich will dich segnen“. Gott legt seine ganze Liebe in euch und euren Weg hinein. Egal, was kommt, Gott ist und bleibt mit euch unterwegs. Gott will dich segnen. Deshalb kannst du deinen Weg vertrauensvoll gehen, mit einer gewissen Leichtigkeit, Neugier und Freude: Du bist Gottes geliebtes Kind.

„Und du sollst ein Segen sein.“ Von Gott Gesegnete können und sollen für andere zum Segen werden. So, wie ihr es im Segenskreis schon erfahren habt, gebt ihr den Segen weiter. In der Bibel, da bedeuten das griechische und hebräische Wort für Segen so viel wie Dank und Dankbarkeit. Aus der Dankbarkeit wird das Empfangene an andere weitergegeben. Gesegnete Menschen fühlen, denken und handeln als liebende, wertschätzende und verantwortungsbewusste Geschöpfe Gottes. Alle Menschen, Tiere, Pflanzen brauchen eure segnenden Hände. Bei euch soll kein Platz für Vorurteile sein und Vorbehalte, schon gar nicht für Hass und Gewalt. Gesegnete mischen sich ein als Christinnen und Christen, in der Kirche, in der Schule, im politischen und gesellschaftlichen Alltag, zu Hause, bei der Arbeit, im Verein. Als Salz der Erde und Licht der Welt, wie die Bibel an anderer Stelle formuliert.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden:
Ich sehe hier vor mir in der ersten Bank sitzend lauter wunderbare junge Leute, mit unheimlich viel Segens- Potential und -Power. Macht was draus! Was Gutes!
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied: „Ins Wasser fällt ein Stein“ (EG 648, 1-3)

Einsegnung der Konfirmandinnen und Konfirmanden,
dabei sprechen wir gemeinsam das Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied nach der Einsegnung „Lobe den Herrn, meine Seele“ (NL 68)

Gebet:
Herr, wir bitten dich für diese elf Jugendlichen:
Lass sie offen und hoffnungsvoll ihrer Zukunft entgegensehen.
Schenke ihnen einen Blick für die Mut machenden und schönen Dinge des Lebens.
Hilf ihnen, mit Unsicherheiten und Enttäuschungen fertig zu werden.
Lass sie Gemeinschaft und Geborgenheit erfahren.
Segne sie mit deiner Liebe und lege Frieden und die Kraft zum Guten in ihr Herz.
Amen.

Alles, worum wir Gott sonst noch bitten möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel, …

Lied im 1. Konfirmationsgottesdienst „Herr, wir bitten, komm und segne uns“ (EG 610, 1.2)

Lied im 2. Konfirmationsgottesdienst „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (EG 369, 1.7)

Segen: Gott spricht: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“
Amen.

Orgelmusik und Auszug der Konfirmierten, des Kirchengemeinderates und der Gemeinde

 

Gottesdienst am 04. Juli 2021 - 5. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 4. Juli 2021, den 5. Sonntag nach Trinitatis. Der Wochenspruch aus Epheser 2, Vers 8 soll uns durch die neue Woche begleiten: „Aus Gnaden seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“
Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Am Anfang steht das Lied EG 504, 1-3 „Himmel, Erde, Luft und Meer“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet:
Ewiger Gott,
immer wieder berufst du Menschen,
dass sie dein Wort verkünden und deine Liebe weitergeben.
Lass deinen Heiligen Geist unter uns wirken.
Damit in unseren Worten dein Wort hörbar wird, in unserem Tun deine Taten sichtbar werden, in unserer Liebe deine Liebe spürbar wird. Das bitten wir dich durch Jesus Christus.
Amen.

Der Lesungs- und zugleich der Predigttext steht im 1. Korintherbrief, Kap. 1, Verse 18- 25:
Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft. Denn es steht geschrieben: “Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen!“
Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die da glauben. Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind.
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 409, 1-3 „Gott liebt diese Welt“

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Geschwister,
meine Großeltern wohnten in einem kleinen, sehr katholisch geprägten Ort in Niederbayern. In meiner Kindheit sind wir jedes Jahr in den Sommerferien zu ihnen fahren, um sie zu besuchen. Das war schön. Neben meinen Großeltern wohnte eine Familie, mit der sie gut befreundet waren, Familie Anzeneder. Wenn wir zu Besuch waren, haben wir oft gemeinsam etwas mit den Anzeneders unternommen, die Kinder in unserem Alter hatten. Da die Familie dem katholischen Glauben sehr eng verbunden war, zeigten sie uns auch gerne die prachtvollen barocken Kirchen, die es in Bayern gibt. Für uns Kinder war das weniger spannend, manchmal fast schon etwas gruselig.
Da hingen ja nicht die schlichten Kreuze, die wir aus dem Rheinland gewohnt waren, sondern riesige Kruzifixe. Mit einem lebensgroßen Christus daran. Gekreuzigt, blutüberströmt, leidend; als Kind schaute ich mir das gar nicht gerne an; ich konnte nicht verstehen, warum man so eine Jesus-Darstellung in den Kirchen angebracht hatte. Gab es nicht viele andere, friedlichere und „schönere“ Varianten? So, wie in unserer Christuskirche hier oder in der Kapelle zum Guten Hirten. In meiner früheren Gemeinde am Niederrhein gab es sogar nur ein ganz kleines unscheinbares Kreuz, das auf dem Altar stand; dort war die reformierte Tradition bei der Kirchenausstattung prägend.

Auch heute tun sich viele Menschen mit der Darstellung des Gekreuzigten schwer. Sie sagen: ich kann da nicht hinschauen. Im Gerichtssaal zum Beispiel. Es ist das abschreckende Bild eines Menschen, der zu Tode gefoltert wurde. Auch in Schulen oder Klassenzimmern soll das Kruzifix nicht aufgehängt werden, fordern sie. Andere argumentieren eher theologisch und sagen: wir leben doch nach Ostern. Christus ist auferstanden, er hängt gar nicht mehr da am Kreuz!

Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz. Es stört-verstört-empört. Also weg damit?

Das Kreuz mit dem Kreuz, das hatten die Christinnen und Christen schon seit ihren Anfängen. Auch schon zu der Zeit, als es noch gar nicht das Symbol des christlichen Glaubens war. Das wurde es erst im Laufe der ersten Jahrhunderte. Die ältesten Darstellungen Jesu zeigen ihn als den guten Hirten. Oder sie benutzten den Fisch als geheimes Erkennungszeichen. Bis sich das Kreuz dann durchsetzte. Aber nicht alle fanden das gut. Schon die ersten Christinnen und Christen hatten ihre Mühe mit dem Kreuz - z.B. die christliche Gemeinde in Korinth, im heutigen Griechenland. Die Menschen dort störten sich daran, dass Paulus so ein ernster Prediger war, nicht immer so wortgewandt, spröde. Konnte er nicht eloquenter sein, freundlicher, smarter? Stattdessen kam Paulus immer wieder auf das Kreuz zu sprechen. Wie wichtig das doch sei. Tod, Sterben, Schuld, Vergebung. Die Menschen konnten es schon gar nicht mehr hören. Es kam ihnen zu den Ohren heraus. Wir haben ja gerade in der Lesung schon gehört, was der Apostel ihnen in seinem Brief geschrieben hat.

Das Kreuz, ein Ärgernis, auch damals schon. Die Menschen jüdischen Glaubens störten sich daran. Wie kann das sein, wollten sie wissen. Das soll Gott sein? Der Retter Israels, der Messias, der große Held, der die Welt befreit- hingerichtet als Verbrecher, verspottet, gequält, von den Menschen und von Gott verlassen. Nein, das kann nicht Gott sein. Hört auf, so von ihm zu sprechen: „Den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit…“

Die Griechen, das meint diejenigen, die einen heidnischen Glauben hatten. Sie fragten nach Beweisen, nach Weisheit, Verstehbarkeit, Logik und Vernunft. Das macht doch alles keinen Sinn, was du da erzählst, Paulus, meinten sie, deine Geschichten vom Kreuz. Weil er die Welt retten will, sucht er dann diesen komischen Weg? Gott hätte sich etwas anderes einfallen lassen können: Engel, Lichtgestalten, himmlische Wesen. Aber ein Mensch, geschlagen, gefoltert und getötet am Kreuz? Nein, das akzeptieren wir nicht.

„Den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.“

Damals wie heute. Das Kreuz ist unbequem, lästig.

Gott aber hat ganz bewusst das Bild des Gekreuzigten gewählt. Ein Mensch voller Liebe, am Ende einsam, von den Freunden verlassen und von den Feinden verspottet, gequält, auf die denkbar grausamste Weise getötet. Ein Mensch voller Leid.
Nur, wir mögen dieses Bild nicht. Darin zeigt sich nichts von menschlicher Größe und Schönheit. Es zeigt sich darin, was ein Mensch dem anderen antun kann: Hass, Gewalt, Niedertracht, all das, zu dem wir fähig sind. Nicht Gott hat Jesus zum Tode verurteilt, sondern Menschen. Gott ist in ihm Mensch geworden. Er hat erfahren, wie es ist, Mensch zu sein. Er hat für uns alles auf sich genommen. In Jesus lässt Gott sich demütigen, ist nackt und ungeschützt in dieser Welt. Die Menschen verspotten ihn, töten ihn. Und doch breitet er am Kreuz die Arme über ihnen aus; sie sind von seiner Liebe umgeben, auch, wenn sie das Schlimmste tun, was man sich vorstellen kann.

In den ausgebreiteten Armen des Gekreuzigten hat Gott die Welt umfangen und sie gesegnet. Sogar die gesegnet, die ihm fluchen. Die ihn verfolgen, verachten und vernichten wollen. Der Segen Gottes liegt auf uns. Wie der Segen ganz am Ende des Gottesdienstes ist er Gottes Dienst an uns. Er erinnert mich daran, dass Gott mich erlöst und befreit. Er breitet seine Arme aus und umarmt damit die Welt. Auch dich und mich. Deshalb ist das Kreuz nicht mehr angsteinflößend, sondern hell und heilsverheißend. Es steht für Gottes Kraft und Gottes Liebe. Das, liebe Geschwister, können wir bei Paulus lernen. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 409, 4-6

Fürbitten:
Himmlischer Vater, wir bitten dich, dass wir uns auf dein Wort einlassen können in den guten und in den schweren Zeiten unseres Lebens.
Wir bitten dich für die Menschen, die uns begleiten auf unseren Wegen, für unsere Familie, unsere Freunde. Schenke uns, dass unsere Liebe nicht einschläft, sondern immer wieder neu erwacht.
Wir bitten dich für unsere Gemeinde, dass die Menschen deine gute Botschaft hören und dir vertrauen, dass sie füreinander da sind und für alle, die ihre Hilfe brauchen.
Wir bitten dich für die Welt, in der wir leben, dass die Menschen friedlich zusammenleben, die Schwachen stärken und alles tun, was dem Leben dient.
Amen.

Wir beten: Vater unser im Himmel geheiligt werden dein Name,…

Lied NL 71, 1 und 2 „Mögen sich die Wege“

Segen: So segne euch Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

 

Gottesdienst am 27. Juni 2021 - 4. Sonntag nach Trinitatis

Lied: EG 455, Verse 1 und 2 „Morgenlicht leuchtet“

Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Herr sei mit euch (und mit deinem Geist)

Psalm: EG 724 (Ps 42, 2-6)
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen,
dass ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir sagt:
Wo ist nun dein Gott?
Daran will ich denken
und ausschütten mein Herz bei mir selbst:
wie ich einherzog in großer Schar,
mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes
mit Frohlocken und Danken
in der Schar derer, die da feiern.
6Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er mir hilft mit seinem Angesicht.
Amen.

Loblied: EG 317 Vers 1 "Lobe den Herren, den mächtigen König............"

Die Schriftlesung des heutigen Sonntags, den 4. Sonntag nach dem Trinitatis Fest,
finden wir im 1. Mose Buch, Kapitel 50, Verse 15-21

Die Brüder Josefs aber ............
................. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

Selig sind die das Wort Gottes hören und bewahren.
Halleluja (Halleluja, Halleluja).

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Wir lesen jetzt den Bibelabschnitt, mit dem wir uns in der Predigt beschäftigen werden. Wie Sie sehen und hören werden, wird die Predigt heute etwas anders ablaufen als das normal der Fall ist.
Wir hören jetzt die bekannte Geschichte von dem Besuch von Nikodemus bei Jesus aus dem Johannesevangelium, Kapitel 3, Verse 1-16

1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden.8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.
9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen?10 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du Israels Lehrer und weißt das nicht?11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an.12 Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage?13 Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.
14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,15 damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werd

Herr wir bitten, dass wir unser Herz für dein Wort öffnen, damit wir es verstehen und es in unserem Alltag einbringen können.

Liebe Gemeinde,
Stellen Sie sich vor: Es ist dunkel. In der Hauptstrasse sehen Sie einen Mann der aufgeschreckt reagiert, wenn sie fast mit ihm zusammenstoßen, und sich schnellstens davon macht. Zu Ihrem Erstaunen bemerken Sie: Aber das ist doch jemand vom Oberkirchenrat?! Was macht der denn hier? Wenn Sie ihn nachschauen, sehen noch wie er gerade in einer Seitenstraße verschwindet und bei einem Haus anklopft und hereingelassen wird.

So, oder ähnlich, könnte das damals in Jerusalem gegangen sein. Nikodemus, ein bekannter Theologe, Mitglied vom Sanhedrin, der sich im Dunkel zu einem Treffen mit einem Wanderrabbi trifft – jemand der Mittelpunkt vieler Gespräche ist. Von dem Bericht dieses Gesprächs, wie das uns im Johannesevangelium überliefert ist, bekommen wir den Eindruck, dass er aus eigener Initiative dieses Gespräch angeht – aus Neugierigkeit so gesagt. Für einen Theologen eigentlich gar nicht schlecht.

Wenn unser Nikodemus gedacht hätte sich als hochgelehrter und angesehener Theologe als der überhebliche Fragensteller darstellen zu können, erlebte er eine böse Überraschung.
Jesus verwendete Worte und Begriffe, die Nikodemus aus seiner Vorstellung nicht kannte. Aber wir müssen es in ihm preisen, dass er nicht gleich abgehauen ist, sondern versuchte wirklich zu verstehen was dieser Jesus mit diesen Worten meinte, und was er weiter vorhatte.
Was ihm offensichtlich einfach überfallen hat, ist die Idee des Wiedergeburts. Jesus stellte das in der Idee des kommenden Gottesreiches sehr zentral. Nicht das Abarbeiten vieler Regeln, nicht die Auslegung von den Aussagen von Rabbinern von heute, gestern oder vorgestern – sondern einen geistliche Neuanfang des Lebens.

Es fand auch kein theologisches Fachgespräch statt wie Nikodemus sich das vielleicht erhofft hatte, sondern eine Begegnung - eine Person wurde mit Jesus und seiner Botschaft konfrontiert.
Das erste das wir uns bewusst sein müssen, ist, dass Nikodemus mit einer Seite von Denken über Gott konfrontiert wurde die ganz außerhalb seiner Vorstellungen lag. Er dachte, dass er alles wusste, aber das Entscheidende wie man Gott begegnet – das hat er verfehlt, das wusste er nicht.
Interessant ist, dass uns in dem Johannesevangelium nicht erzählt wird, wie Nikodemus am Ende reagierte. Wir hätten es gerne so gedreht, dass gleich am Ende eine eindeutige Bekehrung von Nikodemus stand. So geht es aber nicht aus – trotzdem wird uns an einer anderen Stelle in den Evangelien Nikodemus als Jünger Jesus genannt. Nicht so sehr in aller Öffentlichkeit – das war mit seiner Position das doch nicht im Einklang zu bringen – aber das Gespräch, das uns beschrieben wird, hatte, vielleicht etwas verzögert, offensichtlich dann doch eine positive Auswirkung.

Aber letztendlich geht es in dieser Geschichte nicht, oder nicht nur, um Nikodemus. Es geht genauso gut um uns. Auch wir haben vielleicht Ideen wie man ein guter Christ wird. Vielleicht meinen wir auch schon alles zu verstehen was es mit dem Glauben auf sich hat, entweder weil man uns das immer so erzählt hat oder weil wir unsere Kenntnisse erweitert haben weil wir viel dazu gelesen haben.
Liebe Gemeinde, früh oder spät bedroht uns alle diese Gefahr. Entweder sind wir noch gefangen in der Idee der Volkskirche – jeder guter Bürger ist mehr oder weniger gläubig, was er damit macht ist aber völlig unwichtig, wenn er sich gesellschaftlich nur brav einordnet. Oder wir haben eine Art von persönlicher geistlicher Erweckung erlebt und wir meinen, dass alle anderen um uns herum das auf gleicher Art und Weise erleben müssen – sonst sind sie doch nicht wirklich Christ.
Die Gefahr besteht, dass wir Gott schon in unser System, wie das auch aussieht, eingepasst haben.
So soll er sein oder handeln – damit kommen wir zurecht. Etwas anderes macht uns unsicher.
Aber, wie gesagt, in der Nikodemusgeschichte passiert etwas anderes. Er sucht ein Gespräch mit Jesus und wird konfrontiert mit einer Seite von Gott, den er bisher nicht kannte. Und, vielleicht erstaunlich – er kann das aushalten. Und er ist in der Lage sein Denken zu ändern. Das ist auch für uns die Herausforderung, wenn wir diese bekannte Geschichte zum -zigten Mal lesen oder hören.

Zuerst mal zu dem Aspekt der wiedergeboren werden. Nun ist es leider so dass dieser Begriff in unserer reformierten oder lutherischen Tradition etwas in den Hintergrund gedrungen wurde. Taufe und Konfirmation sollten doch wohl reichen, war eine weitverbreitete Idee. Als Gegenbewegung kam dann, in vielen Fällen aus dem amerikanischen Evangelikalismus, eine Neubelebung von dem Begriff „Wiedergeboren“ (Born Again), mit dem man meistens eine Entscheidung meinte, um Glaube an Jesu und seine Versöhnung persönlich zu akzeptieren. Wahrscheinlich habe einigen von uns, und übrigens auch ich, dass dann auch so in ihrem Glaubensleben als segensreich erfahren. Leider haben in den letzten Jahren unsere amerikanischen Glaubensgeschwister den Begriff „Born-Again“ etwas ungeschickt eingesetzt, so dass es für vielen Außenstehenden inzwischen fast zu einem Schimpfwort wurde, weil man diese persönlicheJesus-Erfahrung auch mit Identifikation mit bestimmten politischen Standpunkten einer politischen Partei gleichgestellt hat. Das hat dann wieder als Folge, dass wenn wir jetzt von Wiedergeburt sprechen, man in der Öffentlichkeit oft gleich in diese politische Ecke gestellt wird. Also die höchste Zeit, um mal zurück zu dem Ursprung dieses Begriffes zu gehen, wie wir das in unserem Text finden.

Weil in diesem Abschnitt geht es nicht darum jetzt bestimmte politische Standpunkte ein zu nehmen. Es geht darum, dass man bereit ist sich auf einem Neubeginn mit Gott ein zu lassen, wo man als Geschöpf ein Leben mit Gott noch mal ganz von vorne verstehen lernt. Wo man zuerst vieles nicht versteht, trotzdem in Liebe aufgehoben wird, und sich allmählich weiter entwickelt.
Eine der zentralen Fragen aus diesem Abschnitt ist, ob wir, wenn wir das noch nie gemacht haben, auch dazu bereit sind.

Aber auch wenn das so ist, bedeutet das nicht, dass damit alles schon vorgegeben ist. Wie bei jedem Kind, das sich entwickelt und aufwächst, bedeutet es auch dass es im Glauben eine große Verschiedenheit an Formen gibt, wie man seinen Glauben am beste gestaltet und weiterentwickelt. Da gibt es heutzutage eine große Auswahl an Formen und Gepflogenheiten – vielleicht wohl einiges zu viel, könnte man sagen. Also – Wiedergeburt ja, aber nicht als Idee, dass man gleich von einer bestimmten Richtung vereinnahmt wird, und was man zu tun und zu sagen hat schon alles vorgegeben ist.

Das bringt uns dann fast automatisch zu dem Aspekt von „aus dem Geist geboren werden“ – und zu der Aussage, dass der Geist „bläst wohin er will“. Wenn wir ehrlich sind, haben wir Evangelischen oft etwas Berührungsängste, wenn es um diesen Geist geht. Die Bedeutung von einem Fest wie Pfingsten für uns jetzt, finden wir dann auch oft schwer zu erklären. Natürlich, wir erkennen brav an, dass es diesen Heiligen Geist gibt – aber versuchen auch alles um ihn in vorgefertigte Bahnen zu leiten. Wenn er schon bläst, dann zurren wir gerne alles fest, damit nichts durcheinander kommt, und alles bleibt wie es ist. Ich möchte damit nicht behaupten, dass man alles an kirchlichen Strukturen gleich über Bord werfen soll, aber etwas mehr Lockerheit zum Beispiel in unseren Gottesdiensten würde uns ab und zu bestimmt gut tun. Liturgie ist bestimmt sehr hilfreich (sie verstehen: als von der Landeskirche beauftragter Prädikant kann ich kaum etwas anders sagen) – aber es ist nicht das Einzige. Es macht mir dann auch immer etwas Spass, wenn ungeplant in einem Gottesdienst einige Sachen dann auch mal etwas anders laufen als geplant.

Ja, liebe Gemeinde, der Nikodemus musste sich aus seiner Schale der Tradition befreien, um Jesus zuhören zu können. Wir haben die gleiche Herausforderung. Und manchmal kommt uns dabei das Leben zu Hilfe. Wir waren im letzten Jahre wegen der Pandemie gezwungen auf einmal Altes und Vertrautes zurück zulassen und neue Formen zu suchen und aus zu probieren. Ich kann mir natürlich vorstellen, dass wir alle auch mal zurückverlangen nach einem altmodischen Gottesdienst: Lieder Singen bis man außer Atem ist, endlose Predigten die nicht nach 15 Minuten auf einmal zu Ende zu sein. Trotzdem sollte es uns bewusst sein, dass wir aus dieser Zeit auch gelernt haben, was uns am wichtigsten ist und wie wir neue Formen entwickeln können, wenn die Alten nicht mehr passen. Ich hatte vor dieser Pandemie-zeit mir auch nicht vorstellen können, dass man Hauskreise, über Zoom Meetings organisieren kann, und es sogar schafft, um Gebetsrunden am Computer zu organisieren. Auch wenn sich in den kommenden Monaten vieles wieder normalisieren wird, wir sollten offen bleiben diese neuen Erfahrungen mit zu nehmen und weiter zu verwenden.

Liebe Gemeinde, dass gehört alles zum Risiko, wenn man die Begegnung mit Jesus sucht: Es kommt oft anders – aber der Person Jesus bleibt derselbe liebende Erlöser.
Nikodemus hat es verstanden, ich kann nur beten, dass, wenn wir gleich den Gottesdienst verlasen, wir die gleiche Erfahrung machen.
Amen.

Lied: EG 362 Verse 1 und 3 "Ein feste Burg ist...."

Fürbitten:

Herr wir bitten, dass wir für uns die Wahl machen Jesus zu suchen und seine Fragen zu beantworten, auch wenn sie uns zuerst mal in Verlegenheit bringen. Wir danken, dass du uns, ja die ganze Welt so lieb hast, dass du uns ewiges Leben geben möchtest.

Herr, wir bitten für unser Zeugnis in unserer Umgebung. Wir bitten, dass wir auch in unserer Umgebung zeigen können was so ein Leben mit dir als Neugeborene bedeutet. Was es für uns als Kirchengemeinde bedeutet, und was er für unsere Motivation bedeutet uns in der Gesellschaft zu der wir gehören, uns zu engagieren.

Herr wir bitten für alle die Krank sind. Wir bitten, dass du Heilung schenkst, und dass du das Leiden milderst.

Herr, wir beten für die Lage in der Welt. Wir bitten, dass die Verantwortliche Behörden und wir ihre Sorgepflicht ernst nehmen und alles mögliche tun um Menschen zu helfen.
Wir bitten für die Bundesregierung und für unsere Landesregierung, dass du den Verantwortlichen Weisheit schenkst die richtigen Entscheidungen zu treffen wie unser Land, wie unsere Städte in der Zukunft aussehen werden.

Und wir beten jetzt in der Stille weiter.

Lasst uns gemeinsam beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel. / Geheiligt werde dein Name. / Dein Reich komme. / Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns un¬sere Schuld / wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. / Und führe uns nicht in Versuchung / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn dein ist das Reich / und die Kraft / und die Herrlichkeit / in Ewigkeit. Amen.
Der Friede Gottes welcher höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied: EG 503 Verse 1 und 15 "Geh aus mein Herz und suche Freud........"

Der Spruch für die kommende Woche lautet:
Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. (Gal 6:2)

Segen:
Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.
Amen.

(Prädikant Rouw)

Gottesdienst am 20. Juni 2021 - 3. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
seien Sie/seid ihr herzlich begrüßt zum Lesegottesdienst für den 20. Juni 2021,
den 3. Sonntag nach Trinitatis.
Der Wochenspruch, der uns durch die nun beginnende neue Woche begleiten soll, weist uns auf das Thema des Sonntags hin:
„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19, 10).
Sind das nicht sehr gute Nachrichten? Wir sind für Gott so unendlich wichtig, dass er keinen Menschen jemals aufgibt! Das und noch einiges mehr steckt in den beiden Gleichnissen aus Lukas 15, die heute Lesungs- und Predigttext sind.
Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Am Anfang steht das Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freude“ (EG 503, 1.2.4)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Treuer Gott,
manchmal fühlen wir uns so verloren:
innerlich entfernt von dir, von den Mitmenschen, von uns selbst.
Dann können wir uns selbst nicht leiden.
Wir bitten dich:
Hol uns zurück aus unserer Gott-Ferne, zu dir in die Geborgenheit deines Hauses,
in die Gemeinschaft der Menschen, die an dich glauben.
Treuer Gott, erbarme dich.
Amen.

Der Lesungs- und zugleich Predigttext steht im Lukas-Evangelium, Kap. 15, Verse 1- 10:
„Es nahten sich ihm (Jesus) aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.
Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er´s findet? Und wenn er`s gefunden hat, so legt er sich`s sich auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über e i n e n Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte.
So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut."
Amen.

Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied „Jesus nimmt die Sünder an“ (EG 353, 1.2.4)

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!
Amen.

Liebe Geschwister,
eine Zeitlang lang habe ich in den letzten Monaten gar nicht mehr gerne Nachrichten geschaut oder gelesen. Es gab überwiegend besorgniserregende Meldungen über die neuen hochansteckenden Mutationen des Coronavirus, über das schleppende Vorankommen des Impfens, über Demos der Coronaleugner, über trotz aller Bemühungen steigende Inzidenzzahlen. Und daneben noch die vielen schlechten Nachrichten über Terror und Krieg in aller Welt, die uns ja eigentlich genauso viele Sorgen machen müssten wie die Folgen der Pandemie. Aber daran sind wir leider schon gewöhnt.

Seit wenigen Wochen und Tagen fällt mir nun auf, dass es mehr und mehr die positiven Meldungen gibt, die in den Medien veröffentlicht werden: stark fallende Inzidenzzahlen, Lockerungen und Freiheiten, die den Menschen ermöglicht werden, Zahlen, wie viele Personen bei uns schon eine oder sogar schon zwei Impfungen haben und vieles mehr. Es geht jetzt öfter auch um das, was seit Ausbruch der Pandemie gelungen ist (oder was auch Tag für Tag unabhängig von Corona gelingt). In Berichten und Beiträgen steht immer wieder der einzelne Mensch im Blick: da berichtet eine Pflegekraft von der verantwortungsvollen Arbeit auf der Intensivstation. Ein Elternpaar erzählt, wie es die schwierige Zeit von Homeschooling und Homeoffice erlebt. Eine Urlauberin beschreibt, wie sie sich freut, jetzt endlich in den Flieger steigen zu können und eine Woche auf Mallorca Urlaub machen kann. Ein alleinstehender alter Mensch spricht darüber, wie er mit seinem Leben zurechtkommt. Unser Blick wird dadurch viel mehr auf den einzelnen Menschen gerichtet. Auf wen müssen wir besonders achten? Was kann man für ihn oder für sie tun?

Der Blick auf den Einzelnen spielt auch im heutigen Predigttext eine wichtige Rolle. Zwei kleine biblische Geschichten, die wir gut kennen: Ein Hirte findet nach langer Suche sein eines, verirrtes Schaf. Eine Frau stellt ihr ganzes Haus auf den Kopf, bis sie ihr einzelnes verlorenes Geldstück gefunden hat. Große Freude ist in beiden Texten das Ergebnis. Sie möchten uns sagen: Gott sucht die verlorenen Menschen, er ist dabei unermüdlich- und er freut sich, wenn er sie aus ihrer Gottesferne und Orientierungslosigkeit herausretten kann.

Genauso ist Jesus, der die Gleichnisse erzählt, den Menschen begegnet. Er zeigt, dass bei ihm nicht nur Platz ist für die Rechtschaffenen und Frommen, sondern auch für SünderInnen und Zöllner, für Prostituierte und Kleinkriminelle, für Halbgläubige und Ungläubige.
Er heilt Menschen von einer schlimmen Krankheit oder Behinderung und macht deutlich, dass ein solches Schicksal, blind oder gelähmt oder sonst wie beeinträchtigt zu sein, keine Strafe Gottes ist.
In seinen Streitgesprächen mit Pharisäern und Schriftgelehrten versucht er ihnen deutlich zu machen, dass die 10 Gebote und andere religiöse Bestimmungen und Regeln den Menschen Freiheit ermöglichen wollen; Freiheit in der Bindung an Gott. Dass sie aber für die jeweilige Situation ausgelegt werden müssen und sich diese Situationen auch ändern können. Dass Gott den Menschen zutraut, dass
sie verantwortungsvoll damit umgehen.

Sicher, liebe Gemeinde, wir brauchen Gesetze und verbindliche Regelungen, um in einem Staat, einer Gemeinschaft, einer christlichen Gemeinde, in einer Familie, in einem Verein gut miteinander leben zu können, um Frieden und Freiheit zu bewahren, Schwache zu schützen und das Leben zu fördern. Aber, so würde Jesus vielleicht formulieren, wir müssen immer wieder danach fragen, in welchem Geist und in welcher Haltung zu den Menschen die Gesetze und Regeln entstanden sind. Für ihn sind es die Weisungen Gottes, die die Richtung vorgeben. Und in seinen Geschichten und Handlungen lässt er sie lebendig werden. Das Schaf, das sich verirrt und das der Hirte so lange sucht, bis er es tatsächlich wiederfindet. Der Groschen, der zuhause in irgendeinen versteckten Winkel rollt. Die Frau, der das Geld gehört, macht sich unheimlich viel Mühe beim Suchen danach und gibt nicht auf, bis sie das Geldstück entdeckt hat.

Es braucht die Stimme von außen, meint Jesus. Es braucht Einsicht in die verschiedenen Möglichkeiten, Schaden zu heilen. Es braucht immer auch Mut, neue Wege zu gehen. Der Hirte, der gegen alle Regeln, dem einen Tier seiner Herde nachgeht und alle anderen einfach eine ganze Weile sich selbst überlässt. Die Frau, die wahrscheinlich wichtigere Dinge zu tun gehabt hätte, als stundenlang nach dem einen Groschen zu suchen.
Misstrauen, Pessimismus, Desinteresse helfen nicht weiter. Wenn wir uns immer nur erzählen, was alles schrecklich oder katastrophal oder unfassbar ist, wenn wir also vor allem auf die negativen Meldungen starren und dann sagen: Wie kann das nur sein?, dann werden wir nicht zu einem friedlichen und lebensfördernden Miteinander finden. Dann werden wir überhaupt nicht zueinander finden.

Aber, liebe Geschwister, es geht auch anders. Deshalb finde ich es sehr gut, auch einmal die vielen positiven Nachrichten in den Vordergrund zu stellen. Das tut uns allen gut. Deshalb gefällt mir auch sehr, dass Jesus erzählt, wie ein Lebewesen, das in Todesgefahr gerät, schließlich gerettet wird. Das ist gut für das Schaf und für die Herde. Oder dass er eine eigentlich ganz belanglose, aber intensive und schließlich erfolgreiche Suche nach einem Geldstück thematisiert. Gott gibt keinen Menschen auf. Jeder und jede ist ihm wichtig, weil er die Menschen liebt. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient, bei Gott sowieso, aber auch bei uns. Jeder Mensch hat es verdient, dass man ihm mit Achtung und Respekt begegnet, dass er in seiner jeweiligen Lebenssituation „gesehen“ wird. Das ist gut für den einzelnen und gut für die Gemeinschaft. Es braucht den Geist und die Haltung, die das zulässt: Aufmerksamkeit, Vertrauen, Glauben. Auch daran möchte Jesus mit den beiden Gleichnissen erinnern.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn“ (EG 618, 1-3)

Wir beten:
Herr, dein Haus ist für jeden und jede von uns offen
und du gibst uns darin einen eigenen Platz.
Du liebst uns so sehr, dass du uns niemals verloren gibst.
Und zugleich lässt du uns die Freiheit, eigene Wege zu suchen.
Dafür danken wir dir.

Wir bitten dich für alle, die in ihrem Leben orientierungslos sind,
die ihren Glauben verloren haben, die auf der Suche sind nach sich selbst, nach Gemeinschaft, nach einem Sinn für ihr Dasein.

Stelle Menschen an ihre Seite, die ihnen helfen können,
die für sie zu Vorbildern werden, die ihnen Mut machen
und neue Wege weisen.

Lass uns aufeinander achten und so miteinander umgehen,
wie du es dir für uns wünscht, als Menschen,
die in dir verbunden sind.
Lass Glaube, Hoffnung, Liebe unter uns lebendig bleiben.
Und schenke uns deinen Frieden.
Amen.

Wir beten: Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied „Wo die Liebe wohnt/Ubi caritas“ (EG 587)

Segen:
„Wo die Liebe wohnt und Güte, wo die Liebe wohnt, da ist unser Gott.“
So segne euch Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

 

Gottesdienst am 13. Juni 2021 - 2. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
seien Sie/seid ihr herzlich begrüßt zu unserem Lesegottesdienst für Sonntag, den 13. Juni. Es ist der 2. Sonntag nach Trinitatis. Der Wochenspruch aus dem Matthäus- Evangelium, Kap. 11, Vers 28 wird uns durch die kommende Woche begleiten:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das schöne Lied „Die güldne Sonne“ (EG 449, 1-3)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gebet:
Herr Jesus Christus, du lädst uns ein, in dein Haus zu kommen.
Du stärkst uns an deinem Tisch mit allem, was wir zum Leben brauchen:
Liebe, Barmherzigkeit, Vergebung, Hoffnung.
Wir danken dir, dass du uns alle einlädst, egal, wer wir sind.
Lass uns eine Heimat finden bei dir, zusammen mit denen, die bei dir versammelt sind.
Amen.

Lesung und zugleich Predigttext ist das Gleichnis vom großen Abendmahl (Lukas, 14, 16- 24):
„Er (Jesus) aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit! Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht : Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, werden mein Abendmahl schmecken.“
Amen.

Wir loben Gott, indem wir unseren christlichen Glauben bekennen:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 225, 1-3 „Komm, sag es allen weiter“

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
heute denken wir über das Gleichnis vom großen Abendmahl nach, das uns der Evangelist Lukas überliefert. Ein „Festmahl“ nennt es die Gute-Nachricht-Bibel in ihrer Übersetzung. Und „Festmahl“ passt sehr gut zu dem, was ich gerne sagen möchte. Wir verstehen den Text nach den Erfahrungen der letzten 16 Monate vielleicht noch einmal ganz neu. Mehrere Lockdowns haben wir erlebt und Versammlungsverbote; zeitweilig durfte man sich sogar nicht zum Gottes -dienst versammeln.
Ein solches fröhliches Fest mit Essen und Trinken, mit einer nicht festgelegten Anzahl von Gästen- jeder darf kommen-, wo bestimmt auch keine Abstände und weitere Regelungen vorgesehen waren, haben wir lange nicht erlebt.

Aber wir merken auch, wie wir uns nach solchen Einladungen sehnen. Wir freuen uns darüber, dass die Inzidenzzahlen überall sinken und wieder mehr möglich ist. Eben auch Feste. Wir möchten gerne mal wieder mit anderen Menschen an einem Tisch sitzen, nicht nur mit dem engsten Familienkreis und begrenzter Anzahl von Haushalten.
Oder eingeschlossen mit uns selbst, weil wir in Quarantäne gehen mussten.
Wir haben das Zusammensein mit anderen schmerzlich vermisst.

Und wenn uns bald wieder eine Einladung ins Haus flattert, dann würden wir sie nicht so schnell absagen und einfach nicht hingehen. Eine Einladung ablehnen, mit manchmal nur vorgeschobenen Gründen, das heißt nein sagen zum Leben. Aber vor Corona war uns das gar nicht so bewusst. Denn wir glaubten, dass das Leben woanders wäre, in unserer hektischen Welt mit allen möglichen Vorhaben und Terminen. Da ist gar nicht Zeit für alles, schon gar nicht für uns selbst. Deshalb ein Nein! Ich kann leider nicht! Ich muss mich um meine Ehe kümmern. Meinen Garten pflegen, habe gerade einen neuen Rasenmäher gekauft, das Gras ist schon so hochgewachsen, das muss jetzt ab. Ich habe gerade ein neues Auto gekauft, eine Probefahrt steht bevor- dazu habe ich nur dieses Wochenende Zeit, tut mir leid. Ihr müsst mich entschuldigen.

Ich denke, dieses Verhalten kennen wir von uns nur zu gut. Vor Corona. So geistlos waren wir, so blind, so krank. Corona hat uns gezeigt, dass wir andere Menschen brauchen. Die Pandemie hat uns gelehrt, dankbar zu sein. Die Gemeinschaft Wert schätzen, die Gastfreundschaft, das Leben. Wir sind vom Tod zum Leben übergegangen. Da ist etwas mit uns geschehen. All das, was wir bisher für selbstverständlich hielten und dessen Wert wir nicht gesehen haben, das haben wir nun wiederbekommen- als ein Geschenk.

Wir sind zu einem Fest eingeladen. Wir sind die, von denen das Gleichnis spricht, die da draußen an Straßen und Ecken, die Blinden und Lahmen. Wir sind die, die sich freuen können und die nun Ja danke! sagen. Zu dieser großen Festmahlzeit- ohne Versammlungs- regeln. Ohne Abstände und Hygienevorschriften, ohne Maske, ohne ausliegende Anwesenheitslisten. Ein Fest ist das! Und die Gast -freiheit kennt keine Grenzen! Das macht uns allerdings fast skeptisch. Gibt es so etwas? Was ist das für ein Gastgeber, der feiern will, auch wenn er immer wieder neu einladen muss, weil seine Gäste wegbleiben? Alle Stühle sollen besetzt sein. Er weiß doch gar nicht, was er für Gäste in sein Haus lässt, nehmen sie ihn überhaupt ernst, vielleicht meckern sie übers Essen, randalieren, verwüsten alles. Vielleicht hat er ja auch gar nicht genug Essen da. Hat er keine Angst davor?

Mir scheint, liebe Geschwister, er ist ein äußerst großzügiger Geber. Er will das, was er hat, nicht für sich behalten, sondern gibt alles weg in einem Fest- mit allen möglichen Menschen, die nie im Leben seine Einladung erwidern oder sich sonst wie revanchieren könnten. Das ist unser Gott. So kennen wir ihn. Als den, der sich ganz hingibt. Teilt, was ihm gehört. Der es gut mit den Menschen meint. So liebevoll und gut. Zugleich so zornig, fast beleidigt darüber, dass manche so in sich gefangen sind, dass sie nicht sehen, was wirklich wichtig ist, was unserem Leben Sinn gibt, was uns zu Menschen macht. Dass man die Fähigkeit hat, etwas anzunehmen. Danken und annehmen. Geben und annehmen. In einer echten Beziehung stehen zum anderen. Liebe haben zum Leben.

Nach den dunklen Monaten im Lockdown und in der Verschlossenheit können wir es nun sehen. In diesem Licht sollen wir die frohe Botschaft des Evangeliums sehen: die Hinwendung Gottes zur Welt- in seinem Sohn Jesus Christus- das ist die Einladung, an einem großen Fest teilzunehmen. Christus ging den Umweg zu denen draußen-den Armen, Kranken, Außenseitern, Sündern, die kein Netzwerk hatten, das sie pflegen konnten. Und das sie unterstützte. Niemand lud sie ein zu einem Fest. Denn sie konnten die Einladung nicht erwidern. Denn es war dies, mit ihm zusammen zu sein, dass er- Jesus, ein anderer Mensch- eben in ihr Haus kam; das veränderte alles, machte ihr Leben hell, brachte Freude. Sie gingen vom Tod zum Leben. Sie hatten teil am ewigen Leben- in ihm- und alles wurde anders. Sie konnten so weiterleben, als wären sie nicht arm, als wären sie keine Sünder, weiterleben, als wären sie die Größten im Himmelreich-Gottes Kinder.

Und nun sitzen wir hier. Wir hören jeden Sonntag im Haus Gottes die frohe Botschaft. Lassen unsere Kinder taufen auf Jesu Namen, weil wir mit ihnen das Fest des Lebens teilen wollen. Wir essen und trinken am Tisch Christi, um uns stärken zu lassen für unseren Glauben und unser Leben.

Wir sollen nichts anderes tun als annehmen. Ist das so schwer? Das Leben annehmen, jeden einzigen Tag und es miteinander teilen. Das ist es, was Jesus wollte. Dass wir den Tod hinter uns lassen und froh miteinander hier leben- zusammen- und in den Sommer hineingehen, wo die Nacht nie mehr kommt.

Alles ist bereit. Kommt!

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied „Eines Tages kam einer“ (NL 34, 1-4)

Fürbitten:
Herr,
du lädst alle Menschen zu dir ein.
Es ist niemand zu klein oder zu groß, zu arm oder zu reich, um zu dir zu gehören.
Wir bitten dich für die Menschen, die deine Einladung nicht annehmen wollen oder können.
Hilf mit, dass sie ihre inneren Widerstände überwinden können und erkennen,
wie gut du es mit ihnen meinst.
Mach unsere Herzen weit, dass auch wir ihre Nöte erkennen und uns dafür einsetzen,
dass wir alle miteinander an deinem Tisch sitzen können.
Wie ein Fest wird es sein, in deiner neuen Welt.

Und alles, worum wir Gott sonst noch bitten möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel,…

Lied EG 170, 1-3: „Komm, Herr, segne uns“

Segen:
Der Segen Gottes, der komme über dich und bleibe bei dir, von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 06. Juni 2021 - 1. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst zum Sonntag, den 6. Juni. Es ist der erste Sonntag nach dem Trinitatisfest. In der Predigt werden wir uns heute mit dem Propheten Jona aus dem Alten Testament beschäftigen. Gott hat einen wichtigen Auftrag an ihn, aber Jona fürchtet sich davor. Er zweifelt, ob die Menschen, zu denen Gott ihn sendet, dessen warnenden Worte hören wollen.
Der Wochenspruch für die neue Woche lautet dazu passend:
„Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (Lukas 10, 16a).
Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das Lied EG 444, 1-3
„Die goldene Sonne bringt Leben und Wonne, die Finsternis weicht“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gebet:
Du, Gott des Lebens,
deine Stimme hat uns auf deinen Weg gerufen,
und dein Wort gibt uns täglich neuen Mut.
Lass uns auch heute auf das hören, was du uns sagst, in den Liedern, die wir hören (und singen), in den Worten, die wir lesen, in den Gebeten, die wir sprechen.
Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt in Ewigkeit.
Amen.

Die Lesung und zugleich der Predigttext steht im Buch Jona,Kap. 1, 1.2 und Kap. 2, 1.2.11:
„Es geschah das Wort des Herrn zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen. (Jona versucht zu fliehen und geht auf ein Schiff, das ihn in die entgegengesetzte Richtung bringen soll. Ein Sturm kommt auf, Jona wird ins Meer geworfen, damit der Sturm aufhört.) Aber der Herr ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem Herrn, seinem Gott, im Leibe des Fisches. Und der Herr sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land. “
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 382, 1-3: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Gemeinde,
das kurze Buch Jona, nur 4 Kapitel, ist eines der schönsten Bücher der Bibel. Und eines der bekanntesten. Es erzählt davon, wie Gott ist. Und wie wir Menschen sind. Wie das Leben ist.
Es erzählt von der großen Stadt Ninive; heute heißt sie Mossul im heutigen Irak. Ninive ist die Hauptstadt eines Weltreiches, in dem nur die Macht zählt, nicht die Menschen. Dafür müssen die Menschen leiden und sterben. Die Gegner, die sie besiegt haben, die Kriegsgefangenen, die nur so zum Spaß getötet werden. Und auch die eigenen Leute. Ein Weltreich, in dem der Mensch nicht zählt- da kann Gott nicht einfach tatenlos zuschauen! Da muss er eingreifen, und er tut es.

Allerdings anders, als zu erwarten wäre. Er hätte Ninive vernichten können. Weltreiche kommen und gehen. Der Untergang Ninives wäre keine Überraschung gewesen. Aber Gott will Menschen nicht vernichten, auch die Bewohner Ninives nicht. Für ihn zählt der Mensch, jeder Mensch, selbst der verrufenste. Ninive zu vernichten, ist deshalb keine Option, die Gott will. Es ist nur die allerletzte Möglichkeit. Aber es muss dort anders werden. Und kann es auch. Menschen können sich ändern, auch die in Ninive. Gott hat sie noch nicht aufgegeben. Darum schickt er ihnen einen Propheten. Der soll ihnen sagen, was auf dem Spiel steht: „Noch 40 Tage, dann ist es vorbei mit Ninive. Dann geht die Stadt unter!“ Das klingt nicht gerade ermutigend, im Gegenteil. Aber Gott weiß, was er tut. Das sind Worte, die in Ninive ankommen werden.

Aber einer muss ihnen diese Worte sagen. Wenn Gott etwas tun will, braucht er dazu Menschen. Aber wer will schon nach Ninive und der Stadt ihren Untergang ankündigen? Das ist ein gefährlicher Job. Ein Himmelfahrtskommando. Wer lässt sich schon gerne zur Ordnung rufen? Noch dazu, von einem Unbekannten aus einem anderen Volk? Gott braucht einen Propheten, einen Gottesmann, der seine harten Worte weitergibt. Seine Wahl fällt auf den Mann Jona. Warum gerade auf ihn? Das wissen wir nicht. Gott traut es ihm eben zu. Aber Jona selbst traut es sich nicht zu. Er will den Auftrag nicht. Er ist ihm zu heikel, ein paar Nummern zu groß für ihn. Da gibt es bestimmt viele andere, die so etwas besser können als er. Er ist dafür nicht der richtige. Aber was soll er jetzt machen? Er kann ja nicht so tun, als hätte er den Auftrag Gottes nicht gehört! Jona rennt weg, in die genau entgegengesetzte Richtung. So weit weg, wie es irgendwie geht. Es ist fast schon rührend, wie Jona versucht zu flüchten. Mit einem Schiff, Richtung Westen. Als ob er Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde einfach so entkommen könnte.

Tatsächlich wird er Gott so nicht los. Gott gibt keinen Menschen auf, auch Jona nicht. Er braucht einen Boten und er hat ihn dazu ausgewählt. Dabei bleibt er, auch wenn Jona das gar nicht will. Ich denke mir: Vielleicht ist Gott es gewohnt, dass Menschen, die er in seinen Dienst ruft, durch die er etwas bewirken will, erst einmal ablehnen. An ihren Fähigkeiten zweifeln. Wenn er darauf warten wollte, bis er Menschen findet, die mit seinen Aufträgen einverstanden sind, könnte er lange warten. So bleibt es bei Jona, auch wenn dessen Enthusiasmus zu wünschen übriglässt. Den Auftrag wird er nicht mehr los. Allerdings muss Gott sich einiges einfallen lassen, um ihn zurückzuholen.

Ein schwerer Sturm kommt auf, das Schiff droht zu sinken. Die Seeleute fürchten um ihr Leben. Jeder fleht zu seinem Gott um Rettung. Schließlich werden sie auf Jona aufmerksam, der mitten im schwersten Sturm im Bauch des Schiffes liegt und friedlich schlummert. Auch er soll zu seinem Gott flehen. Vielleicht kann der helfen. Zugleich machen sich die Seeleute auf die Suche nach der Ursache. Es muss jemanden an Bord geben, der an ihrem Unglück schuld ist. Eine gefährliche Theorie: es muss immer einen Schuldigen geben, wenn etwas passiert. Unzählige sind dieser Vorstellung schon zum Opfer gefallen. Um herauszufinden, wer von ihnen der Schuldige ist, greifen die Seeleute zu einem alten religiösen Mittel: Sie werfen das Los. Es fällt ausgerechnet auf Jona. Die Seeleute sind gottesfürchtig. Sie wollen keinen Unschuldigen opfern. Sie befragen ihren Mitreisenden, um herauszufinden, warum sein Gott ihm zürnen könnte. Auch nachdem Jona sein Fehlverhalten eingeräumt hat und vorschlägt, sie sollen ihn einfach ins Meer werfen, versuchen sie alles, um sein Leben zu retten. Erst, als es keine andere Möglichkeit mehr gibt, entschließen sie sich zum letzten Schritt. Sie beten zum Gott des Jona und bitten ihn im Voraus um Vergebung um das, was sie jetzt tun müssen. Sie erkennen die Macht dieses Gottes an.

Sobald sie Jona ins Meer geworfen haben, legt sich der Sturm. Das Schiff setzt seine Reise fort. Was Jona angeht, da können die Seeleute ganz unbesorgt sein. Gott sorgt dafür, dass er unbeschadet wieder ans Land kommt. Jona wird ja noch gebraucht. Da kommt der große Fisch, der ihn verschluckt und ihn so vor dem Ertrinken rettet. Drei Tage und drei Nächte bleibt er im Bauch des Fisches. Jona im Lockdown. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie intensiv man in so einem Lockdown betet: dass einen der Mut nicht verlässt und die Hoffnung. Dass man überlebt. Dass man die normalen Alltagsdinge nicht zu selbstverständlich nimmt, dankbar bleibt. So ist auch Jonas Gebet ein einziger großer Dank an Gott, der ihn in der Gefahr behütet und gerettet hat. Schließlich spuckt der große Fisch ihn am Ufer aus, den Propheten wider Willen.

Kann das wirklich so gewesen sein? Ist das nicht zu sehr fantasiert, fragen manche. Darum geht es gar nicht, ob das so oder so wirklich geschehen ist. Es geht darum, ob die Geschichte des Jona uns berührt. Mich berührt sie, ich kann mich gut in diesem widersprüchlichen Menschen Jona widerfinden. Warum macht Gott sich so viel Mühe? Dass er Jona nicht aufgibt, dass er Ninive nicht aufgibt? Warum setzt er alle Hebel in Bewegung, damit die Menschen in Ninive umkehren, ihre Sünden einsehen und bereuen, er könnte die Stadt doch einfach dem Erdboden gleichmachen? Die Jonageschichte erzählt uns vom Gott der Liebe. Er geduldig, gnädig und von großer Güte. Wenn Menschen in ihrem Leben auf Abwege geraten, wünscht er sich, dass sie wieder auf den richtigen Weg zurückfinden, zu Gott selbst zurückfinden. Gott will die Rettung und nicht die Vernichtung der Menschen. Dieses kleine Prophetenbuch zeigt uns, wie das im Idealfall aussehen kann. Als Jona endlich doch in Ninive eintrifft und den Menschen dort mit seiner Predigt ins Gewissen redet, hat das großen Erfolg. Die ganze Stadt geht in Sack und Asche, selbst der König. Sie hoffen, dass Gott ihnen verzeiht, dass ein Neuanfang in der Beziehung zu ihm und untereinander möglich sein kann.

Und Jona? Seine Begeisterung hält sich in Grenzen. Eigentlich hätte er es lieber gesehen, dass Gott die Menschen in Ninive straft. Seiner Meinung nach hätten sie das verdient. Dass Gott sich erweichen lässt ist, gefällt ihm nicht. Obwohl er doch gerade selbst die Vergebung und die Güte Gottes am eigenen Leib erfahren hat. Gottes Liebe und Gnade ist eben größer als wir Menschen uns das vorstellen wollen und können. Bei Gott gibt es immer wieder eine neue Chance. Er gibt niemanden auf. Auch heute nicht. Auch uns nicht. Jeder Tag ist eine neue Chance. Jeder Augenblick ist eine Möglichkeit, mein Leben zu ändern und neu zu beginnen.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 395,1-3: „Vertraut den neuen Wegen“

Fürbitten:

Liebender Gott,
du sprichst zu uns, dass wir erfahren, wie es in Wahrheit um uns steht. Lass uns im Durcheinander der Stimmen, der Meinungen, der Botschaften und Ratschläge dein Wort heraushören. Schenke uns Menschen, die uns dein Wort wahrhaftig und glaubhaft vermitteln.

Wir bitten dich für alle, die orientierungslos sind, die sich verstrickt haben in eigenen und fremden Lügen, die vor dir und vor sich selbst weglaufen möchten: Gehe du ihnen nach, lass sie deine Liebe spüren und zeig ihnen durch dein Wort, wie ihr Weg weitergehen kann.

Wir bitten dich für die Menschen, die es gerade besonders schwer haben, die krank sind, arm, von Gewalt bedroht, die um ihr Leben und das ihrer Liebsten bangen müssen. Die einen lieben Menschen verloren haben und trauern. Schenke ihnen neue Hoffnung durch dein Wort und sende Menschen zu ihnen, die für sie da sind.

Amen.

Alle unsere Bitten fassen wir zusammen in den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied EG 503, 1.2.8: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“

Segen:
Der Segen Gottes komme über dich
und bleibe bei dir von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 30. Mai 2021 - Trinitatis (Kirchengemeindehaus Ottersweier)

Liebe Gemeinde,
ganz herzlich begrüße ich Sie zum Gottesdienst am Sonntag Trinitatis, dem Fest der Heiligen Dreieinigkeit. Dieser Sonntag hat zwei Themen: Wir feiern, dass sich uns Gott offenbart hat als der Schöpfer, dass er Mensch geworden ist in Jesus von Nazareth und dass er gegenwärtig ist im Heiligen Geist und dass er darin zu zugleich der Eine und Selbe ist. Das ist ein großes Geheimnis. Wir können es feiern und uns ihm anvertrauen, weil der Heilige Geist diese Erkenntnis in uns wirkt. Der Heilige Geist und sein Wirken, das ist das zweite Thema dieses Gottesdienstes, uns vorgegeben durch das Evangelium des Tages.

Lied EG 139,1-3 Gelobet sei der HERR

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Psalm 113:

Halleluja! Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobet den Namen des Herrn!
Gelobt sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit!
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn!
Der Herr ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.
Wer ist wie der Herr, unser Gott, der oben thront in der Höhe,
der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde;
der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz,
dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes;
der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Gebet:

Liebender Gott, größer und geheimnisvoller als wir fassen können. Wir beten dich an, wir preisen, ehren und loben dich, an diesem Morgen und unser Leben lang.

Wie unermesslich und wunderbar bist du in deiner Schöpfung. Wir können nur staunen! Je mehr wir entdecken, desto geheimnisvoller bist du uns als Schöpfer.

Doch dein Angesicht erkennen wir in deinem Sohn Jesus Christus. Du bist nicht nur unbegreiflich groß. Du hast dich auch ganz klein gemacht, bist unser Bruder geworden, hast unser Leben gelebt, bist unseren Tod gestorben und hast für uns das ewige Leben errungen.

Wir bitten dich: Sende uns deinen Geist; wohne selbst in uns, mach dir Raum in dieser Welt, durchatme deine ganze Schöpfung, dass sie erneuert werde, ein Ort der Gerechtigkeit und des Friedens.

Lesung Joh 3,1-8: Jesus und Nikodemus

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

Ansprache:

Liebe Gemeinde,
das Evangelium für den heutigen Sonntag ist eine Provokation. Es bringt uns eine radikale Botschaft. Doch ich denke: Die Welt heute, unsere Kirche heute, wir alle haben keine Botschaft nötiger als diese, die Botschaft von Gott und seinem Geist.

Die Geschichte beginnt mit einem typischen Hinterzimmergespräch, wie es in Politik und Kirche tausendfach bis heute geführt wird. Gerne finden solche Gespräche bei Nacht statt. Heimlich. Man will nicht gesehen werden. Man will erst mal unter sich sein. Ein Mächtiger, hier ein Vertreter der höchsten Religionsbehörde, dazu gehört er zu den Pharisäern, denen, die die Gebote Gottes bis ins allerkleinste einhalten wollen, so eine ausgewiesene religiöse Führungsperson sucht einen Neuling auf. Einen, der seit kurzem öffentlich auftritt, einen, der Aufsehen erregt, einen, der auch erste Erfolge aufzuweisen hat. Und die Führungsperson will nachfühlen: Passt er zu uns? Zu uns, den Mächtigen und Etablierten? Wenn ja, können wir ihn für uns gewinnen?  Und welche Bedingungen stellt er?

Wenn man hier etwas erreichen will, da muss man erst mal eine gemeinsame Basis schaffen. Das macht Nikodemus sehr geschickt, er benutzt dazu ein Kompliment: „Wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist. Denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist.“ So ein Kompliment - das ist ein glattes Parkett. Lob ist weit wirksamer als Argumente oder Drohungen. Nikodemus öffnet mit diesem Satz Jesus eine Perspektive, er macht ihm ein Angebot. Willst Du ein Lehrer sein, der Anerkennung findet, der Einfluss hat, der Erfolg hat, dann gehe mit uns eine Koalition ein. Wir sind die Wissenden, wir sind die Mächtigen, mit uns zusammen, hast Du Erfolg. Das steht hinter dem Kompliment, das Nikodemus Jesus macht. Wir die Wissenden, die Mächtigen machen Dir dem Neuling ein Angebot. Es ist für Jesus eine Stunde der Versuchung, dieses Gespräch mit Nikodemus. Stellt er sich auf die Seite der Mächtigen? Oder geht er einsam den Weg, auf den er sich von Gott gerufen weiß?

Dabei ist in solchen Gesprächen nie klar: Meint der Mächtige es ernst? Interessiert er sich wirklich für den Neuling? Oder ist es ein Test, dass man dem Neuen nur mal auf den Zahn fühlen will? Bei solchen Gesprächen weiß man das nie. Das wissen wir auch bei Nikodemus nicht!

Wir wissen aber, wie Jesus reagiert hat: Barsch, hart, grundsätzlich. Denn normalerweise geht ein Gespräch nach dem Feststellen der gemeinsamen Basis etwa so weiter: Wenn Du aber zu uns, den Wissenden, den Mächtigen, den Einflussreichen gehören willst, dann haben wir auch Bedingungen. So beginnt die Kumpanei, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kirche. Mit solcher Art Hinterzimmergesprächen sichern sich die Mächtigen ihre Macht – bis heute.

Doch Jesus erkennt die Gefahr, Jesus erkennt die Versuchung, Jesus spürt das glatte Parkett, auf das Nikodemus ihn geführt hat.

Deshalb unterbricht er ihn barsch:  „Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Das sitzt. Das ist eine Klarstellung. Mit dieser feierlichen Feststellung ist erst einmal Distanz geschaffen. Nein, es geht nicht um das was Ihr Mächtigen wisst, es geht nicht um eine gemeinsame Basis für eine mögliche Zusammenarbeit, es geht nicht um meinen oder Euren Erfolg und wie man ihn organisieren kann. Dagegen geht es um das Reich Gottes, um das, was Gott tut, nämlich sein Reich schaffen. „Und willst Du dazu gehören, dann musst Du ein neuer Mensch werden. Dann musst Du  neu geboren werden.“

Von der Ebene des Wissens, der Macht des Einflusses bringt Jesus das Gespräch auf die existentielle Ebene, auf die Ebene des Lebens. Sehr bestimmt und entschieden weist Jesus das Angebot des Nikodemus zurück. Und stellt damit das ganze Unternehmen der frommen Mächtigen in Frage. Nicht auf Euer Wissen kommt es an, nicht auf Eure Macht, nicht auf eine mögliche Zusammenarbeit mit mir: Worauf es ankommt, das ist dass jeder und jede von Euch neu geboren wird, ein neuer Mensch wird.

Da schrickt Nikodemus zurück: Das ist nicht möglich! „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in den Leib seiner Mutter kommen, und geboren werden?“

Wir wissen nicht, ob Nikodemus wirklich so naiv war, dass er die Bildsprache von Jesus nicht verstanden hat. Oder macht er sich womöglich über Jesus lustig? Oder will er sagen: Niemand kann aus seiner Haut! Dass ein Mensch sich erneuert, dass jemand wirklich anders wird, das ist nicht möglich! Wir bleiben doch immer, die wir sind. Vielleicht können wir unser Verhalten mit viel Disziplin ein wenig ändern, im Grund bleiben wir doch dieselben, die wir immer waren. Wir wissen nicht, wie Nikodemus seinen Einwurf verstanden hat. Wir wissen aber sehr wohl, dass sein Einwurf gegen Jesus bis heute erhoben wird. Erneuerung des Menschen – das ist nicht möglich. Da sind unzählige gescheitert.

Jesus aber bleibt dabei. Noch einmal feierlich wiederholt und ergänzt er: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht durch Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Wasser und Geist – das stammt aus dem ersten Satz der Bibel, Wasser und Geist, das steht ganz am Anfang der Schöpfung, da lesen wir. „Der Geist Gottes schwebt über dem Wasser.“ Daraus schafft Gott die ganze Welt, den ganzen Kosmos. Jesus sagt also zu Nikodemus: Ein neuer Schöpfungsakt ist notwendig, damit das Reich Gottes kommt. Und wie die alte Schöpfung kann auch die neue Schöpfung nur von Gott, nur vom Schöpfer selbst kommen. Radikal wendet Jesus den Blick weg von den Menschen, weg von dem was wir können und schaffen, lenkt den Blick auf Gott. Von ihm selbst muss die Erneuerung kommen. Und damit bekommt auch das Bild von der neuen Geburt seinen Sinn: Niemand kann sich selbst gebären. Geburt – das ist das passivste Geschehen in unserem ganzen Leben. Wir können uns nicht selbst machen, wir können uns nicht selbst das Leben geben – Gott allein gibt das Leben. Und wie er das erste natürliche Leben gibt, so auch das neue Leben, das Leben des Reiches Gottes. Nikodemus ist verhaftet in das, was wir Menschen tun und können. Er rechnet allein mit menschlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Das nennt die Bibel, nach dem Fleisch leben. Das hat nichts damit zu tun, dass der Körper schlechter ist als der Geist, dass es womöglich bei Fleisch um Sex geht. Aus dem Fleisch leben, das heißt allein mit den gegebenen Umständen rechnen, allein nach dem üblichen Vorgehen handeln. Sein Wissen und seine Macht nutzen, nichts darüber hinaus erwarten, erhoffen, für möglich halten. Das ist die Einstellung, die Nikodemus zu diesem Hinterzimmergespräch geführt hat. Die Möglichkeiten von Wissen und Macht einsetzen, durch einen jungen Lehrer möglichst verbreitern, ganz auf menschliche Möglichkeiten setzen.

Jesus aber setzt auf Gott und Gottes Möglichkeiten. Jesus erwartet das Neue von Gott. Der ist unfassbar, wie der Wind. Der lässt sich nicht in ein religiöses System einsperren. Der lässt sich nicht befehlen, wie man den Wind nicht befehlen kann. Den kann man nur erwarten. Um den kann man nur bitten. Für den kann man nur bereit sein. Oder sich ihm verschließen, weil man völlig in sich selbst und seinem Wissen und Handeln gefangen ist.

Das Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus bricht kurz nach dieser Stelle ab. Er geht zurück in die Nacht, zurück zur obersten Religionsbehörde in Jerusalem. Nur indirekt erfahren wir, wie das Gespräch auf ihn gewirkt hat. Denn als später seine Behörde gegen Jesus vorgehen will, da erinnert er daran, dass man niemanden ohne ordentliches Verfahren verurteilen darf. Er macht sich damit selbst verdächtig (Joh. 7,50-52). Und noch später - nach dem Tod von Jesus spendet Nikodemus für dessen Bestattung eine große Menge wertvolles Öl (Joh 19,39). Wir dürfen also annehmen, dass das Gespräch mit Jesus bei ihm gewirkt, dass die Erneuerung bei ihm angefangen hat. Damit wird Nikodemus zum Vorbild für uns: Dass auch wir den Geist Gottes erwarten. Dass wir um ihn bitten. Dass wir offen sind für sein Kommen. Damit er uns erneuert für Gottes ewiges Reich.

Amen.

Lied: NL 105,1-3 Atme in uns Heiliger Geist

Fürbitten:

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm und erneuere uns: Wo wir uns festgefahren haben, mache uns frei; wo wir verzweifelt sind, wecke neue Hoffnung; wo wir müde sind, stärke uns. Wecke in uns den Glauben, der viel von dir erwartet.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm und erneuere deine Kirche, damit sie aus ihrer Schicksalsergebenheit herauskommt, Kleinmut und Enge überwindet, dass sie auf dein Kommen und deine Kraft vertraut.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm und erneuere das Zusammenleben der getrennten Kirchen, dass sie offen sind für dein Wirken und so zueinander finden.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm zu unseren  Brüdern und Schwestern, die in so vielen Ländern bedrückt, zurückgesetzt, verfolgt werden. Dass sie nicht verzweifeln, dass der Feindschaft ihrer Gegner gewehrt wird.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm in die Zerstrittenheit der Völker und Staaten. Wir denken besonders an den Hass und die Gewalttaten zwischen Israelis und Palästinensern. Wir denken an die wachsenden Spannungen zwischen Ost und West. Dein Geist, der ein Geist des Verstehens und der Versöhnung ist, führe zusammen, was sich hasst und bekämpft.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm zu den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft,  Wissenschaft und Medien. Du bist ein Geist der Einsicht schenkt und Verantwortung stärkt. Wirke in allen, denen Macht anvertraut ist.

In der Stille beten wir weiter und bitten um das Kommen des Geistes zu allen Dingen, die uns beschäftigen.

Vater unser

Vater unser im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Lied EG 140,2-4 (Brunn alles Heils)

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
So segne dich der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

(Pfarrer Bender)

 

Predigt zum Gottesdienst am 30.05.2021 (Kapelle zum Guten Hirten, Sand)

Liebe Gemeinde,

mit dem Ursprung von Pfingsten, das als Fest im Frühling gilt, können die meisten Menschen nichts anfangen. Ausgießung des Heiligen Geistes? Was ist das? Das gilt auch für den Dreieinigkeitssonntag, Trinitatis. Was soll das wieder? Nun, die die Dreieinigkeit Gottes ist eine gedankliche Konstruktion – sie kommt am Anfang eines jeden Gottesdienstes vor. Sie soll drei Wirkungsweisen erklären: Gott als der , der alles in Leben rief, Gott geht im Menschen Jesus auf uns Menschen zu, er wirkt in uns Menschen durch seine Kraft, durch seinen Geist. Um diese Kraft Gottes, die in uns Gutes bewirken will, geht es; um den guten Geist Gottes.

Wir hören jetzt ein Stück aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther, Kapitel 12, 4-12 (Basis Bibel):

„Es gibt zwar verschiedene Gaben, aber es ist immer derselbe Geist. Es gibt verschiedene Aufgaben, aber es ist immer derselbe Herr. Es gibt verschiedene Kräfte, aber es immer derselbe Gott. Er bewirkt alles in allen Menschen. Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle.

Der eine ist durch den Geist in der Lage, mit Weisheit zu reden. Ein anderer kann Einsicht vermitteln – durch denselben Geist! Einem Dritten wird durch denselben Geist ein besonders starker Glauben gegeben. Wieder ein anderer hat durch den Geist die Gabe zu heilen. Ein anderer hat die Fähigkeit, Wunder zu tun. Ein anderer kann als Prophet reden. Und wieder ein anderer kann die Geister unterscheiden. Der Nächste redet in verschiedenen unbekannten Sprachen, ein weiterer kann diese Sprachen deuten. Aber das alles bewirkt ein und derselbe Geist. Er teilt jedem eine Fähigkeit zu, ganz so wie er es will.“

Der Abstand zwischen den Worten des Paulus und uns ist erheblich. Er richtet sie an eine bunte Gemeinde. Sie ist von ihm einige Jahre zuvor in der Hafenstadt Korinth gegründet worden. Sagen uns diese Worte des Paulus etwas? Wir werden es hören.

Der Christenglaube war für die Menschen etwas Neues. Es gab in der Gemeinde Dinge, die wir heute sehr skeptisch ansehen. Da konnte jemand Wunder tun. Andere redeten begeistert in unverständlicher Sprache, wie es das heute noch in den sogenannten Pfingstgemeinden gibt. Wieder andere hatten den Durchblick durch die Vielfalt in der Gemeinde und im Leben. Natürlich gab es auch Streit um die Rangfolge der Begabungen. Deswegen der Brief.

Und wir in unseren Gemeinden? Wir sind oft ärmer an Gaben und Begabungen und freuen uns, wenn sich überhaupt etwas im Namen Gottes zeigt und tut – für die Gemeinde und für andere.

Wir haben uns gefreut dieses Jahr an Ostern, dass unser Altarraum in Gaggenau so festlich geschmückt war. Das war ein Trost für unsere Augen und für unser Gemüt in diesen schwierigen Zeiten. Die Frau, die diesen Schmuck bereitet hat, hat diese Gabe, diese Begabung. Um Begabung durch Gott geht es hier.

Da ist ein Mann, der hat die Gabe, unseren Gemeindebrief so schön und ansprechend zu gestalten, dass hoffentlich nur wenige ihn gleich in den Papierkorb werfen.

Da gibt es eine Frau, die ab und zu anruft und nach uns fragt. Sie ruft auch an, wenn wir niedergeschlagen sind. Sie möchte trösten und aufrichten. Sie hat diese Gabe.

Einem Mann liegt der Kindergottesdienst besonders am Herzen. Weitere Gaben könnte ich nennen, z.B. die Gabe der Musik und des Singens, was in unserer Evang. Kirche so wichtig ist, und in diesen Zeiten nur eingeschränkt möglich ist.

Bei all diesen Gaben aus der Kraft Gottes ist damals wie heute wichtig, dass sie die Gemeinde zusammenführen, also zum Nutzen anderer dienen sollen. Wenn ich mich bei Computerspielen auskenne, so hilft das in der Regel niemandem anders. Meist sitze ich allein vor dem Apparat. Es hilft in der Regel keiner Gemeinde oder an einer anderen Gruppe.

Wichtig ist auch der Satz: Gott ist es, der diese Gaben in uns Menschen weckt, in allen Menschen. Sicher kann ich an meinen und mit meinen Begabungen weiterarbeiten. Aber es ist nicht mein Verdienst, wenn ich eine gewisse Fähigkeit habe, ein Können, das für andere Menschen nützlich machen kann. Ich denke z.B. an die Fähigkeit und Gabe, einen Blumenschmuck zu gestalten.

Es gibt auch keine Rangfolge der Begabungen in der Gemeinde. Das betrifft auch Priester oder Pfarrer, die es damals noch nicht gab. Schriftworte des Alten Testaments wurden allerdings ausgelegt.

Ich fasse zusammen: Gott, durch seinen Heiligen Geist schenkt uns Menschen Gaben, Begabungen. Wir dürfen mit ihnen und an ihnen arbeiten. Wir dürfen sie zum Nutzen anderer in oder außerhalb der Gemeinde einsetzen. Eine Rangfolge der Gaben Gottes gibt es nicht, keine ist höher als die andere.

Amen.

(Pfarrer Badelt)

 

Gottesdienst am 24. Mai 2021 - Pfingstmontag

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Herr sei mit Euch.
Amen.

Lied: Nun jauchzt den Herren alle Welt (EG 288, 1+2)

Barmherziger Gott und Vater,
du schenkst uns deinen Geist,
dass wir dein Wort verstehen
und dich immer mehr erkennen können,
dass wir dich loben und preisen
und dir immer mehr dienen können,
dass wir Mut empfangen
und dein Evangelium immer besser weitergeben können, dass wir zur Freude geführt werden
und diese Freude immer mehr ausstrahlen,
dass wir uns für die Gemeinschaft der Heiligen
begeistern und uns immer mehr in sie einbringen.
Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt
und wirkt in Ewigkeit.
Amen.                                                            

Schriftlesung: Johannes 20, 19–23

Lied: O komm Du Geist der Wahrheit (EG 136, 1, 4 und 7)

Predigt:

Der Predigttext steht im 1. Korintherbrief 12, 4-11

Liebe Gemeinde,
mit dem Pfingstfest tun sich viele Christen schwer. Mit dem Heiligen Geist erst recht. Man sieht es auch: Die Pfingstgottesdienste sind bis auf wenige Ausnahmen eher mager besucht. Viele nehmen in dieser Zeit Urlaub, gehen auf Reisen. Pfingsten ist heute unbedeutend.

Ganz anders in der Bibel. Die Heilige Schrift berichtet von Pfingsten als dem Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist die unsichtbare Kraft Gottes, die nur an ihrem Wirken erkannt werden kann. So stattet der Heilige Geist die Gläubigen mit Gaben aus, damit die Kirche Jesu Christi gebaut werden kann.

Der Heilige Geist bringt Bewegung und Leben: Die Apostel versammelten sich im Abendmahlssaal in Jerusalem. Doch dieser Ort blieb nur der Ausgangspunkt für ihr Wirken. Ihr Ziel war ein anderes, nämlich die Grenzen der Erde. Bis dorthin sollen sie das Evangelium des gekreuzigten, auferstandenen und in den Himmel aufgefahrenen Herrn verkünden. Der Heilige Geist befähigt dazu.

Die frohe Botschaft muss unter die Leute. Sie predigten das Evangelium, sie tauften die Menschen, sie gründeten christliche Gemeinden. Deshalb bezeichnet man Pfingsten auch landläufig als das »Geburtsfest der Kirche«: Vom Heiligen Geist angetrieben, gingen die Apostel in die Welt hinaus, um dort Zeugnis abzulegen von Jesus Christus, dem Heiland und Retter der Welt. Nicht mehr zaghaft und ängstlich, wie vor Kreuz und Auferstehung, sondern freimütig mit Hingabe. Eben ausgestattet mit den Gaben des Heiligen Geistes.

Der Apostel Paulus redet in diesem Bibelwort von den Gaben des Heiligen Geistes. Er hatte Anlass dazu. In der korinthischen Gemeinde kam es zu allerhand geistlichen und theologischen Entgleisungen. Er wurde als Gründervater um Rat gefragt. Wie verhält es sich nun mit den Gaben des Heiligen Geistes in der christlichen Gemeinde oder Kirche? So spricht Paulus:

1. Über die Vielfalt der Gaben
2. Über den Zweck der Gaben
3. Über den Ursprung der Gaben

1. Von der Vielfalt der Gaben

Ich möchte mit einem Beispiel einsteigen: Da baut jemand ein Haus. Viele Handwerker werden gebraucht: Maurer, Zimmerleute, Installateure, Elektriker, Maler, Fliesenleger, Gipser, Schreiner und noch viele, viele mehr. Jeder Handwerker hat eine ganz bestimmte Arbeit zu verrichten, ob als Meister, Geselle oder Lehrling. Alle arbeiten sie am gleichen Bau. Alle werden sie gebraucht, so unterschiedlich sie sind. Alle sind sie gleich wichtig.

So ist das auch in der christlichen Gemeinde. Sie ist einem Bauwerk zu vergleichen. Die Gläubigen bauen alle mit, denn sie haben dazu die Gaben des Heiligen Geistes bekommen. Wer Jesus Christus nachfolgt, ist ein Beschenkter. Beschenkt mit Gottes Heiligem Geist und seinen Gaben. Es gibt keine unbegabten Jesus-Nachfolger. Damals nicht und heute nicht.

»Es sind verschiedene Gaben… verschiedene Ämter … verschiedene Kräfte …«: Die Vielfalt der Gaben. In der Kirche Christi gilt nicht die Gleichheit, sondern die Vielfalt. »Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben, dem andern ein Wort der Erkenntnis … einem andern die Gabe, gesund zu machen … die Kraft, Wunder zu tun, einem andern prophetische Rede, einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen.«

Gott teilt seine Gaben unterschiedlich aus. Sicher sind in diesem Gabenkatalog des heutigen Predigttextes längst nicht alle Gaben aufgezählt. Es gibt Christenmenschen, die beispielsweise aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr aus dem Haus können, aber sie haben die Gabe der Zeit. Zeit kann man nützen. Zum Beispiel zum Gebet. Beten für die Gemeinde, beten für die Außenstehenden, für die Alleine gelassenen, beten für unsere Kirche, beten für die Nachbarn, die Kirchengemeinderäte, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Beten für die Kranken, für die Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger und … und … und. Zeit haben ist ein großes Geschenk. Jeder und jede hat Gaben empfangen. Es sind ganz unterschiedliche Gaben, vielfältige Gaben.

2. Vom Zweck der Gaben

Wenn beim Hausbau verschiedene Handwerker arbeiten, dann ist es klar, dass sie in ihrer Verschiedenheit alle einem Zweck dienen, nämlich dem Bau dieses Hauses. Entscheidend für den Bauherrn ist nachher nicht mehr, wer an diesem Bau gearbeitet hat, sondern wie gearbeitet wurde und dass dieses Haus nun steht und seinen Zweck erfüllt, hoffentlich auch Freude aufkommt und die Handwerker gelobt werden.

Auch in der christlichen Gemeinde ist das so. Bei aller Vielfalt der Gaben, sie dienen nur einem Zweck: Dem Aufbau der Kirche bzw. Gemeinde. Der Apostel schreibt: »Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller«.

Jesus Christus will durch uns Gläubige sein Reich bauen. Dazu gibt Gott den Heiligen Geist und die entsprechenden Gaben, die jeweils dazu nötig sind. Wir sollen sie für das Ganze der Gemeinde einbringen.

Nun gibt es auch Christen, die Gaben haben, sie aber nicht zum Tragen bringen, sie brach liegen lassen. Dafür mag es manche Gründe geben.
Sie sind von ihrer Kirche enttäuscht.
Sie lassen sich lieber bedienen. Von anderen in der Gemeinde.
Sie haben zu viele Programme nebenbei.
Hier ist der Zweck verfehlt, die Gaben »entzweckt«. Das Ziel nicht erreicht. Das ist wie Dienstverweigerung.

Nein, die Gaben des Geistes werden im Reich Gottes zu Aufgaben. Dabei wird niemand überfordert. Gott selbst sorgt dafür. Paulus schreibt ausdrücklich: »Dem einen wird durch den Geist gegeben…« zum Beispiel, dem Nächsten ein tröstendes Wort zu sagen, oder einfach dem andern zuzuhören, damit er seiner Seele freien Lauf lassen kann. Der eine hat die Gabe, die Kirche zu schmücken, der andere eine Gruppe zu leiten. Die jungen Leute bringen ihre technischen und kreativen Begabungen ein. Gottes Phantasie ist grenzenlos, wenn es um diesen einen Zweck geht: seine Gemeinde geistlich aufzubauen.

Bitten wir doch den Herrn, dass er uns die Augen öffnet für unsere Gaben und für die Gaben der anderen. Er lädt alle ein, mitzubauen.

3. Vom Ursprung der Gaben

Verschiedene Gaben, verschiedene Ämter, verschiedene Kräfte; »aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen«. Alle Gaben, Ämter, Kräfte haben einen Ursprung. Es sind Geschenke des dreieinigen Gottes. Wir Gläubigen sind und bleiben die Empfangenden. Was wir haben, haben wir von ihm. Es geht um ihn, nicht um uns. Es geht um Gottes Reich, nicht um unser Ansehen. Manche Gaben sind stärker, übernatürliche Begabungen, andere sind eher natürliche Begabungen. Aber alle Gaben kommen von Gott. Jede kleine Gabe ist gleich wichtig.

Auf eine Gefahr muss noch hingewiesen werden beim Bau des Reiches Gottes: Wir alle sind gefährdet, die Gaben auf unser Konto zu buchen. Einen Personenkult zu pflegen, wie das wohl auch in der korinthischen Gemeinde der Fall war. Aber es geht bei allem, was wir tun und was uns gelingt, nicht um uns, es geht um Gott und Jesus, um Gottes Ehre. Es geht darum, dass Menschen für den Glauben an Jesus Christus und sein Reich gewonnen werden.

Johann Sebastian Bach wusste offensichtlich davon, wenn er entweder an den Anfang oder an das Ende seiner Werke schrieb:  s.d.g. – »Soli deo gloria«, zu Deutsch: »Gott allein die Ehre«. Am historischen Kanzelkorb der Bachkirche in Arnstadt ist das Kürzel noch heute in kunstvoller Ausgestaltung zu sehen.

Wenn wir so die Gaben des Heiligen Geistes einsetzen, zur Ehre unseres Herrn und zum Aufbau der Gemeinde, immer auf den Herrn unseres Glaubens hinweisend, werbend, dann sind wir in der Spur Gottes. Zu seinen Jüngern hat Jesus gesagt: »Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein.«

So gewinnt Pfingsten eine neue Bedeutung.
Amen.

Lied: Sonne der Gerechtigkeit (EG 262, 1–3.6–7)

Fürbitten:

Herr, für deinen Leben schaffenden Heiligen Geist danken wir.
Lass ihn wirksam werden in unserem Miteinander
in der Gemeinde, in den Ehen und Familien,
im Verhältnis der Generationen,
in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz.

Lass ihn wirksam werden,
dass wir verständnisvoller miteinander umgehen
und uns einander so annehmen,
wie du uns angenommen hast.

Lass deinen Geist vor allem da wirken,
wo wir Menschen geneigt sind,
uns auf unseren eigenen Geist zu verlassen:
in der Politik und Wirtschaft, in der Forschung,
Erziehung und im Gesundheitswesen,
in den Schulen und Universitäten.

Wir erbitten deinen Geist für alle Christen
in allen Kirchen und Konfessionen.
Schenke Bereitschaft zum gemeinsamen Gespräch
und Mut zum gemeinsamen Handeln.
Hilf uns, dass wir einander dienen,
ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.

Wir bitten dich für alle,
deren Leid und Elend uns Zeitungen und Fernsehen
Tag für Tag vor Augen führen.

Für alle, die von Krankheit gezeichnet sind,
für die alten Menschen,
die oft nicht mehr geachtet werden,
für die Leidtragenden, die schwer tragen,
für die Fremden unter uns, die wenig Anschluss haben und meist auf sich gestellt sind.

Wir bitten für alle, die um deines Namens willen verfolgt, geächtet oder benachteiligt sind.
Hilf ihnen und stärke sie in ihrem Glauben.
Baue dein Reich mitten in unserer Zeit, in unserer Welt, dass noch viele Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit und damit zum ewigen Heil kommen.

Dir, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
sei Lob und Preis und Anbetung jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Lied: Wach auf, wach auf (EG 241, 1+2)

Empfangt den Segen des Herrn:
Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch Frieden.
Amen.

(von Prädikant Reininger)

 

Gottesdienst am 16. Mai 2021 - Exaudi

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den Sonntag Exaudi, den 6. Sonntag nach Ostern.
Exaudi bedeutet „Höre“ und bezieht sich auf den Psalm 27, wo es heißt: “Herr, höre meine Stimme“. Darauf vertrauen, dass Gott uns hört, wenn wir mit ihm sprechen.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Wir beginnen mit dem Lied EG 136, 1-3 „O komm, du Geist der Wahrheit“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet zu Beginn:
Komm zu uns, Gott, damit wir deine Kraft spüren, deinen Trost, deine Freude, deine Leichtigkeit.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, Grund unserer Hoffnung von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Als Lesungs- und zugleich Predigttext haben wir einen Abschnitt
aus dem Epheserbrief, Kapitel 3, Verse 14- 21:
„Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“
Amen.

Wir loben Gott, indem wir unseren christlichen Glauben bekennen:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied NL 116, 1-4: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“

Predigt:
Gnade sie mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Geschwister,
wenn wir große Sorgen haben, dann helfen ein Blickwechsel und eine Unterbrechung. Ein Gebet z.B. unterbricht das Kreisen um die eigenen Gedanken und ermöglicht uns, alles einmal von einer anderen Seite her zu betrachten. Das weiß der Briefschreiber, vermutlich ein Schüler des Apostels Paulus, der an die große christliche Gemeinde in Ephesus schreibt, in der heutigen Türkei, und er betet. In der Mitte des Briefes, im 3. Von 6 Kapiteln, von der ersten bis zur letzten Zeile. Von den Knien bis zum jubelnden Mund, von Kopf bis Fuß, mit Leib und Seele. Er findet große Worte, die seine Leserinnen und Leser zum Mitsprechen einladen, vor allem am Ende: „Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Schon fast im Reflex, automatisch, sprechen wir mit: „Amen.“ Und mit dem gemeinsamen Amen sind wir mittendrin im Beten; wir haben uns unterbrechen lassen, lassen unseren Blick zum Himmel gehen, zu Gott.

Wir hören überschwängliche Worte zum überschwänglichen Wirken Gottes. Sag Gott nicht, dass du große Sorgen hast- sag deinen Sorgen, dass du einen großen Gott hast! Dem großen Gott, der mehr wirkt, als wir verstehen oder sogar erbitten können, diesem Gott wird die Gemeinde anvertraut; vertraut doch darauf: Gott will und wird in euch wirken! Das ist Hoffnung gegen die Ängstlichkeit. Es ist ein Gebet, das Menschen stärkt und ihnen Kraft und Zuversicht gibt, indem es sie von neuem zu Gott führt. Der Briefschreiber baut betend die Menschen auf, indem er ihnen die Größe Gottes vor Augen führt.

Liebe Geschwister! Manchmal brauchen wir das dringend. Das Gebet für die Gemeinde in Ephesus ist so wichtig, dass es den Beter nicht auf den Füßen hält. Er kniet nieder. Wer kniet, macht sich klein.
Es ist ein Zeichen der Achtung des Respektes, manchmal auch ein Schuldeingeständnis. Unvergessen ist das Bild vom Kniefall des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt am Mahnmal für die Opfer beim Aufstand des Warschauer Ghettos. Wer kniet, sammelt sich, liefert sich aus. Ein Mensch, der kniet, hält inne, konzentriert sich, richtet die ganze Aufmerksamkeit auf diesen einen Moment. Es ist eine starke Geste, die man nicht groß erklären muss. In diese starke Geste nimmt das Gebet uns hinein. Mit seinem ganzen Sein und Handeln, mit ganzem Körpereinsatz bittet der Beter für die Gemein- de in Ephesus, deren Menschen unsicher und mutlos in ihrem Glauben geworden sind. Und er schließt auch alle die ein, die in ihrem Glauben gefestigt sind. Mit seiner großen Geste stellt er ihnen Gottes große Liebe vor Augen. Ein Gebet verändert. „Beten Sie für mich“, bitten mich manchmal Gemeindemitglieder, die in einer schwierigen Situation sind. Menschen, die wissen, dass andere für sie beten, berichten, dass allein das Wissen um das Gebet ihnen hilft. Vielleicht haben Sie das auch schon selbst erfahren. Ich fühle mich getragen durch die Fürbitte anderer Menschen. Andere sprechen meinen Namen vor Gott aus, tragen meine Geschichte, meine Sorgen vor Gott. Schon dieses Wissen macht Mut. Das, was mich beschäftigt und bewegt, so groß es mir erscheint- Gott ist größer. Gott ist so groß, dass wir vor ihm auf die Knie fallen, uns ihm ausliefern und ihm anvertrauen. Und er ist größer als alles, was mir auf den Schultern lastet. Was soll Gott für uns tun? Er soll Kraft geben nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, damit wir stark werden am inneren Menschen. Vielleicht ändert sich nach außen gar nichts. Vielleicht bleibt bestehen, was mir Sorgen macht. Aber mein innerer Mensch kann eine andere Haltung dazu gewinnen. Der innere Mensch, der Personenkern, der mich ausmacht. Hier sitzt meine Stärke, hier schlägt mein Herz. Die Kraft des inneren Menschen hält mich in der Spur, lässt mich meine Zuversicht bewahren und darauf vertrauen: Gott gibt mir für alles, was mir begegnet, genug Kraft. Er räumt mir nicht alles aus dem Weg. Aber er hilft mir, damit umzugehen. Es zu ertragen oder Widerstand zu leisten, nach Lösungen zu suchen. Und ich spüre: Es hängt nicht von mir ab, ob mein Leben gelingt.

Ihr Lieben, wer sich auf die Knie begibt, macht sich klein.
Im Gebet erwarten wir Großes von Gott, für uns selbst und für andere Menschen. Was bedeutet es für meinen Nachbarn, wenn ich für ihn bete, dass er wieder eine Beziehung zu Gott aufbauen kann? Was bedeutet es für unsere christliche Kirche, wenn wir Großes für sie erwarten- nicht, weil wir so gute Ideen und Konzepte für sie haben, sogar jetzt unter den besonderen Corona-Bedingungen- sondern weil wir sie dem großen Wirken Gottes anvertrauen? Was bedeutet es für andere, wenn ich ihre Sorgen vor Gott trage und ihnen davon erzähle? Wir stehen mit dem Sonntag Exaudi zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus ist nicht mehr leiblich unter uns, aber er begleitet uns weiter durch seinen guten Geist. Das entlastet uns. Wir sind nicht verantwortlich dafür, dass Menschen zum Glauben finden oder dass die christliche Kirche immer weiter wächst. Wir können der Kraft Gottes vielleicht manchmal im Weg stehen, und sie behindern, das kommt vor. Aber wir können diese Kraft nicht selbst machen. Sich miteinander und füreinander vor Gott versammeln, das ist unsere Sache. Darin liegen ungeahnte Kräfte - für uns, für die christliche Gemeinschaft- sogar für die Gesellschaft. Sag Gott nicht, wie groß deine Sorgen sind, sondern sag deinen Sorgen, wie groß Gott ist.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 501,1-3 „Wie lieblich ist der Maien“

Fürbitten:
Du Geist aus Gott,
hilf uns, dass wir glauben können,
mach uns stark, dass wir das Richtige tun können,
öffne unseren Mund, dass wir den Menschen von dir erzählen,
heile unsere Wunden,
versöhne uns mit den Wegen unseres Lebens.
Führe uns den Weg, der aus Gott kommt und zu Gott geht.
Amen.

Alles, worum wir Gott sonst noch bitten möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel…

Lied NL 189, 1-3: „Sei behütet auf deinen Wegen“

Segen:
Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht.
Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

So segne dich Gott, der Vater, der Sohne und der Heilige Geist.
Amen.

Gottesdienst am 13. Mai 2021 - Christi Himmelfahrt

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Den heutigen Gottesdienst zum Fest Christi Himmelfahrt feiern wir als Open-Air-Gottesdienst zusammen mit der Evangelischen Kirchengemeinde Bühl und ihrem Pfarrer Dr. Götz Häuser vor der Kapelle zum Guten Hirten auf dem Sand. Für die musikalische Begleitung sorgt der Bühler Posaunenchor.
Es grüßt Sie und euch herzlich Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 501, 1-3: „Wie lieblich ist der Maien“

Begrüßung:
Liebe Menschen aus den Kirchengemeinden Bühl und Bühlertal, liebe Gäste hier auf dem Sand! Ein herzliches Willkommen zum Fest Christi Himmelfahrt! Die Glocke der Kapelle zum Guten Hirten hat uns zum Gottesdienst eingeladen. Wir haben gemerkt, sie ist ganz schön laut, lauter als die Motorräder, PKWs, Laster und Busse, die die Schwarzwaldhochstraße rauf- und runterfahren. Und das ist gut so. Mit ihrem Ton „a“, auf den sie gestimmt ist, kann man sie weithin über die Schwarzwaldberge hinweg bis nach Herrenwies hören.
In diesem Jahr feiert sie ihr hundertjähriges Jubiläum. Sie ist ein Geschenk der Gemeinde Dallau bei Mosbach. „Ein feste Burg ist unser Gott“ trägt die Glocke als Inschrift. Beim Vaterunsergebet werden wir sie nochmal hören. Wenn wir noch länger da sind, um 12 Uhr mittags und um 18 Uhr, auch noch einmal. Sie schlägt an einem Ort, an dem die Menschen sich dem Himmel ein ganzes Stück näher fühlen, hier oben auf dem Berg. Ein passender Ort zu Christi Himmelfahrt. Uns allen einen gesegneten Gottesdienst.

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Herr Jesus Christus, die Bibel erzählt uns heute von deiner Himmelfahrt. Hilf uns verstehen, dass du uns damit nicht ferngerückt bist. Du bist mitten unter uns. Auch jetzt, wenn wir Gottesdienst feiern. Dafür danken wir dir.
Amen.

Lesung aus Apostelgeschichte 1,6-14, zugleich Predigttext:
Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen:
Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er aber sprach zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis ans Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
Amen.

Predigt:

Gnade sei mit euch u. Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Geschwister, was bedeutet das heutige Fest Christi Himmelfahrt?
Himmelfahrt bedeutet Abschied. Jesus hat kurze Zeit mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gelebt, ein, zwei oder drei Jahre lang. Er ist mit ihnen durch das Land gezogen, hat ihnen vieles gezeigt und erklärt. Er ist immer für sie dagewesen, hat ihnen die Familie ersetzt, die sie seinetwegen verlassen haben. Jesus hat ihnen Mut gemacht in Situationen, die uns auch heute Angst machen: schwere Erkrankungen, Tod, Verzweiflung, Mutlosigkeit, Perspektiv -losigkeit, verachtet sein, Fremdsein. Ja, wir könnten in diesen Corona-Zeiten auch gut so einen lebendigen Jesus brauchen, der uns zum Leben und zum Glauben ermutigt.

Aber nach seiner Kreuzigung und Auferstehung ist Jesus auf einmal weg! Seine engsten Vertrauten haben keine Gelegenheit mehr, sich von ihm zu verabschieden. Hat er sie einfach sitzenlassen?
Der Verfasser der Apostelgeschichte, der sich Lukas nennt, hat das so empfunden, dass die Zeit des Zusammenseins Jesu mit seinen Jüngern zu kurz war. Und sein plötzlicher Abschied zu schmerzhaft und missverständlich. Deshalb lässt er ihn in seinem Bericht noch 40 Tage lang nach seiner Auferstehung von den Toten unter den Menschen auf der Erde sein. Jesus zeigt sich, tut Zeichen und Wunder, um ihren Glauben zu wecken.

Doch irgendwann ist auch diese Zeit vorbei. Mit dem Ereignis der Himmelfahrt verabschiedet sich der irdische Jesus endgültig von den Menschen. Sie müssen von da an auf seine direkte Anwesenheit verzichten. Die Hoffnungen, die sie in ihn gesetzt hatten, erfüllen sich nicht. Er richtet eben nicht noch für alle sichtbar die Gottesherrschaft auf, in Israel, in der ganzen Welt, von der er doch immer gepredigt hatte.

Liebe Gemeinde,
hier oben auf dem Berg, die Vorstellung von der Himmelfahrt Christi hat den Menschen der ersten christlichen Gemeinden dabei geholfen, mit der Situation dieses endgültigen Abschieds innerlich fertig zu werden. Der Himmel, das ist der Ort, der Bereich, der Gott gehört. Wenn die Apostelgeschichte berichtet, dass Jesus in den Himmel auffährt, dann heißt das: er ist jetzt bei Gott, im Schutzbereich Gottes. Wo Gott ist, da ist der Himmel. Nun ist die Vorstellung von der Himmelfahrt aber nicht als Trostpflästerchen gedacht.

Der Verfasser der Apostelgeschichte und die Menschen, die dieses Bild schon vor ihm gebrauchten, die wollten damit über Jesus Christus ein Bekenntnis ablegen. Sie wollten anderen damit sagen: Jesus von Nazareth ist nicht nur ein gewöhnlicher Mensch wie du und ich. Er steht Gott so nahe, da passt kein Blatt Papier dazwischen. Auf ihn vertrauen wir, nach ihm wollen wir unser ganzes Leben ausrichten. Er ist die oberste Instanz, über ihm kommt nichts mehr.

Sehnsüchtig schauen die Jesu Jünger in unserem Predigttext nach oben, in den Himmel; vielleicht wären sie gerne mit ihrem Meister entschwebt. Wie gut, dass es hier noch die Männer in weißen Kleidern gibt, die Engel, die ihren Blick in eine andere Richtung lenken. Sie fragen: „Was starrt ihr da so in den Himmel?“ Die Jünger werden von ihnen gewissermaßen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sie machen ihnen klar, dass sie ab jetzt ohne die Gegenwart Jesu auskommen müssen und auf eigenen Füßen stehen. Und sie haben einen Auftrag: was Jesus bisher sagte und tat, das sollen sie jetzt weiterführen. Jesus vertraut auf den guten Geist Gottes, dass er die Jünger weiterleiten wird. Sie sollen erwachsen werden im Glauben, sich darin weiterentwickeln, sogar anderen diesen Glauben weitergeben und sie zu einem Leben im Sinn Jesu ermutigen. Und das gelingt ihnen auch; davon legt die Apostelgeschichte Zeugnis ab. Sonst wären wir-vermutlich- heute Morgen gar nicht hier. Und auch die hundertjährige Glocke gäbe es nicht, nicht die Kapelle, nicht die evangelischen Gemeinden in Bühl und Bühlertal und anderswo.

Als Christinnen und Christen erwachsen werden im Glauben und andere Menschen dabei begleiten, das ist der Auftrag Jesu auch an uns heute. Mündige Christen übernehmen nicht einfach das, was andere, was Leitungsgremien der Kirche und der Gemeinden, Pfarrer -Innen einmal festgelegt haben. Sie denken selbst nach, entscheiden, mischen sich ein. Wollen wissen, wofür steht die evangelische Gemeinde, zu der ich gehöre? Wie kommen wir selbst und andere in der Gemeindearbeit, in den Gottesdiensten vor? Was hat das mit uns und unserem Alltag zu tun? Sie stellen Fragen, kritische Fragen, in der eigenen Sprache, auf dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen. Sie engagieren sich und bringen ein, was ihnen wichtig ist. Wenn ich mich hier so umsehe, dann entdecke ich ganz viele solcher mündigen Christinnen und Christen. Erwachsenwerden im Glauben heißt aber auch: Antworten aushalten, die das bisherige Denken und Meinen über den Haufen werfen, die einen neu beginnen lassen. Das kann manchmal ganz schön schwierig sein. Aber es kann gelingen, auch bei uns. Der irdische Jesus hat sich zwar verabschiedet, aber er bleibt ja auf andere Weise. Ein Text aus unserer Zeit fasst das so zusammen: „Es bleibt uns sein Wort, das uns Kräfte verheißt. Wir leben von ihm, von Gottes Geist. Es bleibt uns der Glaube ans Licht der Nacht, ans Kreuz, die verborgene Ostermacht. Es bleibt uns der Auftrag, Gemeinde zu sein, für Frieden zu sorgen und zu schreien.

Es bleibt die Verheißung, dass Gott bei uns bleibt und uns in das Buch des Lebens schreibt. Wir wissen um Jesus Himmelfahrt und rechnen mit seiner Gegenwart.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied: Der Himmel geht über allen auf

Fürbitte:
Herr, wir bitten dich: lass deinen Himmel über uns und unseren Gemeinden aufgehen, leite uns durch deinen Geist und mach uns im Glauben stark.

Wir sprechen das Vaterunsergebet: Vater Unser im Himmel, …

Lied EG 123, 1-3: Jesus Christus herrscht als König

Segen:
Gott segne uns und behüte uns, sende deinen Geist und sei uns gnädig.
So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Gottesdienst am 09.05.2021 - Rogate

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den kommenden Sonntag Rogate, es ist der 5. Sonntag nach Ostern.
„Rogate!“, das heißt übersetzt „Betet!“
So denken wir an diesem Sonntag darüber nach, wie gut es uns tut, wenn wir uns mit allem, was uns bewegt, Gott anvertrauen können.
Es grüßt Sie und euch herzlich Ihre Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel und wünscht einen gesegneten Sonntag.

Am Anfang steht das Lied EG 617, 1-3: „Kommt herbei, singt dem Herrn“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gebet zum Beginn:
Herr, unser Gott.
Du kennst jeden und jede von uns.
Du weißt, was uns freut und was uns Angst macht.
Du kennst unsere Wünsche und Hoffnungen und unsere tiefste Sehnsucht.
Du liebst uns so, wie wir sind.
Wir bitten dich: lass uns spüren, dass du jetzt ganz nah bei uns bist
und schenke uns eine gute Gemeinschaft.
Amen.

Wir hören als Lesung und zugleich als Predigttext
einen Abschnitt aus dem Lukasevangelium, Kapitel 11, Verse 9-13:
„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn bittet, eine Schlange für den Fisch biete? Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten?“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 369, 1.3.7: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“

Predigt:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
wenn Sie zu den Seniorinnen und Senioren unserer Gemeinde gehören, dann haben Sie in Ihrem Leben sicher schon ganz viel gearbeitet: im Garten, in der eigenen Landwirtschaft, im Betrieb, und dann auch noch im eigenen Haushalt. Gerade für Ihre Generation gilt der Satz: „Arbeit war Ihr Leben.“ Und als Sie älter geworden sind und Ihre Kräfte nachließen, da war es für Sie nicht so leicht zu akzeptieren, dass Sie auf einmal gar nicht mehr viel selbst tun konnten.

Sie haben sicher auch schon früh von Ihren Eltern gelernt, dass man es nur zu etwas bringt, wenn man fleißig ist. Aber auch die jüngeren und jungen Menschen unter uns sind in einer Leistungsgesellschaft aufgewachsen. Spätestens, sobald man als Kind eingeschult wird, wird einem schnell klar: es geht um Leistung. Gute Noten werden erwartet, ein möglichst hoher Bildungsabschluss, eine erfolgreiche Lehre oder Studium. Voller Einsatz am Arbeitsplatz. Und dafür muss man etwas tun, sich ordentlich anstrengen. Es wird einem nichts geschenkt!
Der heutige Predigttext aus dem Lukas-Evangelium steht zu diesen Tatsachen scheinbar im Widerspruch, denn von Fleiß, Leistung, Lohn ist nicht die Rede. Im Gegenteil; er meint: Wir empfangen das, was wir zum Leben brauchen, nur aufgrund unserer Bitte.

Wir bekommen, was wir zum Leben brauchen, wenn wir darum bitten. So sagt Jesus. Und er erklärt das mit einem einfachen Beispiel: Stellt euch vor, euer Kind bittet euch um das, was es zum Leben braucht, nämlich Nahrung. Ihr würdet ihm niemals etwas geben, was sein Leben zerstört, etwa eine Schlange anstatt eines Fisches. So gemein wäre doch kein Mensch! Und wenn schon wir Menschen diese wesentlichen Bitten erfüllen, dann wird erst recht Gott keine Bitte, kein Suchen und kein Anklopfen unerfüllt lassen. Und wie unsere leiblichen Eltern dürfen wir Gott um alles bitten, was wir zum Leben brauchen.

Aber: funktioniert das im Leben so einfach? Haben Sie das erlebt, liebe Gemeinde, dass Sie das bekommen haben, worum Sie gebeten haben? Das hat sicher früher schon bei den Eltern nicht immer funktioniert. Die Eltern konnten nicht alle Wünsche erfüllen und wollten es auch gar nicht.

Und mit dem Beten ist das manchmal auch so eine Sache: das Beten fällt nicht immer leicht- und dass Gebete erfüllt werden, erleben wir auch nicht immer.

Beten bedeutet, dass wir uns mit unseren Sorgen, Nöten, Wünschen und unserem Dank Gott anvertrauen. Im Beten vertrauen wir darauf, dass Gott uns als Gegenüber wahrnimmt und unser Gebet ernst nimmt. So bleiben wir, wenn wir beten, nicht allein, sondern wir suchen die Nähe und Gegenwart Gottes.

Jesus sagt: Eure Gebete werden erhört. „Bittet, so wird euch gegeben“, heißt es in unserem Predigttext. Schön wär‘s, denkt jetzt viel -leicht mancher von uns. Wenn wir beten, dann erwarten wir oft, dass alles so kommt, wie wir uns das wünschen. Wie er unsere Gebete erfüllt, liegt jedoch allein bei Gott. Und Gottes Wege und Gedanken sind oft ganz anders als unsere menschlichen Wege und Gedanken.

Beten kann auch heißen, vor Gott zu klagen, ihn sogar anzuklagen und ihm das erfahrene Leid entgegenzuschreien. In der Bibel gibt es die sogenannten Klagepsalmen. Da wendet sich der Beter gerade nicht von Gott ab, er verstummt nicht angesichts seiner Trauer und seines Unglücks. Das Gebet bietet die Möglichkeit, Leid zu verarbeiten, weil man nicht sprachlos bleiben muss.

Beten fällt uns manchmal schwer, weil wir Menschen von klein auf lernen, dass man nur zu etwas kommt, wenn man entsprechend dafür arbeitet. „Bittet, so wird euch gegeben“- uns wäre es lieber, wenn wir immer selber für uns sorgen und alles selbst schaffen und machen könnten.

Aber im Leben gehört beides eng zusammen: das Beten und das Arbeiten. Die Benediktinermönche zum Beispiel haben das früh erkannt und den Spruch „Ora et labora“ zu ihrem Motto gemacht. Beides gehört zusammen und hat bei Gott seinen Platz und seine Zeit.

Liebe Gemeinde, vielleicht ist ja jetzt für Sie gerade die Zeit, das Beten wieder neu zu lernen und zu probieren. Für die älteren und alt gewordenen Menschen- wenn man nicht mehr so viel arbeiten muss. Es kann gut sein, dass es im Leben auch dafür eine Zeit gibt- nach -dem das Arbeiten in den Jahren vorher schon so viel Platz eingenommen hat. Aber auch die jüngeren Menschen, wir alle haben in diesen schwierigen und belastenden Corona-Monaten vielleicht wie- der einen neuen Zugang zum Beten gefunden. Wir haben erfahren, wie bedroht unser eigenes Leben und das der anderen sein kann. Wir haben uns dabei manches mal ohnmächtig und hilflos gefühlt. Und das wird uns weiter begleiten, auch in anderen schwierigen Situationen und Zeiten unseres Lebens. Da tut ist es gut zu wissen, dass es immer noch eines gibt, was man doch tun kann: die Hände falten und beten.

Und wenn man nicht weiß, was man beten soll? Dann reicht für den Anfang wohl ein Seufzen, ein paar Worte, denn Gott weiß, was wir brauchen, schon bevor wir ihn bitten.

Eine Geschichte erzählt: Ein Mönch war eines Tages unterwegs in einer ganz abgelegenen Gegend. Er wusste, dass dort ein sehr frommer Mann lebte, den wollte er besuchen. Als er dort ankam, war er erstaunt. Der fromme Mann besaß keine Bücher, er konnte noch nicht einmal lesen.

„Aber“, fragte der Mönch, „wie kannst du beten, wenn du nicht lesen und schreiben kannst?“

„Ganz einfach“, antwortete der fromme Einsiedler,“ ich kann nämlich das Alphabet aufsagen. Das mache ich und dann bitte ich Gott, dass er sich aus den Buchstaben die richtigen Worte zusammensetzt. So bete ich, und Gott versteht, was ich ihm sagen möchte.“
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 182, 1-3: Halleluja

Fürbitten: Hier ist heute einmal Platz, eigene Fürbitten zu formulieren und vor Gott zu tragen. Versuchen Sie es ruhig einmal!

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Alle unsere Bitten fassen wir zusammen im Vaterunsergebet:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied EG 170, 1-3: „Komm, Herr, segne uns“

Segen:
Der Segen Gottes komme über dich und bleibe bei dir von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 02. Mai 2021 - Kantate

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
zum Sonntag „Kantate“, dem 4. Sonntag nach Ostern, grüße ich alle mit dem Wochenspruch aus Psalm 98, 1 „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“
Wenn auch in den Kirchen derzeit nicht gesungen werden darf, wollen wir heute ein Lied aus unserem Gesangbuch in den Mittelpunkt stellen und darüber nachdenken, „Danke für diesen guten Morgen“ (EG 334). Gerne kann man es zuhause einmal für sich oder mit der Familie singen; es ist ja sehr bekannt.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 243, 1-3: „Lob Gott getrost mit Singen“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Lebendiger Gott,
du schenkst uns Musik für die Seele.
Sie tröstet, weckt Hoffnung und befreit.
Lass in unseren Herzen deine Melodie erklingen,
damit wir in deinem Rhythmus leben,
jetzt und allezeit.
Amen.

Die biblische Lesung für den heutigen Sonntag steht im Lukas-Evangelium, Kapitel 19, Verse 37 bis 40.
Es ist ein kurzer Abschnitt aus dem Bericht des Einzugs Jesu in Jerusalem:
„Und als er (Jesus) schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 334, 1.4.6 „Danke für diesen guten Morgen“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
„Danke für diesen guten Morgen“ ist eines der bekanntesten Lieder aus unserem Gesangbuch. Melodie und Text stammen von Martin Gotthard Schneider, einem Theologen und Kirchenmusiker hier aus Baden. Im Jahre 1961 wurde es in einem Wettbewerb für neue geistliche Lieder preisgekrönt, es ist also genau 60 Jahre alt. Damals wurde nach neuen geistlichen Liedern gesucht, die christliche Texte mit musikalischen Mitteln aus der Unterhaltungsmusik und dem Jazz verbinden. Eine Single-Platte, besungen vom seinerzeit sehr bekannten Botho-Lucas-Chor, machte das Lied schlagartig berühmt.

Es war damals - heute kaum vorstellbar - zwei Wochen lang an der Spitze der Hitparaden. Die Bildzeitung brachte die Schlagzeile: „Danke für dieses Danke!“ Unzählige Menschen wollten es seitdem immer wieder hören und singen. Inzwischen hat es Einzug gehalten in den Stammteil der evangelischen Kirchengesangbücher. Und ist in 25 Sprachen übersetzt worden, auch ins Japanische und in Esperanto. Eigentlich wundert es nicht, dass es so schnell sehr populär geworden ist. Die Melodie ist einfach, eingängig, enthält Elemente und Strukturen, die man aus Schlagern kennt und die sehr eingängig sind. Auch die Textaussagen sind von jedem zu verstehen. Zugrunde liegt dem Lied ein Dankgebet, das im Kreis französischer Arbeiterpriester entstanden ist. Darin heißt es u.a.: „Danke, Herr, Danke! Danke für alle Geschenke, die du mir heute angeboten hast. Dank für alles, was ich gesehen, was ich gehört und empfangen habe.“ Und dann werden ganz viele alltägliche Dinge und Beispiele genannt, für die gedankt werden soll: „die Seife, die so gut riecht, Dank für die Kleider, die mich so gut bedecken, Danke für die Mädchen, denen ich begegnet bin, Danke für jeden guten Tag, den mir einer gewünscht hat, für das Lächeln, für die Liebe der Mutter, die mich zu Hause empfängt."

Ein sehr schöner und anrührender Text. Er spiegelt die Erfahrungen, die ein Mensch an einem bestimmten Tag in seinem Leben macht. Martin Gotthard Schneider hat bei seinem Text die Vorlage verallgemeinert. Er hat Grunderfahrungen aufgenommen, die in den Alltag des Lebens gehören und alltäglich wiederkehren. Für all das dankt er in seinem Lied; es geht ihm darum, Vertrauen und Hoffnung zu wecken. Gottes Hand, die mich leitet. Sein verstehbares Wort, das seine Liebe den Menschen zusagt. Gottes schrankenloses Heil, an dem man sich festhalten kann. Es sind einfache Worte und eine eingängige Melodie, aber der Autor macht es sich nicht zu einfach. Gerade in den letzten beiden Strophen gewinnt er die große Weite des Glaubens und erreicht zugleich eine spürbare Nähe zu den Menschen.

Wir schauen uns drei Strophen des Liedes einmal genauer an.

Danke für diesen guten Morgen, Danke für jeden neuen Tag,
Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.

Nichts in unserem Leben ist selbstverständlich: weder ein guter Morgen, noch überhaupt ein neuer Tag. Das merken wir gerade jetzt, wo durch die Pandemie die Unsicherheiten und die Ängste der Menschen mehr und mehr zunehmen. Aber auch darüber hinaus: Terror, Krieg, unsichere politische Verhältnisse, Bedrohung der Umwelt, Naturkatastrophen, persönliche Krisen, Probleme, schwer- wiegende Krankheiten bei uns selbst und anderen, die uns nahstehen, Verlust von Menschen, die wir lieben, all das bedrückt uns.
Wir fragen: was wird werden? Wie wird es weitergehen?
Man kann durch dieses Lied lernen, Gott einfach dafür dankbar zu sein, dass es überhaupt weitergeht und dass es für viele Menschen oft ganz gut weitergeht.

Danke für manche Traurigkeiten, danke für manches gute Wort.
Danke, dass deine Hand mich leiten will an jedem Ort.

Martin Gottfried Schneider wurde einmal von einem Gemeindemitglied gefragt, warum er denn nur für manche und nicht für alle Traurigkeiten dankt. Er meinte: Ich wollte den Mund nicht so voll nehmen. Es ist schon viel, wenn man in manchen Traurigkeiten einen Sinne sehen kann…
Liebe Gemeinde, dem kann man eigentlich nichts hinzufügen…
Die letzten beiden Zeilen dieser Strophe spielen auf den Psalm 23 an, das Trostlied des Vertrauens auf Gott: „Dein Stecken und Stab trösten mich. „Im finsteren Tal des Lebens ist es gut, wenn wir einen Begleiter haben, der uns hilft da hindurchzukommen, nicht aufzu -geben und zu verzweifeln, sondern zu sehen, wo und wie es für uns weitergehen kann. Viele von uns könnten jetzt von solchen finsteren Tälern erzählen und wie sie darin Hilfe erfahren durften, von Gott und von den Menschen.

Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran.
Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.

Besonders die letzten beiden Zeilen machen mich nachdenklich: Danke, dass ich danken kann? Wie ist es eigentlich, wenn man nicht dankt? Ich denke, man kann dann selbstherrlich und arrogant wer-den. Und schnell einsam. Dass man nicht danken kann, liegt wohl daran, dass man sich zum Dreh- und Angelpunkt seiner eigenen Welt macht. Gott und die Mitmenschen, die er uns an die Seite gestellt hat, die sehen wir gar nicht mehr. Wir nehmen gar nicht wahr, dass wir uns so vieles in unserem Leben nicht selbst erarbeitet haben, sondern dass es uns geschenkt wurde. Und vor allem sehen wir gar nicht mehr, dass in unserem Leben Gott am Werk ist. Wenn wir also danken, sind wir glücklicher: weil wir erkennen oder zumindest ahnen,
dass Gott da ist.

Liebe Gemeinde, damit endet unser Lied. Wenn wir mit dem Herzen dabei waren, haben wir einmal gründlich „danke“ gesagt. Das tut uns selbst gut und auch unserem Verhältnis zu Gott und zu unseren Mitmenschen.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 649, 1.2.5: „Eine freudige Nachricht breitet sich aus“
(dieses Lied stammt ebenfalls von Martin Gotthard Schneider)

Fürbitten:

Gott, wir danken dir für die Melodien, in denen unsere Seele schwingt. Danke für die Musik, in der du uns berührst. Danke für das Singen, in dem wir dir nahe sind.

Wir bitten dich für die Menschen, die deine Botschaft nicht hören und denen nicht zum Singen zumute ist: dass wir mit ihnen und sie mit uns deine Güte preisen.
Und dass dein Wort sie berührt.

Für die Traurigen und Verbitterten, für die, denen die Angst und die Not ihren Mund verschließt: dass sie den Mut finden, zu auszusprechen, was ihnen das Leben schwer macht.

Für die Menschen, die von Verachtung und Hass getrieben werden, bitten wir dich: dass sie den Einklang mit sich und den anderen finden.

Wir bitten dich, dass der Klang deiner Liebe die Welt erfüllt,
dass wir voller Vertrauen, Hoffnung und Dankbarkeit unser Leben bestehen können.
Amen.

Und alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel…

Lied EG 305, 1.4: „Singt das Lied der Freude über Gott“

Als Segenswort möchte ich uns allen den Liedtext der 4. Strophe mit auf den Weg geben:

„Singt das Lied der Freude über Gott!
Lobt ihn laut, der euch erschaffen hat.
Er wird Kraft uns geben, Glanz und Licht wird sein,
in das dunkle Leben leuchtet hell sein Schein:
Singt das Lied der Freude über Gott!“

Dass uns dies möglich sein kann, dazu segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Gottesdienst am 25. April 2021 - Jubilate

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 25. April, den 3. Sonntag nach Ostern. Er trägt den schönen Namen „Jubilate“, d.h. „jubelt!“. Auch, wenn uns zurzeit gar nicht zum Jubeln zumute ist, der Apostel Paulus ermutigt uns im Wochenspruch dazu:
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor. 5,17)

Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Am Anfang steht das fröhliche Osterlied „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“ (EG 112, 1-3)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Himmlischer Vater, wir danken dir, dass wir heute zur Ruhe kommen dürfen, alles bei ablegen, was uns das Herz schwer macht. Sprich zu uns, damit wir innerlich verändert und erneuert werden können. Erfülle uns wieder mit Lebendigkeit.
Amen.

Als Lesungs- und Predigttext ist für heute ein Abschnitt aus der Apostelgeschichte vorgesehen; der Apostel Paulus hält eine Rede auf dem Areopag, einem Hügel mitten in Athen
(Kap. 17, 22-34; Übersetzung nach der Basis-Bibel):

Paulus trat in die Mitte des Areopags und sagte: „Ihr Bürger von Athen! Nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromme Leute. Ich bin durch die Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angeschaut. Dabei habe ich auch einen Altar gefunden, auf dem stand: `Für einen unbekannten Gott.` Das was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was in ihr ist. Er ist der Herr über Himmel und Erde. Er wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand errichtet wurden. Er ist auch nicht darauf angewiesen, von Menschen versorgt zu werden. Er ist es doch, der uns allen das Leben, den Atem und alles andere schenkt. Er hat aus einem einzigen Menschen die ganze Menschheit hervorgehen lassen, damit sie der Erde beiwohnt. Für jedes Volk hat er festgesetzt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. Er wollte, dass die Menschen nach ihm suchen-ob sie ihn vielleicht spüren oder ent- decken können. Denn keinem von uns ist er fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein. Oder wie es einige eurer Dichter gesagt haben: `Wir sind sogar von seiner Art.`
Weil wir Menschen also von Gottes Art sind, dürfen wir uns nicht täuschen: Die Gottheit gleicht keineswegs irgendwelchen Bildern aus Gold, Silber oder Stein. Die sind nur das Ergebnis menschlichen Könnens und menschlicher Vorstellungskraft. Nun- Gott sieht nach- sichtig über die Zeiten hinweg, in denen die Menschen ihn nicht gekannt haben. Aber jetzt fordert er alle Menschen an allen Orten auf, ihr Leben zu ändern. Denn Gott hat einen Tag festgesetzt, um über die ganze Welt zu richten. Dann wird er Gerechtigkeit walten lassen durch den Mann, den er dazu bestimmt hat. Dass dieser Mann wirklich dafür bestimmt ist, hat Gott allen Menschen durch dessen Auferstehung von den Toten bewiesen.“ Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach, lachten ihn einige seiner Zuhörer aus. Aber andere sagten: “Darüber wollen wir ein andermal mehr von dir hören!“ So verließ Paulus die Versammlung. Einige Leute schlossen sich ihm an und kamen zum Glauben. Unter ihnen war Dionysius, der dem Areopag angehörte, eine Frau namens Damaris und einige andere.“

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn. Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 628,1-3: „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
Paulus stellt fest: in Athen gibt es für alles und jeden einen Gott, selbst für den „unbekannten Gott“. Der Apostel sieht die Sehnsucht der Menschen nach Gott, nach Geist und Leben. Ihre Frömmigkeit rührt ihn. Er spricht zu ihnen von einem Gott, der kein Haus braucht, schon gar kein prächtiges, keine Tempel und keine Priester, die ihn hofieren. Was für ein Gott wäre das, der das nötig hätte?
Das wissen auch die Athenerinnen und Athener. Deshalb zitiert Paulus in seiner Rede aus Texten eines damals bekannten und beliebten Dichters. „Wir leben, bewegen uns und sind in Gott“ und „Wir sind sogar von seiner Art“. Der eine, wahre Gott ist überall am Werk, mitten im Leben und im Guten. Im Menschsein, das uns alle verbindet. Nicht in dem, was uns unterscheidet und trennt.

Liebe Schwestern und Brüder,
in diesem einen Corona-Jahr haben es viele Menschen vermisst, nicht mehr wie gewohnt zum Gottesdienst in die Kirche zu kommen. Bes. schmerzlich war es für sie, die großen christlichen Feste nicht gemeinsam mit den anderen aus ihrer Gemeinde feiern zu können. Ostern, schon zum zweiten Mal. Weihnachten. Taufen, Konfirmationen und Trauungen mussten und müssen verschoben werden, manchmal auf unbestimmte Zeit. Bei Trauerfeiern darf in der Trauerhalle nur ein begrenzter Kreis zusammenkommen. Wenn die Inzidenzzahlen weiter steigen, wird es vielleicht auch noch einmal bei uns dazu kommen, dass wir in unseren Kirchen keine Präsenzgottesdienste anbieten dürfen. Die kirchlichen Angebote im Internet, im Fernsehen und Radio sind in diesem einen Jahr umso wichtiger geworden.
An manchen Orten gibt es- statt Gottesdiensten- offene Kirchen, in die man gehen kann, um eine Kerze anzuzünden und still zu beten.

Manche beten zuhause, wenn sie die Kirchenglocken läuten hören.
Von einer Familie aus unserer Gemeinde hörte ich, dass sie sogar zu Ostern eine eigene Hausandacht gefeiert haben; jedes Familien -mitglied hat dabei einen Teil übernommen. Das ist auch etwas, was wir in dieser Zeit lernen: Wir leben, bewegen uns und sind in Gott. Gott ist mitten in unserem Leben zu finden. Gottesdienste und Kirchenräume sind nicht dazu da, dass wir dorthin aus unserem Alltag fliehen. Sie möchten uns den nötigen Abstand vom Alltag ermöglichen. Damit wir Gottes Spuren in unserem ganz normalen Leben entdecken: beim Spaziergang in der Natur, beim Einkaufen im Supermarkt, beim Gespräch an der Haustür oder über den Gartenzaun auf Distanz, bei meiner Arbeit, in dem, was mein ganz Leben Tag für Tag ausmacht, sogar im Internet. Oder wenn es mich bewegt, wenn ich erfahre, wie schlecht es manchen Menschen geht. Menschen, die ich persönlich kenne; Menschen, die weit weg leben; von deren Schicksal ich über die Medien erfahre.
Nun geht Paulus noch einen Schritt über das hinaus, was ihn mit den Athenern verbindet. Gott ist der Schöpfer und Ursprung der Welt, aber er verfolgt auch ein Ziel. Ja, Menschen spiegeln Gott oft und in vieler Hinsicht wider. Ja, es gibt Wahres, Gutes und Schönes unter ihnen. Manchmal ist es aber auch furchtbar, was sie einander antun an Ungerechtigkeit, Gewalt, Zerstörung, Gleichgültigkeit. Am Umgang mit den leidenden Menschen zeigt sich, wie unsere Beziehung zu Gott wirklich ist. Gott offenbart sich nämlich im leidenden und gekreuzigten Christus. Das predigt Paulus den Zuhörenden in Athen, er spricht von Christus, der in den Tod gegangen ist und der durch Gottes Gnade von den Toten auferstanden ist. Gott hat dadurch allen Menschen den Glauben angeboten. Das ist nicht leicht für die Athener zu verstehen, der Tod am Kreuz, die Auferstehung. Dass man nicht durch eigene Anstrengung, durch Leistungen oder Rituale an Gott herankomme. Die Apostelgeschichte berichtet von ihren unterschiedlichen Reaktionen: die einen spotten, die anderen sagen: erzähl uns ein andermal mehr davon.

Gottes Sohn nimmt es in Kauf, selbst unter die Räder zu kommen. Mit seinem Tod am Kreuz deckt er den Zwiespalt der Menschheit auf: einerseits so großartig und andererseits so grausam sein zu können. Aber gerade da öffnet Gott die Tür zu einer neuen Welt. Sie er- scheint im Auferstandenen, inmitten in der alten, kaputten Welt. Immun gegen das Virus der Unmenschlichkeit. Die Osterbotschaft sagt uns: eine andere Welt ist möglich. Der Anfang ist durch die Auferstehung Jesu Christi schon gemacht. Ostern ist der Sieg des Lebens über alle todbringenden Mächte. Wenn Paulus vom kommenden Gericht spricht, meint er: Gott wird der ungerechten und unmenschlichen Welt ein Ende setzen und seine aus den Fugen geratene Welt zurechtbringen. Das Leiden wird einmal ein Ende haben.

Aber noch ist das Leiden in der Welt. Tagtäglich begegnet es uns. Menschen leiden und sterben, unter unsäglichen Bedingungen. Wir alle wünschen uns ein Ende der Coronakrise herbei und wünschen uns, dass unser Leben wieder normal wird, so wird wie vorher. Das ist ein verständlicher Wunsch. Aber wenn man einmal versucht, mit den Augen Gottes auf diese Welt zu schauen, dann war das normale Leben von ihm aus betrachtet längst schon Krise. So, wie es war, kann es doch eigentlich nicht einfach weitergehen. Als Christinnen und Christen warten wir sehnsüchtig auf ein Ende der Ungerechtigkeit. Wir warten auf eine Welt, in der alle Generationen, alle Menschen, wie unterschiedlich sie auch sein mögen, in Würde und Frieden leben, auch mit der Natur, der guten Schöpfung Gottes. Das Ende der Pandemie ist nur ein Schritt auf diesem Weg. Zu Ende ist allerdings die Zeit des einfachen Abwartens und Geschehen Lassens.

„Egal, was ihr vorher gemacht habt“, sagt Paulus den Athenerinnen und Athenern, „jetzt ist es Zeit, sich der Bewegung des Auferstandenen anzuschließen.“ Unser Predigttext nennt zwei Personen mit Namen, die seiner Einladung folgen: Dionysius und Damaris. Und noch einige andere, deren Namen nicht bekannt sind, schließen sich an.
Und wir, wir brauchen auch nicht zu warten, bis Corona vorbei ist. Wir können schon jetzt mit vielen anderen auf der Welt unterwegs sein. Indem wir-wie Paulus- von unserem Glauben sprechen, der sich zwar oft nicht verstehen lässt, der uns aber hilft, Licht in diese dunkle Welt zu bringen. Und diesen Glauben leben.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 317, 1-3 „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“

Fürbitten:

Schöpfer aller Dinge, niemand ist dir fern, durch dich leben wir, bewegen wir uns und haben unser Dasein. Trotzdem sind viele Menschen noch auf der Suche nach dir. Lass sie finden, wonach sie suchen und begegne ihnen in Jesus selbst.

Wir bitten dich für die Menschen, die weltweit unter der Pandemie, unter Gewalt, Armut, Ungerechtigkeit und Unfrieden leiden müssen. Steh ihnen bei in dem, was sie durchmachen müssen.

Gib uns als Christinnen und Christen die Kraft und den Mut, uns für eine bessere Welt einzusetzen. Sende dein Licht der Hoffnung-auch durch uns-in diese Welt.
Amen.

Wir sprechen das Vaterunsergebet: Vater unser im Himmel,…

Lied EG 99: „Christ ist erstanden von der Marter alle“

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich,
er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

Predigt / Gottesdienst am 18. April 2021 - Misericordias

Kapelle zum Guten Hirten, Sand, von Pfarrer Badelt
(Christuskriche Bühlertal siehe unten):

Auszug aus dem Bibelabschnitt (Basisbibel, Jesaja 40, 26-31)

„Richtet eure Augen nach oben und seht, wer das alles geschaffen hat! Seht ihr dort das Heer der Sterne? Wie kannst du da sagen, Jakob, wie kannst Du behaupten, Israel: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen! Mein Gott bemerkt nicht, dass ich Unrecht leide!“ Hast du’s noch nicht begriffen? Hast du nicht gehört? Der Herr ist Gott der ganzen Welt. Er wird nicht müde und nicht matt. Er gibt den Müden neue Kraft und macht den Schwachen wieder stark. Junge Männer werden müde und matt, starke Krieger straucheln und fallen. Aber alle, die auf den Herrn hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler. Sie rennen und werden nicht matt, sie laufen und werden nicht müde.“

Predigt von Pfarrer Badelt:

Liebe Gemeinde,

von Anfang an bis heute gehört zum Glauben der Zweifel wie der Schatten zu jedem Gegenstand und zu jedem Lebewesen. So ist die Frage der Menschen damals: Gott, siehst du nicht, wie es uns geht? Wir fragen: Gott, siehst Du nicht, wie die Menschen unter der weltweiten Krankheit leiden? Wie so vieles kaputt geht und erstirbt?

Ein Teil der Antwort ist der Hinweis darauf, dass Gott alles, den gestirnten Himmel und die Geschöpfe ins Leben gerufen hat. Ich selbst staune z.B. über ein Rotkehlchen, was am Wegrand sitzt und mich mit seinen schwarzen Augen anschaut. Es hat den Winter überlebt, hat winzige Knochen und – im Gegensatz zu uns – fliegen.

Ob es so etwas im Weltall noch einmal gibt? Viele Forscher suchen danach, und manche staunen, was sie dort alles sehen. Viele meinen bald alles erklären zu können. Dann brauchen sie keinen Schöpfergott mehr.

Dann kommt der andere Teil der Antwort aus dem Mund des Profeten: Hast du nicht gehört?  Hast du nicht wahrgenommen? Wir dürfen zurückdenken und können sagen: Gott sei Dank, dass ich damals vor dieser Sache, vor dieser Krankheit oder bei diesem Beihnahe-Unfall bewahrt geblieben bin. Gott sei Dank, dass ich meine Partnerin, meinen Partner gefunden habe.

Unser Glaube nährt sich von den Führungen Gottes. Das gilt für das Volk Israel und für uns selbst. Dabei wird Gott nicht müde, seine Kraft hört nicht auf. Eher wird das Christenvolk müde, zweifelt und fragt: Was bringt mir der Glaube? Was bringt mir erst recht eine Kirche?

Müde sind wir schon. Wir sind auch durch die Pandemie eingeschränkt und der Sache müde. Dabei haben wir zu essen, meist Wohnung und alles, was wir brauchen. Auch sonst scheinen mir die Christen in Europa ihres Christenglaubens müde geworden zu sein.

Aber dann kommt die gute Botschaft: Die auf Gott hoffen, bekommen durch ihn neue Kraft, dass sie fliegen wie Adler, dass sie rennen und sich nicht erschöpfen im Gegensatz zu jungen Leuten oder Soldaten. Gott stärkt diejenigen, aus bestimmten Gründen schwach geworden sind.

Diese gute Botschaft hat Jesus Christus bestärkt, indem er auf Kranke und Schwache zugegangen ist.

Nun ein Beispiel. Ein Mann, 78 Jahre alt, ist seit über 40 Jahren im Bundestag, war lange Zeit Minister und ist jetzt Bundestagspräsident. Vor 30 Jahren hat ihn ein Spinner in Gengenbach angeschossen, sodaß er querschnittsgelähmt ist. Es ist Wolfgang Schäuble. Ohne Vertrauen auf den stärkenden und helfenden Gott wäre er wohl nicht mehr tätig. Dies ist nur eines von vielen Beispielen.

Amen.

Schlussgebet:

Unser Gott, mit vielen Menschen leiden wir unter der Pandemie. Wir sind oft müde und ersehnen ein Ende der Plage. Dabei denken wir vor dir an Menschen, die um Lebensunterhalt und Existenz fürchten.

Wir denken an unsere Kranken und an alle, die sie pflegen.

Wir denken an Menschen, die zu Unrecht eingesperrt sind wegen ihres Glaubens oder weil sie für ihre Freiheit kämpfen, z. B. in Syrien, im Iran, Nigeria und in vielen anderen Ländern.

Wir denken vor dir an Menschen, die unter Krieg und Bürgerkrieg leiden, an Menschen, die geflohen sind und in Lagern leben.

Wir wollen deiner Verheißung glauben, dass du uns schwachen und müden Leuten neue Kraft schenkst, so wie Jesus sich um Kranke und Schwache kümmerte. Gott hilf uns in unserem Zweifeln und Unglauben.

Amen.

Predigt / Gottesdienst am 18. April 2021 - Misericordias

Christuskriche Bühlertal, Prädikant Rouw:

Lied: NL 60: 1-2 „In der Stille angekommen….“

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Psalmgebet aus EG 710 (Ps 23):

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Amen.

Die Schriftlesung des heutigen Sonntags, der Sonntag Miserikordias Domini (das heißt : die Barmherzigkeit des Herrn) finden wir im Prophetenbuch Hezekiel, Kapitel 34, Verse 1-9, 15-16, 31:

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr:
Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Aber ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden.  Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. Und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und zerstreut. Sie irren umher auf allen Bergen und auf allen hohen Hügeln und sind über das ganze Land zerstreut, und niemand ist da, der nach ihnen fragt oder sie sucht. Darum hört, ihr Hirten, des Herrn Wort! So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: Weil meine Schafe zum Raub geworden sind und meine Herde zum Fraß für alle wilden Tiere, weil sie keinen Hirten hatten und meine Hirten nach meiner Herde nicht fragten, sondern die Hirten sich selbst weideten, aber meine Schafe nicht weideten, darum, ihr Hirten, hört des Herrn Wort!
Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr.
(...)
Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.
(...)
Ja, ihr sollt meine Herde sein,  die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

Selig sind die das Wort Gottes hören und bewahren. Halleluja!

Lied: EG 274, 1,2 „Der Herr ist mein getreuer Hirt…“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Wir lesen unseren Predigttext aus dem Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Philippi. Kapitel 1, Verse 9 – 11.

Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi, erfüllt mit Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus zur Ehre und zum Lobe Gottes.

Liebe Gemeinde,

Allzu oft sonnen wir Christen uns in ein Idealbild wie eine christliche Gemeinschaft aussehen soll.  Wenn das Ihnen aus mal passiert, dann kommt Ihnen bestimmt diese Aussage von Paulus recht: Liebe, die wächst, Erkenntnisse, die zunehmen und Fähigkeit zu prüfen was das Beste ist, andere Übersetzungen sagen „zu erkennen, auf was es gerade ankommt“. 
Schau mal her, möchten wir gerne sagen, so geht das bei uns….

Leider wird es dann Zeit dieses Bild etwas zurecht zu rücken, auf jedem Fall daran zu rütteln. Weil, wenn wir um uns herumschauen, ist die Wirklichkeit, sagen wir mal vorsichtig, meistens etwas differenzierter. Dass das in Philippi wahrscheinlich auch schon so war, kann man schon ahnen wegen der Tatsache, dass Paulus das Thema hier so prominent am Anfang seines Briefes platziert. Wäre bei seinen Zuhörern in diesem Bereich alles in Ordnung gewesen, hätte er das gar nicht zu erwähnen brauchen. Und was uns angeht, wenn wir ehrlich sind, können wir aus unserer Erfahrung wahrscheinlich auch so manches einbringen das andeutet, dass wir zwar hohe Ansprüche haben, was Liebe untereinander betrifft, aber diese nicht immer gerecht werden. Man könnte dann einfach aufgeben und mehr oder weniger frustriert weitermachen, und einfach zu versuchen mal „das Beste daraus zu machen“ in einem ganz anderen Sinne als der Apostel meint.  Aber damit tun wir den Apostel Paulus natürlich unrecht – er schreibt solche Anregungen nicht als Floskel, sondern damit sie ernst genommen werden und die Gläubigen, sei es in Philippi oder in Bühlertal, sich in diese Richtung entwickeln, auch wenn nicht alles auf einmal kommt.

Und liebe Gemeinde, ich denke, dass wir gerade in der heutigen Zeit gefragt sind um diese Kombination von Liebe, Erkenntnis und Prüfen zu üben und weiter zu entwickeln.  Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in der heutigen Zeit finde ich es schwierig wirklich Erkenntnisse zu gewinnen und zu prüfen. Und dann reden wir mal nicht von Verstehen „auf was es gerade ankommt“. Weil, schon seit einem Jahr ringen wir mit den Folgen einer Pandemie, die uns immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt und uns immer wieder für neue Herausforderungen stellt. Jedes Mal erfahren wir wieder von neuen Maßnahmen, die ein paar Tage später schon wieder überholt sind. Mit Erkenntnissen und prüfen ist es dann nicht sehr weit.  Blicken Sie noch durch? Ich kaum.

Schlimmer ist, dass diese Unsicherheiten und fehlende Erkenntnisse auch unsere Beziehungen infizieren und es schwieriger machen uns als Gläubigen zu verständigen. Wachstum in der Liebe bleibt in so einem Fall dann schnell eine Illusion.

 Ich habe die Erfahrung machen müssen, dass es in meinem christlichen Umfeld Menschen gibt, die ich bisher immer geschätzt habe, die aber ganz andere Wege gehen, in den Worten von Paulus zu anderen „Erkenntnisse“ gekommen sind, um die Herausforderungen der heutigen Zeit an zu gehen.  So erfuhren meine Frau und ich, dass eine Freundin von uns, die wir noch aus unserer Studentenzeit kennen, und die schon seit Jahren als Leiterin eines christlichen Waisenhauses in Mozambique tätig ist, der Meinung war, dass Präsident Trump ein großartiger Führer ist, und ein Christ sich unbedingt dafür ein zu setzen hat, dass er wieder gewählt werden sollte. Auch stellte sich heraus, dass es in unserem Gemeindeumfeld in Bühl Menschen gibt die sich ein Teil des Gedankenguts der Querdenker- Bewegung zu eigen gemacht haben. Sie wissen – diese Gruppe die meinen: „Corona Pandemie – alles Quatsch, nur ein Instrument uns zu versklaven. Und Impfung: Viel zu gefährlich“.  Vielleicht haben Sie auch solche Erfahrungen gemacht und fragen sich, genau wie ich: Wie gehe ich damit um? Soll ich solche Menschen in der Zukunft einfach links liegen lassen, oder geht es doch anders?

In diesem Zusammenhang soll man sich von Worten wie Paulus sie an die Gemeinde in Philippi geschrieben hat noch mal neu inspirieren lassen. Der Ursprung meiner Überlegungen für heute diesen Text zu wählen, ist natürlich allererst in dem Durcheinander, dass uns heutzutage beschäftigt, zu suchen. Aber die Worte von Paulus haben natürlich eine mehr allgemeine Gültigkeit. Man soll sie auch in einem breiteren Rahmen sehen.  Sie haben auch Bedeutung für Glaubensfragen, die mit dem heutigen politischen Welt- und Pandemiegeschehen nichts zu tun haben. 

Die Vorgehensweise die, übrigens nicht nur in Kirchengemeinden, oft gewählt wird, ist bestimmte Themen für die zukünftige Kommunikation aus zu klammern. Wir reden einfach nicht über Sachen, bei denen wir wissen, dass es unterschiedliche Ansichten gibt. Dann gibt es auf jedem Fall kein Streit.  Das geht vielleicht eine Weile gut, die Frage ist aber, ob man auf dieser Art eine Beziehung nicht allmählich aushöhlt und am Ende nur noch eine leere Hülle übrighat.  Dann wird es nix mit der wachsenden Liebe und Früchte der Gerechtigkeit die Paulus so gerne bei seinen Zuhörern, also auch bei uns, sehen würde. Wenn wir Paulus ernst nehmen, kommen wir nicht drum herum diesen Dreiklang: Erkenntnisse und Erfahrungen sammeln, und zu prüfen was sich wirklich bewährt, als Grundsatz unseres Miteinanders zu nehmen. 

Und Liebe Gemeinde, das wird uns einiges abverlangen, damit man nicht endlos in Streitereien verfällt um sich am Ende dann doch frustriert zu trennen, sondern wird von uns fragen uns erst mal im Klaren zu sein wo die Probleme sind. Man muss sich also erst mal äußern, und nicht in Stillschweigen verharren. Und es bedeutet auch einander zu zuhören und ausreden zu lassen, auch wenn man konfrontiert wird mit Ideen mit denen man es glühend uneins ist, und die einem vielleicht fast den Kragen platzen lassen.  Man soll auch bereit sein sich von anderen befragen zu lassen und die Gründe seiner Überzeugung zu prüfen. Gerade wenn die Situation so verwirrt ist wie in der heutigen Zeit, soll es nicht darum gehen die andere Seite so schnell es nur geht davon zu überzeugen, dass ich recht habe. Nun ist diese Predigt keine Anleitung wie man so eine Aussprache organisiert. Ich möchte für mehr Einzelheiten darauf hinweisen, dass in der Personalführung in der Wirtschaft oft ähnliche Probleme spielen – und man hat dort auch Gesprächs Methodiken entwickelt, die es erlauben solche Gespräche zu gestalten. Wem es interessiert kann ich nachher noch einen Internetlink geben, der versucht zu beschreiben, wie man dort empfiehlt in der Praxis Skeptiker zu überzeugen ( https://karrierebibel.de/menschen-ueberzeugen/ ).
An sich nicht christlich, nur schlau. Nur so viel sie gesagt: Zu versuchen jemand mit einer Flut an Argumenten zu überzeugen, funktioniert meistens nicht. Wichtiger ist Menschen zu helfen ihre Überzeugungen zu Ende zu denken  - und dann zu hoffen, dass sie entdecken, dass andere Erkenntnisse vielleicht zu einem besseren Ergebnis führen.  Erst so kann man an einem Punkt kommen, dass jemand sein Meinung ändert. Und eine Warnung meinerseits: Man soll sehr vorsichtig umgehen mit dem Argument, dass etwas Gotts Wille sei – und deshalb etwas unbedingt so oder so gemacht werden soll. Das kann stimmen oder nicht – aber niemand wird gerne gleich in eine Ecke gedrängt, die man mit der Überschrift „nur für Ungläubigen“ markiert hat.

Liebe Gemeinde, vielleicht werden sie allmählich etwas unruhig, weil so eine Art von Vorgehen doch wohl etwas ganz anders ist als unser Standard-Prozedere, nichts tun und warten bis es vorbeigeht, und viel von uns fragen wird.  Und ja, wie immer führt der Apostel Paulus uns nicht auf einen kuscheligen Weg, der uns nicht abverlangt. Er geht davon aus, dass Menschen, die es mit dem Glauben ernst meinen, sich wirklich dransetzen, um sich zu ändern, und, wie in Philippi, alles Mögliche tun werden, um eine gemeinsame Linie zu finden um „zu unterscheiden auf was es gerade ankommt“.

Gerade im privaten Umfeld. in dem man solche Bruchstellen ausmacht, ist es wichtig Menschen mit denen man so weit auseinander liegt nicht los zu lassen sondern die Kontakte nicht abreißen zu lassen. Nun ist es aber auch so, dass wir alle auch mal die Erfahrung gemacht haben, dass wir zwar von guten Willen sind so ein Verhalten zu entwickeln, die Wirklichkeit aber oft so hart ist, dass unsere Beziehungen mit Andersdenkenden doch schnell zerbrechen. Und übrigens, es gibt auch in den Briefen von Paulus Stellen, aus dem man vermuten kann, dass auch bei ihm ab und zu gestörte Beziehungen sich nicht wiederherstellen ließen – auch wenn uns nicht immer klar ist wer dabei die meiste Verantwortung trug. Auf jemand zu zugehen, um zu versuchen sich auszusprechen oder um zu versuchen eine gemeinsame Linie zu finden – Erfahrungen aus zu tauschen, und Erkenntnisse zu gewinnen um in den Worten von unserem Text zu bleiben, ist eine risikovolle Sache. Als ich bei der Vorbereitung dieser Predigt an diesem Punkt kam, wurde mir bewusst dass der Paulus hier in seinen Worten noch ein anderes Element einbringt, dass ich bisher übersehen hatte. Nicht um sonst fängt er an mit der Erwähnung, dass er für die Christen in Philippi betet. Das sollte auch uns bewusst sein – eine gemeinsame Linie finden ist nicht ein psychologisches Spiel, sondern allererst ein Kampf im Gebet.  Nur so wächst die Liebe für andere Menschen, und wird man sich bewusst von der eigenen Ungeduld, und Ungeschicktheit. Erst so bekommt man Kreativität und Mut solche klärenden Gespräche an zu gehen.

Und weil Paulus hier vom Gebet so viel erwartet, stellt sich auch die Frage, ob wir als Gläubigen die Probleme unserer Zeit nicht viel mehr mit Gebet begegnen sollten als wir bis jetzt getan haben. Nun findet man im Internet viele Anregungen zu solchen Gebeten. Und offensichtlich hat es am Anfang dieser Pandemie, im Frühjahr 2020, auch schon Bemühungen gegeben so etwas auf nationaler Ebene zu organisieren. Die Frage ist durchaus berechtigt ob jetzt nicht die Zeit wäre, um solche Initiativen neu zu starten. War es vor einem Jahr hauptsächlich die Hilfslosigkeit die uns zu schaffen machte, jetzt ist die Gefahr, dass wir uns auseinanderleben, weil wir das Gespräch mit Andersdenkenden nicht mehr führen, umso größer. Nur wenn wir das wieder aufnehmen, haben wir die Perspektive, dass wir am Ende verstehen auf was es ankommt – in anderen Worten als Gemeinschaft von Gläubigen oder als Gemeinschaft in der weltlichen Gesellschaft die richtigen Entscheidungen zu treffen, aus zu führen und durch zu setzen.

Liebe Gemeinde, auch hier ist was Paulus vor 2000 Jahren an Gläubigen von damals schrieb für uns aktuell. Er regt an, wie wir gemeinsam einen Weg vorwärts finden, einen Weg die uns nicht entfremdet, sondern geistlich aufbaut.

Es ist an uns diesen Weg für uns zu finden mit den Mitteln die Paulus uns hier vorgibt.

Amen.

Lied: NL 91: „Wir schauen die Wahrheit ins Auge....“

Fürbittengebet:

Herr, wir beten, dass Liebe untereinander für uns keine leere Floskel wird, sondern dass wir uns anstrengen in Gebet, im Aufbau unserer Beziehungen und Austausch unserer Meinung, dass auch mit Inhalt füllen, auch in einer Zeit wie wir sie jetzt erleben, wo vieles kompliziert ist, vieles bedrohlich erscheint, und uns die Erfahrung fehlt Wege zu finden bei denen alle Zustimmen, dass das richtig ist. Wir bitten, dass wir die Worte von Paulus auch für unsere Situation ernst nehmen.

Herr, wir bitten für die Situation in unserem Land, wo wegen der Pandemie so viel Menschen Angst für die Zukunft haben. Angst, weil man Unsicher ist, Angst, um die Arbeitsstelle zu verlieren, oder Angst um ein Geschäft, das man mit Einsatz von seinen Kräften und Emotionen aufgebaut hat, aufgeben zu müssen.

Wir bitten für Menschen, die trauern, weil sie einen lieben Angehörigen verloren haben. Wir bitten, dass du Trost schenkst – auch durch Menschen in ihrer Nähe.

Und wir bitten für Frieden in der Welt, dass statt Hass die Liebe zwischen Menschen eine Chance bekommt.

Und wir beten jetzt in der Stille weiter.

Wir beten jetzt das Gebet das Jesus seinen Jüngern gelehrt hat:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Friede Gottes welcher höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied EG 607, 1,2 „Herr wir stehen Hand in Hand…“

Der Spruch für die kommende Woche lautet:
"Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn." (Luk 18:31)

Gehet jetzt hin im Frieden des Herrn:
Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten Über euch und sei euch gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.
Amen.

Gottesdienst am 11. April 2021 - Quasimodogeniti

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den Sonntag Quasimodogeniti („Wie die neugeborenen Kinder“), den 1. Sonntag nach Ostern. Früher war dieser Sonntag neben der Osternacht der zweite klassische Tauftermin. Deshalb kennt man ihn auch unter dem Namen „Weißer Sonntag“; das weiße Taufkleid symbolisiert das neue Leben, das mit der Taufe beginnt.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Am Anfang steht das Osterlied EG 116, 1.5: „Christ ist erstanden. Halleluja!“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Gott, unser Vater,
du hast Jesus von den Toten erweckt und uns zu neuen Menschen mit einer lebendigen Hoffnung gemacht. Lass uns so leben, dass wir diese Hoffnung in unserem Leben umsetzen. Das bitten wir dich, der du mit dem Sohn, der lebt, und dem Heiligen Geist, der Leben schafft, Gott bist von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Unser Lesungs- und zugleich Predigttext ist eine der Ostergeschichten aus dem Johannesevangelium, Kapitel 21, Verse 1-14:
Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias (= See Genezareth). Es waren aber beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten`s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: Es ist der Herr“, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt`s ihnen, desgleichen auch den Fisch. Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 100, 1.4.5:„Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.!

Liebe Gemeinde,

Ostern ist ganz handfest, es gibt Arbeit und Brot, erzählt der Evangelist Johannes. Das ist existentiell für die meisten Leute. Damals und heute. Und es ist nicht selbstverständlich. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass die Arbeit genug Geld einbringt. Damals und heute ist es nicht selbstverständlich. Die Leute haben die ganze Nacht auf dem See gefischt und kommen doch mit leerem Boot heim. Andere kriegen 2,50 Euro für 12 Stunden Handy-Zusammenbauen, Turnschuhnähen oder Bananenpflücken. Arbeit haben und davon leben können, das ist nicht dasselbe. Das wissen alle, die eine Arbeit haben, bei der sie zu den Geringverdienern gehören und nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Das wissen auch die Menschen, die coronabedingt in Kurzarbeit sind, die um ihren Arbeitsplatz bangen oder vielleicht sogar schon in der Krise ihre Arbeit verloren haben. Manche Branchen sind durch die Lockdowns besonders hart betroffen, Gastronomie, Tourismus, Einzelhandel…

Ich bin dann mal fischen, sagt Petrus, und eine Handvoll Jünger kommt mit. Von irgendetwas müssen sie leben. Petrus hat Familie in Kapernaum am See Genezareth, hungrige Mäuler, die auf Essen warten. Sie bilden einen kleinen Fischereibetrieb auf Zeit, vielleicht auch nur, um das Boot zu mieten oder zu unterhalten. Da ist es schon ein Verlust, wenn die Arbeit einer ganzen Nacht umsonst ist-am Tag lässt es sich nicht fischen. Pech gehabt, zucken vielleicht manche mit den Schultern. Doch für Arme ist es eine Katastrophe, denn sie bringt das ohnehin knappe Überlebensbudget ins Wanken.

„Kinder, habt Ihr nichts zu essen?“, diese Frage empfängt sie nach einer anstrengenden Nachtschicht am Ufer. Aber sie werden noch einmal hinausgeschickt, an eine andere Stelle, von einem Unbekannten, der herumlungert und den sie nicht erkennen können. Reichlich hundert Meter von ihrem bisherigen Fangort und weiter rechts sollen sie ihre Netze auswerfen.

Komischer Typ, warum fährt er nicht selbst aus, wenn er sich so gut auskennt? Warum kassiert er die Fische nicht selbst ein, wofür sie sich schon die ganze Nacht um die Ohren geschlagen haben? Ist das eine Falle? Oder will er einen Anteil am Fang? Eine Provision? Dass einer sie nicht betrügen will, sondern solidarisch ist und ihnen, obwohl er selbst Hunger hat („Kinder, habt Ihr nichts zu essen?“) die besten Fischgründe zeigt, das ist eher üblich bei Jesus und seinen SchülerInnen. Doch nur jemand, der Jesus sehr nahestand, der Jünger, den Jesus liebhatte, Johannes, kommt auf die Idee: Sollte es Jesus selbst sein, der Lebendige?

Unglaublich! Das Netz ist prall gefüllt mit lauter großen Fischen, Arbeit, die sich lohnt. Am Ufer brennt ein Feuer. Der Unbekannte erwartet sie und hat ihnen sogar Frühstück vorbereitet. Irgendwoher hat er Brot und Fische aufgetrieben, auch wenn es nicht reicht. Sie müssen noch ein paar von den frisch gefangenen Fischen bringen. Ist es nun Jesus? So richtig trauen sie sich nicht zu fragen.
Übrigens ist es so ähnlich wie vor Monaten, als sich unendlich viele Leute mit knurrendem Magen am Ufer drängten. Damals hatte ein einziges Kind etwas zu essen dabei, fünf Brote und zwei Fische. Das Kind gab ab, und alle haben Brot und Fische geteilt, und es reichte. Waren es Tausende? (Johannes 6, 1-13)

Jedenfalls müsste heute kein Mensch hungern, wenn wir auf der Erde gerecht teilen würden. Denn es geht nicht gerecht zu, das wissen wir schon lange. Und das wird auch jetzt deutlich. Nicht alle sind durch die Folgen der Pandemie finanziell beeinträchtigt. Bei vielen kommt das Gehalt unverändert aufs Konto. Manche Branchen boomen geradezu. Müsste man sich nicht einmal Gedanken machen, wie man hier einen Ausgleich schaffen kann, durch eine Art Corona-Soli oder so etwas? Dass diejenigen, die weiterhin gut verdienen oder sogar mehr erwirtschaften, eine finanzielle Abgabe leisten für die vielen anderen, die das nicht haben. Im Frühjahr letzten Jahres ist das in der Politik und in den Medien diskutiert worden; jetzt hört man nichts mehr darüber. Es wäre an der Zeit, sich damit wieder ernsthaft zu beschäftigen. Und nicht nur unsere Lage in Deutschland oder in Europa anzuschauen, sondern weltweit. Besser noch als einen Corona- gleich einen Armuts-Soli einzuführen. Wenn das gelingen würde! Wäre das dann sogar ein größeres Wunder als damals, als das Kind fünf Brote und zwei Fische verschenkt hat?

Liebe Gemeinde, heute ist der See Genezareth eine Touristenattraktion, zu normalen Zeiten jedenfalls. Schiffe schippern Reisende aus aller Welt über die Wellen. Am Ufer eilt das Personal hin und her und beköstigt die Massen. Für besondere Gäste wird abends am Ufer gegrillt. Ein Highlight in der Dunkelheit. Fast so wie damals.

Jesus würde sich wohl kaum von den Mitarbeitern unterscheiden, die das gutzahlende Publikum bedienen und dafür sorgen, dass es ihnen an nichts fehlt.

Jesus kellnert. Er schürt Feuer am Strand, brät Fisch und Brot. Er schlüpft in die Rolle der Frauen, die für das Essen zuständig sind. Er macht Frühstück. Die Jünger fragen sich: Ist das Jesus? Oder ist er es nicht?

Erkennen sie ihn? Besser: was sehen sie, was erkennen sie eigentlich? Nach dem Bericht des Johannesevangeliums bleibt das in der Schwebe, und das ist gut so. Denn immer wieder behaupten Leute, sie wüssten ganz genau, wie Jesus wäre, was er meinen oder nicht meinen würde. Ihnen wäre sonnenklar, wie Gott zu verstehen sei, und ihr Weg zu Gott sei der einzige.
Unsere heutige Ostergeschichte lässt solche schnellen Antworten nicht zu. Sie zeigt auch, dass es gar nicht um schnelle Antworten geht.

Wie die Jünger und Jüngerinnen Ostern erlebt haben, davon erzählt die Bibel viele und völlig unterschiedliche Geschichten. Jesus zeigt sich in verschiedener Gestalt, als Wanderer, als Gärtner, als Geliebter, als Verwundeter mit Narben und Folterspuren, als Hungriger, als jemand, der auf nicht zu erklärende Weise einfach so in den Raum kommt. Immer wieder wundern sich die JüngerInnen, manchmal fürchten sie sich sogar. Aber immer wieder verändert sich etwas für sie. Sie kehren um. Sie verlieren ihre Angst. Sie begreifen Zusammenhänge. Sie beginnen zu reden. Sie treten überzeugend auf. Sie kommen in Bewegung. Sie lassen sich nicht einschüchtern. Sie wachsen über sich hinaus.

Ostern hat so viele Gesichter, weil wir viele Gesichter haben und in verschiedenen Lebenssituationen stecken.

Deshalb bedeutet Ostern -Auferstehen, Aufstehen- für jeden Menschen etwas anderes. Aufstehen heißt für jeden eine andere Herausforderung, eine andere Verwandlung, eine andere Überraschung.

Die Hoffnung, liebe Gemeinde, trägt viele Namen, selbst, wenn auf die manchmal niemand so schnell kommt.
Aber immer ist Ostern ganz handfest. In unserer Geschichte aus dem Johannes heißt Ostern: Es gibt Arbeit und Brot.
Petrus sagt: „Ich bin dann mal fischen.“

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 649, 1.4.5: „Eine freudige Nachricht breitet sich aus“

Wir beten:

Du Gott des Lebens,
du hast deinen Sohn Jesus Christus auferweckt, damit auch wir leben. Wir danken dir, dass durch die Kraft der Auferstehung der Stachel des Todes besiegt ist.

Wir bitten dich, lass uns den Sieg des Lebens spüren und die Kraft der Auferstehung erfahren. Wir bitten dich um offene Ohren, die alle Hinweise des Lebens verstehen und richtig deuten.

Wir bitten dich um wache Augen, damit wir die Spuren der Auferstehung auch in unserem Leben finden. Wir bitten dich, dass wir den Wert des Lebens begreifen und es mit unseren Händen schützen und bewahren.

Wir bitten dich um einen klaren Verstand, damit wir Wege finden, mit den Menschen bei uns und weltweit solidarisch zu sein, denen es viel schlechter geht als uns selbst. Wir bitten dich um ein weites Herz, damit wir gerade in diesen schweren Zeiten abgeben und teilen, damit alle überleben können.

Und alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, …

Lied EG 99: „Christ ist erstanden von der Marter alle“

Segen:
Gott segne uns und behüte uns auf allen unseren Wegen.
Amen.

Gottesdienst am 04. April 2021 - Ostern

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
zum Osterfest grüße ich Sie/Euch mit dem alten Ostergruß der Christenheit:
„Derr Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“

Wir feiern, dass Gottes Liebe den Tod besiegt hat.
Er hat seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt, uns zum Zeichen.

Hier bieten wir Ihnen/Euch wieder einen Gottesdienst zum selbst Lesen und für die Osterfeier zuhause. Wir wünschen Ihnen/Euch, dass Ostern wieder neuen Mut und neue Hoffnung schenken kann.

Ein gesegnetes Osterfest,
Ihre/Eure Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 106, 1.2.3.5 „Erschienen ist der herrlich Tag“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Meditation zu Psalm 118 (dieser Psalm wird immer zu Ostern in den Gottesdiensten gelesen):
Ich danke dir, Gott, denn du bist freundlich und deine Güte währet ewiglich. Du bist meine Macht und mein Heil. Ich singe von deinem Sieg mit Freuden: Deine Rechte behält den Sieg, auch über die Pforten des Todes und der Hölle. Deine Rechte behält den Sieg.
Ich werde nicht sterben, sondern leben und deine Wunderwerke verkündigen, Gott.
Auch wenn du mir schweres Leid schickst, gibst du mich doch nicht dem Tode preis. Du tust mir auf die Tore deines Hauses, dass ich durch sie einziehe und dir danke. Ich danke dir, Gott, du hast mein Gebet erhört und mir auf mein Bitten hin geholfen. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.
Das ist dein Werk, ein Wunder in meinen Augen. Du hast diesen Tag gemacht, an dem ich mich freuen kann und mein Herz fröhlich ist. Ich lobe dich, Gott, denn du lässt mich nicht allein. Deine Hand ist bei mir, du segnest mein Tun und legst mir dein Wort auf die Zunge. Darum schmücke ich deinen Altar mit Blumen, ich bereite ein Fest, um dir zu danken. Ich lobe dich, Gott, und preise deinen Namen.
Amen.

Wir beten:
Himmlischer Vater, du hast deinen Sohn Jesus Christus
aus dem Tode erweckt.
Wir können das kaum glauben, nur schwer können wir es begreifen.
Hilf uns zu verstehen und zu glauben, was das bedeutet:
Auferstehung.
Überwinde unseren Zweifel und unsere Fragen.
Öffne unsere Augen, dass wir die Zeichen des Lebens
auch in der Dunkelheit des Todes und der Trauer erkennen.
Lass uns den Weg zum Leben finden.
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Biblische Lesung: Jesaja 25, Verse 8 und 9:
„Er wird den Tod verschlingen auf ewig.
Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern wischen
und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der Herr hat`s gesagt.
Zu der Zeit wird man sagen:
'Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe.
Das ist der Herr, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.'“
Amen.

Lied EG 116, 1.2: Er ist erstanden, Halleluja!

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
an Ostern suchen viele Kinder Ostereier; drinnen in der Wohnung oder draußen im Garten (bei dem schönen Wetter in diesen Tagen ist das sicher ein besonderes Vergnügen). Die Eltern sind schon ganz früh aufgestanden, um die bemalten Ostereier, die Schokoladenhasen und was sonst noch im Osternest liegen soll, zu verstecken.
Es ist immer sehr schön mitzuerleben, wie die Kinder sich auf die Suche machen; überall aufmerksam herumschauen, sich bücken, sich nach oben recken und wie sie dann voller Freude die Süßigkeiten und die Eier aufsammeln. Auch die Erwachsenen freuen sich mit; viele Großeltern werden es bedauern, diesmal nicht dabei sein zu können, weil sie noch nicht geimpft wurden und vorsichtig sein müssen!
Das Ei ist ein Symbol der Auferstehung, des unbändigen Lebenswillens. Die Schale steht für den Tod. Das neue Leben im Ei, das Küken, zerbricht die Schale, weil es leben will. Das neue Leben zerbricht den Tod und wirft ihn ab. Wie eine Pflanze, die sich durch einen ganz feinen Riss in einer Betonplatte hindurchwindet, sich zum Baum weiterentwickelt und dann eine solche Platte zum Zerbrechen bringt, so bricht das Leben aus der Eierschale hervor. Und dabei spricht doch alles gegen das Leben unter der Schale.
Die Realität.
Jede Beerdigung.
Jedes Krankenbett.
Jede bedrohliche Krise.
Alle sprechen gegen das Leben.
Der Tod tritt ja nicht erst dann ein, wenn das Herz aufhört zu
schlagen. Er ist bereits da, wenn Menschen ihre Hoffnung verlieren, ihr Vertrauen zum Leben, zu Gott, zu sich selbst, wenn sie aufgeben…

So ist die Botschaft von Ostern, vom Sieg des Lebens über den Tod, nicht nur tröstlich im Hinblick auf unser Lebensende, sondern sie ist auch überaus ermutigend für unser Leben: Gott schenkt uns Menschen neues Leben, am Ende unseres Lebens und schon mitten im Leben.
Diese Botschaft zu suchen und zu entdecken, das macht froh. Die Kinder freuen sich ja auch, wenn sie Ostern Eier und Süßigkeiten suchen. Manchmal möchten sie allerdings, dass man ihnen das Ver -steck zeigt. Dann ist das Finden nicht mehr ganz dasselbe.
Am meisten macht es Freude, wenn man sich selbst bei der Suche anstrengt. Da muss man sich auch schon mal bücken, sich recken, an den schwer zu erreichenden Stellen suchen. Das kann anstrengend sein. Das Suchen und die Freude am Finden nimmt uns niemand ab. Gott sei Dank!
Ja, liebe Schwestern und Brüder, wer würde einem Ei zutrauen, dass darin Leben steckt? Wer hätte damals gedacht, als Jesus wie ein Verbrecher hingerichtet wurde, dass Menschen bis zum heutigen Tag sich zu ihm als dem Christus bekennen würden?
Das Leben ist an Ostern aufgebrochen.
Gott sei Dank in Jesus Christus.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 559,1.2.4 „O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit“

Fürbitten:

Jesus Christus, Freund des Lebens,
in deine Hände legen wir unseren Weg,
begleite uns!

Jesus Christus, Freund des Lebens,
in deine Hände legen wir unsere Zeit,
erbarme dich!

Jesus Christus, Freund des Lebens,
in deine Hände legen wir unsere Ängste,
erhöre uns!

Jesus Christus, Freund des Lebens,
in deine Hände legen wir unseren Dank,
für alle Zeit!

(hier ist die Möglichkeit, auch eigene, frei formulierte Bitten anzuschließen)

Vater Unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Lied EG 99: „Christ ist erstanden von der Marter alle“

Segenswort:
Der österliche Segen Gottes, der komme über mich/ uns und bleibe bei mir/uns von nun bis in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 02. April 2021 - Karfreitag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
zum Lesegottesdienst für den Karfreitag, den 2. April, grüße ich Sie/euch mit einem Wort aus dem Johannesbrief (Kap. 3, V. 16):
„Also hat Gott die Welt geliebt, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Wir denken darüber nach, was der Tod Jesu am Kreuz für uns bedeutet. Wie können wir das verstehen, dass Jesus für uns gestorben ist?
Einen gesegneten Feiertag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg -Knebel.

Am Anfang steht das Lied EG 97, 1.2.6: „Holz auf Jesu Schulter“

Wir sind hier zusammen im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Wir lesen Worte aus Psalm 22; Worte, die Jesus kurz vor seinem Tod am Kreuz gesprochen hat:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!
Amen.

Gebet:
Herr, unser Gott, warum hast du uns verlassen? Du scheinst so weit weg von uns zu sein, wenn wir dich brauchen. Wir beten und hören keine Antwort. Wir kommen nicht gut klar mit unserem Leben, mit unserer Angst. Warum bleibst du stumm?
Wir bitten dich: Sei nicht ferne von uns, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer! Erbarm dich unser!

Der Bibeltext dazu steht im Lukas-Evangelium, Kapitel 23, Verse 32-49.
Lukas berichtet von Jesu Kreuzigung und Tod.

„Es wurden aber auch andere hingerichtet, zwei Übeltäter, dass sie mit ihm hingerichtet würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!
Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat anderen geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.
Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus?
Da antwortete der andere, wies ihn zurecht und sprach: Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagte hatte, verschied er. Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen! Und als das Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von Ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles."
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied: 85, 1.2.4: „O Haupt voll Blut und Wunden“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
schon oft habe ich in den letzten Jahren von Menschen den Satz gehört: Mit dem Karfreitag kann ich nichts anfangen! Sie empfinden ihn entweder als zu traurig; es geht dabei ja um Tod, Elend, Leiden, Themen, um die man lieber einen großen Bogen macht. Oder sie ärgern sich, weil es an diesem Tag besonders still zugeht, die Geschäfte haben geschlossen, es gibt keine Sportveranstaltungen, auch das Programm in den Medien passt sich an. Oder der Tag ist ihnen völlig gleichgültig, weil sie ohnehin mit dem christlichen Glauben nichts mehr verbinden.

Wie wird es wohl in diesem Jahr am Karfreitag sein, wo sich unser Leben durch die Bedrohung durch das Coronavirus so völlig verändert hat? Ob sich die Einstellung der Menschen zum Karfreitag gewandelt hat? Ängste, das Leiden von Menschen und der Tod sind auf einmal viel näher an uns herangerückt. Unser Leben hat sich in diesem einen Jahr fundamental verändert. Wir fühlen uns zutiefst verunsichert und fragen uns, wie es weitergehen soll.

Und so mancher Mensch ist ins Nachdenken gekommen und sucht danach, was ihm Halt und Trost geben.
Karfreitag- Jesus wird wie ein Schwerverbrecher am Kreuz hingerichtet. Unfassbar. Jesus ist doch der Gottessohn, der Menschenfreund. Der sich für die Menschen am Rande der Gesellschaft eingesetzt hat, für Gerechtigkeit und Frieden, der die Liebe Gottes erlebbar gemacht hat. Nun ist das alles zu Ende, der Tod hat über das Leben gesiegt. Der Evangelist Lukas berichtet, wie auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu völlig verwirrt und verzweifelt sind. Sie lassen Jesus allein, weil sie Angst um ihr eigenes Leben haben. Der Evangelist Lukas berichtet: Nur der römische Hauptmann unter dem Kreuz und einer der beiden Verbrecher, die neben Jesus gekreuzigt werden, scheinen zu verstehen, dass mit diesem furchtbaren Tod Jesu am Kreuz nicht alles aus ist. Der eine bittet Jesus, dass er sich bei Gott für ihn einsetzt. Der andere nennt Jesus einen wahrhaftig frommen Menschen und er preist Gott. Bei diesen beiden leuchtet schon etwas vom Osterlicht hervor. Es bringt bereits ein wenig Helligkeit in die Dunkelheit des Todes. Das, liebe Gemeinde, kann auch in unserer gegenwärtigen belastenden Situation Hoffnung und Trost geben. Auch, wenn wir uns mit dem Karfreitag schwertun, aus den unterschiedlichsten Gründen, wir können ihn nicht ignorieren, er gehört in unser Leben hinein. Wir können ihn aber aushalten. Denn auch für uns fällt von diesem Tag her ein kleiner Strahl des Osterlichtes in unsere Dunkelheit.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 91, 1-3: „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken“

Wir beten:
Gott,
dein Tod am Kreuz stellt uns und unseren Glauben in Frage.
Lass uns dennoch bei dir bleiben und auch im Leid das Licht der Hoffnung scheinen sehen.
Wir denken besonders an all die Menschen, die bei uns und überall auf der Welt krank sind, Schmerzen erdulden müssen, die ohne Hoffnung und allein sind.
Sei du ihnen nahe und lass sie das spüren.
Wir denken an die Kranken und Sterbenden bei uns und anderswo.
Halte du sie in deinen gütigen Händen und geh auch das letzte Stück ihres Lebens mit ihnen.
Sei du bei uns allen.
Amen.

Vater Unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Lied EG 85, 9.10.: O Haupt voll Blut und Wunden

Der Segen Gottes komme über euch und begleite euch
von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

 

Gottesdienst am 28.03.2021 - Palmsonntag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

der folgende Lesegottesdienst möchte Sie/Euch einstimmen auf den kommenden Sonntag, den 28. März. Es ist der Palmsonntag, mit dem die Karwoche beginnt.

Der Wochenspruch für die Karwoche lautet:
„Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Johannes 3, 14f)

Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Am Anfang steht das neue geistliche Lied „Eines Tages kam einer“ (bl. Anhang zum Gesangbuch, Nr. 34).

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gott,
ich bin hier und Du bist hier.
Ich bete zu Dir und weiß, ich bin verbunden mit dir
und mit anderen, die zu Dir beten.
Es ist Palmsonntag. Mit Jesus gehe ich in diese Woche.
Ich bin hier und Du bist hier.
Das genügt.
Ich bringe dir alles, was ist.
(hier einen Moment der Stille einhalten)
Höre auf unser Gebet.
Amen.

Die biblische Lesung für den Palmsonntag steht im Johannes-Evangelium, Kapitel 12, Verse 12- 19 (Gute-Nachricht-Bibel). Sie berichtet, wie Jesus vor Beginn des Passafestes nach Jerusalem kommt und dort von den Menschen begeistert empfangen wird:

Am nächsten Tag hörte die große Menge, die zum Passafest gekommen war, Jesus sei auf dem Weg nach Jerusalem.
Da nahmen sie Palmzweige, zogen ihm entgegen vor die Stadt und riefen laut: Gepriesen sei Gott! Heil dem, der in seinem Auftrag kommt! Heil dem König Israels!
Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie es schon in den Heiligen Schriften heißt:
Fürchte dich nicht, du Zionsstadt!
Sieh, dein König kommt. Er reitet auf einem jungen Esel.
Damals aber verstanden seine Jünger dies alles noch nicht; aber als Jesus in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war, wurde ihnen bewusst, dass dieses Schriftwort sich auf ihn bezog und dass die Volksmenge ihn dementsprechend empfangen hatte. Als Jesus Lazarus aus dem Grab gerufen und vom Tod auferweckt hatte, waren viele dabei gewesen und hatten es als Zeugen weitererzählt. Aus diesem Grund kam ihm jetzt eine so große Menschenmenge entgegen. Sie alle hatten von dem Wunder gehört, das er vollbracht hatte. Die Pharisäer aber sagten zueinander: Da seht ihr doch, dass wir so nicht weiterkommen! Alle Welt läuft ihm nach!

Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 314, 1.2.5 „Jesus zieht in Jerusalem ein“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
am Sonntag begehen wir Christinnen und Christen den Palmsonntag, die Karwoche beginnt. Es ist eine Woche voller Dramatik: vom begeisterten Empfang in Jerusalem, bei dem Jesus von den Menschen hoffnungsvoll begrüßt wird wie ein König, über die Feier des Abendmahls mit seinen engsten Freunden, das dann aber unerwartet ein Abschiedsmahl wird. Die ergreifende Szene, in der Jesus im Garten Gethsemane hin- und hergerissen ist zwischen seiner Todesfurcht und dem sich Gottes Willen Anvertrauen bis hin zur Verhaftung, zur Verurteilung und zum furchtbaren Tod am Kreuz. Eine ungeheure Spannung baut sich auf, ein Auf und Ab der Gefühle und der Gedanken.
Es ist eigentlich kaum auszuhalten, was da in diesen wenigen Tagen alles zusammenkommt, wie sich die Ereignisse um Jesus entwickeln. Und wie sich diese ganze Spannung, diese tiefste Verzweiflung, dann am Ostersonntag wieder auflöst: „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!“ Gottes Liebe ist stärker als der Tod, stärker als alle todbringenden Mächte dieser Welt.
Jedes Jahr wieder bringt uns die Passionszeit und darin besonders ihr letzter Abschnitt, die Karwoche, ins Nachdenken über das Leiden und Sterben Jesu, über das, was sein Tod am Kreuz für uns bedeu -tet.
In diesem Jahr, wie auch schon im Jahr zuvor, bekommt unser Nachdenken eine ganz neue Ernsthaftigkeit: uns ist bewusst, dass wir und alle anderen Menschen dem Tod möglicherweise viel näher sind als wir bisher immer gedacht haben. „Die Angst vor Corona ist ja eigentlich die Angst vor dem Tod“, hat ein junger Mensch aus meiner früheren Gemeinde am Niederrhein einmal formuliert. Und er bringt es damit auf den Punkt.
Diese Angst, der Gedanke an das eigene Sterben lässt uns nach Halt und Trost fragen und nach einer Hoffnung über dieses Leben hinaus. Als Christinnen und Christen vertrauen wir darauf, dass die Passion Jesu Sinn hat, auch für unser Leben.
Wir denken Ostern dabei immer schon mit. Ostern heißt ja: es gibt nichts mehr, was uns noch von der Liebe Gottes trennen kann, nicht einmal unser eigener Tod. Und das weckt in uns eine ganz leise und stille Freude in all dem Schweren.
In unserem Gesangbuch gibt es ein Lied, das genau diese Perspektive beschreibt: nicht nur den Tod zu sehen, sondern durch ihn hindurch das Leben zu entdecken. Es trägt den Titel „Korn, das in die Erde“
(EG 98, 1-3); oft singen wir es in den Gottesdiensten während der Passionszeit.
Hier der Text für Sie/für Euch zum Nachlesen:

Strophe 1:
Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt-
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Strophe 2:
Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Strophe 3:
Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn-
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.

Wir beten:
Herr, wir beten für die Kranken, für die, denen keine Medizin mehr helfen kann, für die, die sterben müssen, für die, die unter der Last dieser Zeiten zusammenbrechen.
Komm zu ihnen mit deiner Liebe und heile sie.
Wir beten für die Menschen, die in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten, in Feuerwachen und Apotheken, in KiTas und Schulen, in Supermärkten, in Laboren und in Ställen, in Ämtern und Gemeinden.
Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie.
Wir beten für die Menschen in der Politik und in der Wirtschaft; stehe ihnen bei, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen, die uns allen in dieser Krise weiterhelfen.
Wir beten auch für die Menschen, die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten, die Flüchtlinge, die Opfer von häuslicher Gewalt, die Verwirrten und Missbrauchten, die Hungernden, die Einsamen.
Komm zu ihnen und rette sie.
Gehe mit uns allen durch diese Zeit.

Wir fassen alle unsere Bitten zusammen in dem Gebet, das Jesus uns selbst gelehrt hat:
Vater unser im Himmel…

Lied EG 665, 1-3 „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“

Wir bitten um den Segen Gottes:
Segne und behüte uns auf unseren Menschenstraßen.
Sende Liebe und Wärme in die kalte Welt.
Hoffnung, die wir fast vergaßen.

Amen.

 

Gottesdienst am 21.03.2021 - Judica

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
zum Gottesdienst am Sonntag Judica grüße ich Sie und Euch mit dem Wochenspruch aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 20, Vers 28:
„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“
Im Gottesdienst wollen wir uns heute mit Hiob aus dem Alten Testament beschäftigen. Sein Glaube wird auf eine harte Probe gestellt. Hat sein Leiden einen Sinn? Und was ist mit unserem Leiden? Die Passionszeit lädt uns ein, diesen Fragen einmal nachzugehen.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das Lied EG 91, 1-3 „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken“

Eingangswort:
Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gebet:
An diesem Morgen kommen wir zu dir, Gott, aus unserem Alltag voller Aufregung. Lass uns bei dir Ruhe finden.
Mit unserem wirren Leben finden wir uns an diesem Morgen bei dir ein, Gott. Lass uns den Weg finden.
Wir bringen an diesem Morgen vor dich unsere Welt voll Leid, Gott. Lass uns die Hoffnung nicht verlieren.
Wir beten zu dir, wir hören auf dich, rede zu uns, zeig dich.
Amen.

Als Lesung und als Predigttext haben wir heute einen Abschnitt
aus dem Buch Hiob, Kapitel 19, Verse 19- 27:
„Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach, dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust."
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters,
von dort wird er kommen zu richten die Leben- den und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das Ewige Leben.
Amen.

Lied EG 382, 1-3 „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
Hiob aus der Bibel ist wohlhabend, ein reicher Herdenbesitzer, mit zahlreichen Knechten. Er ist auch Familienvater. Er und seine Frau haben drei Töchter und sieben Söhne. Für ihn ist das alles Geschenk Gottes, Zeichen dafür, dass er bei Gott gut angesehen ist, sogar sein Liebling.

Doch dann kommt ein Schicksalsschlag nach dem anderen. Die sprichwörtlichen Hiobsbotschaften ereilen ihn. Hiob verliert zunächst alle seine Tiere, dann seine Knechte. Schließlich kommen seine Kinder ums Leben.

Dann kommt er selbst an die Reihe, ein juckender Ausschlag, sogar Geschwüre, er kann kaum noch laufen oder sprechen, nichts mehr zu sich nehmen, er wird zum Außenseiter.

Im biblischen Buch Hiob wird nach dem Sinn oder Unsinn des Leidens gefragt, geradezu gerungen. Das, was diesem Menschen zustößt an Schrecklichem, ist das Schicksal? Zufall? Wille Gottes? Für Hiob scheint es eine wirkliche schlüssige Antwort nicht zu geben, sie bleibt aus. Als Leser wissen wir, was Hiob nicht weiß. Dem Ganzen geht eine Wette zwischen dem Satan und Gott voraus. Hiobs Frömmigkeit soll auf die Probe gestellt werden. Wird er auch im Leiden seinem Gott treu bleiben? Der Satan bezweifelt das.

Man mag diese Wette für etwas geschmacklos halten, aber das Thema ist doch klar benannt. Was bringt es einem Menschen zu glauben? Bringt es vielleicht sogar Nachteile mit sich? Muss ich im Leiden meinen Glauben aufgeben, weil die Gleichung von Glaubensinvestition und Glücksgewinn nicht mehr aufgeht? Die Theologin Dorothee Sölle schreibt dazu: „Liebe zu Gott ist anders, sie ist eine verrückte Liebe ohne Berechnung, eine Liebe, die sich nach Meinung des Teufels nicht auszahlt(…). Gott zu lieben heißt nicht: ich gebe dir den richtigen Glauben und komme dafür in den Himmel. Es heißt, sich Gott geben, ohne Versicherung, ohne Rückzahlung.“ Das ist ein schöner Gedanke. So, lieben wir ja zum Beispiel auch einen anderen Menschen, ohne Berechnung, einfach so.

Hiobs Frau reagiert ungehalten, sie versteht nicht, warum ihr Mann sich nicht von Gott abwendet: „Hältst du immer noch an deiner Frömmigkeit fest? Gib Gott den Laufpass und stirb.“

Liebe Schwestern und Brüder, kennen Sie ähnliche Ratschläge heute? Bringt doch nichts, das Glauben, das Beten. 10 Gebote beachten. Zum Gottesdienst gehen. Kirchensteuer zahlen. Gott sind wir Menschen doch egal, wenn es ihn überhaupt geben sollte. Denn wenn es ihn gibt: Warum verhindert er nicht, dass so viel Schreckliches in der Welt passiert? Die Pandemie, die uns nun schon seit einem Jahr in Atem hält und unser Leben bedroht und massiv einschränkt, Kriege, Millionen Flüchtlinge, Katastrophen, unheilbare Krankheiten, Armut und Elend, so viel unschuldige Menschen leiden und sterben.

Hiob antwortet im Laufe des sehr umfangreichen biblischen Buches nicht einheitlich. Es gibt verschiedene Antworten, so verschieden, dass Theologen davon ausgehen: die Texte des Hiob-Buches sind in verschiedenen Zeiten entstanden, wurden ergänzt und zusammen -gestellt. Es gibt eine erzählende Rahmenhandlung, legenden-, fast märchenhaft; dahinein sind Reden Hiobs und seiner Freunde eingefügt, die an die Sprache der Psalmen erinnern. Zunächst ist Hiob sehr abgeklärt, er sagt: „Gott hats gegeben, Gott hats genommen, der Name des Herrn sei gelobt.“ Später werden seine Klagen lauter: „Mich ekelt mein Leben an. Gefällt dirs, dass du Gewalt tust und verwirfst mich, den deine Hände gemacht haben? Gott, schau doch weg von mir. Also: Wenn das Leben schon so ist, wie es ist, dann lass mich doch wenigstens in Ruhe, Gott.“

Hiob ist kämpferisch. Er ist nicht fertig mit Gott, gibt ihm nicht den Laufpass. Er wendet sich Gott immer wieder zu, klagt ihm sein Leid, schleudert ihm offene Fragen hin, begehrt auf. Und bekommt am Ende von Gott bescheinigt, recht geredet zu haben. Das Klagen, Hadern, Zweifeln gehört zum Glauben dazu. Vielleicht ist gerade das, wenn wir untröstlich sind, das Tröstliche: dass es einen gibt, der zuhört und die Klage zulässt: Gott.

Und was heißt das nun für das Leiden? Für Hiobs Leiden, für unser Leiden?

Der biblische Hiob hat Freunde, die ihn besuchen. Sie halten sein Trauern und Schweigen aus. Sieben Tage und Nächte sitzen sie bei ihm, schweigen mit ihm, dann reden sie. Sie sagen: „Leiden geht immer auf Schuld zurück. Da Gott gerecht ist, musst du, Hiob, irgendetwas falsch gemacht haben, sonst ginge es dir nicht so. Denk mal drüber nach.“

Hiob pflichtet den Freunden zwar bei, denn völlig unschuldig ist eben kein Mensch auf Erden. Aber so viel Leid, wie er zu tragen hat - das kann nichts mit seinem eigenen schuldhaften Leben zu tun haben.

Uns rutscht das auch so raus, dass wir beim Leid anderer sagen oder denken: Kein Wunder. Unvorsichtig gewesen. Alles auf die leichte Schulter genommen. Das Virus. Das Leben selbst. Wir sind, so meinen wir oft, selbst verantwortlich, selbst schuld an dem, was uns widerfährt. So geben wir dem Leiden einen Sinn, eine Erklärung, wir wissen anscheinend genau, wo es herkommt. Und sind dabei ziemlich ungnädig.

Liebe Geschwister, der Verfasser des Hiob-Buches zeigt uns, dass es komplett sinnloses Leid gibt. Weder der Leidende selbst, noch andere, noch Gott sind daran schuld. Und dass allein schon das Forschen nach einer Ursache lieblos und zynisch wirken kann. Das wird in den Gesprächen mit Hiob und seinen Freunden deutlich. Wie wäre es, wenn unser christlicher Glaube uns darin stark machen könnte, gerade auch die Sinnlosigkeit von Leid auszuhalten? Und dennoch in allem Leid an Gott festzuhalten. Hiob lässt sich nicht mit Erklärungen abspeisen, die versuchen zu zeigen, dass vielleicht doch alles einen Sinn gibt. Er will keine Erklärungen, das einzige, was er braucht, ist, dass Gott ihn sieht. Dass er zu ihm redet. Darauf kommt es an. Dass sie noch verbunden sind.

Hiob kann uns ein Vorbild im Glauben sein. Vielleicht weniger der biblische Hiob der Legende, der das Leid so übermenschlich stark akzeptiert und für den am Ende alles wieder gut wird. Er kommt uns da nahe, wo er aufbegehrt, streitet, kämpft. Sich nicht abfindet mit Krankheit, Leid, Verlust. Wo er Leben und Gerechtigkeit und Glück fordert, für sich und andere. Wo er gegen alles, was ihm widerfährt, daran festhält, dass Gott es mit ihm, seinem Geschöpf, gut meinen muss. Und dann ist da mitten in der Klage, im Kampf ein großer Satz des biblischen Hiobs: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ Aus der größten Verzweiflung taucht die Hoffnung auf, dass es in der Tiefe des Abgrund Halt gibt. Der Sturz geht nicht ins Bodenlose. Am Ende ist da eine Hand, die uns hält. Am Ende ist da Gott, der uns auffängt.

„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, das ist ein Satz gegen die Angst, ein Wort, das mitten in der Verzweiflung die Rettung ahnt. Das Schwere, das Leiden, die Anfechtungen werden unser Leben weiterhin begleiten, wir werden immer wieder stürzen, aber nicht tiefer als nur in Gottes Hand.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 372, 1.2.4 „Was Gott tut, das ist wohlgetan“

Fürbitten:
Verborgener Gott,
den es nicht gibt, wie es etwas geben kann.
Du bist nicht dort, wo wir dich zu wissen meinen.
Doch du geschiehst, wo wir dich vermissen.

Zeig deine Nähe, wo nichts und niemand mehr nahe ist,
wo es nichts mehr zu hoffen gibt,
wo Lebensgerüste zerfallen.

Zeig deine Nähe, wo Worte und Verstehen aufhören,
wo das Wort „Gott“ nichts mehr sagt,
wo der Glaube ins Offene fällt.

Zeig deine Nähe, wo das Elend zu groß ist, um es zu begreifen,
wo das Dunkel ohne Widerspruch regiert,
wo tiefe Nacht alle Gewissheiten nimmt.

Zeig deine Nähe, wo der Tod den Abschied von allem fordert
und Menschen zwingt, sich selbst zu verlassen.

Zeig deine Nähe, wo Menschen selbstlos lieben und das Gute tun,
ohne es sich anzurechnen, ohne sich besser als andere zu fühlen.

Verborgener Gott, du fehlst uns und wir ahnen doch,
dass du uns näher bist, als wir es fassen können,
näher als wir uns selbst.
So werden wir still vor dir…

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt und als der letzte wird er sich über dem Staub erheben. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder.“
Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lasst euch segnen mit der 2. Strophe des abschließendes Liedes EG 171:
„Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten,
voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.“

Lied EG 171, 1.2.4.

Gottesdienst am 14.03.2021 - Lätare

von Pfarrer i.R. Manfred Bender

Liebe Gemeinde,
ganz herzlich begrüße ich Sie zum  Gottesdienst am Sonntag Lätare.
Lätare –  das heißt: Freut euch! Mitten in der Passionszeit, wo wir an das Leiden von Jesus erinnert werden, erklingt dieser Ruf am heutigen Sonntag. Lätare – Freut euch! Im biblischen Leitwort, in den Gebeten und in den Liedern ist schon deutlich die Hoffnung auf das neue Leben angelegt, das an Ostern beginnt. Dazu passt das Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fallen und sterben muss, um neues Leben hervorzubringen. Es begleitet uns als Wochenspruch und wird in der Predigt ausgelegt.

Lied: NL 60,1-4 In der Stille angekommen

Wir feiern den Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Wir freuen uns, dass wir in Gottes Haus versammelt sind und beten mit den Worten Israels:
(Psalm 84,2-13)

Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN.
         Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen
Deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.
         Wohl denen, die in deinem Haus wohnen, / die loben dich immerdar.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten /
und von Herzen dir nachwandeln.#
         Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund,
         und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern / und schauen den wahren Gott in Zion.
         HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet! / Vernimm es, Gott Jakobs!
Gott, unser Schild, schaue doch; / sieh an das Antlitz deines Gesalbten!
         Denn ein Tag in deinen Vorhöfen / ist besser als sonst tausend.
Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause /
als wohnen in den Zelten der Frevler.
         Denn Gott, der HERR ist Sonne und Schild, /
         der HERR gibt Gnade und Ehre.
         Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
HERR, Gott Zebaoth, wohl dem Menschen, / der sich auf dich verlässt!
         Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
         wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Gebet:
Gott unseres Lebens, Sonne und Schild,
Wir suchen deine Wärme, deine Nähe, auch in diesem Gottesdienst.
Kein Gutes soll uns mangeln, haben wir eben gebetet.
Aber es fällt uns oft schwer, das zu glauben. Oft sind wir müde und verzagt. Die Pandemie will kein Ende nehmen, das Impfen geht schleppend voran, immer wieder infizieren sich Menschen, immer wieder sterben Erkrankte.
Immer dieses Schwanken der Inzidenzzahlen und die Unsicherheit bei allem Planen! Das Klagen liegt uns näher als die Freude.
Wir bitten dich: Wenn unser Weg jetzt durchs dürre Tal führt, werde du unser Quellgrund; dass wir Mut und Geduld nicht verlieren, dass wir durch diesen Gottesdienst gestärkt neu aufbrechen. Amen

Lied: EG 396,1+2 In dir ist Freude

Lesung (Joh 12,20-24)
Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um auf dem Fest anzubeten.
Die kamen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn: „Herr, wir möchten Jesus gerne sehen!“.
Philippus ging und sagte es Andreas, und Philippus und Andreas sagten’s Jesus weiter.
Jesus aber antwortete ihnen: „Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werden soll.   Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

Predigt:

Liebe Gemeinde, die Griechen aus unserer Geschichte sind mir sehr sympathisch, sie sind mir sehr nahe.

Wobei: Vielleicht waren es gar keine Griechen, vielleicht waren es griechisch sprechende Juden, die irgendwo in den Weiten des römischen Reiches lebten, Wallfahrer zum höchsten jüdischen Fest nach Jerusalem. Wie auch immer, ob Griechen oder griechisch sprechende Juden, für die Geschichte ist das unerheblich und auch für meine Sympathie für sie.

Diese Männer sind mir nahe, weil ich ihren Wunsch gut kenne: Sie wollen selbst sehen. Sie wollen sich nicht damit zufrieden geben, was man ihnen erzählt hat. Sie wollen nicht aus zweiter Hand leben, sie wollen selbst sehen und erfahren, wer dieser Jesus ist. Gehört haben sie von ihm. Wir können nur vermuten, was sie von ihm gehört haben. Vermutlich von seinen Predigten, sicher von seinen Heilungen, vermutlich von seinem Streit mit den religiösen Führern, sicher von der Erwartung seiner Freunde: Er sei der versprochene Messias, der von Gott versprochene Retter.

Davon hat man ihnen erzählt, das wussten sie von Jesus vom Hören-Sagen, aber jetzt sind sie in Jerusalem. Jetzt ist er, Jesus in Jerusalem und da wollen sie die Gelegenheit nutzen und ihn selber sehen Sich selbst ein Urteil bilden. Sich nicht nur verlassen auf das, was ihnen die Leute erzählen.

Deshalb sind mir die Griechen unserer Geschichte so sympathisch, so nahe: Sie gleichen uns Menschen am Anfang des 21. Jahrhunderts.

Jahrhunderte lang haben Christen in Europa aus zweiter Hand gelebt. Und das hat mehr oder weniger gut funktioniert. Man war Christ, weil alle Christen waren. Man war Christ, weil die Eltern einen als Säugling hatten taufen lassen. Man war zur Konfirmation gegangen, man hatte sich kirchlich trauen und schließlich auch kirchlich beerdigen lassen, weil das zu einem anständigen Leben dazu gehörte. Große Fragen wurden da kaum gestellt. Man lebte aus zweiter Hand, ohne direkte eigene Erfahrung, ohne eigenes Urteil. Man lebte als Christ oder Christin, weil man es nicht anders kannte. Und die Kirche hatte sich mit allen ihren Veranstaltungen auf diese Normalität eingestellt.

Heute stellen wir fest: Diese Normalität ist weg. Taufe, Konfirmation, kirchliche Trauung, Besuch des Gottesdienstes – das alles ist nicht mehr selbstverständlich. Christliches Leben aus zweiter Hand – das funktioniert nicht mehr. Weil Menschen heute selber sehen, selber erfahren, selber urteilen wollen. Wie die Griechen unserer Geschichte. Denen hat es nicht gereicht, dass andere ihnen von Jesus erzählt haben, die wollten selber sehen.

Und damit sind wir unmittelbar bei uns und bei der Kirche heute: Denn es stellt sich dann die Frage an uns und die ganze Kirche: Erzählen wir so von Jesus, dass andere wissen wollen, wer er ist? Erzählen wir unseren Kindern und Enkeln so von Jesus, dass sie neugierig werden und sich selber ein Urteil bilden wollen? Erzählen wir im Religionsunterricht und im Konfirmandenunterricht so von Jesus, dass unsere Kinder nachfragen, eigene Erfahrungen machen wollen? Wohlgemerkt: Das ist keine Frage an die Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen allein. An die sicher besonders! Es ist eine Frage an uns alle: Leben wir so und reden wir so, dass andere kommen wie die Griechen unserer Geschichte und sagen: Wir wollen Jesus sehen. Wir wollen ihn selber erleben. Wir wollen unsere eigenen Erfahrungen machen.

Ich bin überzeugt: Das ist die entscheidende Frage für die Zukunft der Kirche. Die Fragen der Struktur haben danach ihren Platz. Aber zuerst geht es um die Frage: Leben und reden wir so, dass unsere Kinder und Enkel, unsere Nachbarn und Kollegen, die Menschen um uns neugierig werden und mit den Griechen sagen: Wir wollen Jesus sehen?

Die Antwort von Jesus ist überraschend und wir wissen nicht, ob die Griechen Jesus tatsächlich gesehen haben. Denn Jesus sagt ganz allgemein, wie es zu einer eigenen Erfahrung mit ihm kommen kann. Was er sagt, gilt für die Griechen damals, es gilt für uns heute. Ob die Griechen sich darauf  eingelassen haben, davon wird uns nichts berichtet. Ob wir uns darauf einlassen, das ist die Frage, die das Evangelium heute Morgen an uns stellt.

Jesus antwortet allen, die ihn sehen wollen, mit einem Bild aus der Natur. Er erinnert an ein Naturgesetz. Da ist ein Weizenkorn. Es ist hart. Es hat eine feste Haut. Es ist trocken. Und es ist allein. So ein Weizenkorn kann tausende Jahre an einem trockenen Ort sicher liegen. Für nichts und niemanden gut. Einsam und allein.

Wenn ein Bauer aber das Weizenkorn in die feuchte Erde legt, dann geschieht ein Wunder. Die Feuchtigkeit macht das Weizenkorn weich, die Haut bricht auf, es fängt an sich zu bewegen, es sprosst, Wurzeln wachsen, ein Halm reckt sich in die Höhe, dann eine Ähre und zum Schluss aus einem einzigen Weizenkorn viele neue Körner in der Ähre. Was für ein Wunder!  Neues Leben! Reiche Frucht! Aus einem einzelnen Korn!

Nur - wo bleibt das Weizenkorn vom Anfang?  Das kleine, harte, trockene Weizenkorn, das der Bauer in die Erde gelegt hat?

Wer es sucht, findet bei den Wurzeln eine verschrumbelte kleine Haut, zwischen den Wurzeln kaum mehr zu finden. Ein winziger Rest ist übrig geblieben. Eine große Verwandlung hat stattgefunden. Unter Regen, Sonne, Wind und Nahrung aus dem Boden ist aus dem einen kleinen, harten  Korn eine Pflanze mit vielen neuen Körnern geworden. Das einzelne Korn hat Frucht getragen, hat sich verwandelt in viele neue Körner.

Jesus sagt: Das ist ein Lebensgesetz. Auf diesem Weg  werden aus einem einzelnen Korn, viele neue Körner. Auf diesem Weg wird Leben fruchtbar. So kommt ein Leben aus seiner Einsamkeit und Härte heraus, kommt in Bewegung, bleibt nicht eingeschlossen in sich selbst, wächst und vervielfältigt sich.

Es ist das Lebensgesetz von Hingabe und Verwandlung. Jesus macht es am Beispiel des Weizenkorns deutlich. Es gilt aber für alle Bereiche des Lebens:

Wir können andere Beispiele suchen, die dieses Lebensgesetz verdeutlichen: Da will jemand Schreinermeister werden. Wie viele Hingabe ist erforderlich, wie viel Geduld, wie viel Ausdauer wie viel muss ein Jugendlicher einsetzen, hingeben, bis er erst Geselle und dann Meister ist. Und wie sehr verwandelt er sich von dem Anfänger, der sich alles zeigen lassen muss zu dem selbstbewussten Meister, der andere anleitet.

Da heiratet ein Paar und will das ganze Leben miteinander teilen. Wer da spart, wer sich da ängstlich zurück hält, wer nicht wagt, sich hinzugeben, wird nie die Schönheit und Erfüllung der Liebe finden. Die Verwandlung vom einsamen Ich zum gemeinsamen Wir gelingt nur durch Hingabe.

Wir können noch viele Beispiel für dieses Lebensgesetz finden: Verwandlung und Erfüllung durch Hingabe.

Vielleicht wendet jemand ein: Aber ist das nicht riskant? Kann ich mich dabei nicht verlieren? Wenn nun gar keine Frucht wächst? Wenn Hingabe nicht angenommen wird? Wenn Hingabe gar ausgenutzt wird? Ist das nicht riskant? Gefährlich? Ja, es ist riskant! Es ist gefährlich! Aber es ist die einzige Möglichkeit, dass ein Leben fruchtbar wird und schön und erfüllt. Wer Hingabe nicht wagt, bleibt wie ein einzelnes Weizenkorn, einsam, hart, verschlossen. Ohne solches Wagnis kein neues Leben – es ist ein Gesetz des Lebens.     

Jesus in unserer Geschichte deutet dieses Lebensgesetz zuerst auf sich: Er gibt sein Leben für die Welt. Er gibt sein Leben für dich und mich. Das ist seine Sendung. Dazu hat er gepredigt und geheilt, dazu wird er seinen Jüngern die Füße waschen, dazu wird er sich schließlich ans Kreuz schlagen lassen. Dass die Welt erkennt, dass ich und Du erkennen: So sehr liebt Gott die Welt! Dass nur keiner meinen könnte, er oder sie sei von dieser Liebe ausgeschlossen. Dass keiner meinen könnte, seine Einsamkeit sei so groß,  dass sie niemand durchdringen kann. Dass keiner und keine denken sollte, er habe so viele Fehler gemacht, so viel im Leben versäumt, dass es für ihn / für sie keine Hoffnung mehr gibt. Nein, in seiner Hingabe trägt er die Schuld der Welt, damit wir frei sein können. Das ist die Frucht seiner Hingabe, die Verwandlung des einzelnen Weizenkorns zu einer neuen Pflanze, zu einer neuen Ähre, zu einer großen Zahl von Körnern.

Und was bedeutet das für die Griechen, die ihn sehen wollen? Was bedeutet das für uns, wenn wir  unsere eigenen Erfahrungen mit Jesus machen, zu unserem eigenen Urteil kommen wollen?

Das Lebensgesetz von Hingabe und Verwandlung gilt auch für uns. Jesus sehen, wird nur der, der es wagt, sich ihm hinzugeben, wer es wagt sich verwandeln zu lassen. Der wird erleben, wie fruchtbar sein Leben wird.

Wenn wir uns einsenken wie ein Weizenkorn in die Liebe von Jesus und dadurch selbst lieben lernen.
Wenn wir unsere harten Schalen aufbrechen lassen, berührt von seiner Barmherzigkeit und selbst Barmherzigkeit üben.
Wenn wir uns beschenken lassen mit seinem Frieden und selbst Friedenstifter werden.
Wenn wir uns von ihm unsere Schuld vergeben lassen und anderen die Ihre vergeben.
Wenn wir unsere Wurzeln tief senken in sein Wort und dadurch ermutigt werden und Orientierung finden. 
Wenn wir im Gebet seine Nähe suchen und erfahren, wie das Gebet trägt und Kraft gibt.
Wenn wir in dem allem bereit sind, uns wandeln zu lassen, wandeln in der Gemeinschaft mit ihm.

Hingabe im natürlichen Leben ist ein Risiko. Hingabe an Jesus ist Erfüllung. Weil er sich zuerst an uns hingegeben hat, weil unsere kleine Hingabe nur die Antwort ist auf seine große Hingabe. Sich in ihn versenken wie das Weizenkorn in die Erde - das macht das Leben reich und fruchtbar.

Die Antwort von Jesus an alle, die ihn sehen, selbst erfahren wollen, ist: Sehen reicht nicht, es ist zu distanziert. Um Jesus zu erfahren, gibt es nur den einen Weg, den Weg des Weizenkorns, den Weg von Hingabe und Verwandlung. Die Frucht auf diesem Weg ist garantiert. Weil ER selbst sie versprochen hat. Weil ER selbst sie schafft, ja schon geschafft hat.  

Amen. 

Lied EG 98,1-3 Korn, das in die Erde

Fürbitten:
Heute am Wahltag in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beten wir für die öffentlichen Angelegenheiten und die politisch Verantwortlichen:
Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir in einem Land leben, das unsere Rechte schützt und unsere Freiheiten wahrt. Wir danken dir besonders, dass wir unseren Glauben frei leben und öffentlich bekennen können. Wir danken dir für diese gute Ordnung in unserem Land.
Und wir klagen dir, dass politische Gegnerschaft immer öfter in Hass ausartet; dass viele Menschen die andere politische Meinung, die andere Religion, die andere Kultur nicht dulden wollen; dass undurchsichtige Machenschaften zwischen Politik, Wirtschaft und Finanzwelt die gute Ordnung untergraben.
Wir beten besonders für die Politikerinnen und Politiker in  Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die heute neu gewählt werden: dass sie gemäß ihrem Auftrag für das Wohl der Allgemeinheit eintreten und Einzelinteressen zurückstellen; dass sie auch die Verantwortung für die nichtmenschliche Schöpfung erkennen und wahrnehmen; dass sie in respektvoller Weise ihren politischen Streit austragen und zu guten Lösungen finden; dass sie unsere gute politische Ordnung verteidigen.
Wir beten für uns, die Wählerinnen und Wähler: dass wir nicht nur heute für unsere Politikerinnen und Politiker beten; dass sehr viele Menschen heute zur Wahl gehen; dass wir mit wachem Verstand die politischen Entscheidungen wahrnehmen und beurteilen; dass wir uns von den unzähligen Erregungswellen nicht mitreißen lassen.

In der Stille beten wir weiter und bringen vor Gott, was uns bewegt:

Vaterunser:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Lied: EG 94,2+4+5 Das Kreuz ist aufgerichtet (Vorschlag: Melodie EG 521!)

Segen:

Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
So segne dich der dreieinige Gott, + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

 

Gottesdienst am 07.03.2021 - Okuli

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 7. März 2021.
Es ist der 3. Sonntag der Passionszeit, der den Namen Okuli trägt. Das kommt von Psalm 25, 15 her: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Im Gottesdienst wird es um das Thema „Energie“ gehen. Die Passionszeit ist eine gute Zeit, einmal darüber nachzudenken, woher wir eigentlich die Energie für unsere Seele bekommen, was uns Kraft und Hoffnung gibt. Aber auch darüber wollen wir nachdenken, wie wir verantwortlich mit den Energievorräten dieser Erde und mit unserem Energieverbrauch umgehen können.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Passionslied EG 97, 1-3 „Holz auf Jesu Schulter“
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Gott,
wir danken dir, dass du deine Schöpfung so wunderbar gemacht hast.
Danke für die Energie, die wir nutzen können und die unser Leben erleichtert.
Wir bitten dich:
leite uns auf deinem Weg und hilf uns, mit der Schöpfung, die du uns anvertraut hast, verantwortungsvoll umzugehen.
Amen.

Als Lesung und zugleich als Predigttext hören wir Worte aus dem Schöpfungspsalm 104:
„Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich, der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, dass es bleibt immer und ewiglich. Du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutzen den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter.“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 432, 1-3 „Gott gab uns Atem, damit wir leben“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
„Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.“ Diese Worte aus Psalm 104 haben wir gerade gelesen.

Der Psalm sagt: Wir Menschen sind Gottes Werke, und wir leben in seinen Werken- als Geschöpfe inmitten von Geschöpfen. In seinen Werken wirkt Gott selbst; er gibt Leben und erhält Leben.
In der griechischen Übersetzung des AT steht für das Wort „Werke“ das Wort „érga“. Im ganz frühen Griechisch hieß das Wort wérga. Klingt fast so wie „Werke“. Werke und érga sind eng miteinander verwandt. Aus dem alten griechischen Wort ist enérgeia hervorgegangen, Energie. Wir benutzen es heute ganz selbstverständlich, es ist ein wichtiger Begriff für uns.
Auch aus der Bedeutung von enérgeia hört man noch die Verbindung zum deutschen Wort „Werk“ heraus. Enérgeia steht für Wirksamkeit, Wirken, eine Kraft, die wirkt.

Wenn man den Psalm 104 ganz liest, dann kommt darin immer wieder das Wasser vor: von der Urflut ist da die Rede, von Quellen, von Regen, vom Meer. Ohne Wasser wäre kein Leben auf dieser Erde möglich.
Das Wasser steht hier für die Lebensenergie, die von Gott kommt. Gottes Energie bewegt. Sie durchströmt alle Geschöpfe und verbindet sie so miteinander.

Auch wir Menschen sind in diese Schöpfung eingebunden. Aber anders als die anderen Geschöpfe sind wir selbst schöpferisch. Auf Gottes Werke antworten wir mit unseren Werken und mit unserer Arbeit.
Einen Teil ihrer Werke und ihrer Arbeit haben die Menschen schon seit Jahrtausenden mit einer Energie verrichtet, die sie selbst erzeugen: Lasten transportieren, ohne selbst zu tragen; vorankommen, ohne zu gehen. Wärme und Hitze erzeugen. Gegenstände herstellen, die es noch nicht gibt, vom Tonkrug bis zum Mikrochip.

Meist meinen wir diese Energie, wenn wir von Energie sprechen. Auch diese Energie bringen wir nicht selbst hervor, sondern wir nutzen auf schöpferische Weise die Lebensenergie, die in der Schöpfung wirkt. Das ist auch kein Problem, wenn die Rohstoffe, die wir nutzen, sich selbst erneuern. Und wenn mögliche Schäden, die bei der Energie -erzeugung entstanden sind, dann wieder ausgeglichen werden. Wie bei Energie aus Sonne oder Wind. Wie bei Energie aus Holzfeuer. Für das verbrannte Holz z.B. wird ein neuer Baum gesetzt. Seine Blätter binden das Kohlendioxid, das im Qualm in die Luft gestiegen ist.

Liebe Schwestern und Brüder!
Heute gewinnen wir in Deutschland den Großteil der Energie aber auf andere Weise, aus Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Gas oder Plutonium. Diese Rohstoffe erneuern sich nicht. Die Schadstoffe, die bei der Energieerzeugung entstehen, werden nicht ausgeglichen.
Wir verbrauchen große Mengen an Energie, mehr als die Menschen in den meisten anderen Ländern dieser Erde.

Noch größer wird der Energieverbrauch dadurch, dass viel Energie schlecht genutzt oder verschwendet wird. Dadurch schneiden wir uns mit unseren Werken vom Fluss der Lebensenergie ab, mit dem Gott in seiner Schöpfung wirkt. Wir zerstören und vernichten Teile der Schöpfung und gefährden die Lebensgrundlagen der Menschheit. Außerdem: diejenigen, die am stärksten von der Zerstörung der Lebensgrundlagen betroffen sind, haben diese Zerstörung am wenigsten verursacht. Der Klimawandel trifft mit Dürren und Überschwemmungen besonders die Menschen in Afrika, Südasien und im Pazifik. Das ist eine schwere Hypothek für künftige Generationen. Wir haben vermutlich das „How dare you?“ der damals erst 16jährigen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg noch im Ohr. Mehrfach hat sie diesen Satz den Politikern und der Öffentlichkeit auf dem UN- Klimagipfel von New York im September 2019 entgegengeschleudert. Sie hat eindrückliche Worte gefunden: „Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir sind am Anfang eines Massen- Aussterbens. Und alles, worüber Sie reden können, sind Geld und Märchen vom wirtschaftlichen Wachstum. How dare you?“. Greta Thunbergs Gesicht war ganz verzerrt von Zorn dabei. Und sie hat recht: Wie können wir es wagen, so mit der Welt, mit der guten Schöpfung Gottes umzugehen? In der seine enérgeia steckt!

Liebe Gemeinde!
„Enérgeia“, „Energie“, „Wirksamkeit“: im Neuen Testament bedeutet dieser Begriff: Gottes Kraft wirkt. Sie wirkt gegen alle Mächte, die Tod, Unterwerfung oder Zerstörung wollen. Gottes Kraft, Gottes Energie zeigt sich besonders darin, dass Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Im Brief an die Gemeinde in Kolossä lesen wir: „Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben, aus der Energie/der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“ (Kol 2,12)

Energisch tritt Gott für das Leben ein. Deshalb sind wir als Christinnen und Christen zur Hoffnung berufen. Nicht dazu, aufzugeben oder zu meinen, es sei sowieso alles egal.
Diesem Gott, seinen Werken und seinem Wirken können wir trauen.
Wir können uns öffnen für Gottes Energie und uns von ihr bewegen lassen.
Wir können uns auch dazu bewegen lassen, über seine Schöpfung zu staunen und uns an ihr zu erfreuen. Und: Energie so zu erzeugen und so zu nutzen, dass wir es verantworten können vor Gott dem Schöpfer, vor unseren Mitgeschöpfen und vor den künftigen Generationen.

„Gott, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 659, 1.2.4 „Die Erde ist des Herrn“

Fürbitten:
Herr, wir bitten dich für deine Schöpfung und für alles, was auf der Erde lebt. Lass es sich zum Guten entwickeln.
Wir bitten dich für alle Menschen, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Verantwortung tragen. Begleite sie, damit sie sich ihrer Verantwortung stellen:
die natürlichen Lebensgrundlagen schützen und auch für die kommenden Generationen sorgen.
Wir bitten dich für ein gutes Miteinander der Kirchen und Glaubensgemeinschaften bei uns und weltweit. Dass sie sich gemeinsam bewusst werden:
viel muss getan werden für die Bewahrung unserer Umwelt.
Und dass sie das vorleben und einfordern.
Wir bitten dich für unsere evangelische Kirchengemeinde und für unser Energiespar-Team (Herrn Ziegler, Herrn Eppinger und Herrn Hoerth):
lass uns gemeinsam viele kleine und auch einige große Schritte hin zu einer umweltverträglichen Lebensweise unternehmen.
Wir bitten dich für jeden Einzelnen und jede Einzelne von uns:
schenke uns offene Augen und Herzen für unsere Umwelt, dass wir sie wahrnehmen mit ihrer Schönheit, aber auch mit ihren Problemen und unsere Chancen nutzen, uns für sie einzusetzen.
Amen.

Alles, worum wir Gott sonst noch bitten möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied EG 504, 1.6. „Himmel, Erde, Luft und Meer“

So lasst euch segnen:
Möge der Herr, der schafft, erlöst und inspiriert,
alle unsere Gedanken leiten und unsere Pläne führen.
Möge der Herr, der uns mit vielen Gaben beschenkt hat,
uns neuen Weitblick und Inspiration für unsere Aufgaben geben.
Und möge dieser liebende Gott, Schöpfer, Erlöser und Anreger
uns das Licht seines Angesichts zeigen, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 28.02.2021 - Reminiszere

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

herzlich willkommen zu unserem Lesegottesdienst für Sonntag, den 28. Februar. Im Kirchenjahr ist es der 2. Sonntag der Passionszeit; er trägt den Namen „Reminiszere“, „gedenke“. Im Psalm 25, der diesem Sonntag zugeordnet ist, heißt es: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.“ (V.6). Ab jetzt sind es noch fünf Sonntage bis zum Oster- fest! Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 502 „Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit“ (Str. 1 und 2).

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Herr, wir leben oft nicht so, wie du dir das für uns wünschst.
Trotzdem liebst du uns und würdest uns niemals aufgeben.
Wir danken dir, dass du so barmherzig und geduldig mit uns bist.
Verdient haben wir es nicht.
Wir bitten dich: lass uns auch untereinander barmherzig und geduldig sein.
Lass uns anderen vergeben, wie du uns vergeben hast.
Amen.

Die Lesung und zugleich der Predigttext stehen im Alten Testament, im Buch des Propheten Jesaja; es ist das sog. „Weinberglied“: „Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde; sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechts-Spruch, siehe, da war Rechts-Bruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 98 „Korn, das in die Erde“ (Str. 1-3)

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde! „Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte, aber er brachte schlechte.“ Der Prophet Jesaja singt ein Lied und erzählt eine Liebesgeschichte. „Mein Freund hatte einen Weinberg.“ Poetische Worte. Wie technisch klingt dagegen unser Wort „Beziehung“. Zur Zeit Jesajas hatte jeder sofort bei dem Stichwort „Weinberg“ eine Liebesgeschichte vor Augen. Liebe ist wie ein Weinberg, also wie ein Garten, der angelegt wird. Du kannst seine Schönheit und Fülle genießen, die saftigen Trauben. Du musst aber auch Steine wegräumen, Wege anlegen, etwas aufbauen. Ein schönes Lied für die Liebe! Diese Geschichte geht nicht gut aus. Es gibt keine guten Trauben, der Weinberg bringt keine Frucht, obwohl der Winzer alles getan hat. Am Ende müssen oft sogar Anwälte und Gerichte entscheiden über das Ende von Beziehungen. So auch zur Zeit des Propheten Jesaja:

„Nun richtet, ihr Bürger von Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?“

Liebe Schwestern und Brüder, enttäuschte Liebe tut weh. Der Schmerz entlädt sich oft in Wut und Zorn. Was mir eben noch am liebsten war, möchte ich kurz und klein schlagen. Der enttäuschte Liebhaber im Weinberg- Lied sagt: „Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will. Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahlgefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werde, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.“

Eine enttäuschte Liebe. Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Eine Geschichte, in der Menschen sich wiederfinden können mit ihren Verletzungen und Verwüstungen. Das passt zur gerade begonnenen Passionszeit. Wir legen in dieser Zeit alles in Gottes Hand, was im Leben nicht wachsen konnte, was verkümmert ist, wo wir andere enttäuscht haben oder eine Enttäuschung mit uns tragen.

Doch das Lied geht weiter. Nimmt eine Wendung und weitet den Horizont:
„Des Herrn Zebaoth Weinberg ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechts- spruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.“

In Jesajas Weinberglied geht um die Liebe Gottes zu seinem Volk. Gott ist enttäuscht, verletzt, zornig. Das Gottesvolk, sein Weinberg, bringt keine gute Frucht, obwohl er sich unermüdlich einsetzt. Jesaja, der Prophet, hat es vor Augen: die Reichen und Mächtigen sind korrupt und bereichern sich auf Kosten der anderen. Statt Gut-Tat gibt es Blut-Tat. Das Volk Israel als Weinberg Gottes hat versagt. Die Menschen sind böse und gewalttätig. Statt gute Früchte zu bringen, gibt es nur bittere Trauben. Eine Gesellschaft versinkt im Unrecht. Für Jesaja gibt es keine Liebe zu Gott ohne die Liebe zum Nächsten. Was auf dem Marktplatz passiert, hängt zusammen mit dem, was im Tempel gesagt wird. Bei ihm wird die Liebe groß gedacht, wird politisch und geht über das, was zwischen zwei Menschen passiert, weit hinaus. Gott will Recht und Gerechtigkeit. Das ist die Ansage des Propheten Jesaja.

Wo eine Gesellschaft nicht darauf achtet, dass es allen gut geht, verkümmert das Leben. Klare Ansagen im Weinberg Gottes im 8. Jahrhundert vor Christus. Und das wollen auch wir heute uns von ihm sagen lassen, besonders jetzt, in den schwierigen Coronazeiten, wo wir klar vor Augen haben, wem es nicht gut geht: den Kindern und Jugendlichen, die schon seit fast einem Jahr keinen geregelten Kindergarten- und Schulalltag mehr erleben. Ihren Eltern, die den täglichen Spagat zwischen Kinderbetreuung, Homeschooling und Homeoffice meistern müssen. Den alten Menschen, die unter den Kontaktbeschränkungen besonders leiden. Den Selbständigen, die um ihre berufliche Existenz bangen müssen, den Menschen in Kurzarbeit, den schwer Erkrankten und ihren Angehörigen, den Trauernden. Aber auch die Menschen, die unter Krieg, Hunger, Katastrophen leiden, wollen wir nicht vergessen.

Gott hat einen Weinberg, immer noch. Obwohl er ihn doch enttäuscht aufgeben wollte. Erst vor kurzem wurde dieser Weinberg neu aus dem Weltall heraus fotografiert. Die Bilder kann man sich im Internet ansehen. Die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS haben diese Bilder im vergangenen Jahr aufgenommen; im Januar dieses Jahres wurden sie veröffentlicht. Das sind Bilder von atemberaubender Schönheit. Vollkommenes Blau der Meere, die Wälder im satten Grün und majestätisch grau die Bergrücken.

Nachts leuchten die Städte dieser Welt wie funkelnde Sterne. Gott hat sich wirklich Mühe gegeben mit diesem Weinberg! Es ist genug für alle da. Der Boden ist fruchtbar, das Wasser ganz klar. Hier können die Trauben der Gerechtigkeit wachsen. Saftig und prall. Hier können die Trauben des Friedens wachsen. Sonnengetränkt.

Aber wer genau hinsieht, von oben aufs Ganze gesehen, erkennt die Spuren der Verwüstung. Die Antarktis ist auf dem Rückzug. Das schimmernde Weiß verschwindet mehr und mehr. Aus dem Grün der Wälder werden immer mehr aschegraue Felder. Rauchschwaden so groß, dass sie selbst aus dem All zu sehen sind. Im klaren Blau der Meere treiben ganze Kontinente aus Plastik.

„Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.“

Manchmal fürchte ich mich und denke, dass es zu spät sein könnte für unseren Weinberg und dass Gott, der gute Weinbergbesitzer, sich zurückgezogen hat. Vielleicht konnte er es nicht mehr mitansehen, all das Blut, das zum Himmel schreit, all diese Zerstörung von Leben, diese Ungerechtigkeiten. Vielleicht hat er enttäuscht einen neuen Garten angelegt, eine neue Liebe gefunden, irgendwo in einer fernen Galaxie, was wissen wir Menschen denn schon von seiner Unendlichkeit?!

Alber dann sehe ich seinen Gärtner kommen, fröhlich pfeifend, die Gießkanne in der Hand. Behutsam richtet er die geknickten Reben auf, schlägt Pflöcke ein, die die Pflanzen halten. Prüfend pflückt er eine Traube, steckt sie sich in den Mund, schmeckt ihre Süße. „Kommt her zu mir“, sagt er, „ich bin der Weinstock und ihr die Reben. Solange ihr mit mir verbunden seid, bekommt ihr neue Kraft.“ Er nimmt seine Gießkanne, und es strömen Recht und Gerechtigkeit wie Wasser.

Mein Freund hat einen Weinberg… Ich möchte, dass die Geschichte diesmal gut ausgeht und hole schon mal die Harke aus dem Schuppen. Nimmst du die Gießkanne? Dann sind wir schon zwei. Und wo zwei oder drei, na, Ihr wisst schon…
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 39 „Freunde, dass der Mandelzweig“ (Str.1-4)

Wir halten Fürbitte:

Himmlischer Vater, du hast deinen Sohn Jesus Christus in unsere Welt gesandt, damit wir in ihm deine Liebe erkennen. Er hat mitten unter uns gelebt, hat Kranke geheilt und Mutlosen neue Hoffnung geschenkt. Aus allem, was er gesagt und getan hat, spricht deine Liebe.

Trotzdem wurde er angeklagt und verurteilt, gegeißelt und verlacht. Zuletzt wurde er gekreuzigt und musste sterben. Er ist für uns gestorben, damit wir leben können; wie schwer ist das für uns zu verstehen.

Wir bitten dich, Vater, dass wir deine Liebe annehmen können. Und dass sich deine Liebe, auch durch uns, immer mehr ausbreitet. Bei den Menschen in unserer Nähe, aber auch weltweit.

Du weißt, wie schnell wir mutlos werden, wenn wir sehen, wieviel Not, wieviel Ungerechtigkeit, wieviel Gleichgültigkeit es unter den Menschen gibt. Du weißt auch, was jeden und jede von uns persönlich zur Zeit am meisten belastet; dir können wir das anvertrauen.

Bitte mach unsere Liebe stark mit deiner Liebe.

Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe…

Gott schenkt dir seinen Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

Lied EG 157 „Lass mich dein sein und bleiben“

Predigt zum Gottesdienst am 21.02.2021 - Invokavit

Prädikant Thomas Reininger

Liebe Gemeinde,

in langsamen Schritten geht es auf Ostern zu. Gerade war die Fußwaschung. Das letzte gemeinsame Abendessen der Jünger mit Jesu. Vor dem Essen wusch Jesus den Jüngern, als Zeichen des Dienens, ihre Füße. Es muss die Schrift erfüllt werden (Psalm 41,10)

Aber dann: »Der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen.“ Abrupte Wendung.

Die Jünger und Jesus unterhielten sich. Er sprach:« Schon jetzt sage ich's euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer jemanden aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Weiter geht der Text mit dem heutigen Perikopen-Text, also dem vorgeschlagenen Text für den heutigen Sonntag (Johannes 13):

21 Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22 Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. 23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. 24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. 25 Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist's? 26 Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27 Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! 28 Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. 29 Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. 30 Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Jesus sagt den Jüngern in weiser Voraussicht, dass ihn jemand aus seinem engsten Freundeskreis verraten wird. Aber warum sollte es der oder jener tun? Man konnte es sich nicht vorstellen, wer oder warum es einer von ihnen tun sollte. Johannes fragte nach Aufforderung von Petrus: Jesus, wer ist es? Jesus gibt ihnen (Johannes und Petrus) die Antwort. »Der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen.“ Doch sie verstehen es nicht.

Auf einmal gibt Jesus das Abendmahl, nämlich Brot und Wein, an Judas. Anschließend verlässt Judas die Gemeinschaft und geht weg. Die anderen Jünger denken, Judas muss noch was einkaufen, da er der Kaufmann und Kassenverwalter der Gemeinschaft war.Aber es kam ganz anders. Er kam, wie es von Gott vorhergesehen war.

Der Teufel nahm danach sofort Besitz von Judas, seinen Gedanken – ja seinem ganzen Leben. Er als ehrlicher Christ wird mit einem Mal Satans Besitz. Und immer noch nichts verstanden. Auf einmal kommt er wieder. Jesus bekommt einen Kuss von ihm. Eigentlich ein Zeichen von Liebe und Zuneigung. Doch bei Judas ist es das Zeichen des Verrates.

Wenn ich das lese, bin ich schon enttäuscht. Ich finde das richtig erschreckend. Bin ich nicht einmal Christ – immer Christ? Hält mich Gott nicht immer fest in seiner Hand? Nein. Auch der Satan greift mich an. Jeden Tag aufs Neue. Spüren Sie das nicht auch oft? Ich bin eifersüchtig auf die Menschen, denen es viel besser geht als mir, ob finanziell oder gesundheitlich. Menschen die die Frau oder den Job haben, die ich gerne hätte. Habe keine Geduld für meine Mitmenschen. Sie nerven mich nur. Jammere nur über meine Gesundheit. Kann nicht dankbar dafür sein.

Machen wir uns hier mal ehrliche Gedanken. Wollen wir Marionetten sein? Uns alles aus der Hand genommen bekommen? Wollen wir das?
Wenn Gott bei allen Entscheidungen mir alles vorsagen würde, wäre ich kein freier Mensch. Ich muss mich immer neu entscheiden können zwischen Gott und unserer angeblich freien Entscheidung. Sonst wäre ich ja nur eine Marionette – ohne freies Leben.

Wenn ich mich aber auf den Satan einlasse, muss ich damit rechnen, dass es mir ergeht wie es Judas ergangen ist. Ja – er bekam einen Haufen Geld für seinen Verräterkuss. War anschließend richtig reich mit dem Geld. Aber glücklich wurde er damit nicht. Nein – er wurde richtig todunglücklich, im wahrsten Sinne des Wortes. Er erhängte sich schlussendlich (Matthäus 27).

Als Judas seine Brüder in Christus und Jesus verließ, was geschah dann?  Es brach die letzte Nacht in Freiheit für Jesus und auch für uns an. Stimmt das?
Für Jesus ja. Es war die schlimmste Nacht die man sich vorstellen kann.
Er wusste, was nun passiert. Alleine gelassen, verraten, verkauft. Bis zu dem Punkt als Er schrie: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?
Er wusste:
Die Soldaten werden kommen. Aber er liebt sie trotzdem weiter.

Judas wird ihn verraten. Aber seine Liebe endet auch hier nicht. Die unbegründeten Anklagen und die Folterungen muss man erst einmal aushalten und durchhalten. Könnte ich da verzeihen und vergeben? Jesus tat es. Selbst am Schluss am Kreuz, als alles zu spät scheint, nimmt er noch einen Mitgefangenen mit in sein Reich.

Für uns ist diese Nacht jedoch der Beginn eines neuen Tages. Der Schritt in das beste Leben, das wir uns als Christ nur vorstellen können. Durch diese Nacht hat Gott seinen Sohn für Dich und mich ans Kreuz geschickt, damit wir die Freiheit zu ihm und mit ihm finden. Wir sind gerettet, auch wenn wir uns oft versündigen, wenn wir verzweifeln, wenn wir neidisch sind: Er bietet uns täglich neu seine Hand an. Er zieht uns aus der Hand des Teufels hin zu ihm – wenn wir dies wollen. Wenn wir es nicht können, wenn wir nichts mehr können – aus lauter Verzweiflung – dann zieht er uns aus der Not mit seiner Hand an unserer Hand. Er zieht uns heraus. Er gibt uns Licht, auch wenn noch um uns totale Finsternis bzw. tiefste Nacht ist. Haben Sie dies auch schon einmal erlebt? Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen. Erst vor kurzem ist mir etwas ganz Tolles passiert. Wie Sie sehen und wissen habe ich große Probleme mit meinem linken Knie. So ging ich zum örtlichen Orthopäden, stellte mich vor. Seine Aussage: Mit ihrer Krankheit und in ihrem Alter kann man nichts mehr machen. Ich war niedergeschlagen.

Einige Tage später traf ich meine berufliche Konkurrenz. Nennen wir ihn Peter. Peter fragte mich: Wie geht es Dir? Ich erzählte etwas von meinen Problemen. Daraufhin kam die Frage: Willst Du nicht einmal zu einem guten Orthopäden? Ich: Kennst du einen? Er sagte: Mein Bruder zählt zu einem der 5 besten Orthopäden weltweit. Bring mir mal deinen Befund. Ich zeige es ihm. Kurz danach bekam ich einen Termin. Dies Aussage anschließend: Ist ein kleinerer Eingriff und dann kannst Du wieder voll laufen. Eingriff ist nun am 8.3. und ich bin sehr gespannt. Normalerweise lt. Internet ist die Wartezeit auf einen Termin bei ihm 2 ½ bis 3 Jahre. Bei mir war es nun gerade einmal 8 Wochen Voruntersuchung und OP. So hält uns Gott in seiner Hand. Er lässt uns auch in den dunkelsten Zeiten fest in seiner Hand

Deshalb dürfen wir täglich neu dankbar sein, dass er bei uns ist. Er lässt uns nicht alleine.
Auch dich und dich nicht.
Er hat die besten Wege für uns. Wenn ich auch denke, es ist oftmals der falsche Weg.
Im Nachhinein muss ich aber oft bekennen, Gott hat noch nie einen Fehler mit mir gemacht.
Er wird auch keinen Fehler mit Dir machen.

Er hält gerade Dich fest in seiner Hand.
Sei ganz gewiss.
Er geht mit Dir.
Er trägt dich.
Dessen bin ich mir ganz sicher.
Danke Herr, dass du bei mir und bei dir bist.
Lass uns ganz vertrauen auf deinen Weg mit mir, mit uns.

Amen.

Gottesdienst am 14.02.2021 - Valentinstag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

herzlich Willkommen zum Lesegottesdienst am Valentinstag, dem 14. Februar.
Er erinnert an den christlichen Priester Valentin, der im 3. Jahrhundert nach Christus in Mittelitalien lebte. Wahrscheinlich war er sogar Bischof. Er traute-verbotenerweiseMenschen nach dem christlichen Ritus und beschenkte sie danach mit Blumen aus dem eigenen Garten. Es hieß, dass diese Ehen unter einem besonders guten Stern gestanden hätten. Der 14. Februar ist Valentins Todestag, er starb als Märtyrer. Wir feiern diesen Tag in unserer Zeit als Tag der Verliebten und der Liebenden. Deshalb wollen wir auch im Gottesdienst über die Liebe nachdenken.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 317, Str. 1.2.4 „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Gott, der du die Liebe bist, du kennst jeden und jede von uns.
Du weißt, was uns freut und was uns Angst macht.
Du weißt, wie wichtig Liebe für unser Leben ist.
Sei uns jetzt nahe, wenn wir singen, beten und dein Wort hören.
Amen.

Als biblische Lesung und als Predigttext hören wir einen Abschnitt aus dem Hohelied der Liebe,
aus dem 1. Korintherbrief, Kap. 13, Vers 4-8. 13 (Gute Nachricht-Bibel):
„Die Liebe ist geduldig und gütig. Die Liebe eifert nicht für den eigenen Standpunkt, sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf. Die Liebe nimmt sich keine Freiheiten heraus, sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie lässt sich nicht zum Zorn reizen und trägt das Böse nicht nach. Sie ist nicht schadenfroh, wenn anderen Unrecht geschieht, sondern freut sich mit, wenn jemand das Richtige tut. Die Liebe gibt nie jemand auf, in jeder Lage hofft und vertraut sie für andere; alles erträgt sie mit großer Geduld. Niemals wird die Liebe vergehen. Auch wenn alles einmal aufhört-Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben; doch am höchsten steht die Liebe.“
Amen.

Mit den Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses loben wir Gott:
Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 648, 1-3 „Ins Wasser fällt ein Stein“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde!
„Auch wenn alles einmal aufhört-Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben, doch am höchsten steht die Liebe. Amen“ Das sind große Worte. Und bewegende Worte. Wer sie hört, horcht auf. Denn die Sehnsucht nach Liebe ist eine Sehnsucht, die tief in uns allen steckt, egal wie jung oder wie alt wir sind.

Schön, dass der Apostel Paulus, der das Hohelied der Liebe geschrieben hat, Worte für die Liebe findet! Wenn man Paulus kennt, dann weiß man, dass er seinen Beitrag weniger als einen poetischen Entwurf als vielmehr als eine handfeste Anleitung für den Alltag versteht. Das wird klar, wenn man fragt, wem Paulus sein Liebeslied gewidmet hat. In der Gemeinde in Korinth, an die er in seinem Brief schreibt, gibt es Zoff. Die Menschen dort gehen recht lieblos miteinander um, obwohl der Anspruch, dass gerade Christen sich freundlich begegnen sollen, besonders hoch ist. Es gibt verschiedene Gruppen, die sich bekriegen. Und statt sich zu ergänzen, spielen sich die Menschen gegenseitig aus. Das „Ich“ ist groß in der christlichen Gemeinde in Korinth. Da kann nichts Gutes draus wachsen. Schon gar nicht das zarte Pflänzchen der Liebe. Ist das nicht so, dass in der Liebe aus „Ich“ und „Du“ ein „Wir“ wird?

Ein junges Paar trifft sich mit mir zum Traugespräch. Die beiden erzählen von ihren Plänen für die gemeinsame Zukunft. Sie kannten sich schon seit der Schulzeit, hatten damals aber noch keinen Blick füreinander. Erst später sind sie durch gemeinsame Freunde zusammengekommen. Sie hatten seit drei Jahren eine gemeinsame Wohnung, das klappte auch ganz gut, der Alltag, wenn man den ganzen Tag zusammen ist. Jetzt wollen sie heiraten, ein Haus bauen, noch ein paar Jahre arbeiten und Geld verdienen, reisen, dann vielleicht ein Kind oder auch zwei. Warum sind gerade sie beiden zusammengekommen? Was lieben sie aneinander? Was verbindet sie?, wollte ich gerne wissen. Erst einmal Schweigen. „Darüber habe ich noch gar nicht so richtig nachgedacht“, sagt die Braut. „Wir lieben uns eben.“ Der Bräutigam fügt hinzu: „Es passt einfach gut!“ Ich muss zugeben, ich war ein bisschen erstaunt. Ich hätte erwartet, dass es nur so heraussprudeln würde, was man aneinander so toll und liebenswert findet. Richtige Lobeshymnen. Aber vielleicht war die Frage auch zu überraschend, zu persönlich. Den beiden wünsche ich, dass es ihnen gelingt, was sie sich vorgenommen haben: ein ganzes Leben zusammenzubleiben. „Bis dass der Tod uns scheidet“, so haben sie es versprochen, als ich ihnen die Traufragen stellte.

Liebe, die da ist, kann man nicht einfrieren und konservieren. Sie verändert sich im Laufe einer Beziehung, so, wie auch die Menschen, die sich lieben, sich entwickeln und verändern. Auch, wenn man dann schon lange zusammenlebt, ist keine Gewähr dafür, dass da noch Liebe ist. Liebe kann sich aufbrauchen. Man muss sie pflegen. Sonst ist sie weg. Und dann fehlt das Entscheidende. Das Allerwichtigste. Denkt daran, mahnt Paulus uns und die Korinther. Lasst anderes beiseite. Denn ohne Liebe ist das alles nichts. Die Liebe ist geduldig und freundlich, sagt Paulus.

„Du musst doch eigentlich froh sein, dass du so einen geduldigen Mann hast“, sagt mein Mann hin und wieder zu mir. Und wenn ich so drüber nachdenke, er sagt es oft. Und er sagt es gerade dann, wenn ich ihm wahrscheinlich-wieder malziemlich auf den Wecker gefallen ist. Und er sagt es ganz freundlich und liebevoll. Ja, ich kann froh sein, dass ich so einen Menschen in meinem Leben habe; jemanden, der für mich da ist. Der mich liebt, so wie ich bin. Dem ich alles sagen kann, was mich freut und was mich traurig macht. Auf den ich mich absolut verlassen und dem ich vertrauen kann. Der mir auch etwas Kritisches sagt, auch wenn ich das nicht so gerne höre. Der es mit mir aushält. Vor einigen Jahren haben mein Mann und ich einmal einen Tanzkurs besucht, um einen Abend in der Woche nur für uns zu haben. Das war nicht einfach, das Tanzen. Man muss das miteinander üben. Und tritt sich auch mal auf die Füße. Aber wenn man dann einen gemeinsamen Rhythmus gefunden hat, dann denkt man nicht mehr nach. Dann ist man eins. Man fühlt sich gehalten. Und das sind dann die schönsten Momente im Leben.

Liebe Gemeinde, auch Liebe muss man üben. Immer wieder. Kann man aber auch. Denn sie ist wirklich zu etwas zu gebrauchen. Sie schafft etwas Neues. Ein Einssein, das wir nicht festhalten können, aber das hält und trägt. Was schreibt Paulus noch einmal über die Liebe? Die Liebe sucht nicht den eigenen Vorteil, sie trägt das Böse nicht nach, die Liebe gibt nie jemanden auf; in jeder Lage hofft und vertraut sie für andere. Mich beeindruckt immer sehr, wenn ich Paare erlebe, die miteinander alt geworden sind und so liebevoll und respektvoll miteinander umgehen. Der andere ist auch nach all den Jahren noch ein besonderer Mensch. Das ist ein Geschenk und kein Verdienst. Die Liebe kann man nicht messen und berechnen. Sie macht sich nicht an Jahren fest, lässt sich in keine Formel pressen. Sie bricht immer wieder überraschend in unser Denken und Tun. Sie schafft einen Schutzraum, in dem ich mich öffnen kann und mich doch geachtet und gehalten weiß, in dem man ehrlich und wahrhaftig mit mir ist.

Wie schön, wenn man einen Menschen gefunden hat, mit dem man durch das Leben gehen kann. Die Liebe ist das, was bleibt. Paulus hat das schon richtig gesehen mit der Liebe. So vieles verändert und wandelt sich, wir sind vergänglich. Und unsere Liebe bekommt auch Schrammen und Falten. Aber sie ist die Kraft, die bleibt, die antreibt und verwandelt. Weil sie von Gott selbst herkommt, der die Liebe ist. In der Liebe erfahren wir Gott. Selbst in unserer manchmal sprachlosen oder müde gewordenen Liebe. In glücklichen, leidenschaftlichen und auch in komplizierten Beziehungen. Ohne die Liebe fehlt das Allerwichtigste im Leben. Auch wenn alles einmal aufhört-Glaube, Hoffnung, Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben, doch am höchsten steht die Liebe.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 608 „Ubi caritas“

Wir halten Fürbitte:

Gott, du bist unser Schöpfer.
Wir sind überzeugt, dass dein Wesen Liebe ist und du hast uns Menschen so geschaffen, dass auch wir lieben können.
Wir danken dir für dieses Geschenk. Es macht unser Leben reich und lebendig.

Wir beten für alle Paare.
Manche sind schon lange zusammen, viele sind verheiratet, haben Kinder oder sogar Enkelkinder, manche sind gerade frisch verliebt.
Erhalten ihnen die Fähigkeit zur partnerschaftlichen Liebe.

Wir beten für alle jungen Menschen, die gerade das Feuer des Verliebtseins erleben dürfen.
Hilf ihnen, dass sie mit ihren Gefühlen umgehen können.
Führe ihre Verliebtheit zu Liebe, damit sie zum Segen werden für sich selbst und für andere.

Wir beten für Paare, die schon lange zusammen sind und deren Aufmerksamkeit füreinander zu erlöschen droht, dass sie die Faszination füreinander wieder entdecken.

Wir beten für Paare, deren Gemeinsamkeit durch wirtschaftliche Schwierigkeiten oder Krankheiten schwer belastet wird, dass ihre Liebe nicht an den Sorgen des Alltags zerbricht.

Wir beten für Paare, die sich in der Vergangenheit große Verletzungen zugefügt haben, dass sie einander verzeihen können und einen neuen Anfang finden.

Wir beten für die Menschen, die noch auf der Suche sind nach Liebe und nach Nähe zu einem anderen Menschen.
Für die, die verwitwet sind und mit ihrem Alleinsein schwer zurechtkommen. Für die Menschen, die seit kurzem oder seit längerer Zeit getrennt leben.
Schenke ihnen Mut und Geduld und hilf ihnen, mit ihrem Leben zurechtzukommen.

Du bist die Quelle für alle Liebenden.
Wir danken dir, dass du unter uns bist mit deinem Heiligen Geist, der uns zur Liebe fähig macht.
Amen.

Alles, worum wir Gott sonst noch bitten möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater Unser im Himmel,…

Lied EG 653, 1.2 „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

Gottesdienst am 07.02.2021 - Sexagesimae

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
ein herzliches Willkommen zum Lesegottesdienst für den 7. Februar 2021.
Der Sonntag hat den Namen Sexagesimae, es ist der 2. Sonntag vor der Passionszeit. An diesem Tag geht es in den evangelischen Gottesdiensten um das Wort Gottes, wie es gesät wird und Frucht bringt oder manchmal auch keine Frucht bringt.
Deshalb sagt uns der Wochenspruch für die neue Woche eindringlich: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3, 15)
Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Ein passendes Lied zum Beginn ist „Gott Lob, der Sonntag kommt herbei“ (EG 162, 1-3)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen

Wir beten:
Herr, so vieles lenkt uns ab.
So vieles nimmt uns gefangen und kostet uns Zeit.
Nun sind wir bei dir, möchten hören, machen Ohren und Herzen weit auf für dich.
Amen.

Lesung und zugleich Predigttext ist heute das Gleichnis Jesu vom Sämann (Lukas 8, 4-8):
„Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten und die Vögel unter dem Himmel fraßen‘s auf. Und anderes fiel auf den Fels, und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten‘s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters,
von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied: „Halleluja“ (EG 182, 1.2.4.5)

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!
Amen.

Liebe Gemeinde, Jesus greift in seinen Gleichnissen die Lebenserfahrungen der Menschen seiner Zeit auf; auch im heutigen Gleichnis vom Sämann. Die Menschen in Israel haben sich von dem ernährt, was sie einmal gesät und geerntet haben. Sie kannten das gut, was Jesus hier beschreibt: die Vögel, die sich auf den ausgestreuten Samen stürzen, das Unkraut, die Dornen, der steinige Boden, die ganze Anstrengung der Arbeit im Garten und auf den Feldern; die bange Frage, ob die Ernte ausreichen wird. Aber es steckt auch unsere heutige Lebenserfahrung in diesem Gleichnis. Wir machen uns zur Zeit viele Gedanken über das, was werden wird. Wie wird das mit der Pandemie weitergehen; wird es gelingen, genug Impfstoff herzustellen und zu verimpfen? Bringen bis dahin die anderen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie den nötigen Erfolg? Wie kommen unsere Kinder gut durch diese komplizierten Zeiten? Wird es gelingen, die Risikogruppen weiterhin gut zu schützen? Wie wirkt sich das alles auf die Wirtschaft und die Gesellschaft aus?

Liebe Gemeinde, wir möchten unser Leben gerne planen, haben Wünsche und Ziele. Oft kommt es ganz anders. Und wir müssen uns damit auseinandersetzen, andere Wege suchen. Wir halten durch oder wir zerbrechen. Und doch machen viele von uns dabei die Erfahrung: ich habe es überstanden, wurde bewahrt, fühlte mich durch diese oder jene Krise hindurchgetragen, geführt. Mit dem Bild vom Sämann möchte Jesus uns Menschen auch Gott näherbringen. Gott ist wie ein Sämann. Jesus selbst ist wie ein Sämann. Ein überraschendes Bild! Wie würden wir Gott beschreiben? Als Weltkonstrukteur? Als eine Art Programmierer, der für unsere Welt und jeden Menschen darin ein ausgeklügeltes Programm schreibt und nichts dem Zufall überlässt? Der alles im Griff hat? Manche Christinnen und Christen sehen Gott so, manchmal wünschen wir ihn uns so: dass Er alles in der Hand hat. Aber der Sämann im Gleichnis hat nur den Samen in der Hand und den streut er aus. Er sät, und dann darf, soll, das Gesäte sich entwickeln und wachsen. Er ist geduldig, weiß, dass das seine Zeit braucht und dass auch nicht alles aufgehen wird. Es gibt eben die Vögel, die Dornen und den schlechten Boden. Der Sämann verscheucht nicht die Krähen und die Raben, er reißt nicht alles Unkraut heraus und gräbt die Steine aus dem Boden. Gott räumt uns die Schwierigkeiten und die Widersprüche unseres Lebens nicht mal eben aus dem Weg, damit wir es leichter haben; es ist unsere Aufgabe, dass wir damit umgehen lernen. Der Sämann vertraut aber darauf, dass es auch den guten Boden gibt. Er vertraut auf die Kraft, die in den Samenkörnern steckt. Gott lässt es darauf ankommen, was aus dem Samen wird, und er vertraut darauf, dass es am Ende eine Ernte geben wird, eine reiche Ernte.

Liebe Gemeinde, Gott lässt es auf uns ankommen, denn wir sind so etwas wie der Acker oder das Feld, auf den der Sämann das Saatgut großzügig und geduldig ausstreut. In jedem Moment sät Gott etwas unter uns, z.B. am Sonntagmorgen beim Gottesdienst in der Kirche. Und vielleicht fällt das auf fruchtbaren Boden, und wir hören etwas, was uns gut tut und uns in unserem Leben und Glauben weiterbringt. Ich bin mir sicher, dass er auch bei unserer Videokonferenz mit Ehrenamtlichen Donnerstagabend etwas ausgesät hat, als einige von uns sich Gedanken gemacht haben, wie wir als Gemeinde Menschen mehr unterstützen und begleiten können. Da war die Idee, das auch im Gemeindebrief und auf der Homepage zu veröffentlichen, dass man sich an uns wenden kann, wenn man Hilfe braucht, gerade jetzt, beim Einkaufen z. B. oder wenn es sonst etwas gibt, was wir tun können. Und da war auch viel Vertrauen: das werden wir schon hinbekommen. Die Saat Gottes ist bestimmt auch bei den Konfis angekommen, die sehr schöne und tröstliche Brief entworfen haben an Menschen, die jetzt nicht in die Kirche kommen können.

Aber nicht nur im Rahmen von Gottesdienst und Gemeindearbeit streut Gott den Samen reichlich aus, sondern in jeder Begegnung, in jeder Erfahrung, die wir machen. Ich denke, es lohnt sich, darauf mehr zu achten und sich am Ende jedes Tages zu fragen: wo hat mir heute jemand etwas Gutes getan oder ich einem anderen? Wo bin ich heute auf einen neuen Gedanken gekommen, der in mir weiter reifen soll? Wo in all dem, was da gewesen ist, habe ich etwas von Gott gespürt? Unser Lebensacker, der ist, meine ich, auch so unterschiedlich strukturiert wie der, der im Gleichnis beschrieben wird. Da gibt es Bereiche, die das Wachstum schwer machen: Erfahrungen, die uns belasten, unerbittliche Grundsätze, von denen wir nicht ablassen, ein Verhalten, das uns und andere zu ersticken droht, spitze Dornen, die wehtun und vieles mehr. Das gehört zu uns und lässt sich nicht einfach beseitigen. Aber dazwischen findet sich immer wieder auch gute, fruchtbare Erde, beste Voraussetzungen zum Keimen und Wachsen. Wir dürfen auch vertrauen, dass Gott reichlich aussät: Selbst wenn nicht aus jedem Samenkorn etwas werden wird, dann bleibt noch so viel, dass etwas Gutes entstehen kann. Und bei jedem Menschen gibt es davon etwas zu ernten.

Ihr Lieben! Noch ein letzter Gedanke zum Gleichnis. Mir scheint, wir sind nicht nur der Boden, auf den Gottes Saat fällt, sondern wir sind auch Sä-Leute. Denn wir reden und denken und handeln, und all das hat Auswirkungen. Auf uns selbst und auf die, mit denen wir unser Leben teilen. Und sogar auf die, die weit weg von uns leben. Was ist das, was wir ausstreuen? Freude, Hoffnung, Mitmenschlichkeit, Gottvertrauen? Oder ist es manchmal auch eine böse Saat, Neid, Unfreundlichkeit, Hartherzigkeit, Hass? Bringen wir die nötige Geduld auf, dass etwas Gutes wachsen kann oder zerstören wir mit Absicht oder Ungeschicklichkeit das erste frische Grün. Jeder von uns, der einen Garten hat, der weiß, dass Wachsen seine Zeit braucht; die Blumen, das Obst und das Gemüse sind nicht nach einem Tag oder einer Woche reif. Und manchmal sind wir völlig überrascht, dass im Garten von selbst eine neue wunderschöne Blume wächst an einer Stelle, wo wir gar nichts ausgesät hatten. Gott sei Dank dafür!

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied: „Herr, dein Wort, die edle Gabe“ (EG 198, 1-2)

Wir beten:

Wir danken dir für dein Wort, du guter und großzügiger Gott. Wir danken dir, dass du durch dein Wort zu uns sprichst, auch, wenn wir manchmal gar nicht richtig hinhören.

Wir bitten dich, dass dein Wort bei uns auf guten Boden fällt. Lass uns innerlich neu werden, aufgeweckt und engagiert.

Wir bitten dich, dass unsere Gemeinde sich gut entwickelt, dass wir nach deinem Wort leben und immer ein offenes Ohr haben für die Sorgen und Nöte der Menschen. Hilf mit, dass wir die nötige Geduld und das Vertrauen haben, dass unsere Angebote und Dienste, unser Miteinander etwas Gutes und Staunenswertes hervorbringen wird.

Wir bitten dich, dass in dem Ort, in dem wir leben, immer wieder gute Ideen und Vorhaben heranreifen, die den Menschen dienen. Auch in Bühlertal, in Neusatz, Altschweier, in Ottersweier und auf dem Sand soll deine gute Saat aufgehen. Lass alle, die hier Verantwortung tragen, sich für mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit einsetzen.

Wir bitten dich, dass unsere Welt zu einem lebenswerten Ort für alle werden kann. Stehe uns bei, wenn wir durch die nächsten schweren Monate der Pandemie gehen müssen, hilf, dass der Friede sich immer mehr ausbreitet und Krieg und Terror beendet. Lass uns alle auf dein Wort achten, damit wir für unser Leben ermutigt werden. Amen

Wir beten weiter: Vater Unser im Himmel, …

Lied: „Vertraut den neuen Wegen“ EG 395, 1-3

Die zweite Strophe daraus soll heute unser Segenswort sein:
„Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!
Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht,
der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.“

So seid gesegnet auf allen euren Wegen.
Amen.

Gottesdienst am 31.01.2021 - 4. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den 31. Januar 2021, den letzten Sonntag nach Epiphanias.
Im Anschluss an den Internationalen Holocausttag am 27. Januar, bei dem wir der 6 Millionen ermordeten Menschen jüdischen Glaubens und der zahllosen weiteren Opfer der Nazidiktatur gedacht haben, hören wir heute in der Predigt vom Schicksal der jungen jüdischen Studentin Etty Hillesum; sie starb im KZ Auschwitz. 40 Tage nach ihrem Tod wurden ihre Tagebuchaufzeichnungen unter dem Titel „Das denkende Herz“ veröffentlicht; erschütternde und berührende Texte aus einer dunklen Zeit.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 66, 1.2.8 „Wie schön leuchtet der Morgenstern“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Gott, wir suchen nach Halt und Orientierung. Was gibt uns festen Boden unter den Füßen? Wir bitten dich: Richte unsere Herzen neu aus auf dich. Lass dein Wort in unserer Dunkelheit aufgehen, so, wie der helle Morgenstern den Nachthimmel erleuchtet. Gott, in deinem Licht sehen wir das Licht.
Amen.

Die biblische Lesung (und zugleich der Predigttext) steht im 2. Petrusbrief, Kapitel 1, Verse 16-21:

„Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen.
Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.
Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift aus eigener Auslegung geschieht. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben Menschen in Gottes Auftrag geredet.“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters,
von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht“ (Anhang zum Gesangbuch, Nr. 147)

Gnade sie mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,

das Lied, das wir gerade gehört haben, ist eines meiner Lieblingslieder: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung und Zukunft gebracht; es gibt Halt, es gibt Trost, in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“

Besonders eindrucksvoll wirkt es, wenn es in einer dunklen Kirche gesungen wird und dann nach und nach immer mehr Kerzen entzündet werden, wie z.B. in einem Osternachtgottesdienst oder bei einem Taizégottesdienst und dann so gesungen wird, wie es eigentlich gedacht ist: als Kanon. Die Hoffnung, der Halt und der Trost, von dem es spricht, das Licht trotz der Dunkelheiten des Lebens, das wird richtig spürbar, man schwingt sich wie von selbst in den Rhythmus der Melodie ein und es wird einem schon etwas leichter ums Herz.

Das Lied passt sehr gut zum Thema des heutigen letzten Sonntags nach Epiphanias, in dem es um die Verklärung Jesu geht. Ein Ereignis, das in den Evangelien so beschrieben wird: Jesus geht mit dreien seiner Jünger, mit Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg. Dort erleben sie mit, wie Jesus wie in ein himmlisches Licht getaucht erscheint, seine Kleidung, sein Gesicht, seine ganze Gestalt leuchtet. Dazu hören sie eine überirdische Stimme, die sagt: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören.“

Diese Erfahrung prägt das ganze weitere Leben der drei Jünger. An der Seite von Jesus erfahren sie, welche Kraft das Licht hat, das er in die Welt bringt, wie ein Stern in der Dunkelheit. Unser heutiger Lesungs- und Predigttext aus dem 2. Petrusbrief 1, 16-21 greift dieses Ereignis und seine Bedeutung auf. Der Verfasser schreibt unter dem Namen Petrus, um mehr Autorität auszustrahlen. Da der Brief aus dem 2. Jahrhundert nach Christus stammt, handelt es sich nicht wirklich um Petrus, den Jünger Jesu. Der Briefautor lebt in einer Gemeinde, in der die Menschen nicht mehr glauben, dass Jesus wiederkommt; es ist schon hundert Jahre her, dass er gelebt hat. In den ersten beiden Generationen nach seinem Tod haben die ChristInnen fest damit gerechnet, aber je länger es sich hinzieht, desto weniger erwarten sie das noch. Es fällt ihnen schwer zu glauben, dass Jesus das Licht der Welt ist, der Retter. Der Briefautor gibt sich den Namen Simon Petrus und erinnert seine Adressaten daran, dass er selbst ja mit auf dem Berg der Verklärung war und das Licht um Jesus gesehen hat, das alles Dunkle ausleuchtet. Jesus ist nun nicht mehr da, aber bis er wiederkommt, haben die Christinnen und Christen das Wort der Schrift, das genauso hell erstrahlt wie Jesus selbst. Das Wort der Schrift, die biblischen Texte, ist das helle Licht der Hoffnung und der Zukunft, es gibt Halt, es gibt Trost in Bedrängnis, Not und Ängsten…

Dass das Wort der Schrift, der Bibel, tatsächlich in finsterster Zeit eine derartige Leuchtkraft entwickelt, dass es im Herzen aufgeht wie der helle Morgenstern, das zeigt sich im Leben der jungen jüdischen Studentin Etty Hillesum, die in der Nazizeit in Amsterdam lebte. Sie beginnt im März 1941, vor fast 80 Jahren, mitten in Krieg und Verfolgung, Tagebuch zu führen. Über zwei Jahre hinweg vertraut sie ihrem Tagebuch alles an, was sie erlebt und was sie bewegt. Bekannter ist das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank, das ebenfalls bis zum Abtransport in Amsterdam lebte. Aber die Aufzeichnungen der Etty Hillesum sind noch einmal ein ganzes Stück reifer; sie ist älter, hat etliche Semester Slawistik und Psychologie studiert, lebt in einer Beziehung zu einem älteren Mann, einem bekannten Psychologen. Ihre Notizen zeigen, wie diese hochbegabte, leidenschaftliche Studentin darum ringt, in einer unmenschlichen Zeit Mitmenschlichkeit zu bewahren, sich an Werten zu orientieren, die für sie existentiell sind, wie sie sich einen inneren geistigen und geistlichen Vorrat anlegt, von dem sie zehren kann: “Ich muss alles in mir tragen. Man muss auch ohne Bücher und Notizen leben können. Ein kleines Stück Himmel wird wohl immer um mich sein und so viel Platz wird immer um mich sein, dass meine Hände sich zum Gebet falten können.“

An einer Stelle schreibt sie, dass sie darauf gehofft hatte, sehr alt zu werden, um davon zu erzählen, wie die Suche nach Gott ihr Leben geprägt hat. Sie kommt zu der Erkenntnis, dass Gott existiert, in ihr selbst. Im Tagebuch spricht sie direkt zu Gott, ganz natürlich, völlig unbefangen, als würde sie zu sich selbst sprechen. Die junge Frau fühlt sich von diesem Gott gehalten. Sie sagt: „Wenn ich bete, bete ich nie für mich selbst mich selbst, immer für andere, oder aber ich führe einen verrückten oder kindlichen oder todernsten Dialog mit dem, was in mir das Allertiefste ist und das ich der Einfachheit halber als Gott bezeichne.“ In ihren letzten Aufzeichnungen beschreibt sie ihr Leben sogar als ein dauerndes Zwiegespräch mit Gott. Obwohl sie nicht besonders religiös erzogen wurde, fühlt sie sich als Erwachsene stark mit dem jüdischen Volk und mit Gott verbunden. Ein langes Leben wird ihr aber nicht vergönnt. Etty Hillesum stirbt am 30. November 1943 im KZ Auschwitz, da ist sie 31 Jahre alt. Auch ihre Eltern und die beiden jüngeren Brüder kommen dort um. Das KZ Auschwitz wird erst am 27. Januar 1945 befreit.

Wie die Nazis gegen die Menschen jüdischen Glaubens vorgehen, das macht ihr große Angst Sie schreibt: „Lebensangst auf der ganzen Linie. Völliger Zusammenbruch. Mangel an Selbstvertrauen. Abscheu. Angst.“ Sie hält das Schicksal der Juden, das „Massenschicksal“, wie sie es nennt, für unabwendbar. Dem will sie sich nicht entziehen, durch Flucht oder Untertauchen. Es wird auch ihr Schicksal sein, das ist ihr klar. Zugleich erlebt sie aber auch, wie sie sich innerlich immer mehr von den Schrecken ihrer Zeit distanzieren kann, wie sie frei davon wird und ruhig. „Ich ruhe in mir selbst. Und jenes Selbst, das Allertiefste und Allerreichste in mir, in dem ich ruhe, nenne ich Gott.“ An anderer Stelle hält sie fest: „Irgendwie fühle ich mich innerlich ganz leicht, ohne jede Erbitterung, ich spüre so viel Kraft und Liebe in mir.“ Die innere Freiheit und Zuversicht, die hat sie nicht immer, aber die werden ihr immer wieder geschenkt. Jeden Tag liest sie in der Bibel. Morgens eine halbe Stunde vor der Arbeit hält sie innere Einkehr, betet, meditiert. Sie schreibt: „Es gibt Augenblicke, in denen ich mich wie ein kleiner Vogel in einer großen schützenden Hand geborgen fühle. Gestern war mein Herz ein in der Falle gefangener Vogel. Jetzt ist der Vogel wieder frei und fliegt ungehindert über alles hinweg. Heute scheint die Sonne. Und jetzt packe ich mein Brot ein und mache mich auf den Weg.“

Auch in Auschwitz selbst geht von Etty Hillesum ein helles Licht aus. Überlebende beschreiben sie als eine leuchtende Persönlichkeit.

Sie ist sich sicher, dass sie in Gottes Armen geborgen ist. Und sorgt sich um die Menschen, die nicht so einen festen Glauben haben, die so sehr leiden müssen. Ihr letzter Tagebucheintrag schließt mit den Worten: „Man möchte ein Pflaster auf vielen Wunden sein.“ Für Etty ist Gott zu einem hellen Licht in ihrem Leben geworden, das selbst diesen finstersten aller Orte, Auschwitz, hell macht. Sein Wort ist in ihrem Herzen aufgegangen wie der Morgenstern und hat es leicht gemacht und stark. Mit ihr möchte ich erfahren, dass Gottes Licht durch sein Wort auch in unserem Herzen aufgeht, dass es uns Hoffnung und Zukunft bringt, in Verzweiflung, Not und Ängsten, wie ein Stern in der Dunkelheit.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied: „Freunde, dass der Mandelzweig“ (Anhang zum Gesangbuch, Nr.39, 1-4)

Wir halten Fürbitte:

Gott, Licht der Welt, alle Dunkelheit unserer Welt bringen wir vor dich, alle Dunkelheit in uns und um uns. Du kannst sie erleuchten und vertreiben.

Wir bringen vor dich, was unsere Seele, unser Herz und unseren Verstand verdunkelt.

Wir bringen vor dich die dunklen Ecken unserer Erde, wo Menschen leiden müssen und keinen Lichtblick mehr für ihr Leben sehen.

Wir bringen vor dich (hier kann man nun ganz eigene Fürbitten einfügen)…

Gott, wir vertrauen darauf, dass durch dich eine Zeit kommt, in der alle Dunkelheit, alle Angst und alle Todesfurcht vergangen ist. Bis dahin lass uns Menschen begegnen, die leuchten, und lass uns selbst zu Menschen werden, die anderen leuchten können.

Und alles, worum wir Gott sonst noch bitten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied: „Wir wünschen Frieden euch allen“ (EG 433)

Gottesdienst am 24.01.2021 - 3. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den 24. Januar, den 3. Sonntag nach Epiphanias.
Mit Gott, durch Gott kommt Veränderung in die Welt. Neues kann geschehen. Die Vollendung dieses Neuen steht aber noch aus. Diesen Gedanken, der von Epiphanias herkommt, fasst der Wochenspruch für die neue Woche so zusammen:
„Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13, Vers 29).
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Dazu passt das Epiphaniaslied EG 66, 1.2. „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Herr, wir kommen zu dir mit allem, was wir in der zuende gegangenen Woche erlebt haben. Wir bringen dir unsere Sorgen unsere Freuden, unsere Bitten und unseren Dank, alles vertrauen wir dir an. Lass uns Abstand finden zu dem, was war und zeig uns, wie unser Leben weitergehen kann.
Amen.

Lesung und Predigttext stehen im Buch Rut, Kapitel 1, Verse 1-19a (Text der Gute-Nachricht-Bibel):
„Es war die Zeit, als das Volk Israel noch von Richtern geführt wurde. Weil im Land eine Hungersnot herrschte, verließ ein Mann im Gebiet von Juda seine Heimatstadt und suchte mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen Zuflucht im Land Moab. Der Mann hieß Elimelech, die Frau Noomi; die Söhne waren Machlon und Kiljon. Die Familie gehörte zur Sippe Efrat, die in Bethlehem in Juda lebte. Während sie in Moab waren, starb Elimelech, und Noomi blieb mit ihren beiden Söhnen allein zurück. Die Söhne heirateten zwei moabitische Frauen, Orpa und Rut. Aber zehn Jahre später starben auch Machlon und Kiljon, und ihre Mutter Noomi war nun ganz allein, ohne Mann und ohne Kinder. Als sie erfuhr, dass der Herr seinem Volk geholfen hatte und es in Juda wieder zu essen gab, entschloss sie sich, das Land Moab zu verlassen und nach Juda zurückzukehren. Ihre Schwiegertöchter gingen mit. Unterwegs sagte sie zu den beiden: „Kehrt wieder um! Geht zurück, jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr vergelte euch alles Gute, das ihr an den Verstorbenen und an mir getan habt. Er gebe euch wieder einen Mann und lasse euch ein neues Zuhause finden.“ Noomi küsste die beiden zum Abschied. Doch sie weinten und sagten zu ihr: „Wir verlassen dich nicht! Wir gehen mit dir zu deinem Volk.“ Noomi wehrte ab: „Kehrt doch um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Habe ich etwa noch Söhne zu erwarten, die eure Männer werden könnten? Geht, meine Töchter, kehrt um! Ich bin zu alt, um noch einmal zu heiraten. Und selbst, wenn es möglich wäre und ich es noch heute tun würde und dann Söhne zur Welt brächte- wolltet ihr etwa warten, bis sie groß geworden sind? Wolltet ihr so lange allein bleiben und auf einen Mann warten? Nein, meine Töchter! Ich kann euch nicht zumuten, dass ihr das bittere Schicksal teilt, das der Herr mir bereitet hat.“ Da weinten Rut und Orpa noch mehr. Orpa küsste ihre Schwiegermutter und nahm Abschied; aber Rut blieb bei ihr. Noomi redete ihr zu: “Du siehst, deine Schwägerin ist zu ihrem Volk und ihrem Gott zurückgegangen. Mach es wie sie, geh ihr nach!“ Aber Rut antwortete: „Dränge mich nicht, dich auch zu verlassen. Ich gehe nicht weg von dir! Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, will ich auch sterben, und dort will ich begraben werden. Der Zorn des Herrn soll mich treffen, wenn ich nicht Wort halte: Nur der Tod kann mich von dir trennen!“ Als Noomi sah, dass Rut so fest entschlossen war, gab sie es auf, sie zur Heimkehr zu überreden. So gingen die beiden miteinander bis nach Bethlehem."
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 369, 1-3 „Wer nur den lieben Gott lässt walten“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Gemeinde, bitte, überlegen Sie doch einmal, durch welche Türen Sie heute morgen schon gegangen sind: da war die Schlafzimmertür, die zum Badezimmer, zur Küche, die Haustür, das Gartentor, die Kirchentür. Neben den realen Türen gibt es auch viele symbolische Türen, durch die wir in unserem Leben gehen. Jemand hat uns seine Herzenstür aufgemacht und dadurch eine intensive Freundschaft oder sogar Liebesbeziehung ermöglicht. Wir waren beruflich erfolgreich, eine neue Tür hat sich im Arbeitsleben für uns geöffnet. Aber es gibt auch das andere: eine Tür fällt zu, lässt sich nicht mehr öffnen, jemand bricht den Kontakt zu uns ab oder wir sehen nicht, wie unser Leben weitergehen kann.
Auch in den Monaten der Pandemie sind für uns viele Türen zuge- gangen. Schulen, Kitas, Büros, Geschäfte, Freizeiteinrichtungen wurden geschlossen, Kontakte drastisch eingeschränkt, wir blieben zuhause. Viele Menschen mussten ihre Pläne ändern. Das war ganz schön schwierig. Manchmal haben wir aber auch entdeckt: wo sich eine Tür schließt, geht eine andere auf!

Rut aus der Bibel, von der wir gerade in der Lesung gehört haben, die hat das in ihrem Leben erfahren. Ihre Geschichte kann uns Mut machen, in schwierigen und belastenden Zeiten, wie wir sie alle gerade durchmachen müssen, nach einer offenen Tür und nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten, die Gott für uns bereit hat.

Das Buch Rut erzählt von einer großen Hungersnot in Juda, dem Südteil von Israel. Eine Familie, Elimelech und seine Frau Noomi und die beiden Söhne Machlon und Kiljon, sie sind vom Tod bedroht. Und sie verlassen ihr Land, um in das Land Moab zu flüchten. Eigentlich war das Verhältnis zwischen Juda und Moab nicht besonders gut. Aber doch wird die kleine Familie in der Fremde gut aufgenommen, weil man ihre Not erkennt. Es macht ganz den Eindruck, dass sie sich in Moab gut einleben.

Doch dann stirbt Elimelech, Noomis Ehemann, welch ein Unglück! Die beiden Söhne sind inzwischen erwachsen; sie heiraten zwei junge Moabiterinnen, Rut und Orpa. Zehn Jahre vergehen, dann werden auch die beiden Söhne krank und sterben. Wie soll es jetzt weitergehen? Wer wird die alte Frau und die beiden jungen Frauen versorgen, Witwen alle drei? So beschließt Noomi, in ihre Heimat zurückzukehren. In Bethlehem hat sich die Lage inzwischen verbessert, es gibt wieder etwas zu essen. Noomi sieht die geschlossene Tür sich einen kleinen Spalt wieder öffnen. Die beiden Schwiegertöchter möchten sie begleiten. Noomi versucht zweimal, sie umzustimmen. Sie sollen in Moab bei ihren Ursprungsfamilien bleiben. Die beiden jungen Frauen müssen entscheiden, welche Tür sie wählen. Auf einer steht: „bleiben“, auf der anderen steht „gehen“ Schließlich bleibt Orpa in ihrer Heimat Moab und Rut geht mit Noomi in die Fremde, nach Bethlehem. Rut sagt ihrer Schwiegermutter etwas sehr Schönes: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen, und wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden.“

Mit diesen Worten zeigt sie, wie tief sie ihrer Schwiegermutter verbunden ist, aber auch, wie tief sie sich dem Gott Israels verbunden fühlt. Eigentlich ist er ja ein fremder Gott für sie, eigentlich würde man erwarten, dass sie nach all dem Schweren, das ihr zugemutet wurde, mit jedem Gott hadern würde. Aber sie vertraut Gott, trotz allem. Sie schwört ihm die Treue, wie sie auch Noomi treu bleiben will. Durch ihre Entscheidung bewahrt Rut eine jüdische Familie vor dem Aussterben. Es ist eine besondere Familie. Es wird sich eine Tür vor ihr öffnen, durch die Rut an einer Familien -geschichte beteiligt wird, die größer ist als alles, was sie sich je vorstellen konnte. Eine Familiengeschichte ist in der Bibel auch immer eine Geschichte des Glaubens. Ruts Namen wird man über Jahrtausende hinweg nicht mehr vergessen. Die beiden Witwen kehren also nach Bethlehem zurück und hier ergeben sich neue, glückliche Wendungen für ihr Leben, wieder neue Türen, die sich mit Gottes Hilfe auftun und Zukunft ermöglichen.

Um etwas zum Essen zu beschaffen, sammelt Rut die bei der Ernte übriggebliebenen Ähren auf dem Acker des Boas auf, ein Recht, das sie als Fremde hat. Dieser Boas ist ausgerechnet ein Verwandter ihrer Schwiegermutter Noomi. Er respektiert ihr Recht zum Ährenlesen. Er spricht sehr freundlich mit ihr, sagt ihr seinen Schutz zu; seine Männer sollen ihr sogar Wasser bringen, wenn sie Durst hat. In der damaligen Gesellschaft eigentlich unmöglich, Wasserholen ist Frauensache. Aber Boas setzt sich darüber hinweg. Er sieht die Not von Ruth und ihrer Schwiegermutter, er fühlt sich verantwortlich. Er hat auch erfahren, wie die Moabiterin sich um die alte Frau gekümmert hat. Seine Herzenstür ist da schon ein ganzes Stück weit geöffnet. Und es geht noch weiter. Als Noomi erfährt, wie großzügig und mitfühlend sich Boas verhält, denkt sie, dass sich seine Herzenstür vielleicht noch weiter für Rut öffnen könnte. Und so gibt sie ihrer Schwiegertochter einige praktische Tipps für ein Rendezvous: „Geh noch einmal zu Boas, leg dich zu ihm in der Nacht. Mach dich schön für ihn!“ So geschieht es. Rut legt sich nachts zu Boas, damit er sie mit seinem Mantel zudecken kann. In der Sprache der damaligen Zeit bedeutet das: Rut bietet Boas an, seine Frau zu werden. Und er versteht das und ist sehr ergriffen.

Liebe Geschwister, eine wunderbare Geschichte, wie hier zwei Menschen voneinander angezogen werden, wie sie zueinander finden, ihre Liebe entdecken und schließlich ein Paar werden. Es sind noch einige rechtliche Dinge zu klären, aber dann dürfen können sie heiraten und werden später sogar Eltern eines Sohnes, Obed. Und Noomi, die beide Söhne verloren hat, wird ihrem Enkel wie eine zweite Mutter. Ja, Liebe kann Türen öffnen, die fest verschlossen schienen: Herzenstüren, Lebenstüren. Übrigens, dieser Obed ist der Großvater von David, der ein berühmter König in Israel wird und von dem viele Psalmen in der Bibel stammen. Vielleicht wissen Sie, wie es mit dieser Familie weitergeht. Einer von Davids Nachfahren ist Jesus von Nazareth. Rut, die einst heidnische Moabiterin, ist eine Vorfahrin von Jesus. Ihre Geschichte wird zur Geschichte des Messias Israels.

Ihr Lieben, wenn wir durch eine Tür gehen, die sich vor uns öffnet, dann verbindet sich unsere Geschichte mit der Geschichte Gottes. Wir begeben uns in den Segensbereich Gottes, in das, was Gott mit der Welt vorhat. Wenn wir auch noch gar nicht wissen, was sich daraus entwickeln wird. Deshalb dürfen wir auch in den schwierigen Monaten, die vor uns liegen, nach Türen Ausschau halten, die sich öffnen lassen oder sogar schon ein Stück weit offen stehen. Und dürfen gespannt sein, was eines Tages von deinem und meinem Leben ausgegangen sein wird.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 395, 1-3: „Vertraut den neuen Wegen“

Wir beten:
Lebendiger Gott, vor dich bringe ich meine Sehnsucht nach ein bisschen Normalität, nach Nähe und Gemeinschaft und die Sehnsucht, dass doch endlich alles gut werde. Vor dich bringe ich meine Sorge um die vielen Kranken und Trauernden, um die Überforderten und die, die um ihre Existenz bangen. Vor dich bringe ich die, denen nicht nur diese Krise, sondern auch Krieg und Gewalt die Lebensgrundlage genommen haben. Gib du mir Halt, wenn ich haltlos werde. Gib du mir Hoffnung, wenn meine Hoffnung kraftlos wird. Gib du mir Kraft, dass ich die anderen nicht aus dem Blick verliere. Gib du mir den Blick für geöffnete Türen, wenn ich nicht weiter weiß. Gib du Vertrauen, dass du alles gut machen wirst.
Amen.

Wir beten das Gebet, das Jesus Christus uns selbst gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,…

Lied EG 171, 1.4 „Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott“

Gott segne uns:
„Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen.“

Friedensgebet im Januar 2021: „Dass Friede werde unter uns“

Auch zu Beginn des 30. Jahres unserer Ökumenischen Friedensgebete laden wir Sie herzlich ein – trotz und auch gerade wegen der Corona-Pandemie – mit uns und gemeinsam mit den vielen Friedensgebetsgruppen überall in Deutschland, in Europa und weltweit, weiterhin für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten und zu beten.

Gedanken (in Anlehnung an einen geistl. Impuls „Bei euch aber soll es nicht so sein“, von Pfr. H.Benz, Geistlicher Beirat von Pax Christi Rottenburg-Stuttgart):

Jesus sagt: "mein Reich ist nicht von dieser Welt", er lehrt aber seine Freunde beten: "Dein Reich komme". Wohin? In die Herzen der Menschen? Ja.
Aber auch in die Welt mit ihren politischen und sozialen Strukturen.
Dieses Reich soll die Welt verändern, wie ein "Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert". Jesus ist gekommen mit seinem Evangelium alles - also die ganze Welt! - neu zu schaffen.
Und wenn seine Jünger das Evangelium vom Reich Gottes nicht nur verkünden, sondern es auch leben, dann werden sie "Salz der Erde" und "Licht der Welt" sein, sagt Jesus.

Anleitungen dazu, „dass Friede unter uns werden kann“, haben wir als Christ*innen also genug:
Ein Beispiel unter vielen ist es, wenn Jesus sagt: "Ihr wisst, dass die Mächtigen dieser Welt die Völker unterdrücken und ihre Macht über sie ausüben.
Bei euch aber soll es nicht so sein. Wer von euch groß sein will, der sei der Diener aller." (Mt. 20, 25-26)
Wenn wir diesen Ruf Jesu in der Welt verwirklichen wollen, dann müssen wir glaubwürdig gegen jene Herrschafts- und Machtstrukturen in unserer Welt auftreten, die den Menschen nicht befreien, sondern unterdrücken, auftreten auch gegen alle Formen der "Konfliktlösungen", die nur auf Gewalt setzen zur Durchsetzung eigener Interessen.

Viele kleine LeuteAuch wir sind aufgefordert, in unserem vergleichsweise kleinen persönlichen Umfeld, uns zu beteiligen an einer Beseitigung von ungerechten Strukturen und Verhältnissen, welche so oft den Konflikten zugrunde liegen und deren wahre Ursachen sind.
Wir sind aufgefordert einzutreten für die Anerkennung der Menschenrechte und Menschenwürde aller Menschen. Denn sie alle sind geschaffen nach Gottes Bild. Sie alle sind geliebte Kinder Gottes.
Wir sind aufgefordert einzutreten für einen fairen, angstfreien und offenen Dialog der Konfliktpartner miteinander: Dass Friede werde unter uns!

Politisches Engagement ohne Gebet, das würde freilich nicht der Aufforderung Jesu entsprechen. Wie oft ruft Jesus seine Freunde auf, zu beten! Er selbst zieht sich oft zum Gebet zurück, besonders vor schweren Entscheidungen und Herausforderungen.
Viele Beispiele bekannter Vorbilder wären zu nennen, wie z. B.:
Mahatma Ghandi, Martin Luther King, Dom Helder Camara, Dietrich Bonhoeffer, Franz Jägerstetter uvam. Auch viele stille Vorbilder aus Vergangenheit und Gegenwart haben sich auf Jesu Beispiele eingelassen und vieles bewirkt.
So lasst uns beides tun - beten: "Dein Reich komme", und uns politisch für das einsetzen, was dem Evangelium der Gerechtigkeit und der menschlichen Solidarität entspricht, für alles was den Menschen, jeden Menschen, zum Leben befreit.
Dass Friede werde unter uns!

Lesung (Micha 4, 1-3):
Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn / steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen die Völker.
Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs.
Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen.
Denn von Zion kommt die Weisung, aus Jerusalem kommt das Wort des Herrn.
Er spricht Recht im Streit vieler Völker, er weist mächtige Nationen zurecht (bis in die Ferne).
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.
Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.

Fürbitten:
1. Herr aller Herren,
du willst, dass die Menschen miteinander in Frieden leben.
Zeige den Politikern, wie sie Spannungen lösen und neue Kriege verhindern können.
Lass die Verhandlungen unter den Nationen der Verständigung dienen und führe die Bemühungen um Abrüstung zum Erfolg,
…und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
2. Wir bitten dich um gerechte Lösung der Konflikte, die Ost und West, Nord und Süd, arme und reiche Völker voneinander trennen.
Hilf auch uns und lass nicht zu, dass wir mitmachen, wenn Hass und Feindschaft Menschen gegeneinander treiben,
… und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
3. Öffne unsere Augen, dass wir die Not der Anderen sehen, unsere Ohren, dass wir ihren Schrei hören, unsere Herzen, dass sie nicht ohne Beistand bleiben.
Herr der Welt, gib uns einen Blick für die Zeichen der Zeit und ein klares Urteil gegenüber den politischen Ereignissen und allem Neuen in unserer Welt,
…und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
4. Zeige uns, wie wir in unserem Staat verantwortlich leben und ihn mitgestalten können und gib, dass wir uns nicht weigern, uns für Gerechtigkeit einzusetzen, weil wir die Macht und den Zorn der Starken und der Reichen fürchten,
…und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
5. Lass uns Boten deiner Liebe von Glauben und Hoffnung werden, damit wir für deinen Frieden wirken können.
Amen.

Vater unser

Segen
Gott, Du Quelle unseres Lebens, Du Atem unserer Sehnsucht, Du Urgrund allen Seins.
Segne uns mit dem Licht Deiner Gegenwart, das unsere Fragen durchglüht und unseren Ängsten standhält.
Segne uns, damit wir ein Segen sind und mit zärtlichen Händen und einem hörenden Herzen, mit offenen Augen und mutigen Schritten dem Frieden den Weg bereiten.
Segne uns, dass wir einander segnen und stärken und hoffen lehren wider alle Hoffnung, weil Du unserem Hoffen Flügel schenkst.
Dazu segne uns der gute Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Von Herzen Ihnen Allen alles Gute wünscht
die Ökumenische Friedensgebetsgruppe Altschweier/Bühlertal

 

Predigt zum Gottesdienst am 17.01.2021 - 2. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Gemeinde,

ein junges Paar wollte heiraten. Aber die beiden waren arm und wussten nicht, wie sie das Fest bezahlen sollten. Darum baten sie ihre Gäste, jeder solle eine Flasche Wein mitbringen und am Eingang in ein großes Fass schütten. Dann würden sie gemeinsam fröhlich feiern können. Als alle versammelt waren, schöpften die Kellner aus dem Fass. Doch als die Gäste auf das Wohl des Brautpaares trinken wollten, da wurden die Gesichter schamrot, denn jeder hatte nur Wasser im Glas. Alle hatten gedacht: »Wenn ich eine Flasche Wasser in den Wein gieße – das wird schon keiner merken!« Alle wollten auf Kosten der anderen feiern – so musste das Fest am Ende ausfallen.

Unser Predigttext erzählt eine andere Geschichte. Auch da geht es um eine Hochzeit und um Wasser und um Wein. Doch am Ende gibt es keine betretenen Gesichter, sondern es wird fröhlich gefeiert. Wir hören das Wunder von der Hochzeit zu Kana aus Johannes Kapitel 2.

– Lesen des Predigttextes: Johannes 2, 1–11 –

Diese Geschichte führt uns mitten in das Leben damals in Israel hinein. Jesus und seine Jünger sind Gäste auf einer Hochzeit. Das Fest beginnt am dritten Tag der Woche. So hat man bis zum Sabbat noch genügend Zeit, um ausgiebig zu feiern. Und Jesus ist mittendrin. Das mag uns vielleicht überraschen. Wir stellen uns Jesus manchmal als einen weltabgewandten Heiligen vor. Doch in der Bibel wird berichtet, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten mit dem Finger auf ihn zeigten: »Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer« (Lukas 7, 34). Jesus lebte nicht in zurückgezogener Frömmelei, sondern konnte fröhliche Feste feiern.

Aber dann diese Sache mit dem Wein! Nicht nur ein paar Flaschen, sondern gleich sechs große Krüge voll! Da feiern wir rücksichtsvoll das Abendmahl mit Traubensaft, da warnen wir junge Menschen vor den Gefahren des Alkohols und Jesus spendiert 600 Liter!

Vor Jahren gab es einen Vikar, der ein Zimmer bei einer älteren Dame gemietet hatte. Sie störte sich daran, dass der Vikar abends gerne einmal ein Glas Wein trank. Der junge Pfarrer versuchte sich zu verteidigen und sagte: »Jesus hat auf der Hochzeit zu Kana sogar Wasser in Wein verwandelt.« Darauf antwortete die Dame: »War aber sicher nicht seine größte Glanzleistung.«

Wir erleben in dieser Geschichte einen Jesus, der uns überrascht. Er ist Gast auf einer Hochzeit, die drei Tage dauern soll. Doch kurz nach Beginn der Feier droht der Wein auszugehen. Welch eine Schande für das junge Paar, wenn es seinen Gästen nichts mehr zu trinken anbieten kann!
Maria, die Mutter Jesu, sieht die Notlage. Auch wenn wir vielleicht schmunzeln – für das Brautpaar war das sicher eine echte Notsituation. Deshalb geht Maria zu Jesus und sagt ihm: »Sie haben keinen Wein mehr.« Maria weiß: Jesus kann helfen. Doch Jesus erteilt ihr eine schroffe Abfuhr. »Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?« Wir spüren eine verletzende Schärfe. Das hätten wir Jesus nicht zugetraut. Ist er nicht der Liebe, der Sanftmütige? Aber hier weist er seine Mutter hart zurück. »Meine Stunde ist noch nicht gekommen.« Niemand darf über Jesus verfügen. Er handelt frei und in göttlicher Vollmacht. Doch lässt Maria sich nicht entmutigen. Ihr Vertrauen zu Jesus ist unerschütterlich. Sie geht zu den Dienern und gibt ihnen den Auftrag, das zu tun, was Jesus sagt.

Wir müssen uns vorstellen, dass die Hochzeitsgäste im Hof eines großen Hauses sitzen. An der Hofwand stehen 6 große Wasserkrüge. 600 Liter Wasser: Das ist die Menge, die man nach dem jüdischen Reinheitsgesetz für ein Vollbad braucht. Jesus befiehlt den Dienern, die Krüge zu füllen. 600 Liter – da muss man mehr als einmal
laufen. Auch ein Wunder kann manchmal anstrengend sein. Doch die Diener gehorchen. Als sie fertig sind, sagt Jesus: »Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister!« Die Männer schauen sich fragend an: Was soll das? Unser Chef wird denken, wir wollen ihn auf den Arm nehmen. Aber dann überwinden sie ihre Zweifel und bringen diesem einen Becher. Da erleben sie eine große Überraschung: Der Speisemeister trinkt kein Wasser, sondern Wein – und sogar einen sehr guten Wein.
Verwundert fragt er den Bräutigam: »Warum hast du den besseren Wein bis jetzt zurückbehalten?«

Uns fällt es vielleicht ein bisschen schwer, dieses Wunder zu verstehen. Jesus verwandelt 600 Liter Wasser in Wein, damit sich die Hochzeitsgäste weiter betrinken können. Kein Wunder, dass eine anständige Dame sagt: »War aber sicher nicht seine größte Glanzleistung.« Doch Wein ist in der Bibel mehr als nur ein alkoholisches Getränk. Wein ist ein Zeichen von Gott. Ich möchte dazu einen Bibelvers aus 1. Mose 49 vorlesen. Dort heißt es: »Der kommende Held wird seinen Esel an den Weinstock binden und seiner Eselin Füllen an die edle Rebe. Er wird sein Kleid in Wein waschen und seinen Mantel in Traubenblut.« (1. Mose 49, 11) Dieser kommende Held ist der Messias, der von Gott gesandte Retter. Mit seinem Erscheinen beginnt die Heilszeit, dann herrscht Überfluss. Dann dürfen sogar die Esel die kostbaren Trauben fressen. So viel Wein wird es geben, dass man die Kleider darin waschen kann. Wir sehen: Wein im Überfluss ist ein Kennzeichen der Heilszeit. Wenn der Messias zur Erlösung kommt, dann fließt Wein in Hülle und Fülle. Die 600 Liter auf der Hochzeit sind für einen frommen Juden ein unübersehbarer Hinweis. Mit Jesus beginnt die Heilszeit. Die Freude, auf die wir warten – in Jesus fängt sie schon jetzt an.

Doch noch etwas anderes soll damit ausgedrückt werden. Da stehen sechs Krüge. Sie werden gebraucht für die jüdischen Reinheitsvorschriften. Jedoch - diese Krüge sind leer. Erst durch den Befehl Jesu werden sie gefüllt.
Die Bibel will damit sagen: Unsere menschlichen Bemühungen sind nutzlos und sinnentleert. Sie bringen uns nicht weiter. Doch Jesus schenkt Verwandlung, er bringt das Neue. Er ist der Messias, der gottgesandte Retter. Wer sich nur an Gesetze und Gebote hält, wird die Freude und die Fülle der Heilszeit nicht erleben. Besser - wer an Jesus glaubt, für den beginnt das Fest des Lebens. An die Stelle der religiösen Gesetze tritt das neue Leben in Gemeinschaft mit Gott. In diesem Wunder sehen wir die Herrlichkeit Jesu. Er schenkt Freude, er kann unseren Mangel ausfüllen.

In der griechischen Religion gibt es die Gottheit Dionysos, den Gott des Weines. Sein Fest wurde in der alten Zeit im Monat Januar gefeiert. Die ersten Christen haben deshalb das Weinwunder von Kana als Predigttext schon damals für den Jahresanfang ausgesucht. Sie wollten damit ein Gegengewicht gegen die rauschenden Trinkgelage in den Dionysos-Tempeln setzen. Sie wollten sagen: Ihr braucht eure Freude nicht im Alkohol oder in zweifelhaften Vergnügungen zu suchen – Jesus schenkt echte Erfüllung.
Die Götter und die Götzen dieser Welt können da nicht mithalten. Jesus füllt die leeren Krüge. Die Gemeinschaft mit ihm stillt unsere Sehnsucht nach Leben. Jesus wird auch den Egoismus überwinden, der bei der Hochzeit in China Wein zu Wasser machte. Er weist Maria darauf hin: »Meine Stunde wird kommen« – die Stunde des Kreuzes. Mit dem Kelch beim Abendmahl erinnern wir uns daran: »Christi Blut, für uns vergossen«. Jesu Sterben schenkt uns das Leben. Das Weinwunder bei der Hochzeit weist voraus auf das große Wunder der Liebe am Kreuz. Dort staunen wir noch viel mehr: Ein Unschuldiger lässt sein Leben, damit wir Schuldigen das Leben haben. Das macht unser Leben hell und froh, das gibt uns Christen Grund zum Feiern und zur Freude.

Noch ein Letztes sehen wir in unserer Geschichte. Maria zeigt uns, was glauben heißt. In einer Notlage setzt sie ihr Vertrauen auf Jesus. Sie ist fest davon überzeugt, dass er helfen kann. Aber Jesus weist sie zurück – mit harten, schroffen Worten. Jedoch, Maria lässt sich nicht beirren. Ihr Glaube ist mehr als nur ein Wunsch nach Sensation. Ihr Vertrauen erweist sich als tragfähig. Sie erlebt das helfende Wunder. So erkennt sie die Herrlichkeit Jesu. Sie erfährt, dass Gott durch Jesus handelt.

Haben wir einen solchen Glauben? Einen Glauben, der sich von Leere und Mangel nicht entmutigen lässt? Einen Glauben, der auch eine scheinbare Zurückweisung aushalten kann? Einen Glauben, der auch ein zweites oder drittes Mal zu Gott betet? Einen Glauben, der sich nicht enttäuscht abwendet, wenn Wünsche nicht sofort erfüllt werden?
Ich selbst tue mir oftmals schwer, mich nicht auf meine Wünsche zu versteifen. Zu Erwarten, dass meine Wünsche so und so sich erfüllen müssen. Im Rückblick muss ich aber erkennen, dass Gotte meine Wünsche auf seine Art und Weise erfüllt.

Das Weinwunder von Kana ist eine Verheißung: Jesus will Freude und Fülle schenken. Er sucht Menschen, die sich beschenken lassen wollen und lassen. Auf seine Art und Weise.  Amen.

 

Gottesdienst am 10.01.2021 - 1. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den 1. Sonntag nach Epiphanias, dem 10. Januar 2021.
Der Wochenspruch für die neue Woche steht im Römerbrief:
„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ (Römer 8, 14).
Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude“ (EG 66, 1.2.8)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Herr, durch unsere Taufe gehören wir zu dir, zu deiner Gemeinde.
Du liebst uns, als wären wir deine eigenen Kinder.
So wollen wir auch leben und füreinander da sein.
Dazu bitten wir dich um deinen guten Geist.
Amen.

Die Lesung und zugleich der Predigttext stehen im Römerbrief des Apostels Paulus, Kapitel 12, Verse 1-8:
„Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich`s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des anderen Glied.
Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.“
Amen.

Lied: „Christus, das Licht der Welt“ (EG 410, 1.2)

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Geschwister, in meiner früheren Gemeinde am Niederrhein habe ich einmal eine alte Dame zum Geburtstag besucht, die kurz vorher in ein Alten- und Pflegeheim umgezogen war. Nach einer längeren Krankheit kam sie zuhause nicht mehr alleine zurecht.

„Nun bin ich hier“, sagte sie mir, „und habe auf einmal viel Zeit. Ich kann ja nicht mehr so viel machen, und hier brauch` ich es auch nicht mehr. Mir wird das meiste abgenommen. Aber eines kann ich immer noch tun: ich bete für meine Familie. Die sind so beschäftigt mit ihrer Arbeit und dem ganzen Alltag, dass sie dazu gar nicht mehr kommen. Ich aber habe die Zeit und die Ruhe dazu. Dann denke ich erst einmal nach, wie es ihnen geht, was für sie wichtig sein könnte und dann bringe ich das im Gebet vor Gott.“
Gebete können etwas bewirken, diese Erfahrung habe ich immer wieder gemacht. Und diese alte Dame, die für ihre Familienangehörigen betet, tut ihnen damit etwas sehr Gutes. Und auch sich selbst. Denn Beten verändert Menschen. Und veränderte Menschen verändern die Welt. Die Frau im Altenheim hat erkannt, dass sie noch etwas Sinnvolles tun kann, auch wenn sie körperlich schwach ist und Hilfe braucht. Ihr Beten versteht sie als einen wichtigen Dienst.

Darum geht es auch dem Apostel Paulus in unserem heutigen Predigttext. Er meint: „Ihr Christinnen und Christen habt von Gott verschiedene Gaben mitbekommen. Setzt diese Gaben füreinander ein. Sie sind ein Zeichen für die Gnade Gottes, die er euch schenkt. Ihr seid reich beschenkt worden. Ihr habt allen Grund, dafür dankbar zu sein.“

In diesen letzten Monaten haben wir gar nicht mehr so viele Möglichkeiten gehabt, unsere Gaben und Begabungen füreinander einzusetzen. Manches durfte einfach nicht mehr sein. Ein Ehrenamt ausüben? Menschen besuchen? Sich in der Gemeinde engagieren? Ging alles nicht mehr.

Ähnliches hat damals auch Paulus erlebt. Er hätte so gerne alle seine Gemeinden, die er einmal gegründet hatte, immer wieder besucht. Er war aber manches Mal gezwungen, seine Reisen dorthin zu unterbrechen, weil er krank geworden war, ins Gefängnis kam, weil sein Schiff kenterte. Immer wieder etwas anderes, er brauchte dann selbst Hilfe. Und trotz dieser Schwierigkeiten hat er an so viele Menschen die christliche Botschaft verkündigen können, hat christliche Gemeinden ins Leben gerufen, hat die Christinnen und Christen ermutigt, ihrem Glauben treu zu bleiben, tröstete, ermahnte. Gab Auskunft bei theologischen Fragen. Zeit seines Lebens war er mit den Gemeinden in Kontakt. Und wenn es nicht ging, dass er sie zu ihnen reiste, dann durch Briefe, die er ihnen schrieb. Dadurch hat er auch große räumliche Distanzen überwinden können. Und er hat auch für die Menschen dort gebetet; er wusste ja durch Briefe, die er selbst von dort erhielt, auch durch seine Mitarbeiter, die ihm berichteten, immer ganz gut, welches gerade die besonderen Probleme und Schwierigkeiten der Christen waren und konnte ihre Anliegen vor Gott bringen. Ich finde es ganz beeindruckend, wie er trotz der vielen Herausforderungen, mit denen er fertigwerden musste- und oft waren sie für ihn lebensgefährlich- seinen Mut und sein Vertrauen zu Gott bewahren konnte. Paulus war sich bewusst, dass er das nicht aus sich selbst heraus vermag, sondern dass Gott ihm die Kraft dazu schenkt. So schreibt er in seinen Briefen: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Und: „Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Liebe Geschwister, das ist ein „vernünftiger Gottesdienst“ (Römer 12, 1) in diesen Wochen, in denen darüber diskutiert wird, ob es überhaupt vernünftig ist, Gottesdienste in unseren Kirchen anzubieten. Ich persönlich finde es wichtig, dass Menschen zum Gottesdienst kommen können und nicht nur digitale oder schriftliche Angebote wahrnehmen können. Hier machen sie die selten gewordene Erfahrung von Gemeinschaft; die Musik, die Gebete, die Lesung, die Predigt, die ganze Atmosphäre in der Kirche verkünden die christliche Botschaft, die eine Botschaft der Hoffnung ist. Wir haben ja auch ein gutes Sicherheitskonzept, Abstände und Hygieneregeln werden eingehalten, alles andere wäre unvernünftig.

Der Apostel Paulus erinnert daran, dass es darüber hinaus noch den Gottesdienst gibt, der mehr ist als die Zusammenkunft von Christinnen und Christen in der Kirche. Auch das ist Gottesdienst, wenn wir im Alltag unsere Gaben und Begabungen füreinander einsetzen. Und das kann zu unterschiedlichen Zeiten und Bedingungen ganz verschieden aussehen, das ist nichts für immer Festgelegtes. Unser christlicher Glaube und die Art und Weise, wie wir ihn leben und gestalten, das ist in Bewegung. Das erfordert, immer wieder zu fragen: was möchte Gott von mir in der jetzigen Situation? Welche Gaben habe ich durch ihn, die ich einsetzen kann? Wie kann ich anderen Menschen am besten dienen? Was ist jetzt dran und wichtig und worauf sollte ich besser verzichten?

Danach fragten Paulus und die Christen damals schon, und das fragen auch wir heute. Paulus antwortet darauf in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: Gott möchte von uns, dass wir uns selbst zurücknehmen, bescheiden leben, füreinander da sind, Mitgefühl zeigen, uns über unseren Glauben austauschen und uns so auf dem Weg des Glaubens weiterhelfen.

Liebe Geschwister, ich denke, das sind Antworten, die auch uns hilfreich sind, wenn wir nach Gottes Auftrag an uns in dieser Welt und dieser Zeit fragen. Wir Christinnen und Christen des 21. Jahr -hunderts, wir hier in der evangelischen Gemeinde Bühlertal, wir sind Teil des Leibes Christi und von Gott mit Gaben ausgestattet, um einander zu dienen. Genauso wie Paulus damals, wie die Christen in den Gemeinden in Kleinasien und Europa, die er gegründet hat. Räumliche und zeitliche Entfernungen spielen keine Rolle dabei.

Auch die Menschen, die weit weg von uns leben, von deren Schicksal wir durch die Medien erfahren, sind Teil dieses Leibes und wir sind verantwortlich für sie. Können für sie beten, für sie einstehen auch mit Taten. Das ist uns im letzten Jahr noch einmal sehr deutlich geworden: dass wir weltweit zusammengehören und aufeinander angewiesen sind. So möge Gott uns schützen, dass wir auch im neuen Jahr in seinem Namen zusammenkommen und in seinem Sinn leben und handeln.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied: „Suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt“ (EG 182, 1.2.4)

Wir beten:
Herr, du lässt uns Gemeinde sein. Du fügst uns zusammen wie die Teile eines Körpers. Hilf uns dabei, unsere besonderen Gaben zu entdecken und einander mit unseren Gaben zu achten. Schenke uns gute Ideen, wie wir auch unter den Bedingungen der Corona-Krise füreinander da sein können und so leben, wie du dir das für uns vorstellst. Mit deiner Hilfe kann uns das gelingen. Durch deine Gnade sind wir, was wir sind. Und können stark sein, auch, wenn wir schwach sind. Dafür danken wir dir.

Wir vertrauen uns dir an, mit dem, was uns bewegt, mit denen, um die wir uns sorgen
(hier ist Platz für eigene Fürbitten).

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied: „Mache dich auf und werde Licht“ (EG 545)

So lasst euch segnen:
Der Herr segne dich und behüte dich auf all deinen Wegen.
Amen.

 

Gottesdienst am 03.01.2021 - 2. Sonntag nach Weihnachten

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lese- Gottesdienst für den 2. Sonntag nach Weihnachten.
Heute wollen wir uns mit der Jahreslosung für das neue Jahr 2021 aus dem Lukasevangelium beschäftigen.
Die Lieder bitte im Gesangbuch nachschlagen.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Lied EG 64, 1.6: „Der du die Zeit in Händen hast“
                                      
Wir sind hier zusammen im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Amen.

Wir beten:
Herr, lass unsere Füße sichere Schritte tun, deine Worte leiten uns auf allen unseren Wegen.
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn. Amen.

Als Lesung hören wir die Jahreslosung, Lukas 6, 36:
„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Amen.“

Lied EG 62, 1-3: „Jesus soll die Losung sein"

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Geschwister,

der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat im Frühjahr des vergangenen Jahres, zu Beginn der Pandemie, einen starken Satz formuliert, der mir im Gedächtnis geblieben ist.
Dieser Satz ist ehrlich und wahrhaftig. Ich kann ihn für mich auch als einen Satz des Glaubens hören:
„Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen.“

Nur wenige Menschen, schon gar nicht Politiker, sprechen schon vorher davon, dass Fehler gemacht werden, dass es Irrtümer geben wird, Ungerechtigkeiten. Wer gibt schon zu, dass er vergebungsbedürftig ist? Deshalb ist es so ein erstaunlicher Satz. Und er trifft sich mit dem christlichen Grundsatz, dass wir Menschen alle von der Vergebung leben, von Gottes Vergebung und von der Vergebung unserer Mitmenschen. „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!“, so bitten wir im Vaterunsergebet. Ich finde es gut, wenn man ehrlich ist den eigenen Grenzen, Fehlern und Schwächen gegenüber, auch wenn das vielleicht angreifbar macht. Es ist unendlich befreiend.

Im Jahr 2020 sind wir sehr herausgefordert worden. Die Coronaepidemie hat dazu geführt, dass wir mit einer großen Zahl von Einschränkungen umgehen mussten und weiter müssen; Einschränkungen der persönlichen Freiheit, Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren, auch wirtschaftliche Schwierigkeiten resultierten daraus, Existenzgefährdungen. Den am Virus Erkrankten konnte nicht in allen Fällen optimal geholfen werden, trotz aller Bemühungen, aller Forschung und aller Fortschritte, die in dieser Zeit gemacht wurden. 34000 Menschen sind allein in Deutschland daran gestorben; von anderen hören wir, dass sie immer noch unter Nachwirkungen ihrer Erkrankung leiden.

Dass die Zahl der Neuerkrankungen immer noch so hoch ist, ist erschreckend. Warum nicht alle Menschen überzeugt werden konnten, durch entsprechendes Verhalten sich selbst und andere zu schützen, kann man nur vermuten. Dass das Misstrauen immer noch so groß ist, macht ratlos. Denn es versteht sich doch von selbst, dass da, wo verantwortlich gehandelt und entschieden wird, auch immer mitgedacht und eingestanden werden muss: es ist möglich, dass wir trotz guter Absichten und trotz gewissenhafter Diskussion und kompetenter Beratung Fehlentscheidungen treffen, Gefahren nicht richtig einordnen oder die eigenen Möglichkeiten überschätzen.

Und was für die Menschen in Politik und Gesellschaft, in Wirtschaft und Wissenschaft gilt, gilt für mein privates Leben genauso. Wir haben einander viel zu verzeihen: jede Beziehung, jede Freundschaft, jede berufliche und private Entscheidung, jede Verantwortung der Familie und den Freunden gegenüber, all das steht immer in der Gefahr zu enttäuschen. Es kann sein, dass ich scheitere, mich irre oder es kann sein, dass ich Erfolg habe, richtig liege, beides ist immer möglich und ist eine menschliche Erfahrung. Das ehrlich einzugestehen macht mir Mut zu leben, zu handeln, zu entscheiden, Fehler zuzugeben, neu anzufangen, zu lieben, um Vergebung zu bitten und zu verzeihen, Mensch zu sein.

Ein Mensch zu sein, wie Gott uns Menschen sein lässt: die aus der Vergebung leben. Das ist ehrlich und gut, befreit von aller Überheblichkeit. Und darin trifft sich der Satz von Jens Spahn aus mit dem biblischen Satz aus dem Lukasevangelium, der die Jahreslosung für das neue Jahr 2021 ist:
„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lukas 6, 36).

Das ist kein moralischer Appell, sondern zunächst ein Versprechen, eine Zusage. Jesus bietet uns hier etwas zum Leben an: „Euer Vater im Himmel ist barmherzig.“ Ein tröstlicher Satz. Jesus meint: das, was wir Menschen erleben und erleiden müssen, all das geht Gott zu Herzen. Die Sorgen, die Ängste, das Weinen, das Hoffen, das Beten, das Arbeiten, das Suchen nach Auswegen und Möglichkeiten, das geht Gott zu Herzen. Die Erkrankten und Gestorbenen, die Menschen in den Flüchtlingslagern, die Alten und Einsamen, die am Rande der Gesellschaft Lebenden, die sind Gott wichtig. Für die schlägt Gottes Herz, Tag für Tag, Mensch um Mensch.

Denn deshalb ist Gott selbst Mensch geworden. Das Weihnachtsfest, das wir gerade gefeiert haben und das dem Jahreswechsel immer um eine Woche vorausgeht, das ist die Vergewisserung dieses Versprechens: „Euer Vater im Himmel ist barmherzig.“ Gott hat ein Herz für euch. Er erbarmt sich. Besser kann man es gar nicht in Worte fassen, mit welcher Liebe und welcher Leidenschaft Gott für uns da sein möchte. Jedes Jahr, jeder Monat, jeder Tag, jede Stunde ist ein Zeichen seiner Barmherzigkeit. Und weil er seine Barmherzigkeit, seine Leidenschaft, seine Liebe, sein Mitleid und sein Mitgefühl für uns schon vorausschickt, sie uns schenkt, deshalb kann er auch um unser Herz, unser Mitgefühl, unser Mitleid werben: „Seid auch ihr barmherzig!“ Lasst euer Herz sprechen, denn Gott traut euch das zu. Dass ihr euer Herz und euren Verstand für eure Mitmenschen einsetzt.

Das biblische Wort der Jahreslosung ist ein wunderbares und wohltuendes Wort für 2021. Wir können es leicht mitnehmen auf den Wegen, die vor uns liegen. Seid barmherzig mit euch und anderen, egal, wer sie sind und wie sie leben, denn auch euer Vater ist barmherzig. In diesem Wort schlägt Gottes Herz. Es hilft uns, dass wir selbst Herz zeigen, Erbarmen haben, Liebe schenken. Dann kann 2021 für uns alle ein Jahr der Barmherzigkeit werden. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

Lied EG 61, 1.2: „Hilf, Herr Jesu, lass gelingen“

Wir beten:
Herr, unser Gott, du bist wie Vater und Mutter. Du bist barmherzig, schenkst Glauben und Liebe. Darum bitten wir dich: Hilf uns, dass wir deiner Zusage vertrauen können. Schenke uns die Kraft und den Mut, barmherzig zu sein mit anderen. Auch barmherzig mit uns selbst. Dass wir Fehler eingestehen, einander verzeihen, immer wieder neu miteinander anfangen. Das bitten wir dich durch deinen Sohn Jesus Christus. Amen.

Wir sprechen das Vaterunsergebet:
Vater Unser im Himmel…

So lasst euch den Segen Gottes zusprechen:
Der Segen Gottes komme über euch und bleibe bei euch von nun an bis in Ewigkeit.                              Amen.

Lied EG 170, 1-3:
„Komm, Herr, segne uns“

 

Gottesdienst am 31.12.2020 - Altjahresabend (Silvester)

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Geschwister,
herzlich willkommen beim Gottesdienst zum Selbstlesen und daheim Feiern.

Heute, am Sylvestertag, grüße ich Sie mit dem Tagesspruch aus Psalm 31, 16a: „ Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Das Wort erinnert uns daran, dass Gott uns dieses Jahr geschenkt hat. War es ein gutes Jahr? Oder eines, das wir gerne hinter uns lassen möchten? Was hat uns gefreut? Was hat uns traurig gemacht? Alles legen wir zurück in Gottes Hände.

Wenn Sie ein Gesangbuch zur Hand haben, hier passt das Lied EG 58, 1-3.7:
„Nun lasst uns gehen und treten“

Wir sind miteinander verbunden und vertrauen, dass auch Gott jetzt bei uns ist.
Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten:
Gott, wir danken dir für die Tage und Nächte, die du uns in diesem Jahr geschenkt hast.
Heute legen wir sie zurück in deine Hände. Wir bitten dich um deine Begleitung auch im neuen Jahr 2021. Amen.

Die Lesung und zugleich der Predigttext stehen im 2. Buch Mose, Kapitel 13, Verse 20-22:
„So zogen sie (die Israeliten) aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rand der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage, noch die Feuersäule bei Nacht. Amen.“

Lied EG 65, 1.2.7 „Von guten Mächten“

Ansprache:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Geschwister, nur noch wenige Stunden, dann geht das Jahr 2020 zuende. Am heutigen Abend schauen wir zurück. Und jede und jeder von uns könnte ganz viel erzählen davon, was wir erlebt haben an hellen und frohmachenden Situationen und Ereignissen. Aber auch von dem, was dunkle und schwere Erfahrungen waren, die wir machen mussten. Schade, dass wir uns jetzt hier nicht davon erzählen können, aber vielleicht später, wenn wir mit der Familie zusammensitzen oder am Telefon, wenn wir mit jemandem sprechen, der jetzt nicht bei uns sein kann. Manche Menschen schreiben auch zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel lange Briefe, in denen sie festhalten, was alles gewesen ist in dem einen Jahr. Die verschicken sie an Verwandte und Freunde. Eine schriftliche Jahresbilanz, eine gute Idee, vielleicht eine Anregung für uns. In der Lesung aus dem 2. Buch Mose haben wir gerade gehört, wie Gott die Israeliten am Tage durch eine Wolkensäule und in der Nacht durch eine Feuersäule während ihrer Wüstenwanderung leitete. Unzählige Tage und Nächte waren sie unterwegs.

366 Tage und Nächte haben wir im Jahr 2020 erlebt. Manche davon haben sich bei uns besonders tief eingeprägt. Keiner von uns hat vor einem Jahr geahnt, dass das Corona-Virus sich auf der ganzen Welt ausbreiten würde und die Menschen überall treffen würde. Damit ist in so mancher Hinsicht die Nacht über uns hineingebrochen. Viele Menschen erkrankten, starben, unter unsäglichen Bedingungen. Es gab bei vielen Sorgen um den Arbeitsplatz; andere wiederum mussten bis zur Erschöpfung arbeiten, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen. Es gab zuvor nie gekannte Engpässe bei der Versorgung. Das ganze öffentliche Leben ruhte, sogar Schulen und Kindertagesstätten waren geschlossen. Dunkel wurde es auch um uns als Gemeinde. In den Kirchen und Gemeinderäumen blieben für einige Wochen die Lichter aus. Noch nicht einmal Gottesdienste fanden statt, auch keine anderen Veranstaltungen. Die Konfirmation und andere besondere Anlässe, wie Taufen und Trauungen, mussten erst einmal verschoben werden. Bei Trauerfeiern durfte nur der allerengste Familienkreis zusammenkommen, das war bitter.

Und trotzdem gab es auch Lichtblicke. Sitzungen und Besprechungen wurden eben telefonisch oder als Videokonferenz abgehalten. Man konnte sich über Mails oder über Whatsapp austauschen; anspre chende Gottesdienste gab es in großer Auswahl in digitaler Form, aus allen möglichen Gemeinden, die konnte man anschauen. Wie schön war es, als dann die Tage immer heller und sonniger wurden und manches draußen stattfinden konnte. So war es ja auch möglich, den großen Himmelfahrtsgottesdienst um die Kapelle zum guten Hirten auf dem Sand zu feiern.

Sie, liebe Geschwister, erinnern sich in dieser Stunde, in der wir auf das zuende gehende Jahr zurückschauen, an viele Situationen, die Sie als Gemeinde erlebt haben. Und auch ohne Corona wäre es kein leichtes Jahr gewesen für die evangelische Kirchengemeinde. Dazu kommen Ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen; die Highlights und die Tiefpunkte. Welche Tage und welche Nächte haben Sie besonders vor Augen und könnten davon berichten? Zurück zu unserem Bibeltext: Die Israeliten haben die Erlebnisse ihrer Tage und Nächte weitererzählt. Von der Wüstenwanderung, bei der Gott sie als Wolken- oder als Feuersäule begleitete und ihnen den Weg wies. Die Menschen haben diese besonderen Erscheinungen als etwas Übernatürliches gedeutet und auf Gott bezogen. Der Herr hat sie aus der ägyptischen Sklaverei befreit, der führt sie so weiter durch die Wüste bis ins Gelobte Land. Mose spielt dabei natürlich auch eine wichtige Rolle, aber er führt letztlich nur das aus, was Gott vorhat. Die Menschen haben Gott vertraut, dass er den richtigen Weg kennt und sie leitet. Sie folgten ihm nach und glaubten an ihn. In manchen Tagen und Nächten wird ihnen das schwergefallen sein. Es gab auch Momente des Zweifels und der Angst. Manchmal fühlten sie sich von Gott verlassen, hatten Hunger und Durst, wurden bedroht durch andere Völker. Dann gab es die anderen Tage und Nächte, an denen sie jubelten und feierten, dass der Herr sie bewahrte. An denen sie spürten, dass Gott nah bei ihnen war.

Und als sie dann am Ziel angekommen waren, nach jahrzehntelangem Unterwegssein- von 40 Jahren spricht die Bibel- und zurückschauten, da wurde ihnen bewusst, wie Gott an allen Tagen und Nächten bei ihnen gewesen ist und ihre Wege überblickt hat. Sie sind dort angekommen, wohin Gott sie bringen wollte. Das gab ihnen Vertrauen auch für die Zukunft: Gott überblickt auch die Wege, die noch vor uns liegen. Liebe Geschwister, Gott überblickt alle unsere Wege. Die, die wir schon gegangen sind und die, die noch kommen werden. Vielleicht gelingt es uns, das alte und das neue Jahr und unser Leben überhaupt aus dieser Perspektive zu sehen. Ist das nicht erstaunlich, welche Wege er uns 2020 gewiesen hat, sodass wir weitergehen konnten? Wir sind nicht alleine unterwegs, Gott ist bei uns, begleitet uns, führt uns. Er lässt sich sicher auch im neuen Jahr 2021 für uns etwas Hilfreiches einfallen, so wie die Wolken- und die Feuersäule für die Israeliten, damit wir mit ihm in Verbindung bleiben und uns orientieren können.

Ich wünsche uns, dass wir deshalb voller Vertrauen dem Jahreswechsel entgegensehen. Was immer da auch auf uns zukommen wird an dunklen Stunden und an Lichtblicken: Gott ist bei uns und wird unseren Weg erleuchten. Dietrich Bonhoeffer hat das in wunderschöne Worte gefasst: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag." Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

Lied EG 395, 1-3: „Vertraut den neuen Wegen“

Fürbitten:
Unser Gott, du bist Anfang und Ende. Du bist mit uns auf dem Weg. Am Ende des Jahres bringen wir dir unseren Dank für alles Gute, was du uns in diesem Jahr geschenkt hast. Erhalte uns die Erinnerungen an die schönen und frohen Momente, die wir erleben durften.
Es war aber auch viel Schweres und Trauriges dabei. Wir bitten dich für uns und alle Menschen, die manches/vieles sogar erleiden und erdulden mussten in den letzten Monaten.
Schenke uns die nötige Geduld und das Vertrauen auf dich, damit wir auch weiter jeden Tag und jede Nacht aus deiner Hand nehmen.
Den Weinenden schenke Trost, den Kranken, dass sie wieder gesund werden, den Trauernden, dass sie an der Hoffnung festhalten. Den Verstorbenen schenke das ewige Leben, das du uns verheißen hast.
Wir wissen, dass wir von deinen guten Mächten wunderbar geborgen sind. Deshalb erwarten wir getrost, was kommen mag. Denn du bist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater Unser im Himmel…

So lasst euch den Segen Gottes zusprechen:
Der Segen Gottes, der komme über dich und bleibe bei dir von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Am Ende unseres Gottesdienstes steht das Lied EG 44, 1-3:
„O, du fröhliche“

Ein gesegnetes neues Jahr 2021 für Sie und Ihre Lieben wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.