Gottesdienst am 13. Juni 2021 - 2. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
seien Sie/seid ihr herzlich begrüßt zu unserem Lesegottesdienst für Sonntag, den 13. Juni. Es ist der 2. Sonntag nach Trinitatis. Der Wochenspruch aus dem Matthäus- Evangelium, Kap. 11, Vers 28 wird uns durch die kommende Woche begleiten:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das schöne Lied „Die güldne Sonne“ (EG 449, 1-3)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gebet:
Herr Jesus Christus, du lädst uns ein, in dein Haus zu kommen.
Du stärkst uns an deinem Tisch mit allem, was wir zum Leben brauchen:
Liebe, Barmherzigkeit, Vergebung, Hoffnung.
Wir danken dir, dass du uns alle einlädst, egal, wer wir sind.
Lass uns eine Heimat finden bei dir, zusammen mit denen, die bei dir versammelt sind.
Amen.

Lesung und zugleich Predigttext ist das Gleichnis vom großen Abendmahl (Lukas, 14, 16- 24):
„Er (Jesus) aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit! Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht : Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, werden mein Abendmahl schmecken.“
Amen.

Wir loben Gott, indem wir unseren christlichen Glauben bekennen:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 225, 1-3 „Komm, sag es allen weiter“

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
heute denken wir über das Gleichnis vom großen Abendmahl nach, das uns der Evangelist Lukas überliefert. Ein „Festmahl“ nennt es die Gute-Nachricht-Bibel in ihrer Übersetzung. Und „Festmahl“ passt sehr gut zu dem, was ich gerne sagen möchte. Wir verstehen den Text nach den Erfahrungen der letzten 16 Monate vielleicht noch einmal ganz neu. Mehrere Lockdowns haben wir erlebt und Versammlungsverbote; zeitweilig durfte man sich sogar nicht zum Gottes -dienst versammeln.
Ein solches fröhliches Fest mit Essen und Trinken, mit einer nicht festgelegten Anzahl von Gästen- jeder darf kommen-, wo bestimmt auch keine Abstände und weitere Regelungen vorgesehen waren, haben wir lange nicht erlebt.

Aber wir merken auch, wie wir uns nach solchen Einladungen sehnen. Wir freuen uns darüber, dass die Inzidenzzahlen überall sinken und wieder mehr möglich ist. Eben auch Feste. Wir möchten gerne mal wieder mit anderen Menschen an einem Tisch sitzen, nicht nur mit dem engsten Familienkreis und begrenzter Anzahl von Haushalten.
Oder eingeschlossen mit uns selbst, weil wir in Quarantäne gehen mussten.
Wir haben das Zusammensein mit anderen schmerzlich vermisst.

Und wenn uns bald wieder eine Einladung ins Haus flattert, dann würden wir sie nicht so schnell absagen und einfach nicht hingehen. Eine Einladung ablehnen, mit manchmal nur vorgeschobenen Gründen, das heißt nein sagen zum Leben. Aber vor Corona war uns das gar nicht so bewusst. Denn wir glaubten, dass das Leben woanders wäre, in unserer hektischen Welt mit allen möglichen Vorhaben und Terminen. Da ist gar nicht Zeit für alles, schon gar nicht für uns selbst. Deshalb ein Nein! Ich kann leider nicht! Ich muss mich um meine Ehe kümmern. Meinen Garten pflegen, habe gerade einen neuen Rasenmäher gekauft, das Gras ist schon so hochgewachsen, das muss jetzt ab. Ich habe gerade ein neues Auto gekauft, eine Probefahrt steht bevor- dazu habe ich nur dieses Wochenende Zeit, tut mir leid. Ihr müsst mich entschuldigen.

Ich denke, dieses Verhalten kennen wir von uns nur zu gut. Vor Corona. So geistlos waren wir, so blind, so krank. Corona hat uns gezeigt, dass wir andere Menschen brauchen. Die Pandemie hat uns gelehrt, dankbar zu sein. Die Gemeinschaft Wert schätzen, die Gastfreundschaft, das Leben. Wir sind vom Tod zum Leben übergegangen. Da ist etwas mit uns geschehen. All das, was wir bisher für selbstverständlich hielten und dessen Wert wir nicht gesehen haben, das haben wir nun wiederbekommen- als ein Geschenk.

Wir sind zu einem Fest eingeladen. Wir sind die, von denen das Gleichnis spricht, die da draußen an Straßen und Ecken, die Blinden und Lahmen. Wir sind die, die sich freuen können und die nun Ja danke! sagen. Zu dieser großen Festmahlzeit- ohne Versammlungs- regeln. Ohne Abstände und Hygienevorschriften, ohne Maske, ohne ausliegende Anwesenheitslisten. Ein Fest ist das! Und die Gast -freiheit kennt keine Grenzen! Das macht uns allerdings fast skeptisch. Gibt es so etwas? Was ist das für ein Gastgeber, der feiern will, auch wenn er immer wieder neu einladen muss, weil seine Gäste wegbleiben? Alle Stühle sollen besetzt sein. Er weiß doch gar nicht, was er für Gäste in sein Haus lässt, nehmen sie ihn überhaupt ernst, vielleicht meckern sie übers Essen, randalieren, verwüsten alles. Vielleicht hat er ja auch gar nicht genug Essen da. Hat er keine Angst davor?

Mir scheint, liebe Geschwister, er ist ein äußerst großzügiger Geber. Er will das, was er hat, nicht für sich behalten, sondern gibt alles weg in einem Fest- mit allen möglichen Menschen, die nie im Leben seine Einladung erwidern oder sich sonst wie revanchieren könnten. Das ist unser Gott. So kennen wir ihn. Als den, der sich ganz hingibt. Teilt, was ihm gehört. Der es gut mit den Menschen meint. So liebevoll und gut. Zugleich so zornig, fast beleidigt darüber, dass manche so in sich gefangen sind, dass sie nicht sehen, was wirklich wichtig ist, was unserem Leben Sinn gibt, was uns zu Menschen macht. Dass man die Fähigkeit hat, etwas anzunehmen. Danken und annehmen. Geben und annehmen. In einer echten Beziehung stehen zum anderen. Liebe haben zum Leben.

Nach den dunklen Monaten im Lockdown und in der Verschlossenheit können wir es nun sehen. In diesem Licht sollen wir die frohe Botschaft des Evangeliums sehen: die Hinwendung Gottes zur Welt- in seinem Sohn Jesus Christus- das ist die Einladung, an einem großen Fest teilzunehmen. Christus ging den Umweg zu denen draußen-den Armen, Kranken, Außenseitern, Sündern, die kein Netzwerk hatten, das sie pflegen konnten. Und das sie unterstützte. Niemand lud sie ein zu einem Fest. Denn sie konnten die Einladung nicht erwidern. Denn es war dies, mit ihm zusammen zu sein, dass er- Jesus, ein anderer Mensch- eben in ihr Haus kam; das veränderte alles, machte ihr Leben hell, brachte Freude. Sie gingen vom Tod zum Leben. Sie hatten teil am ewigen Leben- in ihm- und alles wurde anders. Sie konnten so weiterleben, als wären sie nicht arm, als wären sie keine Sünder, weiterleben, als wären sie die Größten im Himmelreich-Gottes Kinder.

Und nun sitzen wir hier. Wir hören jeden Sonntag im Haus Gottes die frohe Botschaft. Lassen unsere Kinder taufen auf Jesu Namen, weil wir mit ihnen das Fest des Lebens teilen wollen. Wir essen und trinken am Tisch Christi, um uns stärken zu lassen für unseren Glauben und unser Leben.

Wir sollen nichts anderes tun als annehmen. Ist das so schwer? Das Leben annehmen, jeden einzigen Tag und es miteinander teilen. Das ist es, was Jesus wollte. Dass wir den Tod hinter uns lassen und froh miteinander hier leben- zusammen- und in den Sommer hineingehen, wo die Nacht nie mehr kommt.

Alles ist bereit. Kommt!

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied „Eines Tages kam einer“ (NL 34, 1-4)

Fürbitten:
Herr,
du lädst alle Menschen zu dir ein.
Es ist niemand zu klein oder zu groß, zu arm oder zu reich, um zu dir zu gehören.
Wir bitten dich für die Menschen, die deine Einladung nicht annehmen wollen oder können.
Hilf mit, dass sie ihre inneren Widerstände überwinden können und erkennen,
wie gut du es mit ihnen meinst.
Mach unsere Herzen weit, dass auch wir ihre Nöte erkennen und uns dafür einsetzen,
dass wir alle miteinander an deinem Tisch sitzen können.
Wie ein Fest wird es sein, in deiner neuen Welt.

Und alles, worum wir Gott sonst noch bitten möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel,…

Lied EG 170, 1-3: „Komm, Herr, segne uns“

Segen:
Der Segen Gottes, der komme über dich und bleibe bei dir, von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 06. Juni 2021 - 1. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst zum Sonntag, den 6. Juni. Es ist der erste Sonntag nach dem Trinitatisfest. In der Predigt werden wir uns heute mit dem Propheten Jona aus dem Alten Testament beschäftigen. Gott hat einen wichtigen Auftrag an ihn, aber Jona fürchtet sich davor. Er zweifelt, ob die Menschen, zu denen Gott ihn sendet, dessen warnenden Worte hören wollen.
Der Wochenspruch für die neue Woche lautet dazu passend:
„Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (Lukas 10, 16a).
Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das Lied EG 444, 1-3
„Die goldene Sonne bringt Leben und Wonne, die Finsternis weicht“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gebet:
Du, Gott des Lebens,
deine Stimme hat uns auf deinen Weg gerufen,
und dein Wort gibt uns täglich neuen Mut.
Lass uns auch heute auf das hören, was du uns sagst, in den Liedern, die wir hören (und singen), in den Worten, die wir lesen, in den Gebeten, die wir sprechen.
Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt in Ewigkeit.
Amen.

Die Lesung und zugleich der Predigttext steht im Buch Jona,Kap. 1, 1.2 und Kap. 2, 1.2.11:
„Es geschah das Wort des Herrn zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen. (Jona versucht zu fliehen und geht auf ein Schiff, das ihn in die entgegengesetzte Richtung bringen soll. Ein Sturm kommt auf, Jona wird ins Meer geworfen, damit der Sturm aufhört.) Aber der Herr ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem Herrn, seinem Gott, im Leibe des Fisches. Und der Herr sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land. “
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 382, 1-3: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Gemeinde,
das kurze Buch Jona, nur 4 Kapitel, ist eines der schönsten Bücher der Bibel. Und eines der bekanntesten. Es erzählt davon, wie Gott ist. Und wie wir Menschen sind. Wie das Leben ist.
Es erzählt von der großen Stadt Ninive; heute heißt sie Mossul im heutigen Irak. Ninive ist die Hauptstadt eines Weltreiches, in dem nur die Macht zählt, nicht die Menschen. Dafür müssen die Menschen leiden und sterben. Die Gegner, die sie besiegt haben, die Kriegsgefangenen, die nur so zum Spaß getötet werden. Und auch die eigenen Leute. Ein Weltreich, in dem der Mensch nicht zählt- da kann Gott nicht einfach tatenlos zuschauen! Da muss er eingreifen, und er tut es.

Allerdings anders, als zu erwarten wäre. Er hätte Ninive vernichten können. Weltreiche kommen und gehen. Der Untergang Ninives wäre keine Überraschung gewesen. Aber Gott will Menschen nicht vernichten, auch die Bewohner Ninives nicht. Für ihn zählt der Mensch, jeder Mensch, selbst der verrufenste. Ninive zu vernichten, ist deshalb keine Option, die Gott will. Es ist nur die allerletzte Möglichkeit. Aber es muss dort anders werden. Und kann es auch. Menschen können sich ändern, auch die in Ninive. Gott hat sie noch nicht aufgegeben. Darum schickt er ihnen einen Propheten. Der soll ihnen sagen, was auf dem Spiel steht: „Noch 40 Tage, dann ist es vorbei mit Ninive. Dann geht die Stadt unter!“ Das klingt nicht gerade ermutigend, im Gegenteil. Aber Gott weiß, was er tut. Das sind Worte, die in Ninive ankommen werden.

Aber einer muss ihnen diese Worte sagen. Wenn Gott etwas tun will, braucht er dazu Menschen. Aber wer will schon nach Ninive und der Stadt ihren Untergang ankündigen? Das ist ein gefährlicher Job. Ein Himmelfahrtskommando. Wer lässt sich schon gerne zur Ordnung rufen? Noch dazu, von einem Unbekannten aus einem anderen Volk? Gott braucht einen Propheten, einen Gottesmann, der seine harten Worte weitergibt. Seine Wahl fällt auf den Mann Jona. Warum gerade auf ihn? Das wissen wir nicht. Gott traut es ihm eben zu. Aber Jona selbst traut es sich nicht zu. Er will den Auftrag nicht. Er ist ihm zu heikel, ein paar Nummern zu groß für ihn. Da gibt es bestimmt viele andere, die so etwas besser können als er. Er ist dafür nicht der richtige. Aber was soll er jetzt machen? Er kann ja nicht so tun, als hätte er den Auftrag Gottes nicht gehört! Jona rennt weg, in die genau entgegengesetzte Richtung. So weit weg, wie es irgendwie geht. Es ist fast schon rührend, wie Jona versucht zu flüchten. Mit einem Schiff, Richtung Westen. Als ob er Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde einfach so entkommen könnte.

Tatsächlich wird er Gott so nicht los. Gott gibt keinen Menschen auf, auch Jona nicht. Er braucht einen Boten und er hat ihn dazu ausgewählt. Dabei bleibt er, auch wenn Jona das gar nicht will. Ich denke mir: Vielleicht ist Gott es gewohnt, dass Menschen, die er in seinen Dienst ruft, durch die er etwas bewirken will, erst einmal ablehnen. An ihren Fähigkeiten zweifeln. Wenn er darauf warten wollte, bis er Menschen findet, die mit seinen Aufträgen einverstanden sind, könnte er lange warten. So bleibt es bei Jona, auch wenn dessen Enthusiasmus zu wünschen übriglässt. Den Auftrag wird er nicht mehr los. Allerdings muss Gott sich einiges einfallen lassen, um ihn zurückzuholen.

Ein schwerer Sturm kommt auf, das Schiff droht zu sinken. Die Seeleute fürchten um ihr Leben. Jeder fleht zu seinem Gott um Rettung. Schließlich werden sie auf Jona aufmerksam, der mitten im schwersten Sturm im Bauch des Schiffes liegt und friedlich schlummert. Auch er soll zu seinem Gott flehen. Vielleicht kann der helfen. Zugleich machen sich die Seeleute auf die Suche nach der Ursache. Es muss jemanden an Bord geben, der an ihrem Unglück schuld ist. Eine gefährliche Theorie: es muss immer einen Schuldigen geben, wenn etwas passiert. Unzählige sind dieser Vorstellung schon zum Opfer gefallen. Um herauszufinden, wer von ihnen der Schuldige ist, greifen die Seeleute zu einem alten religiösen Mittel: Sie werfen das Los. Es fällt ausgerechnet auf Jona. Die Seeleute sind gottesfürchtig. Sie wollen keinen Unschuldigen opfern. Sie befragen ihren Mitreisenden, um herauszufinden, warum sein Gott ihm zürnen könnte. Auch nachdem Jona sein Fehlverhalten eingeräumt hat und vorschlägt, sie sollen ihn einfach ins Meer werfen, versuchen sie alles, um sein Leben zu retten. Erst, als es keine andere Möglichkeit mehr gibt, entschließen sie sich zum letzten Schritt. Sie beten zum Gott des Jona und bitten ihn im Voraus um Vergebung um das, was sie jetzt tun müssen. Sie erkennen die Macht dieses Gottes an.

Sobald sie Jona ins Meer geworfen haben, legt sich der Sturm. Das Schiff setzt seine Reise fort. Was Jona angeht, da können die Seeleute ganz unbesorgt sein. Gott sorgt dafür, dass er unbeschadet wieder ans Land kommt. Jona wird ja noch gebraucht. Da kommt der große Fisch, der ihn verschluckt und ihn so vor dem Ertrinken rettet. Drei Tage und drei Nächte bleibt er im Bauch des Fisches. Jona im Lockdown. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie intensiv man in so einem Lockdown betet: dass einen der Mut nicht verlässt und die Hoffnung. Dass man überlebt. Dass man die normalen Alltagsdinge nicht zu selbstverständlich nimmt, dankbar bleibt. So ist auch Jonas Gebet ein einziger großer Dank an Gott, der ihn in der Gefahr behütet und gerettet hat. Schließlich spuckt der große Fisch ihn am Ufer aus, den Propheten wider Willen.

Kann das wirklich so gewesen sein? Ist das nicht zu sehr fantasiert, fragen manche. Darum geht es gar nicht, ob das so oder so wirklich geschehen ist. Es geht darum, ob die Geschichte des Jona uns berührt. Mich berührt sie, ich kann mich gut in diesem widersprüchlichen Menschen Jona widerfinden. Warum macht Gott sich so viel Mühe? Dass er Jona nicht aufgibt, dass er Ninive nicht aufgibt? Warum setzt er alle Hebel in Bewegung, damit die Menschen in Ninive umkehren, ihre Sünden einsehen und bereuen, er könnte die Stadt doch einfach dem Erdboden gleichmachen? Die Jonageschichte erzählt uns vom Gott der Liebe. Er geduldig, gnädig und von großer Güte. Wenn Menschen in ihrem Leben auf Abwege geraten, wünscht er sich, dass sie wieder auf den richtigen Weg zurückfinden, zu Gott selbst zurückfinden. Gott will die Rettung und nicht die Vernichtung der Menschen. Dieses kleine Prophetenbuch zeigt uns, wie das im Idealfall aussehen kann. Als Jona endlich doch in Ninive eintrifft und den Menschen dort mit seiner Predigt ins Gewissen redet, hat das großen Erfolg. Die ganze Stadt geht in Sack und Asche, selbst der König. Sie hoffen, dass Gott ihnen verzeiht, dass ein Neuanfang in der Beziehung zu ihm und untereinander möglich sein kann.

Und Jona? Seine Begeisterung hält sich in Grenzen. Eigentlich hätte er es lieber gesehen, dass Gott die Menschen in Ninive straft. Seiner Meinung nach hätten sie das verdient. Dass Gott sich erweichen lässt ist, gefällt ihm nicht. Obwohl er doch gerade selbst die Vergebung und die Güte Gottes am eigenen Leib erfahren hat. Gottes Liebe und Gnade ist eben größer als wir Menschen uns das vorstellen wollen und können. Bei Gott gibt es immer wieder eine neue Chance. Er gibt niemanden auf. Auch heute nicht. Auch uns nicht. Jeder Tag ist eine neue Chance. Jeder Augenblick ist eine Möglichkeit, mein Leben zu ändern und neu zu beginnen.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 395,1-3: „Vertraut den neuen Wegen“

Fürbitten:

Liebender Gott,
du sprichst zu uns, dass wir erfahren, wie es in Wahrheit um uns steht. Lass uns im Durcheinander der Stimmen, der Meinungen, der Botschaften und Ratschläge dein Wort heraushören. Schenke uns Menschen, die uns dein Wort wahrhaftig und glaubhaft vermitteln.

Wir bitten dich für alle, die orientierungslos sind, die sich verstrickt haben in eigenen und fremden Lügen, die vor dir und vor sich selbst weglaufen möchten: Gehe du ihnen nach, lass sie deine Liebe spüren und zeig ihnen durch dein Wort, wie ihr Weg weitergehen kann.

Wir bitten dich für die Menschen, die es gerade besonders schwer haben, die krank sind, arm, von Gewalt bedroht, die um ihr Leben und das ihrer Liebsten bangen müssen. Die einen lieben Menschen verloren haben und trauern. Schenke ihnen neue Hoffnung durch dein Wort und sende Menschen zu ihnen, die für sie da sind.

Amen.

Alle unsere Bitten fassen wir zusammen in den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied EG 503, 1.2.8: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“

Segen:
Der Segen Gottes komme über dich
und bleibe bei dir von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 30. Mai 2021 - Trinitatis (Kirchengemeindehaus Ottersweier)

Liebe Gemeinde,
ganz herzlich begrüße ich Sie zum Gottesdienst am Sonntag Trinitatis, dem Fest der Heiligen Dreieinigkeit. Dieser Sonntag hat zwei Themen: Wir feiern, dass sich uns Gott offenbart hat als der Schöpfer, dass er Mensch geworden ist in Jesus von Nazareth und dass er gegenwärtig ist im Heiligen Geist und dass er darin zu zugleich der Eine und Selbe ist. Das ist ein großes Geheimnis. Wir können es feiern und uns ihm anvertrauen, weil der Heilige Geist diese Erkenntnis in uns wirkt. Der Heilige Geist und sein Wirken, das ist das zweite Thema dieses Gottesdienstes, uns vorgegeben durch das Evangelium des Tages.

Lied EG 139,1-3 Gelobet sei der HERR

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Psalm 113:

Halleluja! Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobet den Namen des Herrn!
Gelobt sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit!
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn!
Der Herr ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.
Wer ist wie der Herr, unser Gott, der oben thront in der Höhe,
der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde;
der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz,
dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes;
der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Gebet:

Liebender Gott, größer und geheimnisvoller als wir fassen können. Wir beten dich an, wir preisen, ehren und loben dich, an diesem Morgen und unser Leben lang.

Wie unermesslich und wunderbar bist du in deiner Schöpfung. Wir können nur staunen! Je mehr wir entdecken, desto geheimnisvoller bist du uns als Schöpfer.

Doch dein Angesicht erkennen wir in deinem Sohn Jesus Christus. Du bist nicht nur unbegreiflich groß. Du hast dich auch ganz klein gemacht, bist unser Bruder geworden, hast unser Leben gelebt, bist unseren Tod gestorben und hast für uns das ewige Leben errungen.

Wir bitten dich: Sende uns deinen Geist; wohne selbst in uns, mach dir Raum in dieser Welt, durchatme deine ganze Schöpfung, dass sie erneuert werde, ein Ort der Gerechtigkeit und des Friedens.

Lesung Joh 3,1-8: Jesus und Nikodemus

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

Ansprache:

Liebe Gemeinde,
das Evangelium für den heutigen Sonntag ist eine Provokation. Es bringt uns eine radikale Botschaft. Doch ich denke: Die Welt heute, unsere Kirche heute, wir alle haben keine Botschaft nötiger als diese, die Botschaft von Gott und seinem Geist.

Die Geschichte beginnt mit einem typischen Hinterzimmergespräch, wie es in Politik und Kirche tausendfach bis heute geführt wird. Gerne finden solche Gespräche bei Nacht statt. Heimlich. Man will nicht gesehen werden. Man will erst mal unter sich sein. Ein Mächtiger, hier ein Vertreter der höchsten Religionsbehörde, dazu gehört er zu den Pharisäern, denen, die die Gebote Gottes bis ins allerkleinste einhalten wollen, so eine ausgewiesene religiöse Führungsperson sucht einen Neuling auf. Einen, der seit kurzem öffentlich auftritt, einen, der Aufsehen erregt, einen, der auch erste Erfolge aufzuweisen hat. Und die Führungsperson will nachfühlen: Passt er zu uns? Zu uns, den Mächtigen und Etablierten? Wenn ja, können wir ihn für uns gewinnen?  Und welche Bedingungen stellt er?

Wenn man hier etwas erreichen will, da muss man erst mal eine gemeinsame Basis schaffen. Das macht Nikodemus sehr geschickt, er benutzt dazu ein Kompliment: „Wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist. Denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist.“ So ein Kompliment - das ist ein glattes Parkett. Lob ist weit wirksamer als Argumente oder Drohungen. Nikodemus öffnet mit diesem Satz Jesus eine Perspektive, er macht ihm ein Angebot. Willst Du ein Lehrer sein, der Anerkennung findet, der Einfluss hat, der Erfolg hat, dann gehe mit uns eine Koalition ein. Wir sind die Wissenden, wir sind die Mächtigen, mit uns zusammen, hast Du Erfolg. Das steht hinter dem Kompliment, das Nikodemus Jesus macht. Wir die Wissenden, die Mächtigen machen Dir dem Neuling ein Angebot. Es ist für Jesus eine Stunde der Versuchung, dieses Gespräch mit Nikodemus. Stellt er sich auf die Seite der Mächtigen? Oder geht er einsam den Weg, auf den er sich von Gott gerufen weiß?

Dabei ist in solchen Gesprächen nie klar: Meint der Mächtige es ernst? Interessiert er sich wirklich für den Neuling? Oder ist es ein Test, dass man dem Neuen nur mal auf den Zahn fühlen will? Bei solchen Gesprächen weiß man das nie. Das wissen wir auch bei Nikodemus nicht!

Wir wissen aber, wie Jesus reagiert hat: Barsch, hart, grundsätzlich. Denn normalerweise geht ein Gespräch nach dem Feststellen der gemeinsamen Basis etwa so weiter: Wenn Du aber zu uns, den Wissenden, den Mächtigen, den Einflussreichen gehören willst, dann haben wir auch Bedingungen. So beginnt die Kumpanei, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kirche. Mit solcher Art Hinterzimmergesprächen sichern sich die Mächtigen ihre Macht – bis heute.

Doch Jesus erkennt die Gefahr, Jesus erkennt die Versuchung, Jesus spürt das glatte Parkett, auf das Nikodemus ihn geführt hat.

Deshalb unterbricht er ihn barsch:  „Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Das sitzt. Das ist eine Klarstellung. Mit dieser feierlichen Feststellung ist erst einmal Distanz geschaffen. Nein, es geht nicht um das was Ihr Mächtigen wisst, es geht nicht um eine gemeinsame Basis für eine mögliche Zusammenarbeit, es geht nicht um meinen oder Euren Erfolg und wie man ihn organisieren kann. Dagegen geht es um das Reich Gottes, um das, was Gott tut, nämlich sein Reich schaffen. „Und willst Du dazu gehören, dann musst Du ein neuer Mensch werden. Dann musst Du  neu geboren werden.“

Von der Ebene des Wissens, der Macht des Einflusses bringt Jesus das Gespräch auf die existentielle Ebene, auf die Ebene des Lebens. Sehr bestimmt und entschieden weist Jesus das Angebot des Nikodemus zurück. Und stellt damit das ganze Unternehmen der frommen Mächtigen in Frage. Nicht auf Euer Wissen kommt es an, nicht auf Eure Macht, nicht auf eine mögliche Zusammenarbeit mit mir: Worauf es ankommt, das ist dass jeder und jede von Euch neu geboren wird, ein neuer Mensch wird.

Da schrickt Nikodemus zurück: Das ist nicht möglich! „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in den Leib seiner Mutter kommen, und geboren werden?“

Wir wissen nicht, ob Nikodemus wirklich so naiv war, dass er die Bildsprache von Jesus nicht verstanden hat. Oder macht er sich womöglich über Jesus lustig? Oder will er sagen: Niemand kann aus seiner Haut! Dass ein Mensch sich erneuert, dass jemand wirklich anders wird, das ist nicht möglich! Wir bleiben doch immer, die wir sind. Vielleicht können wir unser Verhalten mit viel Disziplin ein wenig ändern, im Grund bleiben wir doch dieselben, die wir immer waren. Wir wissen nicht, wie Nikodemus seinen Einwurf verstanden hat. Wir wissen aber sehr wohl, dass sein Einwurf gegen Jesus bis heute erhoben wird. Erneuerung des Menschen – das ist nicht möglich. Da sind unzählige gescheitert.

Jesus aber bleibt dabei. Noch einmal feierlich wiederholt und ergänzt er: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht durch Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Wasser und Geist – das stammt aus dem ersten Satz der Bibel, Wasser und Geist, das steht ganz am Anfang der Schöpfung, da lesen wir. „Der Geist Gottes schwebt über dem Wasser.“ Daraus schafft Gott die ganze Welt, den ganzen Kosmos. Jesus sagt also zu Nikodemus: Ein neuer Schöpfungsakt ist notwendig, damit das Reich Gottes kommt. Und wie die alte Schöpfung kann auch die neue Schöpfung nur von Gott, nur vom Schöpfer selbst kommen. Radikal wendet Jesus den Blick weg von den Menschen, weg von dem was wir können und schaffen, lenkt den Blick auf Gott. Von ihm selbst muss die Erneuerung kommen. Und damit bekommt auch das Bild von der neuen Geburt seinen Sinn: Niemand kann sich selbst gebären. Geburt – das ist das passivste Geschehen in unserem ganzen Leben. Wir können uns nicht selbst machen, wir können uns nicht selbst das Leben geben – Gott allein gibt das Leben. Und wie er das erste natürliche Leben gibt, so auch das neue Leben, das Leben des Reiches Gottes. Nikodemus ist verhaftet in das, was wir Menschen tun und können. Er rechnet allein mit menschlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Das nennt die Bibel, nach dem Fleisch leben. Das hat nichts damit zu tun, dass der Körper schlechter ist als der Geist, dass es womöglich bei Fleisch um Sex geht. Aus dem Fleisch leben, das heißt allein mit den gegebenen Umständen rechnen, allein nach dem üblichen Vorgehen handeln. Sein Wissen und seine Macht nutzen, nichts darüber hinaus erwarten, erhoffen, für möglich halten. Das ist die Einstellung, die Nikodemus zu diesem Hinterzimmergespräch geführt hat. Die Möglichkeiten von Wissen und Macht einsetzen, durch einen jungen Lehrer möglichst verbreitern, ganz auf menschliche Möglichkeiten setzen.

Jesus aber setzt auf Gott und Gottes Möglichkeiten. Jesus erwartet das Neue von Gott. Der ist unfassbar, wie der Wind. Der lässt sich nicht in ein religiöses System einsperren. Der lässt sich nicht befehlen, wie man den Wind nicht befehlen kann. Den kann man nur erwarten. Um den kann man nur bitten. Für den kann man nur bereit sein. Oder sich ihm verschließen, weil man völlig in sich selbst und seinem Wissen und Handeln gefangen ist.

Das Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus bricht kurz nach dieser Stelle ab. Er geht zurück in die Nacht, zurück zur obersten Religionsbehörde in Jerusalem. Nur indirekt erfahren wir, wie das Gespräch auf ihn gewirkt hat. Denn als später seine Behörde gegen Jesus vorgehen will, da erinnert er daran, dass man niemanden ohne ordentliches Verfahren verurteilen darf. Er macht sich damit selbst verdächtig (Joh. 7,50-52). Und noch später - nach dem Tod von Jesus spendet Nikodemus für dessen Bestattung eine große Menge wertvolles Öl (Joh 19,39). Wir dürfen also annehmen, dass das Gespräch mit Jesus bei ihm gewirkt, dass die Erneuerung bei ihm angefangen hat. Damit wird Nikodemus zum Vorbild für uns: Dass auch wir den Geist Gottes erwarten. Dass wir um ihn bitten. Dass wir offen sind für sein Kommen. Damit er uns erneuert für Gottes ewiges Reich.

Amen.

Lied: NL 105,1-3 Atme in uns Heiliger Geist

Fürbitten:

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm und erneuere uns: Wo wir uns festgefahren haben, mache uns frei; wo wir verzweifelt sind, wecke neue Hoffnung; wo wir müde sind, stärke uns. Wecke in uns den Glauben, der viel von dir erwartet.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm und erneuere deine Kirche, damit sie aus ihrer Schicksalsergebenheit herauskommt, Kleinmut und Enge überwindet, dass sie auf dein Kommen und deine Kraft vertraut.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm und erneuere das Zusammenleben der getrennten Kirchen, dass sie offen sind für dein Wirken und so zueinander finden.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm zu unseren  Brüdern und Schwestern, die in so vielen Ländern bedrückt, zurückgesetzt, verfolgt werden. Dass sie nicht verzweifeln, dass der Feindschaft ihrer Gegner gewehrt wird.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm in die Zerstrittenheit der Völker und Staaten. Wir denken besonders an den Hass und die Gewalttaten zwischen Israelis und Palästinensern. Wir denken an die wachsenden Spannungen zwischen Ost und West. Dein Geist, der ein Geist des Verstehens und der Versöhnung ist, führe zusammen, was sich hasst und bekämpft.

Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist, komm zu den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft,  Wissenschaft und Medien. Du bist ein Geist der Einsicht schenkt und Verantwortung stärkt. Wirke in allen, denen Macht anvertraut ist.

In der Stille beten wir weiter und bitten um das Kommen des Geistes zu allen Dingen, die uns beschäftigen.

Vater unser

Vater unser im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Lied EG 140,2-4 (Brunn alles Heils)

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
So segne dich der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

(Pfarrer Bender)

 

Predigt zum Gottesdienst am 30.05.2021 (Kapelle zum Guten Hirten, Sand)

Liebe Gemeinde,

mit dem Ursprung von Pfingsten, das als Fest im Frühling gilt, können die meisten Menschen nichts anfangen. Ausgießung des Heiligen Geistes? Was ist das? Das gilt auch für den Dreieinigkeitssonntag, Trinitatis. Was soll das wieder? Nun, die die Dreieinigkeit Gottes ist eine gedankliche Konstruktion – sie kommt am Anfang eines jeden Gottesdienstes vor. Sie soll drei Wirkungsweisen erklären: Gott als der , der alles in Leben rief, Gott geht im Menschen Jesus auf uns Menschen zu, er wirkt in uns Menschen durch seine Kraft, durch seinen Geist. Um diese Kraft Gottes, die in uns Gutes bewirken will, geht es; um den guten Geist Gottes.

Wir hören jetzt ein Stück aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther, Kapitel 12, 4-12 (Basis Bibel):

„Es gibt zwar verschiedene Gaben, aber es ist immer derselbe Geist. Es gibt verschiedene Aufgaben, aber es ist immer derselbe Herr. Es gibt verschiedene Kräfte, aber es immer derselbe Gott. Er bewirkt alles in allen Menschen. Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle.

Der eine ist durch den Geist in der Lage, mit Weisheit zu reden. Ein anderer kann Einsicht vermitteln – durch denselben Geist! Einem Dritten wird durch denselben Geist ein besonders starker Glauben gegeben. Wieder ein anderer hat durch den Geist die Gabe zu heilen. Ein anderer hat die Fähigkeit, Wunder zu tun. Ein anderer kann als Prophet reden. Und wieder ein anderer kann die Geister unterscheiden. Der Nächste redet in verschiedenen unbekannten Sprachen, ein weiterer kann diese Sprachen deuten. Aber das alles bewirkt ein und derselbe Geist. Er teilt jedem eine Fähigkeit zu, ganz so wie er es will.“

Der Abstand zwischen den Worten des Paulus und uns ist erheblich. Er richtet sie an eine bunte Gemeinde. Sie ist von ihm einige Jahre zuvor in der Hafenstadt Korinth gegründet worden. Sagen uns diese Worte des Paulus etwas? Wir werden es hören.

Der Christenglaube war für die Menschen etwas Neues. Es gab in der Gemeinde Dinge, die wir heute sehr skeptisch ansehen. Da konnte jemand Wunder tun. Andere redeten begeistert in unverständlicher Sprache, wie es das heute noch in den sogenannten Pfingstgemeinden gibt. Wieder andere hatten den Durchblick durch die Vielfalt in der Gemeinde und im Leben. Natürlich gab es auch Streit um die Rangfolge der Begabungen. Deswegen der Brief.

Und wir in unseren Gemeinden? Wir sind oft ärmer an Gaben und Begabungen und freuen uns, wenn sich überhaupt etwas im Namen Gottes zeigt und tut – für die Gemeinde und für andere.

Wir haben uns gefreut dieses Jahr an Ostern, dass unser Altarraum in Gaggenau so festlich geschmückt war. Das war ein Trost für unsere Augen und für unser Gemüt in diesen schwierigen Zeiten. Die Frau, die diesen Schmuck bereitet hat, hat diese Gabe, diese Begabung. Um Begabung durch Gott geht es hier.

Da ist ein Mann, der hat die Gabe, unseren Gemeindebrief so schön und ansprechend zu gestalten, dass hoffentlich nur wenige ihn gleich in den Papierkorb werfen.

Da gibt es eine Frau, die ab und zu anruft und nach uns fragt. Sie ruft auch an, wenn wir niedergeschlagen sind. Sie möchte trösten und aufrichten. Sie hat diese Gabe.

Einem Mann liegt der Kindergottesdienst besonders am Herzen. Weitere Gaben könnte ich nennen, z.B. die Gabe der Musik und des Singens, was in unserer Evang. Kirche so wichtig ist, und in diesen Zeiten nur eingeschränkt möglich ist.

Bei all diesen Gaben aus der Kraft Gottes ist damals wie heute wichtig, dass sie die Gemeinde zusammenführen, also zum Nutzen anderer dienen sollen. Wenn ich mich bei Computerspielen auskenne, so hilft das in der Regel niemandem anders. Meist sitze ich allein vor dem Apparat. Es hilft in der Regel keiner Gemeinde oder an einer anderen Gruppe.

Wichtig ist auch der Satz: Gott ist es, der diese Gaben in uns Menschen weckt, in allen Menschen. Sicher kann ich an meinen und mit meinen Begabungen weiterarbeiten. Aber es ist nicht mein Verdienst, wenn ich eine gewisse Fähigkeit habe, ein Können, das für andere Menschen nützlich machen kann. Ich denke z.B. an die Fähigkeit und Gabe, einen Blumenschmuck zu gestalten.

Es gibt auch keine Rangfolge der Begabungen in der Gemeinde. Das betrifft auch Priester oder Pfarrer, die es damals noch nicht gab. Schriftworte des Alten Testaments wurden allerdings ausgelegt.

Ich fasse zusammen: Gott, durch seinen Heiligen Geist schenkt uns Menschen Gaben, Begabungen. Wir dürfen mit ihnen und an ihnen arbeiten. Wir dürfen sie zum Nutzen anderer in oder außerhalb der Gemeinde einsetzen. Eine Rangfolge der Gaben Gottes gibt es nicht, keine ist höher als die andere.

Amen.

(Pfarrer Badelt)

 

Gottesdienst am 24. Mai 2021 - Pfingstmontag

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Herr sei mit Euch.
Amen.

Lied: Nun jauchzt den Herren alle Welt (EG 288, 1+2)

Barmherziger Gott und Vater,
du schenkst uns deinen Geist,
dass wir dein Wort verstehen
und dich immer mehr erkennen können,
dass wir dich loben und preisen
und dir immer mehr dienen können,
dass wir Mut empfangen
und dein Evangelium immer besser weitergeben können, dass wir zur Freude geführt werden
und diese Freude immer mehr ausstrahlen,
dass wir uns für die Gemeinschaft der Heiligen
begeistern und uns immer mehr in sie einbringen.
Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt
und wirkt in Ewigkeit.
Amen.                                                            

Schriftlesung: Johannes 20, 19–23

Lied: O komm Du Geist der Wahrheit (EG 136, 1, 4 und 7)

Predigt:

Der Predigttext steht im 1. Korintherbrief 12, 4-11

Liebe Gemeinde,
mit dem Pfingstfest tun sich viele Christen schwer. Mit dem Heiligen Geist erst recht. Man sieht es auch: Die Pfingstgottesdienste sind bis auf wenige Ausnahmen eher mager besucht. Viele nehmen in dieser Zeit Urlaub, gehen auf Reisen. Pfingsten ist heute unbedeutend.

Ganz anders in der Bibel. Die Heilige Schrift berichtet von Pfingsten als dem Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist die unsichtbare Kraft Gottes, die nur an ihrem Wirken erkannt werden kann. So stattet der Heilige Geist die Gläubigen mit Gaben aus, damit die Kirche Jesu Christi gebaut werden kann.

Der Heilige Geist bringt Bewegung und Leben: Die Apostel versammelten sich im Abendmahlssaal in Jerusalem. Doch dieser Ort blieb nur der Ausgangspunkt für ihr Wirken. Ihr Ziel war ein anderes, nämlich die Grenzen der Erde. Bis dorthin sollen sie das Evangelium des gekreuzigten, auferstandenen und in den Himmel aufgefahrenen Herrn verkünden. Der Heilige Geist befähigt dazu.

Die frohe Botschaft muss unter die Leute. Sie predigten das Evangelium, sie tauften die Menschen, sie gründeten christliche Gemeinden. Deshalb bezeichnet man Pfingsten auch landläufig als das »Geburtsfest der Kirche«: Vom Heiligen Geist angetrieben, gingen die Apostel in die Welt hinaus, um dort Zeugnis abzulegen von Jesus Christus, dem Heiland und Retter der Welt. Nicht mehr zaghaft und ängstlich, wie vor Kreuz und Auferstehung, sondern freimütig mit Hingabe. Eben ausgestattet mit den Gaben des Heiligen Geistes.

Der Apostel Paulus redet in diesem Bibelwort von den Gaben des Heiligen Geistes. Er hatte Anlass dazu. In der korinthischen Gemeinde kam es zu allerhand geistlichen und theologischen Entgleisungen. Er wurde als Gründervater um Rat gefragt. Wie verhält es sich nun mit den Gaben des Heiligen Geistes in der christlichen Gemeinde oder Kirche? So spricht Paulus:

1. Über die Vielfalt der Gaben
2. Über den Zweck der Gaben
3. Über den Ursprung der Gaben

1. Von der Vielfalt der Gaben

Ich möchte mit einem Beispiel einsteigen: Da baut jemand ein Haus. Viele Handwerker werden gebraucht: Maurer, Zimmerleute, Installateure, Elektriker, Maler, Fliesenleger, Gipser, Schreiner und noch viele, viele mehr. Jeder Handwerker hat eine ganz bestimmte Arbeit zu verrichten, ob als Meister, Geselle oder Lehrling. Alle arbeiten sie am gleichen Bau. Alle werden sie gebraucht, so unterschiedlich sie sind. Alle sind sie gleich wichtig.

So ist das auch in der christlichen Gemeinde. Sie ist einem Bauwerk zu vergleichen. Die Gläubigen bauen alle mit, denn sie haben dazu die Gaben des Heiligen Geistes bekommen. Wer Jesus Christus nachfolgt, ist ein Beschenkter. Beschenkt mit Gottes Heiligem Geist und seinen Gaben. Es gibt keine unbegabten Jesus-Nachfolger. Damals nicht und heute nicht.

»Es sind verschiedene Gaben… verschiedene Ämter … verschiedene Kräfte …«: Die Vielfalt der Gaben. In der Kirche Christi gilt nicht die Gleichheit, sondern die Vielfalt. »Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben, dem andern ein Wort der Erkenntnis … einem andern die Gabe, gesund zu machen … die Kraft, Wunder zu tun, einem andern prophetische Rede, einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen.«

Gott teilt seine Gaben unterschiedlich aus. Sicher sind in diesem Gabenkatalog des heutigen Predigttextes längst nicht alle Gaben aufgezählt. Es gibt Christenmenschen, die beispielsweise aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr aus dem Haus können, aber sie haben die Gabe der Zeit. Zeit kann man nützen. Zum Beispiel zum Gebet. Beten für die Gemeinde, beten für die Außenstehenden, für die Alleine gelassenen, beten für unsere Kirche, beten für die Nachbarn, die Kirchengemeinderäte, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Beten für die Kranken, für die Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger und … und … und. Zeit haben ist ein großes Geschenk. Jeder und jede hat Gaben empfangen. Es sind ganz unterschiedliche Gaben, vielfältige Gaben.

2. Vom Zweck der Gaben

Wenn beim Hausbau verschiedene Handwerker arbeiten, dann ist es klar, dass sie in ihrer Verschiedenheit alle einem Zweck dienen, nämlich dem Bau dieses Hauses. Entscheidend für den Bauherrn ist nachher nicht mehr, wer an diesem Bau gearbeitet hat, sondern wie gearbeitet wurde und dass dieses Haus nun steht und seinen Zweck erfüllt, hoffentlich auch Freude aufkommt und die Handwerker gelobt werden.

Auch in der christlichen Gemeinde ist das so. Bei aller Vielfalt der Gaben, sie dienen nur einem Zweck: Dem Aufbau der Kirche bzw. Gemeinde. Der Apostel schreibt: »Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller«.

Jesus Christus will durch uns Gläubige sein Reich bauen. Dazu gibt Gott den Heiligen Geist und die entsprechenden Gaben, die jeweils dazu nötig sind. Wir sollen sie für das Ganze der Gemeinde einbringen.

Nun gibt es auch Christen, die Gaben haben, sie aber nicht zum Tragen bringen, sie brach liegen lassen. Dafür mag es manche Gründe geben.
Sie sind von ihrer Kirche enttäuscht.
Sie lassen sich lieber bedienen. Von anderen in der Gemeinde.
Sie haben zu viele Programme nebenbei.
Hier ist der Zweck verfehlt, die Gaben »entzweckt«. Das Ziel nicht erreicht. Das ist wie Dienstverweigerung.

Nein, die Gaben des Geistes werden im Reich Gottes zu Aufgaben. Dabei wird niemand überfordert. Gott selbst sorgt dafür. Paulus schreibt ausdrücklich: »Dem einen wird durch den Geist gegeben…« zum Beispiel, dem Nächsten ein tröstendes Wort zu sagen, oder einfach dem andern zuzuhören, damit er seiner Seele freien Lauf lassen kann. Der eine hat die Gabe, die Kirche zu schmücken, der andere eine Gruppe zu leiten. Die jungen Leute bringen ihre technischen und kreativen Begabungen ein. Gottes Phantasie ist grenzenlos, wenn es um diesen einen Zweck geht: seine Gemeinde geistlich aufzubauen.

Bitten wir doch den Herrn, dass er uns die Augen öffnet für unsere Gaben und für die Gaben der anderen. Er lädt alle ein, mitzubauen.

3. Vom Ursprung der Gaben

Verschiedene Gaben, verschiedene Ämter, verschiedene Kräfte; »aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen«. Alle Gaben, Ämter, Kräfte haben einen Ursprung. Es sind Geschenke des dreieinigen Gottes. Wir Gläubigen sind und bleiben die Empfangenden. Was wir haben, haben wir von ihm. Es geht um ihn, nicht um uns. Es geht um Gottes Reich, nicht um unser Ansehen. Manche Gaben sind stärker, übernatürliche Begabungen, andere sind eher natürliche Begabungen. Aber alle Gaben kommen von Gott. Jede kleine Gabe ist gleich wichtig.

Auf eine Gefahr muss noch hingewiesen werden beim Bau des Reiches Gottes: Wir alle sind gefährdet, die Gaben auf unser Konto zu buchen. Einen Personenkult zu pflegen, wie das wohl auch in der korinthischen Gemeinde der Fall war. Aber es geht bei allem, was wir tun und was uns gelingt, nicht um uns, es geht um Gott und Jesus, um Gottes Ehre. Es geht darum, dass Menschen für den Glauben an Jesus Christus und sein Reich gewonnen werden.

Johann Sebastian Bach wusste offensichtlich davon, wenn er entweder an den Anfang oder an das Ende seiner Werke schrieb:  s.d.g. – »Soli deo gloria«, zu Deutsch: »Gott allein die Ehre«. Am historischen Kanzelkorb der Bachkirche in Arnstadt ist das Kürzel noch heute in kunstvoller Ausgestaltung zu sehen.

Wenn wir so die Gaben des Heiligen Geistes einsetzen, zur Ehre unseres Herrn und zum Aufbau der Gemeinde, immer auf den Herrn unseres Glaubens hinweisend, werbend, dann sind wir in der Spur Gottes. Zu seinen Jüngern hat Jesus gesagt: »Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein.«

So gewinnt Pfingsten eine neue Bedeutung.
Amen.

Lied: Sonne der Gerechtigkeit (EG 262, 1–3.6–7)

Fürbitten:

Herr, für deinen Leben schaffenden Heiligen Geist danken wir.
Lass ihn wirksam werden in unserem Miteinander
in der Gemeinde, in den Ehen und Familien,
im Verhältnis der Generationen,
in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz.

Lass ihn wirksam werden,
dass wir verständnisvoller miteinander umgehen
und uns einander so annehmen,
wie du uns angenommen hast.

Lass deinen Geist vor allem da wirken,
wo wir Menschen geneigt sind,
uns auf unseren eigenen Geist zu verlassen:
in der Politik und Wirtschaft, in der Forschung,
Erziehung und im Gesundheitswesen,
in den Schulen und Universitäten.

Wir erbitten deinen Geist für alle Christen
in allen Kirchen und Konfessionen.
Schenke Bereitschaft zum gemeinsamen Gespräch
und Mut zum gemeinsamen Handeln.
Hilf uns, dass wir einander dienen,
ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.

Wir bitten dich für alle,
deren Leid und Elend uns Zeitungen und Fernsehen
Tag für Tag vor Augen führen.

Für alle, die von Krankheit gezeichnet sind,
für die alten Menschen,
die oft nicht mehr geachtet werden,
für die Leidtragenden, die schwer tragen,
für die Fremden unter uns, die wenig Anschluss haben und meist auf sich gestellt sind.

Wir bitten für alle, die um deines Namens willen verfolgt, geächtet oder benachteiligt sind.
Hilf ihnen und stärke sie in ihrem Glauben.
Baue dein Reich mitten in unserer Zeit, in unserer Welt, dass noch viele Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit und damit zum ewigen Heil kommen.

Dir, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
sei Lob und Preis und Anbetung jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Lied: Wach auf, wach auf (EG 241, 1+2)

Empfangt den Segen des Herrn:
Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch Frieden.
Amen.

(von Prädikant Reininger)

 

Gottesdienst am 16. Mai 2021 - Exaudi

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den Sonntag Exaudi, den 6. Sonntag nach Ostern.
Exaudi bedeutet „Höre“ und bezieht sich auf den Psalm 27, wo es heißt: “Herr, höre meine Stimme“. Darauf vertrauen, dass Gott uns hört, wenn wir mit ihm sprechen.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Wir beginnen mit dem Lied EG 136, 1-3 „O komm, du Geist der Wahrheit“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet zu Beginn:
Komm zu uns, Gott, damit wir deine Kraft spüren, deinen Trost, deine Freude, deine Leichtigkeit.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, Grund unserer Hoffnung von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Als Lesungs- und zugleich Predigttext haben wir einen Abschnitt
aus dem Epheserbrief, Kapitel 3, Verse 14- 21:
„Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“
Amen.

Wir loben Gott, indem wir unseren christlichen Glauben bekennen:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied NL 116, 1-4: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“

Predigt:
Gnade sie mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Geschwister,
wenn wir große Sorgen haben, dann helfen ein Blickwechsel und eine Unterbrechung. Ein Gebet z.B. unterbricht das Kreisen um die eigenen Gedanken und ermöglicht uns, alles einmal von einer anderen Seite her zu betrachten. Das weiß der Briefschreiber, vermutlich ein Schüler des Apostels Paulus, der an die große christliche Gemeinde in Ephesus schreibt, in der heutigen Türkei, und er betet. In der Mitte des Briefes, im 3. Von 6 Kapiteln, von der ersten bis zur letzten Zeile. Von den Knien bis zum jubelnden Mund, von Kopf bis Fuß, mit Leib und Seele. Er findet große Worte, die seine Leserinnen und Leser zum Mitsprechen einladen, vor allem am Ende: „Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Schon fast im Reflex, automatisch, sprechen wir mit: „Amen.“ Und mit dem gemeinsamen Amen sind wir mittendrin im Beten; wir haben uns unterbrechen lassen, lassen unseren Blick zum Himmel gehen, zu Gott.

Wir hören überschwängliche Worte zum überschwänglichen Wirken Gottes. Sag Gott nicht, dass du große Sorgen hast- sag deinen Sorgen, dass du einen großen Gott hast! Dem großen Gott, der mehr wirkt, als wir verstehen oder sogar erbitten können, diesem Gott wird die Gemeinde anvertraut; vertraut doch darauf: Gott will und wird in euch wirken! Das ist Hoffnung gegen die Ängstlichkeit. Es ist ein Gebet, das Menschen stärkt und ihnen Kraft und Zuversicht gibt, indem es sie von neuem zu Gott führt. Der Briefschreiber baut betend die Menschen auf, indem er ihnen die Größe Gottes vor Augen führt.

Liebe Geschwister! Manchmal brauchen wir das dringend. Das Gebet für die Gemeinde in Ephesus ist so wichtig, dass es den Beter nicht auf den Füßen hält. Er kniet nieder. Wer kniet, macht sich klein.
Es ist ein Zeichen der Achtung des Respektes, manchmal auch ein Schuldeingeständnis. Unvergessen ist das Bild vom Kniefall des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt am Mahnmal für die Opfer beim Aufstand des Warschauer Ghettos. Wer kniet, sammelt sich, liefert sich aus. Ein Mensch, der kniet, hält inne, konzentriert sich, richtet die ganze Aufmerksamkeit auf diesen einen Moment. Es ist eine starke Geste, die man nicht groß erklären muss. In diese starke Geste nimmt das Gebet uns hinein. Mit seinem ganzen Sein und Handeln, mit ganzem Körpereinsatz bittet der Beter für die Gemein- de in Ephesus, deren Menschen unsicher und mutlos in ihrem Glauben geworden sind. Und er schließt auch alle die ein, die in ihrem Glauben gefestigt sind. Mit seiner großen Geste stellt er ihnen Gottes große Liebe vor Augen. Ein Gebet verändert. „Beten Sie für mich“, bitten mich manchmal Gemeindemitglieder, die in einer schwierigen Situation sind. Menschen, die wissen, dass andere für sie beten, berichten, dass allein das Wissen um das Gebet ihnen hilft. Vielleicht haben Sie das auch schon selbst erfahren. Ich fühle mich getragen durch die Fürbitte anderer Menschen. Andere sprechen meinen Namen vor Gott aus, tragen meine Geschichte, meine Sorgen vor Gott. Schon dieses Wissen macht Mut. Das, was mich beschäftigt und bewegt, so groß es mir erscheint- Gott ist größer. Gott ist so groß, dass wir vor ihm auf die Knie fallen, uns ihm ausliefern und ihm anvertrauen. Und er ist größer als alles, was mir auf den Schultern lastet. Was soll Gott für uns tun? Er soll Kraft geben nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, damit wir stark werden am inneren Menschen. Vielleicht ändert sich nach außen gar nichts. Vielleicht bleibt bestehen, was mir Sorgen macht. Aber mein innerer Mensch kann eine andere Haltung dazu gewinnen. Der innere Mensch, der Personenkern, der mich ausmacht. Hier sitzt meine Stärke, hier schlägt mein Herz. Die Kraft des inneren Menschen hält mich in der Spur, lässt mich meine Zuversicht bewahren und darauf vertrauen: Gott gibt mir für alles, was mir begegnet, genug Kraft. Er räumt mir nicht alles aus dem Weg. Aber er hilft mir, damit umzugehen. Es zu ertragen oder Widerstand zu leisten, nach Lösungen zu suchen. Und ich spüre: Es hängt nicht von mir ab, ob mein Leben gelingt.

Ihr Lieben, wer sich auf die Knie begibt, macht sich klein.
Im Gebet erwarten wir Großes von Gott, für uns selbst und für andere Menschen. Was bedeutet es für meinen Nachbarn, wenn ich für ihn bete, dass er wieder eine Beziehung zu Gott aufbauen kann? Was bedeutet es für unsere christliche Kirche, wenn wir Großes für sie erwarten- nicht, weil wir so gute Ideen und Konzepte für sie haben, sogar jetzt unter den besonderen Corona-Bedingungen- sondern weil wir sie dem großen Wirken Gottes anvertrauen? Was bedeutet es für andere, wenn ich ihre Sorgen vor Gott trage und ihnen davon erzähle? Wir stehen mit dem Sonntag Exaudi zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus ist nicht mehr leiblich unter uns, aber er begleitet uns weiter durch seinen guten Geist. Das entlastet uns. Wir sind nicht verantwortlich dafür, dass Menschen zum Glauben finden oder dass die christliche Kirche immer weiter wächst. Wir können der Kraft Gottes vielleicht manchmal im Weg stehen, und sie behindern, das kommt vor. Aber wir können diese Kraft nicht selbst machen. Sich miteinander und füreinander vor Gott versammeln, das ist unsere Sache. Darin liegen ungeahnte Kräfte - für uns, für die christliche Gemeinschaft- sogar für die Gesellschaft. Sag Gott nicht, wie groß deine Sorgen sind, sondern sag deinen Sorgen, wie groß Gott ist.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 501,1-3 „Wie lieblich ist der Maien“

Fürbitten:
Du Geist aus Gott,
hilf uns, dass wir glauben können,
mach uns stark, dass wir das Richtige tun können,
öffne unseren Mund, dass wir den Menschen von dir erzählen,
heile unsere Wunden,
versöhne uns mit den Wegen unseres Lebens.
Führe uns den Weg, der aus Gott kommt und zu Gott geht.
Amen.

Alles, worum wir Gott sonst noch bitten möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel…

Lied NL 189, 1-3: „Sei behütet auf deinen Wegen“

Segen:
Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht.
Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

So segne dich Gott, der Vater, der Sohne und der Heilige Geist.
Amen.

Gottesdienst am 13. Mai 2021 - Christi Himmelfahrt

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Den heutigen Gottesdienst zum Fest Christi Himmelfahrt feiern wir als Open-Air-Gottesdienst zusammen mit der Evangelischen Kirchengemeinde Bühl und ihrem Pfarrer Dr. Götz Häuser vor der Kapelle zum Guten Hirten auf dem Sand. Für die musikalische Begleitung sorgt der Bühler Posaunenchor.
Es grüßt Sie und euch herzlich Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 501, 1-3: „Wie lieblich ist der Maien“

Begrüßung:
Liebe Menschen aus den Kirchengemeinden Bühl und Bühlertal, liebe Gäste hier auf dem Sand! Ein herzliches Willkommen zum Fest Christi Himmelfahrt! Die Glocke der Kapelle zum Guten Hirten hat uns zum Gottesdienst eingeladen. Wir haben gemerkt, sie ist ganz schön laut, lauter als die Motorräder, PKWs, Laster und Busse, die die Schwarzwaldhochstraße rauf- und runterfahren. Und das ist gut so. Mit ihrem Ton „a“, auf den sie gestimmt ist, kann man sie weithin über die Schwarzwaldberge hinweg bis nach Herrenwies hören.
In diesem Jahr feiert sie ihr hundertjähriges Jubiläum. Sie ist ein Geschenk der Gemeinde Dallau bei Mosbach. „Ein feste Burg ist unser Gott“ trägt die Glocke als Inschrift. Beim Vaterunsergebet werden wir sie nochmal hören. Wenn wir noch länger da sind, um 12 Uhr mittags und um 18 Uhr, auch noch einmal. Sie schlägt an einem Ort, an dem die Menschen sich dem Himmel ein ganzes Stück näher fühlen, hier oben auf dem Berg. Ein passender Ort zu Christi Himmelfahrt. Uns allen einen gesegneten Gottesdienst.

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Herr Jesus Christus, die Bibel erzählt uns heute von deiner Himmelfahrt. Hilf uns verstehen, dass du uns damit nicht ferngerückt bist. Du bist mitten unter uns. Auch jetzt, wenn wir Gottesdienst feiern. Dafür danken wir dir.
Amen.

Lesung aus Apostelgeschichte 1,6-14, zugleich Predigttext:
Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen:
Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er aber sprach zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis ans Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
Amen.

Predigt:

Gnade sei mit euch u. Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Geschwister, was bedeutet das heutige Fest Christi Himmelfahrt?
Himmelfahrt bedeutet Abschied. Jesus hat kurze Zeit mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gelebt, ein, zwei oder drei Jahre lang. Er ist mit ihnen durch das Land gezogen, hat ihnen vieles gezeigt und erklärt. Er ist immer für sie dagewesen, hat ihnen die Familie ersetzt, die sie seinetwegen verlassen haben. Jesus hat ihnen Mut gemacht in Situationen, die uns auch heute Angst machen: schwere Erkrankungen, Tod, Verzweiflung, Mutlosigkeit, Perspektiv -losigkeit, verachtet sein, Fremdsein. Ja, wir könnten in diesen Corona-Zeiten auch gut so einen lebendigen Jesus brauchen, der uns zum Leben und zum Glauben ermutigt.

Aber nach seiner Kreuzigung und Auferstehung ist Jesus auf einmal weg! Seine engsten Vertrauten haben keine Gelegenheit mehr, sich von ihm zu verabschieden. Hat er sie einfach sitzenlassen?
Der Verfasser der Apostelgeschichte, der sich Lukas nennt, hat das so empfunden, dass die Zeit des Zusammenseins Jesu mit seinen Jüngern zu kurz war. Und sein plötzlicher Abschied zu schmerzhaft und missverständlich. Deshalb lässt er ihn in seinem Bericht noch 40 Tage lang nach seiner Auferstehung von den Toten unter den Menschen auf der Erde sein. Jesus zeigt sich, tut Zeichen und Wunder, um ihren Glauben zu wecken.

Doch irgendwann ist auch diese Zeit vorbei. Mit dem Ereignis der Himmelfahrt verabschiedet sich der irdische Jesus endgültig von den Menschen. Sie müssen von da an auf seine direkte Anwesenheit verzichten. Die Hoffnungen, die sie in ihn gesetzt hatten, erfüllen sich nicht. Er richtet eben nicht noch für alle sichtbar die Gottesherrschaft auf, in Israel, in der ganzen Welt, von der er doch immer gepredigt hatte.

Liebe Gemeinde,
hier oben auf dem Berg, die Vorstellung von der Himmelfahrt Christi hat den Menschen der ersten christlichen Gemeinden dabei geholfen, mit der Situation dieses endgültigen Abschieds innerlich fertig zu werden. Der Himmel, das ist der Ort, der Bereich, der Gott gehört. Wenn die Apostelgeschichte berichtet, dass Jesus in den Himmel auffährt, dann heißt das: er ist jetzt bei Gott, im Schutzbereich Gottes. Wo Gott ist, da ist der Himmel. Nun ist die Vorstellung von der Himmelfahrt aber nicht als Trostpflästerchen gedacht.

Der Verfasser der Apostelgeschichte und die Menschen, die dieses Bild schon vor ihm gebrauchten, die wollten damit über Jesus Christus ein Bekenntnis ablegen. Sie wollten anderen damit sagen: Jesus von Nazareth ist nicht nur ein gewöhnlicher Mensch wie du und ich. Er steht Gott so nahe, da passt kein Blatt Papier dazwischen. Auf ihn vertrauen wir, nach ihm wollen wir unser ganzes Leben ausrichten. Er ist die oberste Instanz, über ihm kommt nichts mehr.

Sehnsüchtig schauen die Jesu Jünger in unserem Predigttext nach oben, in den Himmel; vielleicht wären sie gerne mit ihrem Meister entschwebt. Wie gut, dass es hier noch die Männer in weißen Kleidern gibt, die Engel, die ihren Blick in eine andere Richtung lenken. Sie fragen: „Was starrt ihr da so in den Himmel?“ Die Jünger werden von ihnen gewissermaßen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sie machen ihnen klar, dass sie ab jetzt ohne die Gegenwart Jesu auskommen müssen und auf eigenen Füßen stehen. Und sie haben einen Auftrag: was Jesus bisher sagte und tat, das sollen sie jetzt weiterführen. Jesus vertraut auf den guten Geist Gottes, dass er die Jünger weiterleiten wird. Sie sollen erwachsen werden im Glauben, sich darin weiterentwickeln, sogar anderen diesen Glauben weitergeben und sie zu einem Leben im Sinn Jesu ermutigen. Und das gelingt ihnen auch; davon legt die Apostelgeschichte Zeugnis ab. Sonst wären wir-vermutlich- heute Morgen gar nicht hier. Und auch die hundertjährige Glocke gäbe es nicht, nicht die Kapelle, nicht die evangelischen Gemeinden in Bühl und Bühlertal und anderswo.

Als Christinnen und Christen erwachsen werden im Glauben und andere Menschen dabei begleiten, das ist der Auftrag Jesu auch an uns heute. Mündige Christen übernehmen nicht einfach das, was andere, was Leitungsgremien der Kirche und der Gemeinden, Pfarrer -Innen einmal festgelegt haben. Sie denken selbst nach, entscheiden, mischen sich ein. Wollen wissen, wofür steht die evangelische Gemeinde, zu der ich gehöre? Wie kommen wir selbst und andere in der Gemeindearbeit, in den Gottesdiensten vor? Was hat das mit uns und unserem Alltag zu tun? Sie stellen Fragen, kritische Fragen, in der eigenen Sprache, auf dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen. Sie engagieren sich und bringen ein, was ihnen wichtig ist. Wenn ich mich hier so umsehe, dann entdecke ich ganz viele solcher mündigen Christinnen und Christen. Erwachsenwerden im Glauben heißt aber auch: Antworten aushalten, die das bisherige Denken und Meinen über den Haufen werfen, die einen neu beginnen lassen. Das kann manchmal ganz schön schwierig sein. Aber es kann gelingen, auch bei uns. Der irdische Jesus hat sich zwar verabschiedet, aber er bleibt ja auf andere Weise. Ein Text aus unserer Zeit fasst das so zusammen: „Es bleibt uns sein Wort, das uns Kräfte verheißt. Wir leben von ihm, von Gottes Geist. Es bleibt uns der Glaube ans Licht der Nacht, ans Kreuz, die verborgene Ostermacht. Es bleibt uns der Auftrag, Gemeinde zu sein, für Frieden zu sorgen und zu schreien.

Es bleibt die Verheißung, dass Gott bei uns bleibt und uns in das Buch des Lebens schreibt. Wir wissen um Jesus Himmelfahrt und rechnen mit seiner Gegenwart.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied: Der Himmel geht über allen auf

Fürbitte:
Herr, wir bitten dich: lass deinen Himmel über uns und unseren Gemeinden aufgehen, leite uns durch deinen Geist und mach uns im Glauben stark.

Wir sprechen das Vaterunsergebet: Vater Unser im Himmel, …

Lied EG 123, 1-3: Jesus Christus herrscht als König

Segen:
Gott segne uns und behüte uns, sende deinen Geist und sei uns gnädig.
So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Gottesdienst am 09.05.2021 - Rogate

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den kommenden Sonntag Rogate, es ist der 5. Sonntag nach Ostern.
„Rogate!“, das heißt übersetzt „Betet!“
So denken wir an diesem Sonntag darüber nach, wie gut es uns tut, wenn wir uns mit allem, was uns bewegt, Gott anvertrauen können.
Es grüßt Sie und euch herzlich Ihre Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel und wünscht einen gesegneten Sonntag.

Am Anfang steht das Lied EG 617, 1-3: „Kommt herbei, singt dem Herrn“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gebet zum Beginn:
Herr, unser Gott.
Du kennst jeden und jede von uns.
Du weißt, was uns freut und was uns Angst macht.
Du kennst unsere Wünsche und Hoffnungen und unsere tiefste Sehnsucht.
Du liebst uns so, wie wir sind.
Wir bitten dich: lass uns spüren, dass du jetzt ganz nah bei uns bist
und schenke uns eine gute Gemeinschaft.
Amen.

Wir hören als Lesung und zugleich als Predigttext
einen Abschnitt aus dem Lukasevangelium, Kapitel 11, Verse 9-13:
„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn bittet, eine Schlange für den Fisch biete? Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten?“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 369, 1.3.7: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“

Predigt:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
wenn Sie zu den Seniorinnen und Senioren unserer Gemeinde gehören, dann haben Sie in Ihrem Leben sicher schon ganz viel gearbeitet: im Garten, in der eigenen Landwirtschaft, im Betrieb, und dann auch noch im eigenen Haushalt. Gerade für Ihre Generation gilt der Satz: „Arbeit war Ihr Leben.“ Und als Sie älter geworden sind und Ihre Kräfte nachließen, da war es für Sie nicht so leicht zu akzeptieren, dass Sie auf einmal gar nicht mehr viel selbst tun konnten.

Sie haben sicher auch schon früh von Ihren Eltern gelernt, dass man es nur zu etwas bringt, wenn man fleißig ist. Aber auch die jüngeren und jungen Menschen unter uns sind in einer Leistungsgesellschaft aufgewachsen. Spätestens, sobald man als Kind eingeschult wird, wird einem schnell klar: es geht um Leistung. Gute Noten werden erwartet, ein möglichst hoher Bildungsabschluss, eine erfolgreiche Lehre oder Studium. Voller Einsatz am Arbeitsplatz. Und dafür muss man etwas tun, sich ordentlich anstrengen. Es wird einem nichts geschenkt!
Der heutige Predigttext aus dem Lukas-Evangelium steht zu diesen Tatsachen scheinbar im Widerspruch, denn von Fleiß, Leistung, Lohn ist nicht die Rede. Im Gegenteil; er meint: Wir empfangen das, was wir zum Leben brauchen, nur aufgrund unserer Bitte.

Wir bekommen, was wir zum Leben brauchen, wenn wir darum bitten. So sagt Jesus. Und er erklärt das mit einem einfachen Beispiel: Stellt euch vor, euer Kind bittet euch um das, was es zum Leben braucht, nämlich Nahrung. Ihr würdet ihm niemals etwas geben, was sein Leben zerstört, etwa eine Schlange anstatt eines Fisches. So gemein wäre doch kein Mensch! Und wenn schon wir Menschen diese wesentlichen Bitten erfüllen, dann wird erst recht Gott keine Bitte, kein Suchen und kein Anklopfen unerfüllt lassen. Und wie unsere leiblichen Eltern dürfen wir Gott um alles bitten, was wir zum Leben brauchen.

Aber: funktioniert das im Leben so einfach? Haben Sie das erlebt, liebe Gemeinde, dass Sie das bekommen haben, worum Sie gebeten haben? Das hat sicher früher schon bei den Eltern nicht immer funktioniert. Die Eltern konnten nicht alle Wünsche erfüllen und wollten es auch gar nicht.

Und mit dem Beten ist das manchmal auch so eine Sache: das Beten fällt nicht immer leicht- und dass Gebete erfüllt werden, erleben wir auch nicht immer.

Beten bedeutet, dass wir uns mit unseren Sorgen, Nöten, Wünschen und unserem Dank Gott anvertrauen. Im Beten vertrauen wir darauf, dass Gott uns als Gegenüber wahrnimmt und unser Gebet ernst nimmt. So bleiben wir, wenn wir beten, nicht allein, sondern wir suchen die Nähe und Gegenwart Gottes.

Jesus sagt: Eure Gebete werden erhört. „Bittet, so wird euch gegeben“, heißt es in unserem Predigttext. Schön wär‘s, denkt jetzt viel -leicht mancher von uns. Wenn wir beten, dann erwarten wir oft, dass alles so kommt, wie wir uns das wünschen. Wie er unsere Gebete erfüllt, liegt jedoch allein bei Gott. Und Gottes Wege und Gedanken sind oft ganz anders als unsere menschlichen Wege und Gedanken.

Beten kann auch heißen, vor Gott zu klagen, ihn sogar anzuklagen und ihm das erfahrene Leid entgegenzuschreien. In der Bibel gibt es die sogenannten Klagepsalmen. Da wendet sich der Beter gerade nicht von Gott ab, er verstummt nicht angesichts seiner Trauer und seines Unglücks. Das Gebet bietet die Möglichkeit, Leid zu verarbeiten, weil man nicht sprachlos bleiben muss.

Beten fällt uns manchmal schwer, weil wir Menschen von klein auf lernen, dass man nur zu etwas kommt, wenn man entsprechend dafür arbeitet. „Bittet, so wird euch gegeben“- uns wäre es lieber, wenn wir immer selber für uns sorgen und alles selbst schaffen und machen könnten.

Aber im Leben gehört beides eng zusammen: das Beten und das Arbeiten. Die Benediktinermönche zum Beispiel haben das früh erkannt und den Spruch „Ora et labora“ zu ihrem Motto gemacht. Beides gehört zusammen und hat bei Gott seinen Platz und seine Zeit.

Liebe Gemeinde, vielleicht ist ja jetzt für Sie gerade die Zeit, das Beten wieder neu zu lernen und zu probieren. Für die älteren und alt gewordenen Menschen- wenn man nicht mehr so viel arbeiten muss. Es kann gut sein, dass es im Leben auch dafür eine Zeit gibt- nach -dem das Arbeiten in den Jahren vorher schon so viel Platz eingenommen hat. Aber auch die jüngeren Menschen, wir alle haben in diesen schwierigen und belastenden Corona-Monaten vielleicht wie- der einen neuen Zugang zum Beten gefunden. Wir haben erfahren, wie bedroht unser eigenes Leben und das der anderen sein kann. Wir haben uns dabei manches mal ohnmächtig und hilflos gefühlt. Und das wird uns weiter begleiten, auch in anderen schwierigen Situationen und Zeiten unseres Lebens. Da tut ist es gut zu wissen, dass es immer noch eines gibt, was man doch tun kann: die Hände falten und beten.

Und wenn man nicht weiß, was man beten soll? Dann reicht für den Anfang wohl ein Seufzen, ein paar Worte, denn Gott weiß, was wir brauchen, schon bevor wir ihn bitten.

Eine Geschichte erzählt: Ein Mönch war eines Tages unterwegs in einer ganz abgelegenen Gegend. Er wusste, dass dort ein sehr frommer Mann lebte, den wollte er besuchen. Als er dort ankam, war er erstaunt. Der fromme Mann besaß keine Bücher, er konnte noch nicht einmal lesen.

„Aber“, fragte der Mönch, „wie kannst du beten, wenn du nicht lesen und schreiben kannst?“

„Ganz einfach“, antwortete der fromme Einsiedler,“ ich kann nämlich das Alphabet aufsagen. Das mache ich und dann bitte ich Gott, dass er sich aus den Buchstaben die richtigen Worte zusammensetzt. So bete ich, und Gott versteht, was ich ihm sagen möchte.“
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 182, 1-3: Halleluja

Fürbitten: Hier ist heute einmal Platz, eigene Fürbitten zu formulieren und vor Gott zu tragen. Versuchen Sie es ruhig einmal!

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Alle unsere Bitten fassen wir zusammen im Vaterunsergebet:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied EG 170, 1-3: „Komm, Herr, segne uns“

Segen:
Der Segen Gottes komme über dich und bleibe bei dir von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 02. Mai 2021 - Kantate

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
zum Sonntag „Kantate“, dem 4. Sonntag nach Ostern, grüße ich alle mit dem Wochenspruch aus Psalm 98, 1 „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“
Wenn auch in den Kirchen derzeit nicht gesungen werden darf, wollen wir heute ein Lied aus unserem Gesangbuch in den Mittelpunkt stellen und darüber nachdenken, „Danke für diesen guten Morgen“ (EG 334). Gerne kann man es zuhause einmal für sich oder mit der Familie singen; es ist ja sehr bekannt.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 243, 1-3: „Lob Gott getrost mit Singen“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Lebendiger Gott,
du schenkst uns Musik für die Seele.
Sie tröstet, weckt Hoffnung und befreit.
Lass in unseren Herzen deine Melodie erklingen,
damit wir in deinem Rhythmus leben,
jetzt und allezeit.
Amen.

Die biblische Lesung für den heutigen Sonntag steht im Lukas-Evangelium, Kapitel 19, Verse 37 bis 40.
Es ist ein kurzer Abschnitt aus dem Bericht des Einzugs Jesu in Jerusalem:
„Und als er (Jesus) schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 334, 1.4.6 „Danke für diesen guten Morgen“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
„Danke für diesen guten Morgen“ ist eines der bekanntesten Lieder aus unserem Gesangbuch. Melodie und Text stammen von Martin Gotthard Schneider, einem Theologen und Kirchenmusiker hier aus Baden. Im Jahre 1961 wurde es in einem Wettbewerb für neue geistliche Lieder preisgekrönt, es ist also genau 60 Jahre alt. Damals wurde nach neuen geistlichen Liedern gesucht, die christliche Texte mit musikalischen Mitteln aus der Unterhaltungsmusik und dem Jazz verbinden. Eine Single-Platte, besungen vom seinerzeit sehr bekannten Botho-Lucas-Chor, machte das Lied schlagartig berühmt.

Es war damals - heute kaum vorstellbar - zwei Wochen lang an der Spitze der Hitparaden. Die Bildzeitung brachte die Schlagzeile: „Danke für dieses Danke!“ Unzählige Menschen wollten es seitdem immer wieder hören und singen. Inzwischen hat es Einzug gehalten in den Stammteil der evangelischen Kirchengesangbücher. Und ist in 25 Sprachen übersetzt worden, auch ins Japanische und in Esperanto. Eigentlich wundert es nicht, dass es so schnell sehr populär geworden ist. Die Melodie ist einfach, eingängig, enthält Elemente und Strukturen, die man aus Schlagern kennt und die sehr eingängig sind. Auch die Textaussagen sind von jedem zu verstehen. Zugrunde liegt dem Lied ein Dankgebet, das im Kreis französischer Arbeiterpriester entstanden ist. Darin heißt es u.a.: „Danke, Herr, Danke! Danke für alle Geschenke, die du mir heute angeboten hast. Dank für alles, was ich gesehen, was ich gehört und empfangen habe.“ Und dann werden ganz viele alltägliche Dinge und Beispiele genannt, für die gedankt werden soll: „die Seife, die so gut riecht, Dank für die Kleider, die mich so gut bedecken, Danke für die Mädchen, denen ich begegnet bin, Danke für jeden guten Tag, den mir einer gewünscht hat, für das Lächeln, für die Liebe der Mutter, die mich zu Hause empfängt."

Ein sehr schöner und anrührender Text. Er spiegelt die Erfahrungen, die ein Mensch an einem bestimmten Tag in seinem Leben macht. Martin Gotthard Schneider hat bei seinem Text die Vorlage verallgemeinert. Er hat Grunderfahrungen aufgenommen, die in den Alltag des Lebens gehören und alltäglich wiederkehren. Für all das dankt er in seinem Lied; es geht ihm darum, Vertrauen und Hoffnung zu wecken. Gottes Hand, die mich leitet. Sein verstehbares Wort, das seine Liebe den Menschen zusagt. Gottes schrankenloses Heil, an dem man sich festhalten kann. Es sind einfache Worte und eine eingängige Melodie, aber der Autor macht es sich nicht zu einfach. Gerade in den letzten beiden Strophen gewinnt er die große Weite des Glaubens und erreicht zugleich eine spürbare Nähe zu den Menschen.

Wir schauen uns drei Strophen des Liedes einmal genauer an.

Danke für diesen guten Morgen, Danke für jeden neuen Tag,
Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.

Nichts in unserem Leben ist selbstverständlich: weder ein guter Morgen, noch überhaupt ein neuer Tag. Das merken wir gerade jetzt, wo durch die Pandemie die Unsicherheiten und die Ängste der Menschen mehr und mehr zunehmen. Aber auch darüber hinaus: Terror, Krieg, unsichere politische Verhältnisse, Bedrohung der Umwelt, Naturkatastrophen, persönliche Krisen, Probleme, schwer- wiegende Krankheiten bei uns selbst und anderen, die uns nahstehen, Verlust von Menschen, die wir lieben, all das bedrückt uns.
Wir fragen: was wird werden? Wie wird es weitergehen?
Man kann durch dieses Lied lernen, Gott einfach dafür dankbar zu sein, dass es überhaupt weitergeht und dass es für viele Menschen oft ganz gut weitergeht.

Danke für manche Traurigkeiten, danke für manches gute Wort.
Danke, dass deine Hand mich leiten will an jedem Ort.

Martin Gottfried Schneider wurde einmal von einem Gemeindemitglied gefragt, warum er denn nur für manche und nicht für alle Traurigkeiten dankt. Er meinte: Ich wollte den Mund nicht so voll nehmen. Es ist schon viel, wenn man in manchen Traurigkeiten einen Sinne sehen kann…
Liebe Gemeinde, dem kann man eigentlich nichts hinzufügen…
Die letzten beiden Zeilen dieser Strophe spielen auf den Psalm 23 an, das Trostlied des Vertrauens auf Gott: „Dein Stecken und Stab trösten mich. „Im finsteren Tal des Lebens ist es gut, wenn wir einen Begleiter haben, der uns hilft da hindurchzukommen, nicht aufzu -geben und zu verzweifeln, sondern zu sehen, wo und wie es für uns weitergehen kann. Viele von uns könnten jetzt von solchen finsteren Tälern erzählen und wie sie darin Hilfe erfahren durften, von Gott und von den Menschen.

Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran.
Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.

Besonders die letzten beiden Zeilen machen mich nachdenklich: Danke, dass ich danken kann? Wie ist es eigentlich, wenn man nicht dankt? Ich denke, man kann dann selbstherrlich und arrogant wer-den. Und schnell einsam. Dass man nicht danken kann, liegt wohl daran, dass man sich zum Dreh- und Angelpunkt seiner eigenen Welt macht. Gott und die Mitmenschen, die er uns an die Seite gestellt hat, die sehen wir gar nicht mehr. Wir nehmen gar nicht wahr, dass wir uns so vieles in unserem Leben nicht selbst erarbeitet haben, sondern dass es uns geschenkt wurde. Und vor allem sehen wir gar nicht mehr, dass in unserem Leben Gott am Werk ist. Wenn wir also danken, sind wir glücklicher: weil wir erkennen oder zumindest ahnen,
dass Gott da ist.

Liebe Gemeinde, damit endet unser Lied. Wenn wir mit dem Herzen dabei waren, haben wir einmal gründlich „danke“ gesagt. Das tut uns selbst gut und auch unserem Verhältnis zu Gott und zu unseren Mitmenschen.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 649, 1.2.5: „Eine freudige Nachricht breitet sich aus“
(dieses Lied stammt ebenfalls von Martin Gotthard Schneider)

Fürbitten:

Gott, wir danken dir für die Melodien, in denen unsere Seele schwingt. Danke für die Musik, in der du uns berührst. Danke für das Singen, in dem wir dir nahe sind.

Wir bitten dich für die Menschen, die deine Botschaft nicht hören und denen nicht zum Singen zumute ist: dass wir mit ihnen und sie mit uns deine Güte preisen.
Und dass dein Wort sie berührt.

Für die Traurigen und Verbitterten, für die, denen die Angst und die Not ihren Mund verschließt: dass sie den Mut finden, zu auszusprechen, was ihnen das Leben schwer macht.

Für die Menschen, die von Verachtung und Hass getrieben werden, bitten wir dich: dass sie den Einklang mit sich und den anderen finden.

Wir bitten dich, dass der Klang deiner Liebe die Welt erfüllt,
dass wir voller Vertrauen, Hoffnung und Dankbarkeit unser Leben bestehen können.
Amen.

Und alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel…

Lied EG 305, 1.4: „Singt das Lied der Freude über Gott“

Als Segenswort möchte ich uns allen den Liedtext der 4. Strophe mit auf den Weg geben:

„Singt das Lied der Freude über Gott!
Lobt ihn laut, der euch erschaffen hat.
Er wird Kraft uns geben, Glanz und Licht wird sein,
in das dunkle Leben leuchtet hell sein Schein:
Singt das Lied der Freude über Gott!“

Dass uns dies möglich sein kann, dazu segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Gottesdienst am 25. April 2021 - Jubilate

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 25. April, den 3. Sonntag nach Ostern. Er trägt den schönen Namen „Jubilate“, d.h. „jubelt!“. Auch, wenn uns zurzeit gar nicht zum Jubeln zumute ist, der Apostel Paulus ermutigt uns im Wochenspruch dazu:
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor. 5,17)

Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Am Anfang steht das fröhliche Osterlied „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“ (EG 112, 1-3)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Himmlischer Vater, wir danken dir, dass wir heute zur Ruhe kommen dürfen, alles bei ablegen, was uns das Herz schwer macht. Sprich zu uns, damit wir innerlich verändert und erneuert werden können. Erfülle uns wieder mit Lebendigkeit.
Amen.

Als Lesungs- und Predigttext ist für heute ein Abschnitt aus der Apostelgeschichte vorgesehen; der Apostel Paulus hält eine Rede auf dem Areopag, einem Hügel mitten in Athen
(Kap. 17, 22-34; Übersetzung nach der Basis-Bibel):

Paulus trat in die Mitte des Areopags und sagte: „Ihr Bürger von Athen! Nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromme Leute. Ich bin durch die Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angeschaut. Dabei habe ich auch einen Altar gefunden, auf dem stand: `Für einen unbekannten Gott.` Das was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was in ihr ist. Er ist der Herr über Himmel und Erde. Er wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand errichtet wurden. Er ist auch nicht darauf angewiesen, von Menschen versorgt zu werden. Er ist es doch, der uns allen das Leben, den Atem und alles andere schenkt. Er hat aus einem einzigen Menschen die ganze Menschheit hervorgehen lassen, damit sie der Erde beiwohnt. Für jedes Volk hat er festgesetzt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. Er wollte, dass die Menschen nach ihm suchen-ob sie ihn vielleicht spüren oder ent- decken können. Denn keinem von uns ist er fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein. Oder wie es einige eurer Dichter gesagt haben: `Wir sind sogar von seiner Art.`
Weil wir Menschen also von Gottes Art sind, dürfen wir uns nicht täuschen: Die Gottheit gleicht keineswegs irgendwelchen Bildern aus Gold, Silber oder Stein. Die sind nur das Ergebnis menschlichen Könnens und menschlicher Vorstellungskraft. Nun- Gott sieht nach- sichtig über die Zeiten hinweg, in denen die Menschen ihn nicht gekannt haben. Aber jetzt fordert er alle Menschen an allen Orten auf, ihr Leben zu ändern. Denn Gott hat einen Tag festgesetzt, um über die ganze Welt zu richten. Dann wird er Gerechtigkeit walten lassen durch den Mann, den er dazu bestimmt hat. Dass dieser Mann wirklich dafür bestimmt ist, hat Gott allen Menschen durch dessen Auferstehung von den Toten bewiesen.“ Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach, lachten ihn einige seiner Zuhörer aus. Aber andere sagten: “Darüber wollen wir ein andermal mehr von dir hören!“ So verließ Paulus die Versammlung. Einige Leute schlossen sich ihm an und kamen zum Glauben. Unter ihnen war Dionysius, der dem Areopag angehörte, eine Frau namens Damaris und einige andere.“

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn. Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 628,1-3: „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
Paulus stellt fest: in Athen gibt es für alles und jeden einen Gott, selbst für den „unbekannten Gott“. Der Apostel sieht die Sehnsucht der Menschen nach Gott, nach Geist und Leben. Ihre Frömmigkeit rührt ihn. Er spricht zu ihnen von einem Gott, der kein Haus braucht, schon gar kein prächtiges, keine Tempel und keine Priester, die ihn hofieren. Was für ein Gott wäre das, der das nötig hätte?
Das wissen auch die Athenerinnen und Athener. Deshalb zitiert Paulus in seiner Rede aus Texten eines damals bekannten und beliebten Dichters. „Wir leben, bewegen uns und sind in Gott“ und „Wir sind sogar von seiner Art“. Der eine, wahre Gott ist überall am Werk, mitten im Leben und im Guten. Im Menschsein, das uns alle verbindet. Nicht in dem, was uns unterscheidet und trennt.

Liebe Schwestern und Brüder,
in diesem einen Corona-Jahr haben es viele Menschen vermisst, nicht mehr wie gewohnt zum Gottesdienst in die Kirche zu kommen. Bes. schmerzlich war es für sie, die großen christlichen Feste nicht gemeinsam mit den anderen aus ihrer Gemeinde feiern zu können. Ostern, schon zum zweiten Mal. Weihnachten. Taufen, Konfirmationen und Trauungen mussten und müssen verschoben werden, manchmal auf unbestimmte Zeit. Bei Trauerfeiern darf in der Trauerhalle nur ein begrenzter Kreis zusammenkommen. Wenn die Inzidenzzahlen weiter steigen, wird es vielleicht auch noch einmal bei uns dazu kommen, dass wir in unseren Kirchen keine Präsenzgottesdienste anbieten dürfen. Die kirchlichen Angebote im Internet, im Fernsehen und Radio sind in diesem einen Jahr umso wichtiger geworden.
An manchen Orten gibt es- statt Gottesdiensten- offene Kirchen, in die man gehen kann, um eine Kerze anzuzünden und still zu beten.

Manche beten zuhause, wenn sie die Kirchenglocken läuten hören.
Von einer Familie aus unserer Gemeinde hörte ich, dass sie sogar zu Ostern eine eigene Hausandacht gefeiert haben; jedes Familien -mitglied hat dabei einen Teil übernommen. Das ist auch etwas, was wir in dieser Zeit lernen: Wir leben, bewegen uns und sind in Gott. Gott ist mitten in unserem Leben zu finden. Gottesdienste und Kirchenräume sind nicht dazu da, dass wir dorthin aus unserem Alltag fliehen. Sie möchten uns den nötigen Abstand vom Alltag ermöglichen. Damit wir Gottes Spuren in unserem ganz normalen Leben entdecken: beim Spaziergang in der Natur, beim Einkaufen im Supermarkt, beim Gespräch an der Haustür oder über den Gartenzaun auf Distanz, bei meiner Arbeit, in dem, was mein ganz Leben Tag für Tag ausmacht, sogar im Internet. Oder wenn es mich bewegt, wenn ich erfahre, wie schlecht es manchen Menschen geht. Menschen, die ich persönlich kenne; Menschen, die weit weg leben; von deren Schicksal ich über die Medien erfahre.
Nun geht Paulus noch einen Schritt über das hinaus, was ihn mit den Athenern verbindet. Gott ist der Schöpfer und Ursprung der Welt, aber er verfolgt auch ein Ziel. Ja, Menschen spiegeln Gott oft und in vieler Hinsicht wider. Ja, es gibt Wahres, Gutes und Schönes unter ihnen. Manchmal ist es aber auch furchtbar, was sie einander antun an Ungerechtigkeit, Gewalt, Zerstörung, Gleichgültigkeit. Am Umgang mit den leidenden Menschen zeigt sich, wie unsere Beziehung zu Gott wirklich ist. Gott offenbart sich nämlich im leidenden und gekreuzigten Christus. Das predigt Paulus den Zuhörenden in Athen, er spricht von Christus, der in den Tod gegangen ist und der durch Gottes Gnade von den Toten auferstanden ist. Gott hat dadurch allen Menschen den Glauben angeboten. Das ist nicht leicht für die Athener zu verstehen, der Tod am Kreuz, die Auferstehung. Dass man nicht durch eigene Anstrengung, durch Leistungen oder Rituale an Gott herankomme. Die Apostelgeschichte berichtet von ihren unterschiedlichen Reaktionen: die einen spotten, die anderen sagen: erzähl uns ein andermal mehr davon.

Gottes Sohn nimmt es in Kauf, selbst unter die Räder zu kommen. Mit seinem Tod am Kreuz deckt er den Zwiespalt der Menschheit auf: einerseits so großartig und andererseits so grausam sein zu können. Aber gerade da öffnet Gott die Tür zu einer neuen Welt. Sie er- scheint im Auferstandenen, inmitten in der alten, kaputten Welt. Immun gegen das Virus der Unmenschlichkeit. Die Osterbotschaft sagt uns: eine andere Welt ist möglich. Der Anfang ist durch die Auferstehung Jesu Christi schon gemacht. Ostern ist der Sieg des Lebens über alle todbringenden Mächte. Wenn Paulus vom kommenden Gericht spricht, meint er: Gott wird der ungerechten und unmenschlichen Welt ein Ende setzen und seine aus den Fugen geratene Welt zurechtbringen. Das Leiden wird einmal ein Ende haben.

Aber noch ist das Leiden in der Welt. Tagtäglich begegnet es uns. Menschen leiden und sterben, unter unsäglichen Bedingungen. Wir alle wünschen uns ein Ende der Coronakrise herbei und wünschen uns, dass unser Leben wieder normal wird, so wird wie vorher. Das ist ein verständlicher Wunsch. Aber wenn man einmal versucht, mit den Augen Gottes auf diese Welt zu schauen, dann war das normale Leben von ihm aus betrachtet längst schon Krise. So, wie es war, kann es doch eigentlich nicht einfach weitergehen. Als Christinnen und Christen warten wir sehnsüchtig auf ein Ende der Ungerechtigkeit. Wir warten auf eine Welt, in der alle Generationen, alle Menschen, wie unterschiedlich sie auch sein mögen, in Würde und Frieden leben, auch mit der Natur, der guten Schöpfung Gottes. Das Ende der Pandemie ist nur ein Schritt auf diesem Weg. Zu Ende ist allerdings die Zeit des einfachen Abwartens und Geschehen Lassens.

„Egal, was ihr vorher gemacht habt“, sagt Paulus den Athenerinnen und Athenern, „jetzt ist es Zeit, sich der Bewegung des Auferstandenen anzuschließen.“ Unser Predigttext nennt zwei Personen mit Namen, die seiner Einladung folgen: Dionysius und Damaris. Und noch einige andere, deren Namen nicht bekannt sind, schließen sich an.
Und wir, wir brauchen auch nicht zu warten, bis Corona vorbei ist. Wir können schon jetzt mit vielen anderen auf der Welt unterwegs sein. Indem wir-wie Paulus- von unserem Glauben sprechen, der sich zwar oft nicht verstehen lässt, der uns aber hilft, Licht in diese dunkle Welt zu bringen. Und diesen Glauben leben.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 317, 1-3 „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“

Fürbitten:

Schöpfer aller Dinge, niemand ist dir fern, durch dich leben wir, bewegen wir uns und haben unser Dasein. Trotzdem sind viele Menschen noch auf der Suche nach dir. Lass sie finden, wonach sie suchen und begegne ihnen in Jesus selbst.

Wir bitten dich für die Menschen, die weltweit unter der Pandemie, unter Gewalt, Armut, Ungerechtigkeit und Unfrieden leiden müssen. Steh ihnen bei in dem, was sie durchmachen müssen.

Gib uns als Christinnen und Christen die Kraft und den Mut, uns für eine bessere Welt einzusetzen. Sende dein Licht der Hoffnung-auch durch uns-in diese Welt.
Amen.

Wir sprechen das Vaterunsergebet: Vater unser im Himmel,…

Lied EG 99: „Christ ist erstanden von der Marter alle“

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich,
er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

Predigt / Gottesdienst am 18. April 2021 - Misericordias

Kapelle zum Guten Hirten, Sand, von Pfarrer Badelt
(Christuskriche Bühlertal siehe unten):

Auszug aus dem Bibelabschnitt (Basisbibel, Jesaja 40, 26-31)

„Richtet eure Augen nach oben und seht, wer das alles geschaffen hat! Seht ihr dort das Heer der Sterne? Wie kannst du da sagen, Jakob, wie kannst Du behaupten, Israel: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen! Mein Gott bemerkt nicht, dass ich Unrecht leide!“ Hast du’s noch nicht begriffen? Hast du nicht gehört? Der Herr ist Gott der ganzen Welt. Er wird nicht müde und nicht matt. Er gibt den Müden neue Kraft und macht den Schwachen wieder stark. Junge Männer werden müde und matt, starke Krieger straucheln und fallen. Aber alle, die auf den Herrn hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler. Sie rennen und werden nicht matt, sie laufen und werden nicht müde.“

Predigt von Pfarrer Badelt:

Liebe Gemeinde,

von Anfang an bis heute gehört zum Glauben der Zweifel wie der Schatten zu jedem Gegenstand und zu jedem Lebewesen. So ist die Frage der Menschen damals: Gott, siehst du nicht, wie es uns geht? Wir fragen: Gott, siehst Du nicht, wie die Menschen unter der weltweiten Krankheit leiden? Wie so vieles kaputt geht und erstirbt?

Ein Teil der Antwort ist der Hinweis darauf, dass Gott alles, den gestirnten Himmel und die Geschöpfe ins Leben gerufen hat. Ich selbst staune z.B. über ein Rotkehlchen, was am Wegrand sitzt und mich mit seinen schwarzen Augen anschaut. Es hat den Winter überlebt, hat winzige Knochen und – im Gegensatz zu uns – fliegen.

Ob es so etwas im Weltall noch einmal gibt? Viele Forscher suchen danach, und manche staunen, was sie dort alles sehen. Viele meinen bald alles erklären zu können. Dann brauchen sie keinen Schöpfergott mehr.

Dann kommt der andere Teil der Antwort aus dem Mund des Profeten: Hast du nicht gehört?  Hast du nicht wahrgenommen? Wir dürfen zurückdenken und können sagen: Gott sei Dank, dass ich damals vor dieser Sache, vor dieser Krankheit oder bei diesem Beihnahe-Unfall bewahrt geblieben bin. Gott sei Dank, dass ich meine Partnerin, meinen Partner gefunden habe.

Unser Glaube nährt sich von den Führungen Gottes. Das gilt für das Volk Israel und für uns selbst. Dabei wird Gott nicht müde, seine Kraft hört nicht auf. Eher wird das Christenvolk müde, zweifelt und fragt: Was bringt mir der Glaube? Was bringt mir erst recht eine Kirche?

Müde sind wir schon. Wir sind auch durch die Pandemie eingeschränkt und der Sache müde. Dabei haben wir zu essen, meist Wohnung und alles, was wir brauchen. Auch sonst scheinen mir die Christen in Europa ihres Christenglaubens müde geworden zu sein.

Aber dann kommt die gute Botschaft: Die auf Gott hoffen, bekommen durch ihn neue Kraft, dass sie fliegen wie Adler, dass sie rennen und sich nicht erschöpfen im Gegensatz zu jungen Leuten oder Soldaten. Gott stärkt diejenigen, aus bestimmten Gründen schwach geworden sind.

Diese gute Botschaft hat Jesus Christus bestärkt, indem er auf Kranke und Schwache zugegangen ist.

Nun ein Beispiel. Ein Mann, 78 Jahre alt, ist seit über 40 Jahren im Bundestag, war lange Zeit Minister und ist jetzt Bundestagspräsident. Vor 30 Jahren hat ihn ein Spinner in Gengenbach angeschossen, sodaß er querschnittsgelähmt ist. Es ist Wolfgang Schäuble. Ohne Vertrauen auf den stärkenden und helfenden Gott wäre er wohl nicht mehr tätig. Dies ist nur eines von vielen Beispielen.

Amen.

Schlussgebet:

Unser Gott, mit vielen Menschen leiden wir unter der Pandemie. Wir sind oft müde und ersehnen ein Ende der Plage. Dabei denken wir vor dir an Menschen, die um Lebensunterhalt und Existenz fürchten.

Wir denken an unsere Kranken und an alle, die sie pflegen.

Wir denken an Menschen, die zu Unrecht eingesperrt sind wegen ihres Glaubens oder weil sie für ihre Freiheit kämpfen, z. B. in Syrien, im Iran, Nigeria und in vielen anderen Ländern.

Wir denken vor dir an Menschen, die unter Krieg und Bürgerkrieg leiden, an Menschen, die geflohen sind und in Lagern leben.

Wir wollen deiner Verheißung glauben, dass du uns schwachen und müden Leuten neue Kraft schenkst, so wie Jesus sich um Kranke und Schwache kümmerte. Gott hilf uns in unserem Zweifeln und Unglauben.

Amen.

Predigt / Gottesdienst am 18. April 2021 - Misericordias

Christuskriche Bühlertal, Prädikant Rouw:

Lied: NL 60: 1-2 „In der Stille angekommen….“

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Psalmgebet aus EG 710 (Ps 23):

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Amen.

Die Schriftlesung des heutigen Sonntags, der Sonntag Miserikordias Domini (das heißt : die Barmherzigkeit des Herrn) finden wir im Prophetenbuch Hezekiel, Kapitel 34, Verse 1-9, 15-16, 31:

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr:
Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Aber ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden.  Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. Und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und zerstreut. Sie irren umher auf allen Bergen und auf allen hohen Hügeln und sind über das ganze Land zerstreut, und niemand ist da, der nach ihnen fragt oder sie sucht. Darum hört, ihr Hirten, des Herrn Wort! So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: Weil meine Schafe zum Raub geworden sind und meine Herde zum Fraß für alle wilden Tiere, weil sie keinen Hirten hatten und meine Hirten nach meiner Herde nicht fragten, sondern die Hirten sich selbst weideten, aber meine Schafe nicht weideten, darum, ihr Hirten, hört des Herrn Wort!
Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr.
(...)
Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.
(...)
Ja, ihr sollt meine Herde sein,  die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

Selig sind die das Wort Gottes hören und bewahren. Halleluja!

Lied: EG 274, 1,2 „Der Herr ist mein getreuer Hirt…“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Wir lesen unseren Predigttext aus dem Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Philippi. Kapitel 1, Verse 9 – 11.

Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi, erfüllt mit Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus zur Ehre und zum Lobe Gottes.

Liebe Gemeinde,

Allzu oft sonnen wir Christen uns in ein Idealbild wie eine christliche Gemeinschaft aussehen soll.  Wenn das Ihnen aus mal passiert, dann kommt Ihnen bestimmt diese Aussage von Paulus recht: Liebe, die wächst, Erkenntnisse, die zunehmen und Fähigkeit zu prüfen was das Beste ist, andere Übersetzungen sagen „zu erkennen, auf was es gerade ankommt“. 
Schau mal her, möchten wir gerne sagen, so geht das bei uns….

Leider wird es dann Zeit dieses Bild etwas zurecht zu rücken, auf jedem Fall daran zu rütteln. Weil, wenn wir um uns herumschauen, ist die Wirklichkeit, sagen wir mal vorsichtig, meistens etwas differenzierter. Dass das in Philippi wahrscheinlich auch schon so war, kann man schon ahnen wegen der Tatsache, dass Paulus das Thema hier so prominent am Anfang seines Briefes platziert. Wäre bei seinen Zuhörern in diesem Bereich alles in Ordnung gewesen, hätte er das gar nicht zu erwähnen brauchen. Und was uns angeht, wenn wir ehrlich sind, können wir aus unserer Erfahrung wahrscheinlich auch so manches einbringen das andeutet, dass wir zwar hohe Ansprüche haben, was Liebe untereinander betrifft, aber diese nicht immer gerecht werden. Man könnte dann einfach aufgeben und mehr oder weniger frustriert weitermachen, und einfach zu versuchen mal „das Beste daraus zu machen“ in einem ganz anderen Sinne als der Apostel meint.  Aber damit tun wir den Apostel Paulus natürlich unrecht – er schreibt solche Anregungen nicht als Floskel, sondern damit sie ernst genommen werden und die Gläubigen, sei es in Philippi oder in Bühlertal, sich in diese Richtung entwickeln, auch wenn nicht alles auf einmal kommt.

Und liebe Gemeinde, ich denke, dass wir gerade in der heutigen Zeit gefragt sind um diese Kombination von Liebe, Erkenntnis und Prüfen zu üben und weiter zu entwickeln.  Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in der heutigen Zeit finde ich es schwierig wirklich Erkenntnisse zu gewinnen und zu prüfen. Und dann reden wir mal nicht von Verstehen „auf was es gerade ankommt“. Weil, schon seit einem Jahr ringen wir mit den Folgen einer Pandemie, die uns immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt und uns immer wieder für neue Herausforderungen stellt. Jedes Mal erfahren wir wieder von neuen Maßnahmen, die ein paar Tage später schon wieder überholt sind. Mit Erkenntnissen und prüfen ist es dann nicht sehr weit.  Blicken Sie noch durch? Ich kaum.

Schlimmer ist, dass diese Unsicherheiten und fehlende Erkenntnisse auch unsere Beziehungen infizieren und es schwieriger machen uns als Gläubigen zu verständigen. Wachstum in der Liebe bleibt in so einem Fall dann schnell eine Illusion.

 Ich habe die Erfahrung machen müssen, dass es in meinem christlichen Umfeld Menschen gibt, die ich bisher immer geschätzt habe, die aber ganz andere Wege gehen, in den Worten von Paulus zu anderen „Erkenntnisse“ gekommen sind, um die Herausforderungen der heutigen Zeit an zu gehen.  So erfuhren meine Frau und ich, dass eine Freundin von uns, die wir noch aus unserer Studentenzeit kennen, und die schon seit Jahren als Leiterin eines christlichen Waisenhauses in Mozambique tätig ist, der Meinung war, dass Präsident Trump ein großartiger Führer ist, und ein Christ sich unbedingt dafür ein zu setzen hat, dass er wieder gewählt werden sollte. Auch stellte sich heraus, dass es in unserem Gemeindeumfeld in Bühl Menschen gibt die sich ein Teil des Gedankenguts der Querdenker- Bewegung zu eigen gemacht haben. Sie wissen – diese Gruppe die meinen: „Corona Pandemie – alles Quatsch, nur ein Instrument uns zu versklaven. Und Impfung: Viel zu gefährlich“.  Vielleicht haben Sie auch solche Erfahrungen gemacht und fragen sich, genau wie ich: Wie gehe ich damit um? Soll ich solche Menschen in der Zukunft einfach links liegen lassen, oder geht es doch anders?

In diesem Zusammenhang soll man sich von Worten wie Paulus sie an die Gemeinde in Philippi geschrieben hat noch mal neu inspirieren lassen. Der Ursprung meiner Überlegungen für heute diesen Text zu wählen, ist natürlich allererst in dem Durcheinander, dass uns heutzutage beschäftigt, zu suchen. Aber die Worte von Paulus haben natürlich eine mehr allgemeine Gültigkeit. Man soll sie auch in einem breiteren Rahmen sehen.  Sie haben auch Bedeutung für Glaubensfragen, die mit dem heutigen politischen Welt- und Pandemiegeschehen nichts zu tun haben. 

Die Vorgehensweise die, übrigens nicht nur in Kirchengemeinden, oft gewählt wird, ist bestimmte Themen für die zukünftige Kommunikation aus zu klammern. Wir reden einfach nicht über Sachen, bei denen wir wissen, dass es unterschiedliche Ansichten gibt. Dann gibt es auf jedem Fall kein Streit.  Das geht vielleicht eine Weile gut, die Frage ist aber, ob man auf dieser Art eine Beziehung nicht allmählich aushöhlt und am Ende nur noch eine leere Hülle übrighat.  Dann wird es nix mit der wachsenden Liebe und Früchte der Gerechtigkeit die Paulus so gerne bei seinen Zuhörern, also auch bei uns, sehen würde. Wenn wir Paulus ernst nehmen, kommen wir nicht drum herum diesen Dreiklang: Erkenntnisse und Erfahrungen sammeln, und zu prüfen was sich wirklich bewährt, als Grundsatz unseres Miteinanders zu nehmen. 

Und Liebe Gemeinde, das wird uns einiges abverlangen, damit man nicht endlos in Streitereien verfällt um sich am Ende dann doch frustriert zu trennen, sondern wird von uns fragen uns erst mal im Klaren zu sein wo die Probleme sind. Man muss sich also erst mal äußern, und nicht in Stillschweigen verharren. Und es bedeutet auch einander zu zuhören und ausreden zu lassen, auch wenn man konfrontiert wird mit Ideen mit denen man es glühend uneins ist, und die einem vielleicht fast den Kragen platzen lassen.  Man soll auch bereit sein sich von anderen befragen zu lassen und die Gründe seiner Überzeugung zu prüfen. Gerade wenn die Situation so verwirrt ist wie in der heutigen Zeit, soll es nicht darum gehen die andere Seite so schnell es nur geht davon zu überzeugen, dass ich recht habe. Nun ist diese Predigt keine Anleitung wie man so eine Aussprache organisiert. Ich möchte für mehr Einzelheiten darauf hinweisen, dass in der Personalführung in der Wirtschaft oft ähnliche Probleme spielen – und man hat dort auch Gesprächs Methodiken entwickelt, die es erlauben solche Gespräche zu gestalten. Wem es interessiert kann ich nachher noch einen Internetlink geben, der versucht zu beschreiben, wie man dort empfiehlt in der Praxis Skeptiker zu überzeugen ( https://karrierebibel.de/menschen-ueberzeugen/ ).
An sich nicht christlich, nur schlau. Nur so viel sie gesagt: Zu versuchen jemand mit einer Flut an Argumenten zu überzeugen, funktioniert meistens nicht. Wichtiger ist Menschen zu helfen ihre Überzeugungen zu Ende zu denken  - und dann zu hoffen, dass sie entdecken, dass andere Erkenntnisse vielleicht zu einem besseren Ergebnis führen.  Erst so kann man an einem Punkt kommen, dass jemand sein Meinung ändert. Und eine Warnung meinerseits: Man soll sehr vorsichtig umgehen mit dem Argument, dass etwas Gotts Wille sei – und deshalb etwas unbedingt so oder so gemacht werden soll. Das kann stimmen oder nicht – aber niemand wird gerne gleich in eine Ecke gedrängt, die man mit der Überschrift „nur für Ungläubigen“ markiert hat.

Liebe Gemeinde, vielleicht werden sie allmählich etwas unruhig, weil so eine Art von Vorgehen doch wohl etwas ganz anders ist als unser Standard-Prozedere, nichts tun und warten bis es vorbeigeht, und viel von uns fragen wird.  Und ja, wie immer führt der Apostel Paulus uns nicht auf einen kuscheligen Weg, der uns nicht abverlangt. Er geht davon aus, dass Menschen, die es mit dem Glauben ernst meinen, sich wirklich dransetzen, um sich zu ändern, und, wie in Philippi, alles Mögliche tun werden, um eine gemeinsame Linie zu finden um „zu unterscheiden auf was es gerade ankommt“.

Gerade im privaten Umfeld. in dem man solche Bruchstellen ausmacht, ist es wichtig Menschen mit denen man so weit auseinander liegt nicht los zu lassen sondern die Kontakte nicht abreißen zu lassen. Nun ist es aber auch so, dass wir alle auch mal die Erfahrung gemacht haben, dass wir zwar von guten Willen sind so ein Verhalten zu entwickeln, die Wirklichkeit aber oft so hart ist, dass unsere Beziehungen mit Andersdenkenden doch schnell zerbrechen. Und übrigens, es gibt auch in den Briefen von Paulus Stellen, aus dem man vermuten kann, dass auch bei ihm ab und zu gestörte Beziehungen sich nicht wiederherstellen ließen – auch wenn uns nicht immer klar ist wer dabei die meiste Verantwortung trug. Auf jemand zu zugehen, um zu versuchen sich auszusprechen oder um zu versuchen eine gemeinsame Linie zu finden – Erfahrungen aus zu tauschen, und Erkenntnisse zu gewinnen um in den Worten von unserem Text zu bleiben, ist eine risikovolle Sache. Als ich bei der Vorbereitung dieser Predigt an diesem Punkt kam, wurde mir bewusst dass der Paulus hier in seinen Worten noch ein anderes Element einbringt, dass ich bisher übersehen hatte. Nicht um sonst fängt er an mit der Erwähnung, dass er für die Christen in Philippi betet. Das sollte auch uns bewusst sein – eine gemeinsame Linie finden ist nicht ein psychologisches Spiel, sondern allererst ein Kampf im Gebet.  Nur so wächst die Liebe für andere Menschen, und wird man sich bewusst von der eigenen Ungeduld, und Ungeschicktheit. Erst so bekommt man Kreativität und Mut solche klärenden Gespräche an zu gehen.

Und weil Paulus hier vom Gebet so viel erwartet, stellt sich auch die Frage, ob wir als Gläubigen die Probleme unserer Zeit nicht viel mehr mit Gebet begegnen sollten als wir bis jetzt getan haben. Nun findet man im Internet viele Anregungen zu solchen Gebeten. Und offensichtlich hat es am Anfang dieser Pandemie, im Frühjahr 2020, auch schon Bemühungen gegeben so etwas auf nationaler Ebene zu organisieren. Die Frage ist durchaus berechtigt ob jetzt nicht die Zeit wäre, um solche Initiativen neu zu starten. War es vor einem Jahr hauptsächlich die Hilfslosigkeit die uns zu schaffen machte, jetzt ist die Gefahr, dass wir uns auseinanderleben, weil wir das Gespräch mit Andersdenkenden nicht mehr führen, umso größer. Nur wenn wir das wieder aufnehmen, haben wir die Perspektive, dass wir am Ende verstehen auf was es ankommt – in anderen Worten als Gemeinschaft von Gläubigen oder als Gemeinschaft in der weltlichen Gesellschaft die richtigen Entscheidungen zu treffen, aus zu führen und durch zu setzen.

Liebe Gemeinde, auch hier ist was Paulus vor 2000 Jahren an Gläubigen von damals schrieb für uns aktuell. Er regt an, wie wir gemeinsam einen Weg vorwärts finden, einen Weg die uns nicht entfremdet, sondern geistlich aufbaut.

Es ist an uns diesen Weg für uns zu finden mit den Mitteln die Paulus uns hier vorgibt.

Amen.

Lied: NL 91: „Wir schauen die Wahrheit ins Auge....“

Fürbittengebet:

Herr, wir beten, dass Liebe untereinander für uns keine leere Floskel wird, sondern dass wir uns anstrengen in Gebet, im Aufbau unserer Beziehungen und Austausch unserer Meinung, dass auch mit Inhalt füllen, auch in einer Zeit wie wir sie jetzt erleben, wo vieles kompliziert ist, vieles bedrohlich erscheint, und uns die Erfahrung fehlt Wege zu finden bei denen alle Zustimmen, dass das richtig ist. Wir bitten, dass wir die Worte von Paulus auch für unsere Situation ernst nehmen.

Herr, wir bitten für die Situation in unserem Land, wo wegen der Pandemie so viel Menschen Angst für die Zukunft haben. Angst, weil man Unsicher ist, Angst, um die Arbeitsstelle zu verlieren, oder Angst um ein Geschäft, das man mit Einsatz von seinen Kräften und Emotionen aufgebaut hat, aufgeben zu müssen.

Wir bitten für Menschen, die trauern, weil sie einen lieben Angehörigen verloren haben. Wir bitten, dass du Trost schenkst – auch durch Menschen in ihrer Nähe.

Und wir bitten für Frieden in der Welt, dass statt Hass die Liebe zwischen Menschen eine Chance bekommt.

Und wir beten jetzt in der Stille weiter.

Wir beten jetzt das Gebet das Jesus seinen Jüngern gelehrt hat:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Friede Gottes welcher höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied EG 607, 1,2 „Herr wir stehen Hand in Hand…“

Der Spruch für die kommende Woche lautet:
"Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn." (Luk 18:31)

Gehet jetzt hin im Frieden des Herrn:
Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten Über euch und sei euch gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.
Amen.

Gottesdienst am 11. April 2021 - Quasimodogeniti

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den Sonntag Quasimodogeniti („Wie die neugeborenen Kinder“), den 1. Sonntag nach Ostern. Früher war dieser Sonntag neben der Osternacht der zweite klassische Tauftermin. Deshalb kennt man ihn auch unter dem Namen „Weißer Sonntag“; das weiße Taufkleid symbolisiert das neue Leben, das mit der Taufe beginnt.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel

Am Anfang steht das Osterlied EG 116, 1.5: „Christ ist erstanden. Halleluja!“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet:
Gott, unser Vater,
du hast Jesus von den Toten erweckt und uns zu neuen Menschen mit einer lebendigen Hoffnung gemacht. Lass uns so leben, dass wir diese Hoffnung in unserem Leben umsetzen. Das bitten wir dich, der du mit dem Sohn, der lebt, und dem Heiligen Geist, der Leben schafft, Gott bist von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Unser Lesungs- und zugleich Predigttext ist eine der Ostergeschichten aus dem Johannesevangelium, Kapitel 21, Verse 1-14:
Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias (= See Genezareth). Es waren aber beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten`s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: Es ist der Herr“, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt`s ihnen, desgleichen auch den Fisch. Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 100, 1.4.5:„Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.!

Liebe Gemeinde,

Ostern ist ganz handfest, es gibt Arbeit und Brot, erzählt der Evangelist Johannes. Das ist existentiell für die meisten Leute. Damals und heute. Und es ist nicht selbstverständlich. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass die Arbeit genug Geld einbringt. Damals und heute ist es nicht selbstverständlich. Die Leute haben die ganze Nacht auf dem See gefischt und kommen doch mit leerem Boot heim. Andere kriegen 2,50 Euro für 12 Stunden Handy-Zusammenbauen, Turnschuhnähen oder Bananenpflücken. Arbeit haben und davon leben können, das ist nicht dasselbe. Das wissen alle, die eine Arbeit haben, bei der sie zu den Geringverdienern gehören und nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Das wissen auch die Menschen, die coronabedingt in Kurzarbeit sind, die um ihren Arbeitsplatz bangen oder vielleicht sogar schon in der Krise ihre Arbeit verloren haben. Manche Branchen sind durch die Lockdowns besonders hart betroffen, Gastronomie, Tourismus, Einzelhandel…

Ich bin dann mal fischen, sagt Petrus, und eine Handvoll Jünger kommt mit. Von irgendetwas müssen sie leben. Petrus hat Familie in Kapernaum am See Genezareth, hungrige Mäuler, die auf Essen warten. Sie bilden einen kleinen Fischereibetrieb auf Zeit, vielleicht auch nur, um das Boot zu mieten oder zu unterhalten. Da ist es schon ein Verlust, wenn die Arbeit einer ganzen Nacht umsonst ist-am Tag lässt es sich nicht fischen. Pech gehabt, zucken vielleicht manche mit den Schultern. Doch für Arme ist es eine Katastrophe, denn sie bringt das ohnehin knappe Überlebensbudget ins Wanken.

„Kinder, habt Ihr nichts zu essen?“, diese Frage empfängt sie nach einer anstrengenden Nachtschicht am Ufer. Aber sie werden noch einmal hinausgeschickt, an eine andere Stelle, von einem Unbekannten, der herumlungert und den sie nicht erkennen können. Reichlich hundert Meter von ihrem bisherigen Fangort und weiter rechts sollen sie ihre Netze auswerfen.

Komischer Typ, warum fährt er nicht selbst aus, wenn er sich so gut auskennt? Warum kassiert er die Fische nicht selbst ein, wofür sie sich schon die ganze Nacht um die Ohren geschlagen haben? Ist das eine Falle? Oder will er einen Anteil am Fang? Eine Provision? Dass einer sie nicht betrügen will, sondern solidarisch ist und ihnen, obwohl er selbst Hunger hat („Kinder, habt Ihr nichts zu essen?“) die besten Fischgründe zeigt, das ist eher üblich bei Jesus und seinen SchülerInnen. Doch nur jemand, der Jesus sehr nahestand, der Jünger, den Jesus liebhatte, Johannes, kommt auf die Idee: Sollte es Jesus selbst sein, der Lebendige?

Unglaublich! Das Netz ist prall gefüllt mit lauter großen Fischen, Arbeit, die sich lohnt. Am Ufer brennt ein Feuer. Der Unbekannte erwartet sie und hat ihnen sogar Frühstück vorbereitet. Irgendwoher hat er Brot und Fische aufgetrieben, auch wenn es nicht reicht. Sie müssen noch ein paar von den frisch gefangenen Fischen bringen. Ist es nun Jesus? So richtig trauen sie sich nicht zu fragen.
Übrigens ist es so ähnlich wie vor Monaten, als sich unendlich viele Leute mit knurrendem Magen am Ufer drängten. Damals hatte ein einziges Kind etwas zu essen dabei, fünf Brote und zwei Fische. Das Kind gab ab, und alle haben Brot und Fische geteilt, und es reichte. Waren es Tausende? (Johannes 6, 1-13)

Jedenfalls müsste heute kein Mensch hungern, wenn wir auf der Erde gerecht teilen würden. Denn es geht nicht gerecht zu, das wissen wir schon lange. Und das wird auch jetzt deutlich. Nicht alle sind durch die Folgen der Pandemie finanziell beeinträchtigt. Bei vielen kommt das Gehalt unverändert aufs Konto. Manche Branchen boomen geradezu. Müsste man sich nicht einmal Gedanken machen, wie man hier einen Ausgleich schaffen kann, durch eine Art Corona-Soli oder so etwas? Dass diejenigen, die weiterhin gut verdienen oder sogar mehr erwirtschaften, eine finanzielle Abgabe leisten für die vielen anderen, die das nicht haben. Im Frühjahr letzten Jahres ist das in der Politik und in den Medien diskutiert worden; jetzt hört man nichts mehr darüber. Es wäre an der Zeit, sich damit wieder ernsthaft zu beschäftigen. Und nicht nur unsere Lage in Deutschland oder in Europa anzuschauen, sondern weltweit. Besser noch als einen Corona- gleich einen Armuts-Soli einzuführen. Wenn das gelingen würde! Wäre das dann sogar ein größeres Wunder als damals, als das Kind fünf Brote und zwei Fische verschenkt hat?

Liebe Gemeinde, heute ist der See Genezareth eine Touristenattraktion, zu normalen Zeiten jedenfalls. Schiffe schippern Reisende aus aller Welt über die Wellen. Am Ufer eilt das Personal hin und her und beköstigt die Massen. Für besondere Gäste wird abends am Ufer gegrillt. Ein Highlight in der Dunkelheit. Fast so wie damals.

Jesus würde sich wohl kaum von den Mitarbeitern unterscheiden, die das gutzahlende Publikum bedienen und dafür sorgen, dass es ihnen an nichts fehlt.

Jesus kellnert. Er schürt Feuer am Strand, brät Fisch und Brot. Er schlüpft in die Rolle der Frauen, die für das Essen zuständig sind. Er macht Frühstück. Die Jünger fragen sich: Ist das Jesus? Oder ist er es nicht?

Erkennen sie ihn? Besser: was sehen sie, was erkennen sie eigentlich? Nach dem Bericht des Johannesevangeliums bleibt das in der Schwebe, und das ist gut so. Denn immer wieder behaupten Leute, sie wüssten ganz genau, wie Jesus wäre, was er meinen oder nicht meinen würde. Ihnen wäre sonnenklar, wie Gott zu verstehen sei, und ihr Weg zu Gott sei der einzige.
Unsere heutige Ostergeschichte lässt solche schnellen Antworten nicht zu. Sie zeigt auch, dass es gar nicht um schnelle Antworten geht.

Wie die Jünger und Jüngerinnen Ostern erlebt haben, davon erzählt die Bibel viele und völlig unterschiedliche Geschichten. Jesus zeigt sich in verschiedener Gestalt, als Wanderer, als Gärtner, als Geliebter, als Verwundeter mit Narben und Folterspuren, als Hungriger, als jemand, der auf nicht zu erklärende Weise einfach so in den Raum kommt. Immer wieder wundern sich die JüngerInnen, manchmal fürchten sie sich sogar. Aber immer wieder verändert sich etwas für sie. Sie kehren um. Sie verlieren ihre Angst. Sie begreifen Zusammenhänge. Sie beginnen zu reden. Sie treten überzeugend auf. Sie kommen in Bewegung. Sie lassen sich nicht einschüchtern. Sie wachsen über sich hinaus.

Ostern hat so viele Gesichter, weil wir viele Gesichter haben und in verschiedenen Lebenssituationen stecken.

Deshalb bedeutet Ostern -Auferstehen, Aufstehen- für jeden Menschen etwas anderes. Aufstehen heißt für jeden eine andere Herausforderung, eine andere Verwandlung, eine andere Überraschung.

Die Hoffnung, liebe Gemeinde, trägt viele Namen, selbst, wenn auf die manchmal niemand so schnell kommt.
Aber immer ist Ostern ganz handfest. In unserer Geschichte aus dem Johannes heißt Ostern: Es gibt Arbeit und Brot.
Petrus sagt: „Ich bin dann mal fischen.“

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 649, 1.4.5: „Eine freudige Nachricht breitet sich aus“

Wir beten:

Du Gott des Lebens,
du hast deinen Sohn Jesus Christus auferweckt, damit auch wir leben. Wir danken dir, dass durch die Kraft der Auferstehung der Stachel des Todes besiegt ist.

Wir bitten dich, lass uns den Sieg des Lebens spüren und die Kraft der Auferstehung erfahren. Wir bitten dich um offene Ohren, die alle Hinweise des Lebens verstehen und richtig deuten.

Wir bitten dich um wache Augen, damit wir die Spuren der Auferstehung auch in unserem Leben finden. Wir bitten dich, dass wir den Wert des Lebens begreifen und es mit unseren Händen schützen und bewahren.

Wir bitten dich um einen klaren Verstand, damit wir Wege finden, mit den Menschen bei uns und weltweit solidarisch zu sein, denen es viel schlechter geht als uns selbst. Wir bitten dich um ein weites Herz, damit wir gerade in diesen schweren Zeiten abgeben und teilen, damit alle überleben können.

Und alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, …

Lied EG 99: „Christ ist erstanden von der Marter alle“

Segen:
Gott segne uns und behüte uns auf allen unseren Wegen.
Amen.

Gottesdienst am 04. April 2021 - Ostern

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
zum Osterfest grüße ich Sie/Euch mit dem alten Ostergruß der Christenheit:
„Derr Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“

Wir feiern, dass Gottes Liebe den Tod besiegt hat.
Er hat seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt, uns zum Zeichen.

Hier bieten wir Ihnen/Euch wieder einen Gottesdienst zum selbst Lesen und für die Osterfeier zuhause. Wir wünschen Ihnen/Euch, dass Ostern wieder neuen Mut und neue Hoffnung schenken kann.

Ein gesegnetes Osterfest,
Ihre/Eure Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 106, 1.2.3.5 „Erschienen ist der herrlich Tag“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Meditation zu Psalm 118 (dieser Psalm wird immer zu Ostern in den Gottesdiensten gelesen):
Ich danke dir, Gott, denn du bist freundlich und deine Güte währet ewiglich. Du bist meine Macht und mein Heil. Ich singe von deinem Sieg mit Freuden: Deine Rechte behält den Sieg, auch über die Pforten des Todes und der Hölle. Deine Rechte behält den Sieg.
Ich werde nicht sterben, sondern leben und deine Wunderwerke verkündigen, Gott.
Auch wenn du mir schweres Leid schickst, gibst du mich doch nicht dem Tode preis. Du tust mir auf die Tore deines Hauses, dass ich durch sie einziehe und dir danke. Ich danke dir, Gott, du hast mein Gebet erhört und mir auf mein Bitten hin geholfen. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.
Das ist dein Werk, ein Wunder in meinen Augen. Du hast diesen Tag gemacht, an dem ich mich freuen kann und mein Herz fröhlich ist. Ich lobe dich, Gott, denn du lässt mich nicht allein. Deine Hand ist bei mir, du segnest mein Tun und legst mir dein Wort auf die Zunge. Darum schmücke ich deinen Altar mit Blumen, ich bereite ein Fest, um dir zu danken. Ich lobe dich, Gott, und preise deinen Namen.
Amen.

Wir beten:
Himmlischer Vater, du hast deinen Sohn Jesus Christus
aus dem Tode erweckt.
Wir können das kaum glauben, nur schwer können wir es begreifen.
Hilf uns zu verstehen und zu glauben, was das bedeutet:
Auferstehung.
Überwinde unseren Zweifel und unsere Fragen.
Öffne unsere Augen, dass wir die Zeichen des Lebens
auch in der Dunkelheit des Todes und der Trauer erkennen.
Lass uns den Weg zum Leben finden.
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Biblische Lesung: Jesaja 25, Verse 8 und 9:
„Er wird den Tod verschlingen auf ewig.
Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern wischen
und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der Herr hat`s gesagt.
Zu der Zeit wird man sagen:
'Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe.
Das ist der Herr, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.'“
Amen.

Lied EG 116, 1.2: Er ist erstanden, Halleluja!

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
an Ostern suchen viele Kinder Ostereier; drinnen in der Wohnung oder draußen im Garten (bei dem schönen Wetter in diesen Tagen ist das sicher ein besonderes Vergnügen). Die Eltern sind schon ganz früh aufgestanden, um die bemalten Ostereier, die Schokoladenhasen und was sonst noch im Osternest liegen soll, zu verstecken.
Es ist immer sehr schön mitzuerleben, wie die Kinder sich auf die Suche machen; überall aufmerksam herumschauen, sich bücken, sich nach oben recken und wie sie dann voller Freude die Süßigkeiten und die Eier aufsammeln. Auch die Erwachsenen freuen sich mit; viele Großeltern werden es bedauern, diesmal nicht dabei sein zu können, weil sie noch nicht geimpft wurden und vorsichtig sein müssen!
Das Ei ist ein Symbol der Auferstehung, des unbändigen Lebenswillens. Die Schale steht für den Tod. Das neue Leben im Ei, das Küken, zerbricht die Schale, weil es leben will. Das neue Leben zerbricht den Tod und wirft ihn ab. Wie eine Pflanze, die sich durch einen ganz feinen Riss in einer Betonplatte hindurchwindet, sich zum Baum weiterentwickelt und dann eine solche Platte zum Zerbrechen bringt, so bricht das Leben aus der Eierschale hervor. Und dabei spricht doch alles gegen das Leben unter der Schale.
Die Realität.
Jede Beerdigung.
Jedes Krankenbett.
Jede bedrohliche Krise.
Alle sprechen gegen das Leben.
Der Tod tritt ja nicht erst dann ein, wenn das Herz aufhört zu
schlagen. Er ist bereits da, wenn Menschen ihre Hoffnung verlieren, ihr Vertrauen zum Leben, zu Gott, zu sich selbst, wenn sie aufgeben…

So ist die Botschaft von Ostern, vom Sieg des Lebens über den Tod, nicht nur tröstlich im Hinblick auf unser Lebensende, sondern sie ist auch überaus ermutigend für unser Leben: Gott schenkt uns Menschen neues Leben, am Ende unseres Lebens und schon mitten im Leben.
Diese Botschaft zu suchen und zu entdecken, das macht froh. Die Kinder freuen sich ja auch, wenn sie Ostern Eier und Süßigkeiten suchen. Manchmal möchten sie allerdings, dass man ihnen das Ver -steck zeigt. Dann ist das Finden nicht mehr ganz dasselbe.
Am meisten macht es Freude, wenn man sich selbst bei der Suche anstrengt. Da muss man sich auch schon mal bücken, sich recken, an den schwer zu erreichenden Stellen suchen. Das kann anstrengend sein. Das Suchen und die Freude am Finden nimmt uns niemand ab. Gott sei Dank!
Ja, liebe Schwestern und Brüder, wer würde einem Ei zutrauen, dass darin Leben steckt? Wer hätte damals gedacht, als Jesus wie ein Verbrecher hingerichtet wurde, dass Menschen bis zum heutigen Tag sich zu ihm als dem Christus bekennen würden?
Das Leben ist an Ostern aufgebrochen.
Gott sei Dank in Jesus Christus.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 559,1.2.4 „O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit“

Fürbitten:

Jesus Christus, Freund des Lebens,
in deine Hände legen wir unseren Weg,
begleite uns!

Jesus Christus, Freund des Lebens,
in deine Hände legen wir unsere Zeit,
erbarme dich!

Jesus Christus, Freund des Lebens,
in deine Hände legen wir unsere Ängste,
erhöre uns!

Jesus Christus, Freund des Lebens,
in deine Hände legen wir unseren Dank,
für alle Zeit!

(hier ist die Möglichkeit, auch eigene, frei formulierte Bitten anzuschließen)

Vater Unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Lied EG 99: „Christ ist erstanden von der Marter alle“

Segenswort:
Der österliche Segen Gottes, der komme über mich/ uns und bleibe bei mir/uns von nun bis in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 02. April 2021 - Karfreitag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
zum Lesegottesdienst für den Karfreitag, den 2. April, grüße ich Sie/euch mit einem Wort aus dem Johannesbrief (Kap. 3, V. 16):
„Also hat Gott die Welt geliebt, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Wir denken darüber nach, was der Tod Jesu am Kreuz für uns bedeutet. Wie können wir das verstehen, dass Jesus für uns gestorben ist?
Einen gesegneten Feiertag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg -Knebel.

Am Anfang steht das Lied EG 97, 1.2.6: „Holz auf Jesu Schulter“

Wir sind hier zusammen im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Wir lesen Worte aus Psalm 22; Worte, die Jesus kurz vor seinem Tod am Kreuz gesprochen hat:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!
Amen.

Gebet:
Herr, unser Gott, warum hast du uns verlassen? Du scheinst so weit weg von uns zu sein, wenn wir dich brauchen. Wir beten und hören keine Antwort. Wir kommen nicht gut klar mit unserem Leben, mit unserer Angst. Warum bleibst du stumm?
Wir bitten dich: Sei nicht ferne von uns, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer! Erbarm dich unser!

Der Bibeltext dazu steht im Lukas-Evangelium, Kapitel 23, Verse 32-49.
Lukas berichtet von Jesu Kreuzigung und Tod.

„Es wurden aber auch andere hingerichtet, zwei Übeltäter, dass sie mit ihm hingerichtet würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!
Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat anderen geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.
Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus?
Da antwortete der andere, wies ihn zurecht und sprach: Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagte hatte, verschied er. Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen! Und als das Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von Ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles."
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied: 85, 1.2.4: „O Haupt voll Blut und Wunden“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
schon oft habe ich in den letzten Jahren von Menschen den Satz gehört: Mit dem Karfreitag kann ich nichts anfangen! Sie empfinden ihn entweder als zu traurig; es geht dabei ja um Tod, Elend, Leiden, Themen, um die man lieber einen großen Bogen macht. Oder sie ärgern sich, weil es an diesem Tag besonders still zugeht, die Geschäfte haben geschlossen, es gibt keine Sportveranstaltungen, auch das Programm in den Medien passt sich an. Oder der Tag ist ihnen völlig gleichgültig, weil sie ohnehin mit dem christlichen Glauben nichts mehr verbinden.

Wie wird es wohl in diesem Jahr am Karfreitag sein, wo sich unser Leben durch die Bedrohung durch das Coronavirus so völlig verändert hat? Ob sich die Einstellung der Menschen zum Karfreitag gewandelt hat? Ängste, das Leiden von Menschen und der Tod sind auf einmal viel näher an uns herangerückt. Unser Leben hat sich in diesem einen Jahr fundamental verändert. Wir fühlen uns zutiefst verunsichert und fragen uns, wie es weitergehen soll.

Und so mancher Mensch ist ins Nachdenken gekommen und sucht danach, was ihm Halt und Trost geben.
Karfreitag- Jesus wird wie ein Schwerverbrecher am Kreuz hingerichtet. Unfassbar. Jesus ist doch der Gottessohn, der Menschenfreund. Der sich für die Menschen am Rande der Gesellschaft eingesetzt hat, für Gerechtigkeit und Frieden, der die Liebe Gottes erlebbar gemacht hat. Nun ist das alles zu Ende, der Tod hat über das Leben gesiegt. Der Evangelist Lukas berichtet, wie auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu völlig verwirrt und verzweifelt sind. Sie lassen Jesus allein, weil sie Angst um ihr eigenes Leben haben. Der Evangelist Lukas berichtet: Nur der römische Hauptmann unter dem Kreuz und einer der beiden Verbrecher, die neben Jesus gekreuzigt werden, scheinen zu verstehen, dass mit diesem furchtbaren Tod Jesu am Kreuz nicht alles aus ist. Der eine bittet Jesus, dass er sich bei Gott für ihn einsetzt. Der andere nennt Jesus einen wahrhaftig frommen Menschen und er preist Gott. Bei diesen beiden leuchtet schon etwas vom Osterlicht hervor. Es bringt bereits ein wenig Helligkeit in die Dunkelheit des Todes. Das, liebe Gemeinde, kann auch in unserer gegenwärtigen belastenden Situation Hoffnung und Trost geben. Auch, wenn wir uns mit dem Karfreitag schwertun, aus den unterschiedlichsten Gründen, wir können ihn nicht ignorieren, er gehört in unser Leben hinein. Wir können ihn aber aushalten. Denn auch für uns fällt von diesem Tag her ein kleiner Strahl des Osterlichtes in unsere Dunkelheit.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 91, 1-3: „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken“

Wir beten:
Gott,
dein Tod am Kreuz stellt uns und unseren Glauben in Frage.
Lass uns dennoch bei dir bleiben und auch im Leid das Licht der Hoffnung scheinen sehen.
Wir denken besonders an all die Menschen, die bei uns und überall auf der Welt krank sind, Schmerzen erdulden müssen, die ohne Hoffnung und allein sind.
Sei du ihnen nahe und lass sie das spüren.
Wir denken an die Kranken und Sterbenden bei uns und anderswo.
Halte du sie in deinen gütigen Händen und geh auch das letzte Stück ihres Lebens mit ihnen.
Sei du bei uns allen.
Amen.

Vater Unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Lied EG 85, 9.10.: O Haupt voll Blut und Wunden

Der Segen Gottes komme über euch und begleite euch
von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

 

Gottesdienst am 28.03.2021 - Palmsonntag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

der folgende Lesegottesdienst möchte Sie/Euch einstimmen auf den kommenden Sonntag, den 28. März. Es ist der Palmsonntag, mit dem die Karwoche beginnt.

Der Wochenspruch für die Karwoche lautet:
„Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Johannes 3, 14f)

Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Am Anfang steht das neue geistliche Lied „Eines Tages kam einer“ (bl. Anhang zum Gesangbuch, Nr. 34).

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gott,
ich bin hier und Du bist hier.
Ich bete zu Dir und weiß, ich bin verbunden mit dir
und mit anderen, die zu Dir beten.
Es ist Palmsonntag. Mit Jesus gehe ich in diese Woche.
Ich bin hier und Du bist hier.
Das genügt.
Ich bringe dir alles, was ist.
(hier einen Moment der Stille einhalten)
Höre auf unser Gebet.
Amen.

Die biblische Lesung für den Palmsonntag steht im Johannes-Evangelium, Kapitel 12, Verse 12- 19 (Gute-Nachricht-Bibel). Sie berichtet, wie Jesus vor Beginn des Passafestes nach Jerusalem kommt und dort von den Menschen begeistert empfangen wird:

Am nächsten Tag hörte die große Menge, die zum Passafest gekommen war, Jesus sei auf dem Weg nach Jerusalem.
Da nahmen sie Palmzweige, zogen ihm entgegen vor die Stadt und riefen laut: Gepriesen sei Gott! Heil dem, der in seinem Auftrag kommt! Heil dem König Israels!
Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie es schon in den Heiligen Schriften heißt:
Fürchte dich nicht, du Zionsstadt!
Sieh, dein König kommt. Er reitet auf einem jungen Esel.
Damals aber verstanden seine Jünger dies alles noch nicht; aber als Jesus in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war, wurde ihnen bewusst, dass dieses Schriftwort sich auf ihn bezog und dass die Volksmenge ihn dementsprechend empfangen hatte. Als Jesus Lazarus aus dem Grab gerufen und vom Tod auferweckt hatte, waren viele dabei gewesen und hatten es als Zeugen weitererzählt. Aus diesem Grund kam ihm jetzt eine so große Menschenmenge entgegen. Sie alle hatten von dem Wunder gehört, das er vollbracht hatte. Die Pharisäer aber sagten zueinander: Da seht ihr doch, dass wir so nicht weiterkommen! Alle Welt läuft ihm nach!

Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes;
am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 314, 1.2.5 „Jesus zieht in Jerusalem ein“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
am Sonntag begehen wir Christinnen und Christen den Palmsonntag, die Karwoche beginnt. Es ist eine Woche voller Dramatik: vom begeisterten Empfang in Jerusalem, bei dem Jesus von den Menschen hoffnungsvoll begrüßt wird wie ein König, über die Feier des Abendmahls mit seinen engsten Freunden, das dann aber unerwartet ein Abschiedsmahl wird. Die ergreifende Szene, in der Jesus im Garten Gethsemane hin- und hergerissen ist zwischen seiner Todesfurcht und dem sich Gottes Willen Anvertrauen bis hin zur Verhaftung, zur Verurteilung und zum furchtbaren Tod am Kreuz. Eine ungeheure Spannung baut sich auf, ein Auf und Ab der Gefühle und der Gedanken.
Es ist eigentlich kaum auszuhalten, was da in diesen wenigen Tagen alles zusammenkommt, wie sich die Ereignisse um Jesus entwickeln. Und wie sich diese ganze Spannung, diese tiefste Verzweiflung, dann am Ostersonntag wieder auflöst: „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!“ Gottes Liebe ist stärker als der Tod, stärker als alle todbringenden Mächte dieser Welt.
Jedes Jahr wieder bringt uns die Passionszeit und darin besonders ihr letzter Abschnitt, die Karwoche, ins Nachdenken über das Leiden und Sterben Jesu, über das, was sein Tod am Kreuz für uns bedeu -tet.
In diesem Jahr, wie auch schon im Jahr zuvor, bekommt unser Nachdenken eine ganz neue Ernsthaftigkeit: uns ist bewusst, dass wir und alle anderen Menschen dem Tod möglicherweise viel näher sind als wir bisher immer gedacht haben. „Die Angst vor Corona ist ja eigentlich die Angst vor dem Tod“, hat ein junger Mensch aus meiner früheren Gemeinde am Niederrhein einmal formuliert. Und er bringt es damit auf den Punkt.
Diese Angst, der Gedanke an das eigene Sterben lässt uns nach Halt und Trost fragen und nach einer Hoffnung über dieses Leben hinaus. Als Christinnen und Christen vertrauen wir darauf, dass die Passion Jesu Sinn hat, auch für unser Leben.
Wir denken Ostern dabei immer schon mit. Ostern heißt ja: es gibt nichts mehr, was uns noch von der Liebe Gottes trennen kann, nicht einmal unser eigener Tod. Und das weckt in uns eine ganz leise und stille Freude in all dem Schweren.
In unserem Gesangbuch gibt es ein Lied, das genau diese Perspektive beschreibt: nicht nur den Tod zu sehen, sondern durch ihn hindurch das Leben zu entdecken. Es trägt den Titel „Korn, das in die Erde“
(EG 98, 1-3); oft singen wir es in den Gottesdiensten während der Passionszeit.
Hier der Text für Sie/für Euch zum Nachlesen:

Strophe 1:
Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt-
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Strophe 2:
Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Strophe 3:
Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn-
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.

Wir beten:
Herr, wir beten für die Kranken, für die, denen keine Medizin mehr helfen kann, für die, die sterben müssen, für die, die unter der Last dieser Zeiten zusammenbrechen.
Komm zu ihnen mit deiner Liebe und heile sie.
Wir beten für die Menschen, die in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten, in Feuerwachen und Apotheken, in KiTas und Schulen, in Supermärkten, in Laboren und in Ställen, in Ämtern und Gemeinden.
Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie.
Wir beten für die Menschen in der Politik und in der Wirtschaft; stehe ihnen bei, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen, die uns allen in dieser Krise weiterhelfen.
Wir beten auch für die Menschen, die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten, die Flüchtlinge, die Opfer von häuslicher Gewalt, die Verwirrten und Missbrauchten, die Hungernden, die Einsamen.
Komm zu ihnen und rette sie.
Gehe mit uns allen durch diese Zeit.

Wir fassen alle unsere Bitten zusammen in dem Gebet, das Jesus uns selbst gelehrt hat:
Vater unser im Himmel…

Lied EG 665, 1-3 „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“

Wir bitten um den Segen Gottes:
Segne und behüte uns auf unseren Menschenstraßen.
Sende Liebe und Wärme in die kalte Welt.
Hoffnung, die wir fast vergaßen.

Amen.

 

Gottesdienst am 21.03.2021 - Judica

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
zum Gottesdienst am Sonntag Judica grüße ich Sie und Euch mit dem Wochenspruch aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 20, Vers 28:
„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“
Im Gottesdienst wollen wir uns heute mit Hiob aus dem Alten Testament beschäftigen. Sein Glaube wird auf eine harte Probe gestellt. Hat sein Leiden einen Sinn? Und was ist mit unserem Leiden? Die Passionszeit lädt uns ein, diesen Fragen einmal nachzugehen.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Am Anfang steht das Lied EG 91, 1-3 „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken“

Eingangswort:
Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Gebet:
An diesem Morgen kommen wir zu dir, Gott, aus unserem Alltag voller Aufregung. Lass uns bei dir Ruhe finden.
Mit unserem wirren Leben finden wir uns an diesem Morgen bei dir ein, Gott. Lass uns den Weg finden.
Wir bringen an diesem Morgen vor dich unsere Welt voll Leid, Gott. Lass uns die Hoffnung nicht verlieren.
Wir beten zu dir, wir hören auf dich, rede zu uns, zeig dich.
Amen.

Als Lesung und als Predigttext haben wir heute einen Abschnitt
aus dem Buch Hiob, Kapitel 19, Verse 19- 27:
„Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach, dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust."
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters,
von dort wird er kommen zu richten die Leben- den und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das Ewige Leben.
Amen.

Lied EG 382, 1-3 „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
Hiob aus der Bibel ist wohlhabend, ein reicher Herdenbesitzer, mit zahlreichen Knechten. Er ist auch Familienvater. Er und seine Frau haben drei Töchter und sieben Söhne. Für ihn ist das alles Geschenk Gottes, Zeichen dafür, dass er bei Gott gut angesehen ist, sogar sein Liebling.

Doch dann kommt ein Schicksalsschlag nach dem anderen. Die sprichwörtlichen Hiobsbotschaften ereilen ihn. Hiob verliert zunächst alle seine Tiere, dann seine Knechte. Schließlich kommen seine Kinder ums Leben.

Dann kommt er selbst an die Reihe, ein juckender Ausschlag, sogar Geschwüre, er kann kaum noch laufen oder sprechen, nichts mehr zu sich nehmen, er wird zum Außenseiter.

Im biblischen Buch Hiob wird nach dem Sinn oder Unsinn des Leidens gefragt, geradezu gerungen. Das, was diesem Menschen zustößt an Schrecklichem, ist das Schicksal? Zufall? Wille Gottes? Für Hiob scheint es eine wirkliche schlüssige Antwort nicht zu geben, sie bleibt aus. Als Leser wissen wir, was Hiob nicht weiß. Dem Ganzen geht eine Wette zwischen dem Satan und Gott voraus. Hiobs Frömmigkeit soll auf die Probe gestellt werden. Wird er auch im Leiden seinem Gott treu bleiben? Der Satan bezweifelt das.

Man mag diese Wette für etwas geschmacklos halten, aber das Thema ist doch klar benannt. Was bringt es einem Menschen zu glauben? Bringt es vielleicht sogar Nachteile mit sich? Muss ich im Leiden meinen Glauben aufgeben, weil die Gleichung von Glaubensinvestition und Glücksgewinn nicht mehr aufgeht? Die Theologin Dorothee Sölle schreibt dazu: „Liebe zu Gott ist anders, sie ist eine verrückte Liebe ohne Berechnung, eine Liebe, die sich nach Meinung des Teufels nicht auszahlt(…). Gott zu lieben heißt nicht: ich gebe dir den richtigen Glauben und komme dafür in den Himmel. Es heißt, sich Gott geben, ohne Versicherung, ohne Rückzahlung.“ Das ist ein schöner Gedanke. So, lieben wir ja zum Beispiel auch einen anderen Menschen, ohne Berechnung, einfach so.

Hiobs Frau reagiert ungehalten, sie versteht nicht, warum ihr Mann sich nicht von Gott abwendet: „Hältst du immer noch an deiner Frömmigkeit fest? Gib Gott den Laufpass und stirb.“

Liebe Schwestern und Brüder, kennen Sie ähnliche Ratschläge heute? Bringt doch nichts, das Glauben, das Beten. 10 Gebote beachten. Zum Gottesdienst gehen. Kirchensteuer zahlen. Gott sind wir Menschen doch egal, wenn es ihn überhaupt geben sollte. Denn wenn es ihn gibt: Warum verhindert er nicht, dass so viel Schreckliches in der Welt passiert? Die Pandemie, die uns nun schon seit einem Jahr in Atem hält und unser Leben bedroht und massiv einschränkt, Kriege, Millionen Flüchtlinge, Katastrophen, unheilbare Krankheiten, Armut und Elend, so viel unschuldige Menschen leiden und sterben.

Hiob antwortet im Laufe des sehr umfangreichen biblischen Buches nicht einheitlich. Es gibt verschiedene Antworten, so verschieden, dass Theologen davon ausgehen: die Texte des Hiob-Buches sind in verschiedenen Zeiten entstanden, wurden ergänzt und zusammen -gestellt. Es gibt eine erzählende Rahmenhandlung, legenden-, fast märchenhaft; dahinein sind Reden Hiobs und seiner Freunde eingefügt, die an die Sprache der Psalmen erinnern. Zunächst ist Hiob sehr abgeklärt, er sagt: „Gott hats gegeben, Gott hats genommen, der Name des Herrn sei gelobt.“ Später werden seine Klagen lauter: „Mich ekelt mein Leben an. Gefällt dirs, dass du Gewalt tust und verwirfst mich, den deine Hände gemacht haben? Gott, schau doch weg von mir. Also: Wenn das Leben schon so ist, wie es ist, dann lass mich doch wenigstens in Ruhe, Gott.“

Hiob ist kämpferisch. Er ist nicht fertig mit Gott, gibt ihm nicht den Laufpass. Er wendet sich Gott immer wieder zu, klagt ihm sein Leid, schleudert ihm offene Fragen hin, begehrt auf. Und bekommt am Ende von Gott bescheinigt, recht geredet zu haben. Das Klagen, Hadern, Zweifeln gehört zum Glauben dazu. Vielleicht ist gerade das, wenn wir untröstlich sind, das Tröstliche: dass es einen gibt, der zuhört und die Klage zulässt: Gott.

Und was heißt das nun für das Leiden? Für Hiobs Leiden, für unser Leiden?

Der biblische Hiob hat Freunde, die ihn besuchen. Sie halten sein Trauern und Schweigen aus. Sieben Tage und Nächte sitzen sie bei ihm, schweigen mit ihm, dann reden sie. Sie sagen: „Leiden geht immer auf Schuld zurück. Da Gott gerecht ist, musst du, Hiob, irgendetwas falsch gemacht haben, sonst ginge es dir nicht so. Denk mal drüber nach.“

Hiob pflichtet den Freunden zwar bei, denn völlig unschuldig ist eben kein Mensch auf Erden. Aber so viel Leid, wie er zu tragen hat - das kann nichts mit seinem eigenen schuldhaften Leben zu tun haben.

Uns rutscht das auch so raus, dass wir beim Leid anderer sagen oder denken: Kein Wunder. Unvorsichtig gewesen. Alles auf die leichte Schulter genommen. Das Virus. Das Leben selbst. Wir sind, so meinen wir oft, selbst verantwortlich, selbst schuld an dem, was uns widerfährt. So geben wir dem Leiden einen Sinn, eine Erklärung, wir wissen anscheinend genau, wo es herkommt. Und sind dabei ziemlich ungnädig.

Liebe Geschwister, der Verfasser des Hiob-Buches zeigt uns, dass es komplett sinnloses Leid gibt. Weder der Leidende selbst, noch andere, noch Gott sind daran schuld. Und dass allein schon das Forschen nach einer Ursache lieblos und zynisch wirken kann. Das wird in den Gesprächen mit Hiob und seinen Freunden deutlich. Wie wäre es, wenn unser christlicher Glaube uns darin stark machen könnte, gerade auch die Sinnlosigkeit von Leid auszuhalten? Und dennoch in allem Leid an Gott festzuhalten. Hiob lässt sich nicht mit Erklärungen abspeisen, die versuchen zu zeigen, dass vielleicht doch alles einen Sinn gibt. Er will keine Erklärungen, das einzige, was er braucht, ist, dass Gott ihn sieht. Dass er zu ihm redet. Darauf kommt es an. Dass sie noch verbunden sind.

Hiob kann uns ein Vorbild im Glauben sein. Vielleicht weniger der biblische Hiob der Legende, der das Leid so übermenschlich stark akzeptiert und für den am Ende alles wieder gut wird. Er kommt uns da nahe, wo er aufbegehrt, streitet, kämpft. Sich nicht abfindet mit Krankheit, Leid, Verlust. Wo er Leben und Gerechtigkeit und Glück fordert, für sich und andere. Wo er gegen alles, was ihm widerfährt, daran festhält, dass Gott es mit ihm, seinem Geschöpf, gut meinen muss. Und dann ist da mitten in der Klage, im Kampf ein großer Satz des biblischen Hiobs: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ Aus der größten Verzweiflung taucht die Hoffnung auf, dass es in der Tiefe des Abgrund Halt gibt. Der Sturz geht nicht ins Bodenlose. Am Ende ist da eine Hand, die uns hält. Am Ende ist da Gott, der uns auffängt.

„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, das ist ein Satz gegen die Angst, ein Wort, das mitten in der Verzweiflung die Rettung ahnt. Das Schwere, das Leiden, die Anfechtungen werden unser Leben weiterhin begleiten, wir werden immer wieder stürzen, aber nicht tiefer als nur in Gottes Hand.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 372, 1.2.4 „Was Gott tut, das ist wohlgetan“

Fürbitten:
Verborgener Gott,
den es nicht gibt, wie es etwas geben kann.
Du bist nicht dort, wo wir dich zu wissen meinen.
Doch du geschiehst, wo wir dich vermissen.

Zeig deine Nähe, wo nichts und niemand mehr nahe ist,
wo es nichts mehr zu hoffen gibt,
wo Lebensgerüste zerfallen.

Zeig deine Nähe, wo Worte und Verstehen aufhören,
wo das Wort „Gott“ nichts mehr sagt,
wo der Glaube ins Offene fällt.

Zeig deine Nähe, wo das Elend zu groß ist, um es zu begreifen,
wo das Dunkel ohne Widerspruch regiert,
wo tiefe Nacht alle Gewissheiten nimmt.

Zeig deine Nähe, wo der Tod den Abschied von allem fordert
und Menschen zwingt, sich selbst zu verlassen.

Zeig deine Nähe, wo Menschen selbstlos lieben und das Gute tun,
ohne es sich anzurechnen, ohne sich besser als andere zu fühlen.

Verborgener Gott, du fehlst uns und wir ahnen doch,
dass du uns näher bist, als wir es fassen können,
näher als wir uns selbst.
So werden wir still vor dir…

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt und als der letzte wird er sich über dem Staub erheben. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder.“
Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lasst euch segnen mit der 2. Strophe des abschließendes Liedes EG 171:
„Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten,
voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.“

Lied EG 171, 1.2.4.

Gottesdienst am 14.03.2021 - Lätare

von Pfarrer i.R. Manfred Bender

Liebe Gemeinde,
ganz herzlich begrüße ich Sie zum  Gottesdienst am Sonntag Lätare.
Lätare –  das heißt: Freut euch! Mitten in der Passionszeit, wo wir an das Leiden von Jesus erinnert werden, erklingt dieser Ruf am heutigen Sonntag. Lätare – Freut euch! Im biblischen Leitwort, in den Gebeten und in den Liedern ist schon deutlich die Hoffnung auf das neue Leben angelegt, das an Ostern beginnt. Dazu passt das Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fallen und sterben muss, um neues Leben hervorzubringen. Es begleitet uns als Wochenspruch und wird in der Predigt ausgelegt.

Lied: NL 60,1-4 In der Stille angekommen

Wir feiern den Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Wir freuen uns, dass wir in Gottes Haus versammelt sind und beten mit den Worten Israels:
(Psalm 84,2-13)

Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN.
         Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen
Deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.
         Wohl denen, die in deinem Haus wohnen, / die loben dich immerdar.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten /
und von Herzen dir nachwandeln.#
         Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund,
         und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern / und schauen den wahren Gott in Zion.
         HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet! / Vernimm es, Gott Jakobs!
Gott, unser Schild, schaue doch; / sieh an das Antlitz deines Gesalbten!
         Denn ein Tag in deinen Vorhöfen / ist besser als sonst tausend.
Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause /
als wohnen in den Zelten der Frevler.
         Denn Gott, der HERR ist Sonne und Schild, /
         der HERR gibt Gnade und Ehre.
         Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
HERR, Gott Zebaoth, wohl dem Menschen, / der sich auf dich verlässt!
         Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
         wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Gebet:
Gott unseres Lebens, Sonne und Schild,
Wir suchen deine Wärme, deine Nähe, auch in diesem Gottesdienst.
Kein Gutes soll uns mangeln, haben wir eben gebetet.
Aber es fällt uns oft schwer, das zu glauben. Oft sind wir müde und verzagt. Die Pandemie will kein Ende nehmen, das Impfen geht schleppend voran, immer wieder infizieren sich Menschen, immer wieder sterben Erkrankte.
Immer dieses Schwanken der Inzidenzzahlen und die Unsicherheit bei allem Planen! Das Klagen liegt uns näher als die Freude.
Wir bitten dich: Wenn unser Weg jetzt durchs dürre Tal führt, werde du unser Quellgrund; dass wir Mut und Geduld nicht verlieren, dass wir durch diesen Gottesdienst gestärkt neu aufbrechen. Amen

Lied: EG 396,1+2 In dir ist Freude

Lesung (Joh 12,20-24)
Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um auf dem Fest anzubeten.
Die kamen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn: „Herr, wir möchten Jesus gerne sehen!“.
Philippus ging und sagte es Andreas, und Philippus und Andreas sagten’s Jesus weiter.
Jesus aber antwortete ihnen: „Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werden soll.   Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

Predigt:

Liebe Gemeinde, die Griechen aus unserer Geschichte sind mir sehr sympathisch, sie sind mir sehr nahe.

Wobei: Vielleicht waren es gar keine Griechen, vielleicht waren es griechisch sprechende Juden, die irgendwo in den Weiten des römischen Reiches lebten, Wallfahrer zum höchsten jüdischen Fest nach Jerusalem. Wie auch immer, ob Griechen oder griechisch sprechende Juden, für die Geschichte ist das unerheblich und auch für meine Sympathie für sie.

Diese Männer sind mir nahe, weil ich ihren Wunsch gut kenne: Sie wollen selbst sehen. Sie wollen sich nicht damit zufrieden geben, was man ihnen erzählt hat. Sie wollen nicht aus zweiter Hand leben, sie wollen selbst sehen und erfahren, wer dieser Jesus ist. Gehört haben sie von ihm. Wir können nur vermuten, was sie von ihm gehört haben. Vermutlich von seinen Predigten, sicher von seinen Heilungen, vermutlich von seinem Streit mit den religiösen Führern, sicher von der Erwartung seiner Freunde: Er sei der versprochene Messias, der von Gott versprochene Retter.

Davon hat man ihnen erzählt, das wussten sie von Jesus vom Hören-Sagen, aber jetzt sind sie in Jerusalem. Jetzt ist er, Jesus in Jerusalem und da wollen sie die Gelegenheit nutzen und ihn selber sehen Sich selbst ein Urteil bilden. Sich nicht nur verlassen auf das, was ihnen die Leute erzählen.

Deshalb sind mir die Griechen unserer Geschichte so sympathisch, so nahe: Sie gleichen uns Menschen am Anfang des 21. Jahrhunderts.

Jahrhunderte lang haben Christen in Europa aus zweiter Hand gelebt. Und das hat mehr oder weniger gut funktioniert. Man war Christ, weil alle Christen waren. Man war Christ, weil die Eltern einen als Säugling hatten taufen lassen. Man war zur Konfirmation gegangen, man hatte sich kirchlich trauen und schließlich auch kirchlich beerdigen lassen, weil das zu einem anständigen Leben dazu gehörte. Große Fragen wurden da kaum gestellt. Man lebte aus zweiter Hand, ohne direkte eigene Erfahrung, ohne eigenes Urteil. Man lebte als Christ oder Christin, weil man es nicht anders kannte. Und die Kirche hatte sich mit allen ihren Veranstaltungen auf diese Normalität eingestellt.

Heute stellen wir fest: Diese Normalität ist weg. Taufe, Konfirmation, kirchliche Trauung, Besuch des Gottesdienstes – das alles ist nicht mehr selbstverständlich. Christliches Leben aus zweiter Hand – das funktioniert nicht mehr. Weil Menschen heute selber sehen, selber erfahren, selber urteilen wollen. Wie die Griechen unserer Geschichte. Denen hat es nicht gereicht, dass andere ihnen von Jesus erzählt haben, die wollten selber sehen.

Und damit sind wir unmittelbar bei uns und bei der Kirche heute: Denn es stellt sich dann die Frage an uns und die ganze Kirche: Erzählen wir so von Jesus, dass andere wissen wollen, wer er ist? Erzählen wir unseren Kindern und Enkeln so von Jesus, dass sie neugierig werden und sich selber ein Urteil bilden wollen? Erzählen wir im Religionsunterricht und im Konfirmandenunterricht so von Jesus, dass unsere Kinder nachfragen, eigene Erfahrungen machen wollen? Wohlgemerkt: Das ist keine Frage an die Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen allein. An die sicher besonders! Es ist eine Frage an uns alle: Leben wir so und reden wir so, dass andere kommen wie die Griechen unserer Geschichte und sagen: Wir wollen Jesus sehen. Wir wollen ihn selber erleben. Wir wollen unsere eigenen Erfahrungen machen.

Ich bin überzeugt: Das ist die entscheidende Frage für die Zukunft der Kirche. Die Fragen der Struktur haben danach ihren Platz. Aber zuerst geht es um die Frage: Leben und reden wir so, dass unsere Kinder und Enkel, unsere Nachbarn und Kollegen, die Menschen um uns neugierig werden und mit den Griechen sagen: Wir wollen Jesus sehen?

Die Antwort von Jesus ist überraschend und wir wissen nicht, ob die Griechen Jesus tatsächlich gesehen haben. Denn Jesus sagt ganz allgemein, wie es zu einer eigenen Erfahrung mit ihm kommen kann. Was er sagt, gilt für die Griechen damals, es gilt für uns heute. Ob die Griechen sich darauf  eingelassen haben, davon wird uns nichts berichtet. Ob wir uns darauf einlassen, das ist die Frage, die das Evangelium heute Morgen an uns stellt.

Jesus antwortet allen, die ihn sehen wollen, mit einem Bild aus der Natur. Er erinnert an ein Naturgesetz. Da ist ein Weizenkorn. Es ist hart. Es hat eine feste Haut. Es ist trocken. Und es ist allein. So ein Weizenkorn kann tausende Jahre an einem trockenen Ort sicher liegen. Für nichts und niemanden gut. Einsam und allein.

Wenn ein Bauer aber das Weizenkorn in die feuchte Erde legt, dann geschieht ein Wunder. Die Feuchtigkeit macht das Weizenkorn weich, die Haut bricht auf, es fängt an sich zu bewegen, es sprosst, Wurzeln wachsen, ein Halm reckt sich in die Höhe, dann eine Ähre und zum Schluss aus einem einzigen Weizenkorn viele neue Körner in der Ähre. Was für ein Wunder!  Neues Leben! Reiche Frucht! Aus einem einzelnen Korn!

Nur - wo bleibt das Weizenkorn vom Anfang?  Das kleine, harte, trockene Weizenkorn, das der Bauer in die Erde gelegt hat?

Wer es sucht, findet bei den Wurzeln eine verschrumbelte kleine Haut, zwischen den Wurzeln kaum mehr zu finden. Ein winziger Rest ist übrig geblieben. Eine große Verwandlung hat stattgefunden. Unter Regen, Sonne, Wind und Nahrung aus dem Boden ist aus dem einen kleinen, harten  Korn eine Pflanze mit vielen neuen Körnern geworden. Das einzelne Korn hat Frucht getragen, hat sich verwandelt in viele neue Körner.

Jesus sagt: Das ist ein Lebensgesetz. Auf diesem Weg  werden aus einem einzelnen Korn, viele neue Körner. Auf diesem Weg wird Leben fruchtbar. So kommt ein Leben aus seiner Einsamkeit und Härte heraus, kommt in Bewegung, bleibt nicht eingeschlossen in sich selbst, wächst und vervielfältigt sich.

Es ist das Lebensgesetz von Hingabe und Verwandlung. Jesus macht es am Beispiel des Weizenkorns deutlich. Es gilt aber für alle Bereiche des Lebens:

Wir können andere Beispiele suchen, die dieses Lebensgesetz verdeutlichen: Da will jemand Schreinermeister werden. Wie viele Hingabe ist erforderlich, wie viel Geduld, wie viel Ausdauer wie viel muss ein Jugendlicher einsetzen, hingeben, bis er erst Geselle und dann Meister ist. Und wie sehr verwandelt er sich von dem Anfänger, der sich alles zeigen lassen muss zu dem selbstbewussten Meister, der andere anleitet.

Da heiratet ein Paar und will das ganze Leben miteinander teilen. Wer da spart, wer sich da ängstlich zurück hält, wer nicht wagt, sich hinzugeben, wird nie die Schönheit und Erfüllung der Liebe finden. Die Verwandlung vom einsamen Ich zum gemeinsamen Wir gelingt nur durch Hingabe.

Wir können noch viele Beispiel für dieses Lebensgesetz finden: Verwandlung und Erfüllung durch Hingabe.

Vielleicht wendet jemand ein: Aber ist das nicht riskant? Kann ich mich dabei nicht verlieren? Wenn nun gar keine Frucht wächst? Wenn Hingabe nicht angenommen wird? Wenn Hingabe gar ausgenutzt wird? Ist das nicht riskant? Gefährlich? Ja, es ist riskant! Es ist gefährlich! Aber es ist die einzige Möglichkeit, dass ein Leben fruchtbar wird und schön und erfüllt. Wer Hingabe nicht wagt, bleibt wie ein einzelnes Weizenkorn, einsam, hart, verschlossen. Ohne solches Wagnis kein neues Leben – es ist ein Gesetz des Lebens.     

Jesus in unserer Geschichte deutet dieses Lebensgesetz zuerst auf sich: Er gibt sein Leben für die Welt. Er gibt sein Leben für dich und mich. Das ist seine Sendung. Dazu hat er gepredigt und geheilt, dazu wird er seinen Jüngern die Füße waschen, dazu wird er sich schließlich ans Kreuz schlagen lassen. Dass die Welt erkennt, dass ich und Du erkennen: So sehr liebt Gott die Welt! Dass nur keiner meinen könnte, er oder sie sei von dieser Liebe ausgeschlossen. Dass keiner meinen könnte, seine Einsamkeit sei so groß,  dass sie niemand durchdringen kann. Dass keiner und keine denken sollte, er habe so viele Fehler gemacht, so viel im Leben versäumt, dass es für ihn / für sie keine Hoffnung mehr gibt. Nein, in seiner Hingabe trägt er die Schuld der Welt, damit wir frei sein können. Das ist die Frucht seiner Hingabe, die Verwandlung des einzelnen Weizenkorns zu einer neuen Pflanze, zu einer neuen Ähre, zu einer großen Zahl von Körnern.

Und was bedeutet das für die Griechen, die ihn sehen wollen? Was bedeutet das für uns, wenn wir  unsere eigenen Erfahrungen mit Jesus machen, zu unserem eigenen Urteil kommen wollen?

Das Lebensgesetz von Hingabe und Verwandlung gilt auch für uns. Jesus sehen, wird nur der, der es wagt, sich ihm hinzugeben, wer es wagt sich verwandeln zu lassen. Der wird erleben, wie fruchtbar sein Leben wird.

Wenn wir uns einsenken wie ein Weizenkorn in die Liebe von Jesus und dadurch selbst lieben lernen.
Wenn wir unsere harten Schalen aufbrechen lassen, berührt von seiner Barmherzigkeit und selbst Barmherzigkeit üben.
Wenn wir uns beschenken lassen mit seinem Frieden und selbst Friedenstifter werden.
Wenn wir uns von ihm unsere Schuld vergeben lassen und anderen die Ihre vergeben.
Wenn wir unsere Wurzeln tief senken in sein Wort und dadurch ermutigt werden und Orientierung finden. 
Wenn wir im Gebet seine Nähe suchen und erfahren, wie das Gebet trägt und Kraft gibt.
Wenn wir in dem allem bereit sind, uns wandeln zu lassen, wandeln in der Gemeinschaft mit ihm.

Hingabe im natürlichen Leben ist ein Risiko. Hingabe an Jesus ist Erfüllung. Weil er sich zuerst an uns hingegeben hat, weil unsere kleine Hingabe nur die Antwort ist auf seine große Hingabe. Sich in ihn versenken wie das Weizenkorn in die Erde - das macht das Leben reich und fruchtbar.

Die Antwort von Jesus an alle, die ihn sehen, selbst erfahren wollen, ist: Sehen reicht nicht, es ist zu distanziert. Um Jesus zu erfahren, gibt es nur den einen Weg, den Weg des Weizenkorns, den Weg von Hingabe und Verwandlung. Die Frucht auf diesem Weg ist garantiert. Weil ER selbst sie versprochen hat. Weil ER selbst sie schafft, ja schon geschafft hat.  

Amen. 

Lied EG 98,1-3 Korn, das in die Erde

Fürbitten:
Heute am Wahltag in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beten wir für die öffentlichen Angelegenheiten und die politisch Verantwortlichen:
Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir in einem Land leben, das unsere Rechte schützt und unsere Freiheiten wahrt. Wir danken dir besonders, dass wir unseren Glauben frei leben und öffentlich bekennen können. Wir danken dir für diese gute Ordnung in unserem Land.
Und wir klagen dir, dass politische Gegnerschaft immer öfter in Hass ausartet; dass viele Menschen die andere politische Meinung, die andere Religion, die andere Kultur nicht dulden wollen; dass undurchsichtige Machenschaften zwischen Politik, Wirtschaft und Finanzwelt die gute Ordnung untergraben.
Wir beten besonders für die Politikerinnen und Politiker in  Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die heute neu gewählt werden: dass sie gemäß ihrem Auftrag für das Wohl der Allgemeinheit eintreten und Einzelinteressen zurückstellen; dass sie auch die Verantwortung für die nichtmenschliche Schöpfung erkennen und wahrnehmen; dass sie in respektvoller Weise ihren politischen Streit austragen und zu guten Lösungen finden; dass sie unsere gute politische Ordnung verteidigen.
Wir beten für uns, die Wählerinnen und Wähler: dass wir nicht nur heute für unsere Politikerinnen und Politiker beten; dass sehr viele Menschen heute zur Wahl gehen; dass wir mit wachem Verstand die politischen Entscheidungen wahrnehmen und beurteilen; dass wir uns von den unzähligen Erregungswellen nicht mitreißen lassen.

In der Stille beten wir weiter und bringen vor Gott, was uns bewegt:

Vaterunser:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Lied: EG 94,2+4+5 Das Kreuz ist aufgerichtet (Vorschlag: Melodie EG 521!)

Segen:

Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
So segne dich der dreieinige Gott, + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

 

Gottesdienst am 07.03.2021 - Okuli

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für Sonntag, den 7. März 2021.
Es ist der 3. Sonntag der Passionszeit, der den Namen Okuli trägt. Das kommt von Psalm 25, 15 her: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Im Gottesdienst wird es um das Thema „Energie“ gehen. Die Passionszeit ist eine gute Zeit, einmal darüber nachzudenken, woher wir eigentlich die Energie für unsere Seele bekommen, was uns Kraft und Hoffnung gibt. Aber auch darüber wollen wir nachdenken, wie wir verantwortlich mit den Energievorräten dieser Erde und mit unserem Energieverbrauch umgehen können.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Passionslied EG 97, 1-3 „Holz auf Jesu Schulter“
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Gott,
wir danken dir, dass du deine Schöpfung so wunderbar gemacht hast.
Danke für die Energie, die wir nutzen können und die unser Leben erleichtert.
Wir bitten dich:
leite uns auf deinem Weg und hilf uns, mit der Schöpfung, die du uns anvertraut hast, verantwortungsvoll umzugehen.
Amen.

Als Lesung und zugleich als Predigttext hören wir Worte aus dem Schöpfungspsalm 104:
„Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich, der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, dass es bleibt immer und ewiglich. Du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutzen den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter.“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 432, 1-3 „Gott gab uns Atem, damit wir leben“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
„Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.“ Diese Worte aus Psalm 104 haben wir gerade gelesen.

Der Psalm sagt: Wir Menschen sind Gottes Werke, und wir leben in seinen Werken- als Geschöpfe inmitten von Geschöpfen. In seinen Werken wirkt Gott selbst; er gibt Leben und erhält Leben.
In der griechischen Übersetzung des AT steht für das Wort „Werke“ das Wort „érga“. Im ganz frühen Griechisch hieß das Wort wérga. Klingt fast so wie „Werke“. Werke und érga sind eng miteinander verwandt. Aus dem alten griechischen Wort ist enérgeia hervorgegangen, Energie. Wir benutzen es heute ganz selbstverständlich, es ist ein wichtiger Begriff für uns.
Auch aus der Bedeutung von enérgeia hört man noch die Verbindung zum deutschen Wort „Werk“ heraus. Enérgeia steht für Wirksamkeit, Wirken, eine Kraft, die wirkt.

Wenn man den Psalm 104 ganz liest, dann kommt darin immer wieder das Wasser vor: von der Urflut ist da die Rede, von Quellen, von Regen, vom Meer. Ohne Wasser wäre kein Leben auf dieser Erde möglich.
Das Wasser steht hier für die Lebensenergie, die von Gott kommt. Gottes Energie bewegt. Sie durchströmt alle Geschöpfe und verbindet sie so miteinander.

Auch wir Menschen sind in diese Schöpfung eingebunden. Aber anders als die anderen Geschöpfe sind wir selbst schöpferisch. Auf Gottes Werke antworten wir mit unseren Werken und mit unserer Arbeit.
Einen Teil ihrer Werke und ihrer Arbeit haben die Menschen schon seit Jahrtausenden mit einer Energie verrichtet, die sie selbst erzeugen: Lasten transportieren, ohne selbst zu tragen; vorankommen, ohne zu gehen. Wärme und Hitze erzeugen. Gegenstände herstellen, die es noch nicht gibt, vom Tonkrug bis zum Mikrochip.

Meist meinen wir diese Energie, wenn wir von Energie sprechen. Auch diese Energie bringen wir nicht selbst hervor, sondern wir nutzen auf schöpferische Weise die Lebensenergie, die in der Schöpfung wirkt. Das ist auch kein Problem, wenn die Rohstoffe, die wir nutzen, sich selbst erneuern. Und wenn mögliche Schäden, die bei der Energie -erzeugung entstanden sind, dann wieder ausgeglichen werden. Wie bei Energie aus Sonne oder Wind. Wie bei Energie aus Holzfeuer. Für das verbrannte Holz z.B. wird ein neuer Baum gesetzt. Seine Blätter binden das Kohlendioxid, das im Qualm in die Luft gestiegen ist.

Liebe Schwestern und Brüder!
Heute gewinnen wir in Deutschland den Großteil der Energie aber auf andere Weise, aus Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Gas oder Plutonium. Diese Rohstoffe erneuern sich nicht. Die Schadstoffe, die bei der Energieerzeugung entstehen, werden nicht ausgeglichen.
Wir verbrauchen große Mengen an Energie, mehr als die Menschen in den meisten anderen Ländern dieser Erde.

Noch größer wird der Energieverbrauch dadurch, dass viel Energie schlecht genutzt oder verschwendet wird. Dadurch schneiden wir uns mit unseren Werken vom Fluss der Lebensenergie ab, mit dem Gott in seiner Schöpfung wirkt. Wir zerstören und vernichten Teile der Schöpfung und gefährden die Lebensgrundlagen der Menschheit. Außerdem: diejenigen, die am stärksten von der Zerstörung der Lebensgrundlagen betroffen sind, haben diese Zerstörung am wenigsten verursacht. Der Klimawandel trifft mit Dürren und Überschwemmungen besonders die Menschen in Afrika, Südasien und im Pazifik. Das ist eine schwere Hypothek für künftige Generationen. Wir haben vermutlich das „How dare you?“ der damals erst 16jährigen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg noch im Ohr. Mehrfach hat sie diesen Satz den Politikern und der Öffentlichkeit auf dem UN- Klimagipfel von New York im September 2019 entgegengeschleudert. Sie hat eindrückliche Worte gefunden: „Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir sind am Anfang eines Massen- Aussterbens. Und alles, worüber Sie reden können, sind Geld und Märchen vom wirtschaftlichen Wachstum. How dare you?“. Greta Thunbergs Gesicht war ganz verzerrt von Zorn dabei. Und sie hat recht: Wie können wir es wagen, so mit der Welt, mit der guten Schöpfung Gottes umzugehen? In der seine enérgeia steckt!

Liebe Gemeinde!
„Enérgeia“, „Energie“, „Wirksamkeit“: im Neuen Testament bedeutet dieser Begriff: Gottes Kraft wirkt. Sie wirkt gegen alle Mächte, die Tod, Unterwerfung oder Zerstörung wollen. Gottes Kraft, Gottes Energie zeigt sich besonders darin, dass Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Im Brief an die Gemeinde in Kolossä lesen wir: „Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben, aus der Energie/der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“ (Kol 2,12)

Energisch tritt Gott für das Leben ein. Deshalb sind wir als Christinnen und Christen zur Hoffnung berufen. Nicht dazu, aufzugeben oder zu meinen, es sei sowieso alles egal.
Diesem Gott, seinen Werken und seinem Wirken können wir trauen.
Wir können uns öffnen für Gottes Energie und uns von ihr bewegen lassen.
Wir können uns auch dazu bewegen lassen, über seine Schöpfung zu staunen und uns an ihr zu erfreuen. Und: Energie so zu erzeugen und so zu nutzen, dass wir es verantworten können vor Gott dem Schöpfer, vor unseren Mitgeschöpfen und vor den künftigen Generationen.

„Gott, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 659, 1.2.4 „Die Erde ist des Herrn“

Fürbitten:
Herr, wir bitten dich für deine Schöpfung und für alles, was auf der Erde lebt. Lass es sich zum Guten entwickeln.
Wir bitten dich für alle Menschen, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Verantwortung tragen. Begleite sie, damit sie sich ihrer Verantwortung stellen:
die natürlichen Lebensgrundlagen schützen und auch für die kommenden Generationen sorgen.
Wir bitten dich für ein gutes Miteinander der Kirchen und Glaubensgemeinschaften bei uns und weltweit. Dass sie sich gemeinsam bewusst werden:
viel muss getan werden für die Bewahrung unserer Umwelt.
Und dass sie das vorleben und einfordern.
Wir bitten dich für unsere evangelische Kirchengemeinde und für unser Energiespar-Team (Herrn Ziegler, Herrn Eppinger und Herrn Hoerth):
lass uns gemeinsam viele kleine und auch einige große Schritte hin zu einer umweltverträglichen Lebensweise unternehmen.
Wir bitten dich für jeden Einzelnen und jede Einzelne von uns:
schenke uns offene Augen und Herzen für unsere Umwelt, dass wir sie wahrnehmen mit ihrer Schönheit, aber auch mit ihren Problemen und unsere Chancen nutzen, uns für sie einzusetzen.
Amen.

Alles, worum wir Gott sonst noch bitten möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied EG 504, 1.6. „Himmel, Erde, Luft und Meer“

So lasst euch segnen:
Möge der Herr, der schafft, erlöst und inspiriert,
alle unsere Gedanken leiten und unsere Pläne führen.
Möge der Herr, der uns mit vielen Gaben beschenkt hat,
uns neuen Weitblick und Inspiration für unsere Aufgaben geben.
Und möge dieser liebende Gott, Schöpfer, Erlöser und Anreger
uns das Licht seines Angesichts zeigen, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

Gottesdienst am 28.02.2021 - Reminiszere

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

herzlich willkommen zu unserem Lesegottesdienst für Sonntag, den 28. Februar. Im Kirchenjahr ist es der 2. Sonntag der Passionszeit; er trägt den Namen „Reminiszere“, „gedenke“. Im Psalm 25, der diesem Sonntag zugeordnet ist, heißt es: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.“ (V.6). Ab jetzt sind es noch fünf Sonntage bis zum Oster- fest! Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 502 „Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit“ (Str. 1 und 2).

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Herr, wir leben oft nicht so, wie du dir das für uns wünschst.
Trotzdem liebst du uns und würdest uns niemals aufgeben.
Wir danken dir, dass du so barmherzig und geduldig mit uns bist.
Verdient haben wir es nicht.
Wir bitten dich: lass uns auch untereinander barmherzig und geduldig sein.
Lass uns anderen vergeben, wie du uns vergeben hast.
Amen.

Die Lesung und zugleich der Predigttext stehen im Alten Testament, im Buch des Propheten Jesaja; es ist das sog. „Weinberglied“: „Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde; sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechts-Spruch, siehe, da war Rechts-Bruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 98 „Korn, das in die Erde“ (Str. 1-3)

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde! „Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte, aber er brachte schlechte.“ Der Prophet Jesaja singt ein Lied und erzählt eine Liebesgeschichte. „Mein Freund hatte einen Weinberg.“ Poetische Worte. Wie technisch klingt dagegen unser Wort „Beziehung“. Zur Zeit Jesajas hatte jeder sofort bei dem Stichwort „Weinberg“ eine Liebesgeschichte vor Augen. Liebe ist wie ein Weinberg, also wie ein Garten, der angelegt wird. Du kannst seine Schönheit und Fülle genießen, die saftigen Trauben. Du musst aber auch Steine wegräumen, Wege anlegen, etwas aufbauen. Ein schönes Lied für die Liebe! Diese Geschichte geht nicht gut aus. Es gibt keine guten Trauben, der Weinberg bringt keine Frucht, obwohl der Winzer alles getan hat. Am Ende müssen oft sogar Anwälte und Gerichte entscheiden über das Ende von Beziehungen. So auch zur Zeit des Propheten Jesaja:

„Nun richtet, ihr Bürger von Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?“

Liebe Schwestern und Brüder, enttäuschte Liebe tut weh. Der Schmerz entlädt sich oft in Wut und Zorn. Was mir eben noch am liebsten war, möchte ich kurz und klein schlagen. Der enttäuschte Liebhaber im Weinberg- Lied sagt: „Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will. Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahlgefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werde, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.“

Eine enttäuschte Liebe. Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Eine Geschichte, in der Menschen sich wiederfinden können mit ihren Verletzungen und Verwüstungen. Das passt zur gerade begonnenen Passionszeit. Wir legen in dieser Zeit alles in Gottes Hand, was im Leben nicht wachsen konnte, was verkümmert ist, wo wir andere enttäuscht haben oder eine Enttäuschung mit uns tragen.

Doch das Lied geht weiter. Nimmt eine Wendung und weitet den Horizont:
„Des Herrn Zebaoth Weinberg ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechts- spruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.“

In Jesajas Weinberglied geht um die Liebe Gottes zu seinem Volk. Gott ist enttäuscht, verletzt, zornig. Das Gottesvolk, sein Weinberg, bringt keine gute Frucht, obwohl er sich unermüdlich einsetzt. Jesaja, der Prophet, hat es vor Augen: die Reichen und Mächtigen sind korrupt und bereichern sich auf Kosten der anderen. Statt Gut-Tat gibt es Blut-Tat. Das Volk Israel als Weinberg Gottes hat versagt. Die Menschen sind böse und gewalttätig. Statt gute Früchte zu bringen, gibt es nur bittere Trauben. Eine Gesellschaft versinkt im Unrecht. Für Jesaja gibt es keine Liebe zu Gott ohne die Liebe zum Nächsten. Was auf dem Marktplatz passiert, hängt zusammen mit dem, was im Tempel gesagt wird. Bei ihm wird die Liebe groß gedacht, wird politisch und geht über das, was zwischen zwei Menschen passiert, weit hinaus. Gott will Recht und Gerechtigkeit. Das ist die Ansage des Propheten Jesaja.

Wo eine Gesellschaft nicht darauf achtet, dass es allen gut geht, verkümmert das Leben. Klare Ansagen im Weinberg Gottes im 8. Jahrhundert vor Christus. Und das wollen auch wir heute uns von ihm sagen lassen, besonders jetzt, in den schwierigen Coronazeiten, wo wir klar vor Augen haben, wem es nicht gut geht: den Kindern und Jugendlichen, die schon seit fast einem Jahr keinen geregelten Kindergarten- und Schulalltag mehr erleben. Ihren Eltern, die den täglichen Spagat zwischen Kinderbetreuung, Homeschooling und Homeoffice meistern müssen. Den alten Menschen, die unter den Kontaktbeschränkungen besonders leiden. Den Selbständigen, die um ihre berufliche Existenz bangen müssen, den Menschen in Kurzarbeit, den schwer Erkrankten und ihren Angehörigen, den Trauernden. Aber auch die Menschen, die unter Krieg, Hunger, Katastrophen leiden, wollen wir nicht vergessen.

Gott hat einen Weinberg, immer noch. Obwohl er ihn doch enttäuscht aufgeben wollte. Erst vor kurzem wurde dieser Weinberg neu aus dem Weltall heraus fotografiert. Die Bilder kann man sich im Internet ansehen. Die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS haben diese Bilder im vergangenen Jahr aufgenommen; im Januar dieses Jahres wurden sie veröffentlicht. Das sind Bilder von atemberaubender Schönheit. Vollkommenes Blau der Meere, die Wälder im satten Grün und majestätisch grau die Bergrücken.

Nachts leuchten die Städte dieser Welt wie funkelnde Sterne. Gott hat sich wirklich Mühe gegeben mit diesem Weinberg! Es ist genug für alle da. Der Boden ist fruchtbar, das Wasser ganz klar. Hier können die Trauben der Gerechtigkeit wachsen. Saftig und prall. Hier können die Trauben des Friedens wachsen. Sonnengetränkt.

Aber wer genau hinsieht, von oben aufs Ganze gesehen, erkennt die Spuren der Verwüstung. Die Antarktis ist auf dem Rückzug. Das schimmernde Weiß verschwindet mehr und mehr. Aus dem Grün der Wälder werden immer mehr aschegraue Felder. Rauchschwaden so groß, dass sie selbst aus dem All zu sehen sind. Im klaren Blau der Meere treiben ganze Kontinente aus Plastik.

„Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.“

Manchmal fürchte ich mich und denke, dass es zu spät sein könnte für unseren Weinberg und dass Gott, der gute Weinbergbesitzer, sich zurückgezogen hat. Vielleicht konnte er es nicht mehr mitansehen, all das Blut, das zum Himmel schreit, all diese Zerstörung von Leben, diese Ungerechtigkeiten. Vielleicht hat er enttäuscht einen neuen Garten angelegt, eine neue Liebe gefunden, irgendwo in einer fernen Galaxie, was wissen wir Menschen denn schon von seiner Unendlichkeit?!

Alber dann sehe ich seinen Gärtner kommen, fröhlich pfeifend, die Gießkanne in der Hand. Behutsam richtet er die geknickten Reben auf, schlägt Pflöcke ein, die die Pflanzen halten. Prüfend pflückt er eine Traube, steckt sie sich in den Mund, schmeckt ihre Süße. „Kommt her zu mir“, sagt er, „ich bin der Weinstock und ihr die Reben. Solange ihr mit mir verbunden seid, bekommt ihr neue Kraft.“ Er nimmt seine Gießkanne, und es strömen Recht und Gerechtigkeit wie Wasser.

Mein Freund hat einen Weinberg… Ich möchte, dass die Geschichte diesmal gut ausgeht und hole schon mal die Harke aus dem Schuppen. Nimmst du die Gießkanne? Dann sind wir schon zwei. Und wo zwei oder drei, na, Ihr wisst schon…
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 39 „Freunde, dass der Mandelzweig“ (Str.1-4)

Wir halten Fürbitte:

Himmlischer Vater, du hast deinen Sohn Jesus Christus in unsere Welt gesandt, damit wir in ihm deine Liebe erkennen. Er hat mitten unter uns gelebt, hat Kranke geheilt und Mutlosen neue Hoffnung geschenkt. Aus allem, was er gesagt und getan hat, spricht deine Liebe.

Trotzdem wurde er angeklagt und verurteilt, gegeißelt und verlacht. Zuletzt wurde er gekreuzigt und musste sterben. Er ist für uns gestorben, damit wir leben können; wie schwer ist das für uns zu verstehen.

Wir bitten dich, Vater, dass wir deine Liebe annehmen können. Und dass sich deine Liebe, auch durch uns, immer mehr ausbreitet. Bei den Menschen in unserer Nähe, aber auch weltweit.

Du weißt, wie schnell wir mutlos werden, wenn wir sehen, wieviel Not, wieviel Ungerechtigkeit, wieviel Gleichgültigkeit es unter den Menschen gibt. Du weißt auch, was jeden und jede von uns persönlich zur Zeit am meisten belastet; dir können wir das anvertrauen.

Bitte mach unsere Liebe stark mit deiner Liebe.

Amen.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe…

Gott schenkt dir seinen Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

Lied EG 157 „Lass mich dein sein und bleiben“

Predigt zum Gottesdienst am 21.02.2021 - Invokavit

Prädikant Thomas Reininger

Liebe Gemeinde,

in langsamen Schritten geht es auf Ostern zu. Gerade war die Fußwaschung. Das letzte gemeinsame Abendessen der Jünger mit Jesu. Vor dem Essen wusch Jesus den Jüngern, als Zeichen des Dienens, ihre Füße. Es muss die Schrift erfüllt werden (Psalm 41,10)

Aber dann: »Der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen.“ Abrupte Wendung.

Die Jünger und Jesus unterhielten sich. Er sprach:« Schon jetzt sage ich's euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer jemanden aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Weiter geht der Text mit dem heutigen Perikopen-Text, also dem vorgeschlagenen Text für den heutigen Sonntag (Johannes 13):

21 Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22 Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. 23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. 24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. 25 Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist's? 26 Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27 Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! 28 Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. 29 Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. 30 Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Jesus sagt den Jüngern in weiser Voraussicht, dass ihn jemand aus seinem engsten Freundeskreis verraten wird. Aber warum sollte es der oder jener tun? Man konnte es sich nicht vorstellen, wer oder warum es einer von ihnen tun sollte. Johannes fragte nach Aufforderung von Petrus: Jesus, wer ist es? Jesus gibt ihnen (Johannes und Petrus) die Antwort. »Der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen.“ Doch sie verstehen es nicht.

Auf einmal gibt Jesus das Abendmahl, nämlich Brot und Wein, an Judas. Anschließend verlässt Judas die Gemeinschaft und geht weg. Die anderen Jünger denken, Judas muss noch was einkaufen, da er der Kaufmann und Kassenverwalter der Gemeinschaft war.Aber es kam ganz anders. Er kam, wie es von Gott vorhergesehen war.

Der Teufel nahm danach sofort Besitz von Judas, seinen Gedanken – ja seinem ganzen Leben. Er als ehrlicher Christ wird mit einem Mal Satans Besitz. Und immer noch nichts verstanden. Auf einmal kommt er wieder. Jesus bekommt einen Kuss von ihm. Eigentlich ein Zeichen von Liebe und Zuneigung. Doch bei Judas ist es das Zeichen des Verrates.

Wenn ich das lese, bin ich schon enttäuscht. Ich finde das richtig erschreckend. Bin ich nicht einmal Christ – immer Christ? Hält mich Gott nicht immer fest in seiner Hand? Nein. Auch der Satan greift mich an. Jeden Tag aufs Neue. Spüren Sie das nicht auch oft? Ich bin eifersüchtig auf die Menschen, denen es viel besser geht als mir, ob finanziell oder gesundheitlich. Menschen die die Frau oder den Job haben, die ich gerne hätte. Habe keine Geduld für meine Mitmenschen. Sie nerven mich nur. Jammere nur über meine Gesundheit. Kann nicht dankbar dafür sein.

Machen wir uns hier mal ehrliche Gedanken. Wollen wir Marionetten sein? Uns alles aus der Hand genommen bekommen? Wollen wir das?
Wenn Gott bei allen Entscheidungen mir alles vorsagen würde, wäre ich kein freier Mensch. Ich muss mich immer neu entscheiden können zwischen Gott und unserer angeblich freien Entscheidung. Sonst wäre ich ja nur eine Marionette – ohne freies Leben.

Wenn ich mich aber auf den Satan einlasse, muss ich damit rechnen, dass es mir ergeht wie es Judas ergangen ist. Ja – er bekam einen Haufen Geld für seinen Verräterkuss. War anschließend richtig reich mit dem Geld. Aber glücklich wurde er damit nicht. Nein – er wurde richtig todunglücklich, im wahrsten Sinne des Wortes. Er erhängte sich schlussendlich (Matthäus 27).

Als Judas seine Brüder in Christus und Jesus verließ, was geschah dann?  Es brach die letzte Nacht in Freiheit für Jesus und auch für uns an. Stimmt das?
Für Jesus ja. Es war die schlimmste Nacht die man sich vorstellen kann.
Er wusste, was nun passiert. Alleine gelassen, verraten, verkauft. Bis zu dem Punkt als Er schrie: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?
Er wusste:
Die Soldaten werden kommen. Aber er liebt sie trotzdem weiter.

Judas wird ihn verraten. Aber seine Liebe endet auch hier nicht. Die unbegründeten Anklagen und die Folterungen muss man erst einmal aushalten und durchhalten. Könnte ich da verzeihen und vergeben? Jesus tat es. Selbst am Schluss am Kreuz, als alles zu spät scheint, nimmt er noch einen Mitgefangenen mit in sein Reich.

Für uns ist diese Nacht jedoch der Beginn eines neuen Tages. Der Schritt in das beste Leben, das wir uns als Christ nur vorstellen können. Durch diese Nacht hat Gott seinen Sohn für Dich und mich ans Kreuz geschickt, damit wir die Freiheit zu ihm und mit ihm finden. Wir sind gerettet, auch wenn wir uns oft versündigen, wenn wir verzweifeln, wenn wir neidisch sind: Er bietet uns täglich neu seine Hand an. Er zieht uns aus der Hand des Teufels hin zu ihm – wenn wir dies wollen. Wenn wir es nicht können, wenn wir nichts mehr können – aus lauter Verzweiflung – dann zieht er uns aus der Not mit seiner Hand an unserer Hand. Er zieht uns heraus. Er gibt uns Licht, auch wenn noch um uns totale Finsternis bzw. tiefste Nacht ist. Haben Sie dies auch schon einmal erlebt? Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen. Erst vor kurzem ist mir etwas ganz Tolles passiert. Wie Sie sehen und wissen habe ich große Probleme mit meinem linken Knie. So ging ich zum örtlichen Orthopäden, stellte mich vor. Seine Aussage: Mit ihrer Krankheit und in ihrem Alter kann man nichts mehr machen. Ich war niedergeschlagen.

Einige Tage später traf ich meine berufliche Konkurrenz. Nennen wir ihn Peter. Peter fragte mich: Wie geht es Dir? Ich erzählte etwas von meinen Problemen. Daraufhin kam die Frage: Willst Du nicht einmal zu einem guten Orthopäden? Ich: Kennst du einen? Er sagte: Mein Bruder zählt zu einem der 5 besten Orthopäden weltweit. Bring mir mal deinen Befund. Ich zeige es ihm. Kurz danach bekam ich einen Termin. Dies Aussage anschließend: Ist ein kleinerer Eingriff und dann kannst Du wieder voll laufen. Eingriff ist nun am 8.3. und ich bin sehr gespannt. Normalerweise lt. Internet ist die Wartezeit auf einen Termin bei ihm 2 ½ bis 3 Jahre. Bei mir war es nun gerade einmal 8 Wochen Voruntersuchung und OP. So hält uns Gott in seiner Hand. Er lässt uns auch in den dunkelsten Zeiten fest in seiner Hand

Deshalb dürfen wir täglich neu dankbar sein, dass er bei uns ist. Er lässt uns nicht alleine.
Auch dich und dich nicht.
Er hat die besten Wege für uns. Wenn ich auch denke, es ist oftmals der falsche Weg.
Im Nachhinein muss ich aber oft bekennen, Gott hat noch nie einen Fehler mit mir gemacht.
Er wird auch keinen Fehler mit Dir machen.

Er hält gerade Dich fest in seiner Hand.
Sei ganz gewiss.
Er geht mit Dir.
Er trägt dich.
Dessen bin ich mir ganz sicher.
Danke Herr, dass du bei mir und bei dir bist.
Lass uns ganz vertrauen auf deinen Weg mit mir, mit uns.

Amen.

Gottesdienst am 14.02.2021 - Valentinstag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

herzlich Willkommen zum Lesegottesdienst am Valentinstag, dem 14. Februar.
Er erinnert an den christlichen Priester Valentin, der im 3. Jahrhundert nach Christus in Mittelitalien lebte. Wahrscheinlich war er sogar Bischof. Er traute-verbotenerweiseMenschen nach dem christlichen Ritus und beschenkte sie danach mit Blumen aus dem eigenen Garten. Es hieß, dass diese Ehen unter einem besonders guten Stern gestanden hätten. Der 14. Februar ist Valentins Todestag, er starb als Märtyrer. Wir feiern diesen Tag in unserer Zeit als Tag der Verliebten und der Liebenden. Deshalb wollen wir auch im Gottesdienst über die Liebe nachdenken.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 317, Str. 1.2.4 „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Gott, der du die Liebe bist, du kennst jeden und jede von uns.
Du weißt, was uns freut und was uns Angst macht.
Du weißt, wie wichtig Liebe für unser Leben ist.
Sei uns jetzt nahe, wenn wir singen, beten und dein Wort hören.
Amen.

Als biblische Lesung und als Predigttext hören wir einen Abschnitt aus dem Hohelied der Liebe,
aus dem 1. Korintherbrief, Kap. 13, Vers 4-8. 13 (Gute Nachricht-Bibel):
„Die Liebe ist geduldig und gütig. Die Liebe eifert nicht für den eigenen Standpunkt, sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf. Die Liebe nimmt sich keine Freiheiten heraus, sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie lässt sich nicht zum Zorn reizen und trägt das Böse nicht nach. Sie ist nicht schadenfroh, wenn anderen Unrecht geschieht, sondern freut sich mit, wenn jemand das Richtige tut. Die Liebe gibt nie jemand auf, in jeder Lage hofft und vertraut sie für andere; alles erträgt sie mit großer Geduld. Niemals wird die Liebe vergehen. Auch wenn alles einmal aufhört-Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben; doch am höchsten steht die Liebe.“
Amen.

Mit den Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses loben wir Gott:
Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 648, 1-3 „Ins Wasser fällt ein Stein“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde!
„Auch wenn alles einmal aufhört-Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben, doch am höchsten steht die Liebe. Amen“ Das sind große Worte. Und bewegende Worte. Wer sie hört, horcht auf. Denn die Sehnsucht nach Liebe ist eine Sehnsucht, die tief in uns allen steckt, egal wie jung oder wie alt wir sind.

Schön, dass der Apostel Paulus, der das Hohelied der Liebe geschrieben hat, Worte für die Liebe findet! Wenn man Paulus kennt, dann weiß man, dass er seinen Beitrag weniger als einen poetischen Entwurf als vielmehr als eine handfeste Anleitung für den Alltag versteht. Das wird klar, wenn man fragt, wem Paulus sein Liebeslied gewidmet hat. In der Gemeinde in Korinth, an die er in seinem Brief schreibt, gibt es Zoff. Die Menschen dort gehen recht lieblos miteinander um, obwohl der Anspruch, dass gerade Christen sich freundlich begegnen sollen, besonders hoch ist. Es gibt verschiedene Gruppen, die sich bekriegen. Und statt sich zu ergänzen, spielen sich die Menschen gegenseitig aus. Das „Ich“ ist groß in der christlichen Gemeinde in Korinth. Da kann nichts Gutes draus wachsen. Schon gar nicht das zarte Pflänzchen der Liebe. Ist das nicht so, dass in der Liebe aus „Ich“ und „Du“ ein „Wir“ wird?

Ein junges Paar trifft sich mit mir zum Traugespräch. Die beiden erzählen von ihren Plänen für die gemeinsame Zukunft. Sie kannten sich schon seit der Schulzeit, hatten damals aber noch keinen Blick füreinander. Erst später sind sie durch gemeinsame Freunde zusammengekommen. Sie hatten seit drei Jahren eine gemeinsame Wohnung, das klappte auch ganz gut, der Alltag, wenn man den ganzen Tag zusammen ist. Jetzt wollen sie heiraten, ein Haus bauen, noch ein paar Jahre arbeiten und Geld verdienen, reisen, dann vielleicht ein Kind oder auch zwei. Warum sind gerade sie beiden zusammengekommen? Was lieben sie aneinander? Was verbindet sie?, wollte ich gerne wissen. Erst einmal Schweigen. „Darüber habe ich noch gar nicht so richtig nachgedacht“, sagt die Braut. „Wir lieben uns eben.“ Der Bräutigam fügt hinzu: „Es passt einfach gut!“ Ich muss zugeben, ich war ein bisschen erstaunt. Ich hätte erwartet, dass es nur so heraussprudeln würde, was man aneinander so toll und liebenswert findet. Richtige Lobeshymnen. Aber vielleicht war die Frage auch zu überraschend, zu persönlich. Den beiden wünsche ich, dass es ihnen gelingt, was sie sich vorgenommen haben: ein ganzes Leben zusammenzubleiben. „Bis dass der Tod uns scheidet“, so haben sie es versprochen, als ich ihnen die Traufragen stellte.

Liebe, die da ist, kann man nicht einfrieren und konservieren. Sie verändert sich im Laufe einer Beziehung, so, wie auch die Menschen, die sich lieben, sich entwickeln und verändern. Auch, wenn man dann schon lange zusammenlebt, ist keine Gewähr dafür, dass da noch Liebe ist. Liebe kann sich aufbrauchen. Man muss sie pflegen. Sonst ist sie weg. Und dann fehlt das Entscheidende. Das Allerwichtigste. Denkt daran, mahnt Paulus uns und die Korinther. Lasst anderes beiseite. Denn ohne Liebe ist das alles nichts. Die Liebe ist geduldig und freundlich, sagt Paulus.

„Du musst doch eigentlich froh sein, dass du so einen geduldigen Mann hast“, sagt mein Mann hin und wieder zu mir. Und wenn ich so drüber nachdenke, er sagt es oft. Und er sagt es gerade dann, wenn ich ihm wahrscheinlich-wieder malziemlich auf den Wecker gefallen ist. Und er sagt es ganz freundlich und liebevoll. Ja, ich kann froh sein, dass ich so einen Menschen in meinem Leben habe; jemanden, der für mich da ist. Der mich liebt, so wie ich bin. Dem ich alles sagen kann, was mich freut und was mich traurig macht. Auf den ich mich absolut verlassen und dem ich vertrauen kann. Der mir auch etwas Kritisches sagt, auch wenn ich das nicht so gerne höre. Der es mit mir aushält. Vor einigen Jahren haben mein Mann und ich einmal einen Tanzkurs besucht, um einen Abend in der Woche nur für uns zu haben. Das war nicht einfach, das Tanzen. Man muss das miteinander üben. Und tritt sich auch mal auf die Füße. Aber wenn man dann einen gemeinsamen Rhythmus gefunden hat, dann denkt man nicht mehr nach. Dann ist man eins. Man fühlt sich gehalten. Und das sind dann die schönsten Momente im Leben.

Liebe Gemeinde, auch Liebe muss man üben. Immer wieder. Kann man aber auch. Denn sie ist wirklich zu etwas zu gebrauchen. Sie schafft etwas Neues. Ein Einssein, das wir nicht festhalten können, aber das hält und trägt. Was schreibt Paulus noch einmal über die Liebe? Die Liebe sucht nicht den eigenen Vorteil, sie trägt das Böse nicht nach, die Liebe gibt nie jemanden auf; in jeder Lage hofft und vertraut sie für andere. Mich beeindruckt immer sehr, wenn ich Paare erlebe, die miteinander alt geworden sind und so liebevoll und respektvoll miteinander umgehen. Der andere ist auch nach all den Jahren noch ein besonderer Mensch. Das ist ein Geschenk und kein Verdienst. Die Liebe kann man nicht messen und berechnen. Sie macht sich nicht an Jahren fest, lässt sich in keine Formel pressen. Sie bricht immer wieder überraschend in unser Denken und Tun. Sie schafft einen Schutzraum, in dem ich mich öffnen kann und mich doch geachtet und gehalten weiß, in dem man ehrlich und wahrhaftig mit mir ist.

Wie schön, wenn man einen Menschen gefunden hat, mit dem man durch das Leben gehen kann. Die Liebe ist das, was bleibt. Paulus hat das schon richtig gesehen mit der Liebe. So vieles verändert und wandelt sich, wir sind vergänglich. Und unsere Liebe bekommt auch Schrammen und Falten. Aber sie ist die Kraft, die bleibt, die antreibt und verwandelt. Weil sie von Gott selbst herkommt, der die Liebe ist. In der Liebe erfahren wir Gott. Selbst in unserer manchmal sprachlosen oder müde gewordenen Liebe. In glücklichen, leidenschaftlichen und auch in komplizierten Beziehungen. Ohne die Liebe fehlt das Allerwichtigste im Leben. Auch wenn alles einmal aufhört-Glaube, Hoffnung, Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben, doch am höchsten steht die Liebe.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 608 „Ubi caritas“

Wir halten Fürbitte:

Gott, du bist unser Schöpfer.
Wir sind überzeugt, dass dein Wesen Liebe ist und du hast uns Menschen so geschaffen, dass auch wir lieben können.
Wir danken dir für dieses Geschenk. Es macht unser Leben reich und lebendig.

Wir beten für alle Paare.
Manche sind schon lange zusammen, viele sind verheiratet, haben Kinder oder sogar Enkelkinder, manche sind gerade frisch verliebt.
Erhalten ihnen die Fähigkeit zur partnerschaftlichen Liebe.

Wir beten für alle jungen Menschen, die gerade das Feuer des Verliebtseins erleben dürfen.
Hilf ihnen, dass sie mit ihren Gefühlen umgehen können.
Führe ihre Verliebtheit zu Liebe, damit sie zum Segen werden für sich selbst und für andere.

Wir beten für Paare, die schon lange zusammen sind und deren Aufmerksamkeit füreinander zu erlöschen droht, dass sie die Faszination füreinander wieder entdecken.

Wir beten für Paare, deren Gemeinsamkeit durch wirtschaftliche Schwierigkeiten oder Krankheiten schwer belastet wird, dass ihre Liebe nicht an den Sorgen des Alltags zerbricht.

Wir beten für Paare, die sich in der Vergangenheit große Verletzungen zugefügt haben, dass sie einander verzeihen können und einen neuen Anfang finden.

Wir beten für die Menschen, die noch auf der Suche sind nach Liebe und nach Nähe zu einem anderen Menschen.
Für die, die verwitwet sind und mit ihrem Alleinsein schwer zurechtkommen. Für die Menschen, die seit kurzem oder seit längerer Zeit getrennt leben.
Schenke ihnen Mut und Geduld und hilf ihnen, mit ihrem Leben zurechtzukommen.

Du bist die Quelle für alle Liebenden.
Wir danken dir, dass du unter uns bist mit deinem Heiligen Geist, der uns zur Liebe fähig macht.
Amen.

Alles, worum wir Gott sonst noch bitten möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater Unser im Himmel,…

Lied EG 653, 1.2 „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

Gottesdienst am 07.02.2021 - Sexagesimae

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
ein herzliches Willkommen zum Lesegottesdienst für den 7. Februar 2021.
Der Sonntag hat den Namen Sexagesimae, es ist der 2. Sonntag vor der Passionszeit. An diesem Tag geht es in den evangelischen Gottesdiensten um das Wort Gottes, wie es gesät wird und Frucht bringt oder manchmal auch keine Frucht bringt.
Deshalb sagt uns der Wochenspruch für die neue Woche eindringlich: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3, 15)
Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Ein passendes Lied zum Beginn ist „Gott Lob, der Sonntag kommt herbei“ (EG 162, 1-3)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen

Wir beten:
Herr, so vieles lenkt uns ab.
So vieles nimmt uns gefangen und kostet uns Zeit.
Nun sind wir bei dir, möchten hören, machen Ohren und Herzen weit auf für dich.
Amen.

Lesung und zugleich Predigttext ist heute das Gleichnis Jesu vom Sämann (Lukas 8, 4-8):
„Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten und die Vögel unter dem Himmel fraßen‘s auf. Und anderes fiel auf den Fels, und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten‘s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters,
von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied: „Halleluja“ (EG 182, 1.2.4.5)

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!
Amen.

Liebe Gemeinde, Jesus greift in seinen Gleichnissen die Lebenserfahrungen der Menschen seiner Zeit auf; auch im heutigen Gleichnis vom Sämann. Die Menschen in Israel haben sich von dem ernährt, was sie einmal gesät und geerntet haben. Sie kannten das gut, was Jesus hier beschreibt: die Vögel, die sich auf den ausgestreuten Samen stürzen, das Unkraut, die Dornen, der steinige Boden, die ganze Anstrengung der Arbeit im Garten und auf den Feldern; die bange Frage, ob die Ernte ausreichen wird. Aber es steckt auch unsere heutige Lebenserfahrung in diesem Gleichnis. Wir machen uns zur Zeit viele Gedanken über das, was werden wird. Wie wird das mit der Pandemie weitergehen; wird es gelingen, genug Impfstoff herzustellen und zu verimpfen? Bringen bis dahin die anderen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie den nötigen Erfolg? Wie kommen unsere Kinder gut durch diese komplizierten Zeiten? Wird es gelingen, die Risikogruppen weiterhin gut zu schützen? Wie wirkt sich das alles auf die Wirtschaft und die Gesellschaft aus?

Liebe Gemeinde, wir möchten unser Leben gerne planen, haben Wünsche und Ziele. Oft kommt es ganz anders. Und wir müssen uns damit auseinandersetzen, andere Wege suchen. Wir halten durch oder wir zerbrechen. Und doch machen viele von uns dabei die Erfahrung: ich habe es überstanden, wurde bewahrt, fühlte mich durch diese oder jene Krise hindurchgetragen, geführt. Mit dem Bild vom Sämann möchte Jesus uns Menschen auch Gott näherbringen. Gott ist wie ein Sämann. Jesus selbst ist wie ein Sämann. Ein überraschendes Bild! Wie würden wir Gott beschreiben? Als Weltkonstrukteur? Als eine Art Programmierer, der für unsere Welt und jeden Menschen darin ein ausgeklügeltes Programm schreibt und nichts dem Zufall überlässt? Der alles im Griff hat? Manche Christinnen und Christen sehen Gott so, manchmal wünschen wir ihn uns so: dass Er alles in der Hand hat. Aber der Sämann im Gleichnis hat nur den Samen in der Hand und den streut er aus. Er sät, und dann darf, soll, das Gesäte sich entwickeln und wachsen. Er ist geduldig, weiß, dass das seine Zeit braucht und dass auch nicht alles aufgehen wird. Es gibt eben die Vögel, die Dornen und den schlechten Boden. Der Sämann verscheucht nicht die Krähen und die Raben, er reißt nicht alles Unkraut heraus und gräbt die Steine aus dem Boden. Gott räumt uns die Schwierigkeiten und die Widersprüche unseres Lebens nicht mal eben aus dem Weg, damit wir es leichter haben; es ist unsere Aufgabe, dass wir damit umgehen lernen. Der Sämann vertraut aber darauf, dass es auch den guten Boden gibt. Er vertraut auf die Kraft, die in den Samenkörnern steckt. Gott lässt es darauf ankommen, was aus dem Samen wird, und er vertraut darauf, dass es am Ende eine Ernte geben wird, eine reiche Ernte.

Liebe Gemeinde, Gott lässt es auf uns ankommen, denn wir sind so etwas wie der Acker oder das Feld, auf den der Sämann das Saatgut großzügig und geduldig ausstreut. In jedem Moment sät Gott etwas unter uns, z.B. am Sonntagmorgen beim Gottesdienst in der Kirche. Und vielleicht fällt das auf fruchtbaren Boden, und wir hören etwas, was uns gut tut und uns in unserem Leben und Glauben weiterbringt. Ich bin mir sicher, dass er auch bei unserer Videokonferenz mit Ehrenamtlichen Donnerstagabend etwas ausgesät hat, als einige von uns sich Gedanken gemacht haben, wie wir als Gemeinde Menschen mehr unterstützen und begleiten können. Da war die Idee, das auch im Gemeindebrief und auf der Homepage zu veröffentlichen, dass man sich an uns wenden kann, wenn man Hilfe braucht, gerade jetzt, beim Einkaufen z. B. oder wenn es sonst etwas gibt, was wir tun können. Und da war auch viel Vertrauen: das werden wir schon hinbekommen. Die Saat Gottes ist bestimmt auch bei den Konfis angekommen, die sehr schöne und tröstliche Brief entworfen haben an Menschen, die jetzt nicht in die Kirche kommen können.

Aber nicht nur im Rahmen von Gottesdienst und Gemeindearbeit streut Gott den Samen reichlich aus, sondern in jeder Begegnung, in jeder Erfahrung, die wir machen. Ich denke, es lohnt sich, darauf mehr zu achten und sich am Ende jedes Tages zu fragen: wo hat mir heute jemand etwas Gutes getan oder ich einem anderen? Wo bin ich heute auf einen neuen Gedanken gekommen, der in mir weiter reifen soll? Wo in all dem, was da gewesen ist, habe ich etwas von Gott gespürt? Unser Lebensacker, der ist, meine ich, auch so unterschiedlich strukturiert wie der, der im Gleichnis beschrieben wird. Da gibt es Bereiche, die das Wachstum schwer machen: Erfahrungen, die uns belasten, unerbittliche Grundsätze, von denen wir nicht ablassen, ein Verhalten, das uns und andere zu ersticken droht, spitze Dornen, die wehtun und vieles mehr. Das gehört zu uns und lässt sich nicht einfach beseitigen. Aber dazwischen findet sich immer wieder auch gute, fruchtbare Erde, beste Voraussetzungen zum Keimen und Wachsen. Wir dürfen auch vertrauen, dass Gott reichlich aussät: Selbst wenn nicht aus jedem Samenkorn etwas werden wird, dann bleibt noch so viel, dass etwas Gutes entstehen kann. Und bei jedem Menschen gibt es davon etwas zu ernten.

Ihr Lieben! Noch ein letzter Gedanke zum Gleichnis. Mir scheint, wir sind nicht nur der Boden, auf den Gottes Saat fällt, sondern wir sind auch Sä-Leute. Denn wir reden und denken und handeln, und all das hat Auswirkungen. Auf uns selbst und auf die, mit denen wir unser Leben teilen. Und sogar auf die, die weit weg von uns leben. Was ist das, was wir ausstreuen? Freude, Hoffnung, Mitmenschlichkeit, Gottvertrauen? Oder ist es manchmal auch eine böse Saat, Neid, Unfreundlichkeit, Hartherzigkeit, Hass? Bringen wir die nötige Geduld auf, dass etwas Gutes wachsen kann oder zerstören wir mit Absicht oder Ungeschicklichkeit das erste frische Grün. Jeder von uns, der einen Garten hat, der weiß, dass Wachsen seine Zeit braucht; die Blumen, das Obst und das Gemüse sind nicht nach einem Tag oder einer Woche reif. Und manchmal sind wir völlig überrascht, dass im Garten von selbst eine neue wunderschöne Blume wächst an einer Stelle, wo wir gar nichts ausgesät hatten. Gott sei Dank dafür!

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied: „Herr, dein Wort, die edle Gabe“ (EG 198, 1-2)

Wir beten:

Wir danken dir für dein Wort, du guter und großzügiger Gott. Wir danken dir, dass du durch dein Wort zu uns sprichst, auch, wenn wir manchmal gar nicht richtig hinhören.

Wir bitten dich, dass dein Wort bei uns auf guten Boden fällt. Lass uns innerlich neu werden, aufgeweckt und engagiert.

Wir bitten dich, dass unsere Gemeinde sich gut entwickelt, dass wir nach deinem Wort leben und immer ein offenes Ohr haben für die Sorgen und Nöte der Menschen. Hilf mit, dass wir die nötige Geduld und das Vertrauen haben, dass unsere Angebote und Dienste, unser Miteinander etwas Gutes und Staunenswertes hervorbringen wird.

Wir bitten dich, dass in dem Ort, in dem wir leben, immer wieder gute Ideen und Vorhaben heranreifen, die den Menschen dienen. Auch in Bühlertal, in Neusatz, Altschweier, in Ottersweier und auf dem Sand soll deine gute Saat aufgehen. Lass alle, die hier Verantwortung tragen, sich für mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit einsetzen.

Wir bitten dich, dass unsere Welt zu einem lebenswerten Ort für alle werden kann. Stehe uns bei, wenn wir durch die nächsten schweren Monate der Pandemie gehen müssen, hilf, dass der Friede sich immer mehr ausbreitet und Krieg und Terror beendet. Lass uns alle auf dein Wort achten, damit wir für unser Leben ermutigt werden. Amen

Wir beten weiter: Vater Unser im Himmel, …

Lied: „Vertraut den neuen Wegen“ EG 395, 1-3

Die zweite Strophe daraus soll heute unser Segenswort sein:
„Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!
Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht,
der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.“

So seid gesegnet auf allen euren Wegen.
Amen.

Gottesdienst am 31.01.2021 - 4. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den 31. Januar 2021, den letzten Sonntag nach Epiphanias.
Im Anschluss an den Internationalen Holocausttag am 27. Januar, bei dem wir der 6 Millionen ermordeten Menschen jüdischen Glaubens und der zahllosen weiteren Opfer der Nazidiktatur gedacht haben, hören wir heute in der Predigt vom Schicksal der jungen jüdischen Studentin Etty Hillesum; sie starb im KZ Auschwitz. 40 Tage nach ihrem Tod wurden ihre Tagebuchaufzeichnungen unter dem Titel „Das denkende Herz“ veröffentlicht; erschütternde und berührende Texte aus einer dunklen Zeit.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied EG 66, 1.2.8 „Wie schön leuchtet der Morgenstern“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Gott, wir suchen nach Halt und Orientierung. Was gibt uns festen Boden unter den Füßen? Wir bitten dich: Richte unsere Herzen neu aus auf dich. Lass dein Wort in unserer Dunkelheit aufgehen, so, wie der helle Morgenstern den Nachthimmel erleuchtet. Gott, in deinem Licht sehen wir das Licht.
Amen.

Die biblische Lesung (und zugleich der Predigttext) steht im 2. Petrusbrief, Kapitel 1, Verse 16-21:

„Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen.
Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.
Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift aus eigener Auslegung geschieht. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben Menschen in Gottes Auftrag geredet.“
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters,
von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht“ (Anhang zum Gesangbuch, Nr. 147)

Gnade sie mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,

das Lied, das wir gerade gehört haben, ist eines meiner Lieblingslieder: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung und Zukunft gebracht; es gibt Halt, es gibt Trost, in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“

Besonders eindrucksvoll wirkt es, wenn es in einer dunklen Kirche gesungen wird und dann nach und nach immer mehr Kerzen entzündet werden, wie z.B. in einem Osternachtgottesdienst oder bei einem Taizégottesdienst und dann so gesungen wird, wie es eigentlich gedacht ist: als Kanon. Die Hoffnung, der Halt und der Trost, von dem es spricht, das Licht trotz der Dunkelheiten des Lebens, das wird richtig spürbar, man schwingt sich wie von selbst in den Rhythmus der Melodie ein und es wird einem schon etwas leichter ums Herz.

Das Lied passt sehr gut zum Thema des heutigen letzten Sonntags nach Epiphanias, in dem es um die Verklärung Jesu geht. Ein Ereignis, das in den Evangelien so beschrieben wird: Jesus geht mit dreien seiner Jünger, mit Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg. Dort erleben sie mit, wie Jesus wie in ein himmlisches Licht getaucht erscheint, seine Kleidung, sein Gesicht, seine ganze Gestalt leuchtet. Dazu hören sie eine überirdische Stimme, die sagt: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören.“

Diese Erfahrung prägt das ganze weitere Leben der drei Jünger. An der Seite von Jesus erfahren sie, welche Kraft das Licht hat, das er in die Welt bringt, wie ein Stern in der Dunkelheit. Unser heutiger Lesungs- und Predigttext aus dem 2. Petrusbrief 1, 16-21 greift dieses Ereignis und seine Bedeutung auf. Der Verfasser schreibt unter dem Namen Petrus, um mehr Autorität auszustrahlen. Da der Brief aus dem 2. Jahrhundert nach Christus stammt, handelt es sich nicht wirklich um Petrus, den Jünger Jesu. Der Briefautor lebt in einer Gemeinde, in der die Menschen nicht mehr glauben, dass Jesus wiederkommt; es ist schon hundert Jahre her, dass er gelebt hat. In den ersten beiden Generationen nach seinem Tod haben die ChristInnen fest damit gerechnet, aber je länger es sich hinzieht, desto weniger erwarten sie das noch. Es fällt ihnen schwer zu glauben, dass Jesus das Licht der Welt ist, der Retter. Der Briefautor gibt sich den Namen Simon Petrus und erinnert seine Adressaten daran, dass er selbst ja mit auf dem Berg der Verklärung war und das Licht um Jesus gesehen hat, das alles Dunkle ausleuchtet. Jesus ist nun nicht mehr da, aber bis er wiederkommt, haben die Christinnen und Christen das Wort der Schrift, das genauso hell erstrahlt wie Jesus selbst. Das Wort der Schrift, die biblischen Texte, ist das helle Licht der Hoffnung und der Zukunft, es gibt Halt, es gibt Trost in Bedrängnis, Not und Ängsten…

Dass das Wort der Schrift, der Bibel, tatsächlich in finsterster Zeit eine derartige Leuchtkraft entwickelt, dass es im Herzen aufgeht wie der helle Morgenstern, das zeigt sich im Leben der jungen jüdischen Studentin Etty Hillesum, die in der Nazizeit in Amsterdam lebte. Sie beginnt im März 1941, vor fast 80 Jahren, mitten in Krieg und Verfolgung, Tagebuch zu führen. Über zwei Jahre hinweg vertraut sie ihrem Tagebuch alles an, was sie erlebt und was sie bewegt. Bekannter ist das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank, das ebenfalls bis zum Abtransport in Amsterdam lebte. Aber die Aufzeichnungen der Etty Hillesum sind noch einmal ein ganzes Stück reifer; sie ist älter, hat etliche Semester Slawistik und Psychologie studiert, lebt in einer Beziehung zu einem älteren Mann, einem bekannten Psychologen. Ihre Notizen zeigen, wie diese hochbegabte, leidenschaftliche Studentin darum ringt, in einer unmenschlichen Zeit Mitmenschlichkeit zu bewahren, sich an Werten zu orientieren, die für sie existentiell sind, wie sie sich einen inneren geistigen und geistlichen Vorrat anlegt, von dem sie zehren kann: “Ich muss alles in mir tragen. Man muss auch ohne Bücher und Notizen leben können. Ein kleines Stück Himmel wird wohl immer um mich sein und so viel Platz wird immer um mich sein, dass meine Hände sich zum Gebet falten können.“

An einer Stelle schreibt sie, dass sie darauf gehofft hatte, sehr alt zu werden, um davon zu erzählen, wie die Suche nach Gott ihr Leben geprägt hat. Sie kommt zu der Erkenntnis, dass Gott existiert, in ihr selbst. Im Tagebuch spricht sie direkt zu Gott, ganz natürlich, völlig unbefangen, als würde sie zu sich selbst sprechen. Die junge Frau fühlt sich von diesem Gott gehalten. Sie sagt: „Wenn ich bete, bete ich nie für mich selbst mich selbst, immer für andere, oder aber ich führe einen verrückten oder kindlichen oder todernsten Dialog mit dem, was in mir das Allertiefste ist und das ich der Einfachheit halber als Gott bezeichne.“ In ihren letzten Aufzeichnungen beschreibt sie ihr Leben sogar als ein dauerndes Zwiegespräch mit Gott. Obwohl sie nicht besonders religiös erzogen wurde, fühlt sie sich als Erwachsene stark mit dem jüdischen Volk und mit Gott verbunden. Ein langes Leben wird ihr aber nicht vergönnt. Etty Hillesum stirbt am 30. November 1943 im KZ Auschwitz, da ist sie 31 Jahre alt. Auch ihre Eltern und die beiden jüngeren Brüder kommen dort um. Das KZ Auschwitz wird erst am 27. Januar 1945 befreit.

Wie die Nazis gegen die Menschen jüdischen Glaubens vorgehen, das macht ihr große Angst Sie schreibt: „Lebensangst auf der ganzen Linie. Völliger Zusammenbruch. Mangel an Selbstvertrauen. Abscheu. Angst.“ Sie hält das Schicksal der Juden, das „Massenschicksal“, wie sie es nennt, für unabwendbar. Dem will sie sich nicht entziehen, durch Flucht oder Untertauchen. Es wird auch ihr Schicksal sein, das ist ihr klar. Zugleich erlebt sie aber auch, wie sie sich innerlich immer mehr von den Schrecken ihrer Zeit distanzieren kann, wie sie frei davon wird und ruhig. „Ich ruhe in mir selbst. Und jenes Selbst, das Allertiefste und Allerreichste in mir, in dem ich ruhe, nenne ich Gott.“ An anderer Stelle hält sie fest: „Irgendwie fühle ich mich innerlich ganz leicht, ohne jede Erbitterung, ich spüre so viel Kraft und Liebe in mir.“ Die innere Freiheit und Zuversicht, die hat sie nicht immer, aber die werden ihr immer wieder geschenkt. Jeden Tag liest sie in der Bibel. Morgens eine halbe Stunde vor der Arbeit hält sie innere Einkehr, betet, meditiert. Sie schreibt: „Es gibt Augenblicke, in denen ich mich wie ein kleiner Vogel in einer großen schützenden Hand geborgen fühle. Gestern war mein Herz ein in der Falle gefangener Vogel. Jetzt ist der Vogel wieder frei und fliegt ungehindert über alles hinweg. Heute scheint die Sonne. Und jetzt packe ich mein Brot ein und mache mich auf den Weg.“

Auch in Auschwitz selbst geht von Etty Hillesum ein helles Licht aus. Überlebende beschreiben sie als eine leuchtende Persönlichkeit.

Sie ist sich sicher, dass sie in Gottes Armen geborgen ist. Und sorgt sich um die Menschen, die nicht so einen festen Glauben haben, die so sehr leiden müssen. Ihr letzter Tagebucheintrag schließt mit den Worten: „Man möchte ein Pflaster auf vielen Wunden sein.“ Für Etty ist Gott zu einem hellen Licht in ihrem Leben geworden, das selbst diesen finstersten aller Orte, Auschwitz, hell macht. Sein Wort ist in ihrem Herzen aufgegangen wie der Morgenstern und hat es leicht gemacht und stark. Mit ihr möchte ich erfahren, dass Gottes Licht durch sein Wort auch in unserem Herzen aufgeht, dass es uns Hoffnung und Zukunft bringt, in Verzweiflung, Not und Ängsten, wie ein Stern in der Dunkelheit.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied: „Freunde, dass der Mandelzweig“ (Anhang zum Gesangbuch, Nr.39, 1-4)

Wir halten Fürbitte:

Gott, Licht der Welt, alle Dunkelheit unserer Welt bringen wir vor dich, alle Dunkelheit in uns und um uns. Du kannst sie erleuchten und vertreiben.

Wir bringen vor dich, was unsere Seele, unser Herz und unseren Verstand verdunkelt.

Wir bringen vor dich die dunklen Ecken unserer Erde, wo Menschen leiden müssen und keinen Lichtblick mehr für ihr Leben sehen.

Wir bringen vor dich (hier kann man nun ganz eigene Fürbitten einfügen)…

Gott, wir vertrauen darauf, dass durch dich eine Zeit kommt, in der alle Dunkelheit, alle Angst und alle Todesfurcht vergangen ist. Bis dahin lass uns Menschen begegnen, die leuchten, und lass uns selbst zu Menschen werden, die anderen leuchten können.

Und alles, worum wir Gott sonst noch bitten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied: „Wir wünschen Frieden euch allen“ (EG 433)

Gottesdienst am 24.01.2021 - 3. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den 24. Januar, den 3. Sonntag nach Epiphanias.
Mit Gott, durch Gott kommt Veränderung in die Welt. Neues kann geschehen. Die Vollendung dieses Neuen steht aber noch aus. Diesen Gedanken, der von Epiphanias herkommt, fasst der Wochenspruch für die neue Woche so zusammen:
„Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13, Vers 29).
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Dazu passt das Epiphaniaslied EG 66, 1.2. „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude“

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Herr, wir kommen zu dir mit allem, was wir in der zuende gegangenen Woche erlebt haben. Wir bringen dir unsere Sorgen unsere Freuden, unsere Bitten und unseren Dank, alles vertrauen wir dir an. Lass uns Abstand finden zu dem, was war und zeig uns, wie unser Leben weitergehen kann.
Amen.

Lesung und Predigttext stehen im Buch Rut, Kapitel 1, Verse 1-19a (Text der Gute-Nachricht-Bibel):
„Es war die Zeit, als das Volk Israel noch von Richtern geführt wurde. Weil im Land eine Hungersnot herrschte, verließ ein Mann im Gebiet von Juda seine Heimatstadt und suchte mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen Zuflucht im Land Moab. Der Mann hieß Elimelech, die Frau Noomi; die Söhne waren Machlon und Kiljon. Die Familie gehörte zur Sippe Efrat, die in Bethlehem in Juda lebte. Während sie in Moab waren, starb Elimelech, und Noomi blieb mit ihren beiden Söhnen allein zurück. Die Söhne heirateten zwei moabitische Frauen, Orpa und Rut. Aber zehn Jahre später starben auch Machlon und Kiljon, und ihre Mutter Noomi war nun ganz allein, ohne Mann und ohne Kinder. Als sie erfuhr, dass der Herr seinem Volk geholfen hatte und es in Juda wieder zu essen gab, entschloss sie sich, das Land Moab zu verlassen und nach Juda zurückzukehren. Ihre Schwiegertöchter gingen mit. Unterwegs sagte sie zu den beiden: „Kehrt wieder um! Geht zurück, jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr vergelte euch alles Gute, das ihr an den Verstorbenen und an mir getan habt. Er gebe euch wieder einen Mann und lasse euch ein neues Zuhause finden.“ Noomi küsste die beiden zum Abschied. Doch sie weinten und sagten zu ihr: „Wir verlassen dich nicht! Wir gehen mit dir zu deinem Volk.“ Noomi wehrte ab: „Kehrt doch um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Habe ich etwa noch Söhne zu erwarten, die eure Männer werden könnten? Geht, meine Töchter, kehrt um! Ich bin zu alt, um noch einmal zu heiraten. Und selbst, wenn es möglich wäre und ich es noch heute tun würde und dann Söhne zur Welt brächte- wolltet ihr etwa warten, bis sie groß geworden sind? Wolltet ihr so lange allein bleiben und auf einen Mann warten? Nein, meine Töchter! Ich kann euch nicht zumuten, dass ihr das bittere Schicksal teilt, das der Herr mir bereitet hat.“ Da weinten Rut und Orpa noch mehr. Orpa küsste ihre Schwiegermutter und nahm Abschied; aber Rut blieb bei ihr. Noomi redete ihr zu: “Du siehst, deine Schwägerin ist zu ihrem Volk und ihrem Gott zurückgegangen. Mach es wie sie, geh ihr nach!“ Aber Rut antwortete: „Dränge mich nicht, dich auch zu verlassen. Ich gehe nicht weg von dir! Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, will ich auch sterben, und dort will ich begraben werden. Der Zorn des Herrn soll mich treffen, wenn ich nicht Wort halte: Nur der Tod kann mich von dir trennen!“ Als Noomi sah, dass Rut so fest entschlossen war, gab sie es auf, sie zur Heimkehr zu überreden. So gingen die beiden miteinander bis nach Bethlehem."
Amen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied EG 369, 1-3 „Wer nur den lieben Gott lässt walten“

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Gemeinde, bitte, überlegen Sie doch einmal, durch welche Türen Sie heute morgen schon gegangen sind: da war die Schlafzimmertür, die zum Badezimmer, zur Küche, die Haustür, das Gartentor, die Kirchentür. Neben den realen Türen gibt es auch viele symbolische Türen, durch die wir in unserem Leben gehen. Jemand hat uns seine Herzenstür aufgemacht und dadurch eine intensive Freundschaft oder sogar Liebesbeziehung ermöglicht. Wir waren beruflich erfolgreich, eine neue Tür hat sich im Arbeitsleben für uns geöffnet. Aber es gibt auch das andere: eine Tür fällt zu, lässt sich nicht mehr öffnen, jemand bricht den Kontakt zu uns ab oder wir sehen nicht, wie unser Leben weitergehen kann.
Auch in den Monaten der Pandemie sind für uns viele Türen zuge- gangen. Schulen, Kitas, Büros, Geschäfte, Freizeiteinrichtungen wurden geschlossen, Kontakte drastisch eingeschränkt, wir blieben zuhause. Viele Menschen mussten ihre Pläne ändern. Das war ganz schön schwierig. Manchmal haben wir aber auch entdeckt: wo sich eine Tür schließt, geht eine andere auf!

Rut aus der Bibel, von der wir gerade in der Lesung gehört haben, die hat das in ihrem Leben erfahren. Ihre Geschichte kann uns Mut machen, in schwierigen und belastenden Zeiten, wie wir sie alle gerade durchmachen müssen, nach einer offenen Tür und nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten, die Gott für uns bereit hat.

Das Buch Rut erzählt von einer großen Hungersnot in Juda, dem Südteil von Israel. Eine Familie, Elimelech und seine Frau Noomi und die beiden Söhne Machlon und Kiljon, sie sind vom Tod bedroht. Und sie verlassen ihr Land, um in das Land Moab zu flüchten. Eigentlich war das Verhältnis zwischen Juda und Moab nicht besonders gut. Aber doch wird die kleine Familie in der Fremde gut aufgenommen, weil man ihre Not erkennt. Es macht ganz den Eindruck, dass sie sich in Moab gut einleben.

Doch dann stirbt Elimelech, Noomis Ehemann, welch ein Unglück! Die beiden Söhne sind inzwischen erwachsen; sie heiraten zwei junge Moabiterinnen, Rut und Orpa. Zehn Jahre vergehen, dann werden auch die beiden Söhne krank und sterben. Wie soll es jetzt weitergehen? Wer wird die alte Frau und die beiden jungen Frauen versorgen, Witwen alle drei? So beschließt Noomi, in ihre Heimat zurückzukehren. In Bethlehem hat sich die Lage inzwischen verbessert, es gibt wieder etwas zu essen. Noomi sieht die geschlossene Tür sich einen kleinen Spalt wieder öffnen. Die beiden Schwiegertöchter möchten sie begleiten. Noomi versucht zweimal, sie umzustimmen. Sie sollen in Moab bei ihren Ursprungsfamilien bleiben. Die beiden jungen Frauen müssen entscheiden, welche Tür sie wählen. Auf einer steht: „bleiben“, auf der anderen steht „gehen“ Schließlich bleibt Orpa in ihrer Heimat Moab und Rut geht mit Noomi in die Fremde, nach Bethlehem. Rut sagt ihrer Schwiegermutter etwas sehr Schönes: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen, und wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden.“

Mit diesen Worten zeigt sie, wie tief sie ihrer Schwiegermutter verbunden ist, aber auch, wie tief sie sich dem Gott Israels verbunden fühlt. Eigentlich ist er ja ein fremder Gott für sie, eigentlich würde man erwarten, dass sie nach all dem Schweren, das ihr zugemutet wurde, mit jedem Gott hadern würde. Aber sie vertraut Gott, trotz allem. Sie schwört ihm die Treue, wie sie auch Noomi treu bleiben will. Durch ihre Entscheidung bewahrt Rut eine jüdische Familie vor dem Aussterben. Es ist eine besondere Familie. Es wird sich eine Tür vor ihr öffnen, durch die Rut an einer Familien -geschichte beteiligt wird, die größer ist als alles, was sie sich je vorstellen konnte. Eine Familiengeschichte ist in der Bibel auch immer eine Geschichte des Glaubens. Ruts Namen wird man über Jahrtausende hinweg nicht mehr vergessen. Die beiden Witwen kehren also nach Bethlehem zurück und hier ergeben sich neue, glückliche Wendungen für ihr Leben, wieder neue Türen, die sich mit Gottes Hilfe auftun und Zukunft ermöglichen.

Um etwas zum Essen zu beschaffen, sammelt Rut die bei der Ernte übriggebliebenen Ähren auf dem Acker des Boas auf, ein Recht, das sie als Fremde hat. Dieser Boas ist ausgerechnet ein Verwandter ihrer Schwiegermutter Noomi. Er respektiert ihr Recht zum Ährenlesen. Er spricht sehr freundlich mit ihr, sagt ihr seinen Schutz zu; seine Männer sollen ihr sogar Wasser bringen, wenn sie Durst hat. In der damaligen Gesellschaft eigentlich unmöglich, Wasserholen ist Frauensache. Aber Boas setzt sich darüber hinweg. Er sieht die Not von Ruth und ihrer Schwiegermutter, er fühlt sich verantwortlich. Er hat auch erfahren, wie die Moabiterin sich um die alte Frau gekümmert hat. Seine Herzenstür ist da schon ein ganzes Stück weit geöffnet. Und es geht noch weiter. Als Noomi erfährt, wie großzügig und mitfühlend sich Boas verhält, denkt sie, dass sich seine Herzenstür vielleicht noch weiter für Rut öffnen könnte. Und so gibt sie ihrer Schwiegertochter einige praktische Tipps für ein Rendezvous: „Geh noch einmal zu Boas, leg dich zu ihm in der Nacht. Mach dich schön für ihn!“ So geschieht es. Rut legt sich nachts zu Boas, damit er sie mit seinem Mantel zudecken kann. In der Sprache der damaligen Zeit bedeutet das: Rut bietet Boas an, seine Frau zu werden. Und er versteht das und ist sehr ergriffen.

Liebe Geschwister, eine wunderbare Geschichte, wie hier zwei Menschen voneinander angezogen werden, wie sie zueinander finden, ihre Liebe entdecken und schließlich ein Paar werden. Es sind noch einige rechtliche Dinge zu klären, aber dann dürfen können sie heiraten und werden später sogar Eltern eines Sohnes, Obed. Und Noomi, die beide Söhne verloren hat, wird ihrem Enkel wie eine zweite Mutter. Ja, Liebe kann Türen öffnen, die fest verschlossen schienen: Herzenstüren, Lebenstüren. Übrigens, dieser Obed ist der Großvater von David, der ein berühmter König in Israel wird und von dem viele Psalmen in der Bibel stammen. Vielleicht wissen Sie, wie es mit dieser Familie weitergeht. Einer von Davids Nachfahren ist Jesus von Nazareth. Rut, die einst heidnische Moabiterin, ist eine Vorfahrin von Jesus. Ihre Geschichte wird zur Geschichte des Messias Israels.

Ihr Lieben, wenn wir durch eine Tür gehen, die sich vor uns öffnet, dann verbindet sich unsere Geschichte mit der Geschichte Gottes. Wir begeben uns in den Segensbereich Gottes, in das, was Gott mit der Welt vorhat. Wenn wir auch noch gar nicht wissen, was sich daraus entwickeln wird. Deshalb dürfen wir auch in den schwierigen Monaten, die vor uns liegen, nach Türen Ausschau halten, die sich öffnen lassen oder sogar schon ein Stück weit offen stehen. Und dürfen gespannt sein, was eines Tages von deinem und meinem Leben ausgegangen sein wird.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied EG 395, 1-3: „Vertraut den neuen Wegen“

Wir beten:
Lebendiger Gott, vor dich bringe ich meine Sehnsucht nach ein bisschen Normalität, nach Nähe und Gemeinschaft und die Sehnsucht, dass doch endlich alles gut werde. Vor dich bringe ich meine Sorge um die vielen Kranken und Trauernden, um die Überforderten und die, die um ihre Existenz bangen. Vor dich bringe ich die, denen nicht nur diese Krise, sondern auch Krieg und Gewalt die Lebensgrundlage genommen haben. Gib du mir Halt, wenn ich haltlos werde. Gib du mir Hoffnung, wenn meine Hoffnung kraftlos wird. Gib du mir Kraft, dass ich die anderen nicht aus dem Blick verliere. Gib du mir den Blick für geöffnete Türen, wenn ich nicht weiter weiß. Gib du Vertrauen, dass du alles gut machen wirst.
Amen.

Wir beten das Gebet, das Jesus Christus uns selbst gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,…

Lied EG 171, 1.4 „Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott“

Gott segne uns:
„Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen.“

Friedensgebet im Januar 2021: „Dass Friede werde unter uns“

Auch zu Beginn des 30. Jahres unserer Ökumenischen Friedensgebete laden wir Sie herzlich ein – trotz und auch gerade wegen der Corona-Pandemie – mit uns und gemeinsam mit den vielen Friedensgebetsgruppen überall in Deutschland, in Europa und weltweit, weiterhin für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten und zu beten.

Gedanken (in Anlehnung an einen geistl. Impuls „Bei euch aber soll es nicht so sein“, von Pfr. H.Benz, Geistlicher Beirat von Pax Christi Rottenburg-Stuttgart):

Jesus sagt: "mein Reich ist nicht von dieser Welt", er lehrt aber seine Freunde beten: "Dein Reich komme". Wohin? In die Herzen der Menschen? Ja.
Aber auch in die Welt mit ihren politischen und sozialen Strukturen.
Dieses Reich soll die Welt verändern, wie ein "Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert". Jesus ist gekommen mit seinem Evangelium alles - also die ganze Welt! - neu zu schaffen.
Und wenn seine Jünger das Evangelium vom Reich Gottes nicht nur verkünden, sondern es auch leben, dann werden sie "Salz der Erde" und "Licht der Welt" sein, sagt Jesus.

Anleitungen dazu, „dass Friede unter uns werden kann“, haben wir als Christ*innen also genug:
Ein Beispiel unter vielen ist es, wenn Jesus sagt: "Ihr wisst, dass die Mächtigen dieser Welt die Völker unterdrücken und ihre Macht über sie ausüben.
Bei euch aber soll es nicht so sein. Wer von euch groß sein will, der sei der Diener aller." (Mt. 20, 25-26)
Wenn wir diesen Ruf Jesu in der Welt verwirklichen wollen, dann müssen wir glaubwürdig gegen jene Herrschafts- und Machtstrukturen in unserer Welt auftreten, die den Menschen nicht befreien, sondern unterdrücken, auftreten auch gegen alle Formen der "Konfliktlösungen", die nur auf Gewalt setzen zur Durchsetzung eigener Interessen.

Viele kleine LeuteAuch wir sind aufgefordert, in unserem vergleichsweise kleinen persönlichen Umfeld, uns zu beteiligen an einer Beseitigung von ungerechten Strukturen und Verhältnissen, welche so oft den Konflikten zugrunde liegen und deren wahre Ursachen sind.
Wir sind aufgefordert einzutreten für die Anerkennung der Menschenrechte und Menschenwürde aller Menschen. Denn sie alle sind geschaffen nach Gottes Bild. Sie alle sind geliebte Kinder Gottes.
Wir sind aufgefordert einzutreten für einen fairen, angstfreien und offenen Dialog der Konfliktpartner miteinander: Dass Friede werde unter uns!

Politisches Engagement ohne Gebet, das würde freilich nicht der Aufforderung Jesu entsprechen. Wie oft ruft Jesus seine Freunde auf, zu beten! Er selbst zieht sich oft zum Gebet zurück, besonders vor schweren Entscheidungen und Herausforderungen.
Viele Beispiele bekannter Vorbilder wären zu nennen, wie z. B.:
Mahatma Ghandi, Martin Luther King, Dom Helder Camara, Dietrich Bonhoeffer, Franz Jägerstetter uvam. Auch viele stille Vorbilder aus Vergangenheit und Gegenwart haben sich auf Jesu Beispiele eingelassen und vieles bewirkt.
So lasst uns beides tun - beten: "Dein Reich komme", und uns politisch für das einsetzen, was dem Evangelium der Gerechtigkeit und der menschlichen Solidarität entspricht, für alles was den Menschen, jeden Menschen, zum Leben befreit.
Dass Friede werde unter uns!

Lesung (Micha 4, 1-3):
Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn / steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen die Völker.
Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs.
Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen.
Denn von Zion kommt die Weisung, aus Jerusalem kommt das Wort des Herrn.
Er spricht Recht im Streit vieler Völker, er weist mächtige Nationen zurecht (bis in die Ferne).
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.
Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.

Fürbitten:
1. Herr aller Herren,
du willst, dass die Menschen miteinander in Frieden leben.
Zeige den Politikern, wie sie Spannungen lösen und neue Kriege verhindern können.
Lass die Verhandlungen unter den Nationen der Verständigung dienen und führe die Bemühungen um Abrüstung zum Erfolg,
…und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
2. Wir bitten dich um gerechte Lösung der Konflikte, die Ost und West, Nord und Süd, arme und reiche Völker voneinander trennen.
Hilf auch uns und lass nicht zu, dass wir mitmachen, wenn Hass und Feindschaft Menschen gegeneinander treiben,
… und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
3. Öffne unsere Augen, dass wir die Not der Anderen sehen, unsere Ohren, dass wir ihren Schrei hören, unsere Herzen, dass sie nicht ohne Beistand bleiben.
Herr der Welt, gib uns einen Blick für die Zeichen der Zeit und ein klares Urteil gegenüber den politischen Ereignissen und allem Neuen in unserer Welt,
…und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
4. Zeige uns, wie wir in unserem Staat verantwortlich leben und ihn mitgestalten können und gib, dass wir uns nicht weigern, uns für Gerechtigkeit einzusetzen, weil wir die Macht und den Zorn der Starken und der Reichen fürchten,
…und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
5. Lass uns Boten deiner Liebe von Glauben und Hoffnung werden, damit wir für deinen Frieden wirken können.
Amen.

Vater unser

Segen
Gott, Du Quelle unseres Lebens, Du Atem unserer Sehnsucht, Du Urgrund allen Seins.
Segne uns mit dem Licht Deiner Gegenwart, das unsere Fragen durchglüht und unseren Ängsten standhält.
Segne uns, damit wir ein Segen sind und mit zärtlichen Händen und einem hörenden Herzen, mit offenen Augen und mutigen Schritten dem Frieden den Weg bereiten.
Segne uns, dass wir einander segnen und stärken und hoffen lehren wider alle Hoffnung, weil Du unserem Hoffen Flügel schenkst.
Dazu segne uns der gute Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Von Herzen Ihnen Allen alles Gute wünscht
die Ökumenische Friedensgebetsgruppe Altschweier/Bühlertal

 

Predigt zum Gottesdienst am 17.01.2021 - 2. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Gemeinde,

ein junges Paar wollte heiraten. Aber die beiden waren arm und wussten nicht, wie sie das Fest bezahlen sollten. Darum baten sie ihre Gäste, jeder solle eine Flasche Wein mitbringen und am Eingang in ein großes Fass schütten. Dann würden sie gemeinsam fröhlich feiern können. Als alle versammelt waren, schöpften die Kellner aus dem Fass. Doch als die Gäste auf das Wohl des Brautpaares trinken wollten, da wurden die Gesichter schamrot, denn jeder hatte nur Wasser im Glas. Alle hatten gedacht: »Wenn ich eine Flasche Wasser in den Wein gieße – das wird schon keiner merken!« Alle wollten auf Kosten der anderen feiern – so musste das Fest am Ende ausfallen.

Unser Predigttext erzählt eine andere Geschichte. Auch da geht es um eine Hochzeit und um Wasser und um Wein. Doch am Ende gibt es keine betretenen Gesichter, sondern es wird fröhlich gefeiert. Wir hören das Wunder von der Hochzeit zu Kana aus Johannes Kapitel 2.

– Lesen des Predigttextes: Johannes 2, 1–11 –

Diese Geschichte führt uns mitten in das Leben damals in Israel hinein. Jesus und seine Jünger sind Gäste auf einer Hochzeit. Das Fest beginnt am dritten Tag der Woche. So hat man bis zum Sabbat noch genügend Zeit, um ausgiebig zu feiern. Und Jesus ist mittendrin. Das mag uns vielleicht überraschen. Wir stellen uns Jesus manchmal als einen weltabgewandten Heiligen vor. Doch in der Bibel wird berichtet, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten mit dem Finger auf ihn zeigten: »Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer« (Lukas 7, 34). Jesus lebte nicht in zurückgezogener Frömmelei, sondern konnte fröhliche Feste feiern.

Aber dann diese Sache mit dem Wein! Nicht nur ein paar Flaschen, sondern gleich sechs große Krüge voll! Da feiern wir rücksichtsvoll das Abendmahl mit Traubensaft, da warnen wir junge Menschen vor den Gefahren des Alkohols und Jesus spendiert 600 Liter!

Vor Jahren gab es einen Vikar, der ein Zimmer bei einer älteren Dame gemietet hatte. Sie störte sich daran, dass der Vikar abends gerne einmal ein Glas Wein trank. Der junge Pfarrer versuchte sich zu verteidigen und sagte: »Jesus hat auf der Hochzeit zu Kana sogar Wasser in Wein verwandelt.« Darauf antwortete die Dame: »War aber sicher nicht seine größte Glanzleistung.«

Wir erleben in dieser Geschichte einen Jesus, der uns überrascht. Er ist Gast auf einer Hochzeit, die drei Tage dauern soll. Doch kurz nach Beginn der Feier droht der Wein auszugehen. Welch eine Schande für das junge Paar, wenn es seinen Gästen nichts mehr zu trinken anbieten kann!
Maria, die Mutter Jesu, sieht die Notlage. Auch wenn wir vielleicht schmunzeln – für das Brautpaar war das sicher eine echte Notsituation. Deshalb geht Maria zu Jesus und sagt ihm: »Sie haben keinen Wein mehr.« Maria weiß: Jesus kann helfen. Doch Jesus erteilt ihr eine schroffe Abfuhr. »Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?« Wir spüren eine verletzende Schärfe. Das hätten wir Jesus nicht zugetraut. Ist er nicht der Liebe, der Sanftmütige? Aber hier weist er seine Mutter hart zurück. »Meine Stunde ist noch nicht gekommen.« Niemand darf über Jesus verfügen. Er handelt frei und in göttlicher Vollmacht. Doch lässt Maria sich nicht entmutigen. Ihr Vertrauen zu Jesus ist unerschütterlich. Sie geht zu den Dienern und gibt ihnen den Auftrag, das zu tun, was Jesus sagt.

Wir müssen uns vorstellen, dass die Hochzeitsgäste im Hof eines großen Hauses sitzen. An der Hofwand stehen 6 große Wasserkrüge. 600 Liter Wasser: Das ist die Menge, die man nach dem jüdischen Reinheitsgesetz für ein Vollbad braucht. Jesus befiehlt den Dienern, die Krüge zu füllen. 600 Liter – da muss man mehr als einmal
laufen. Auch ein Wunder kann manchmal anstrengend sein. Doch die Diener gehorchen. Als sie fertig sind, sagt Jesus: »Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister!« Die Männer schauen sich fragend an: Was soll das? Unser Chef wird denken, wir wollen ihn auf den Arm nehmen. Aber dann überwinden sie ihre Zweifel und bringen diesem einen Becher. Da erleben sie eine große Überraschung: Der Speisemeister trinkt kein Wasser, sondern Wein – und sogar einen sehr guten Wein.
Verwundert fragt er den Bräutigam: »Warum hast du den besseren Wein bis jetzt zurückbehalten?«

Uns fällt es vielleicht ein bisschen schwer, dieses Wunder zu verstehen. Jesus verwandelt 600 Liter Wasser in Wein, damit sich die Hochzeitsgäste weiter betrinken können. Kein Wunder, dass eine anständige Dame sagt: »War aber sicher nicht seine größte Glanzleistung.« Doch Wein ist in der Bibel mehr als nur ein alkoholisches Getränk. Wein ist ein Zeichen von Gott. Ich möchte dazu einen Bibelvers aus 1. Mose 49 vorlesen. Dort heißt es: »Der kommende Held wird seinen Esel an den Weinstock binden und seiner Eselin Füllen an die edle Rebe. Er wird sein Kleid in Wein waschen und seinen Mantel in Traubenblut.« (1. Mose 49, 11) Dieser kommende Held ist der Messias, der von Gott gesandte Retter. Mit seinem Erscheinen beginnt die Heilszeit, dann herrscht Überfluss. Dann dürfen sogar die Esel die kostbaren Trauben fressen. So viel Wein wird es geben, dass man die Kleider darin waschen kann. Wir sehen: Wein im Überfluss ist ein Kennzeichen der Heilszeit. Wenn der Messias zur Erlösung kommt, dann fließt Wein in Hülle und Fülle. Die 600 Liter auf der Hochzeit sind für einen frommen Juden ein unübersehbarer Hinweis. Mit Jesus beginnt die Heilszeit. Die Freude, auf die wir warten – in Jesus fängt sie schon jetzt an.

Doch noch etwas anderes soll damit ausgedrückt werden. Da stehen sechs Krüge. Sie werden gebraucht für die jüdischen Reinheitsvorschriften. Jedoch - diese Krüge sind leer. Erst durch den Befehl Jesu werden sie gefüllt.
Die Bibel will damit sagen: Unsere menschlichen Bemühungen sind nutzlos und sinnentleert. Sie bringen uns nicht weiter. Doch Jesus schenkt Verwandlung, er bringt das Neue. Er ist der Messias, der gottgesandte Retter. Wer sich nur an Gesetze und Gebote hält, wird die Freude und die Fülle der Heilszeit nicht erleben. Besser - wer an Jesus glaubt, für den beginnt das Fest des Lebens. An die Stelle der religiösen Gesetze tritt das neue Leben in Gemeinschaft mit Gott. In diesem Wunder sehen wir die Herrlichkeit Jesu. Er schenkt Freude, er kann unseren Mangel ausfüllen.

In der griechischen Religion gibt es die Gottheit Dionysos, den Gott des Weines. Sein Fest wurde in der alten Zeit im Monat Januar gefeiert. Die ersten Christen haben deshalb das Weinwunder von Kana als Predigttext schon damals für den Jahresanfang ausgesucht. Sie wollten damit ein Gegengewicht gegen die rauschenden Trinkgelage in den Dionysos-Tempeln setzen. Sie wollten sagen: Ihr braucht eure Freude nicht im Alkohol oder in zweifelhaften Vergnügungen zu suchen – Jesus schenkt echte Erfüllung.
Die Götter und die Götzen dieser Welt können da nicht mithalten. Jesus füllt die leeren Krüge. Die Gemeinschaft mit ihm stillt unsere Sehnsucht nach Leben. Jesus wird auch den Egoismus überwinden, der bei der Hochzeit in China Wein zu Wasser machte. Er weist Maria darauf hin: »Meine Stunde wird kommen« – die Stunde des Kreuzes. Mit dem Kelch beim Abendmahl erinnern wir uns daran: »Christi Blut, für uns vergossen«. Jesu Sterben schenkt uns das Leben. Das Weinwunder bei der Hochzeit weist voraus auf das große Wunder der Liebe am Kreuz. Dort staunen wir noch viel mehr: Ein Unschuldiger lässt sein Leben, damit wir Schuldigen das Leben haben. Das macht unser Leben hell und froh, das gibt uns Christen Grund zum Feiern und zur Freude.

Noch ein Letztes sehen wir in unserer Geschichte. Maria zeigt uns, was glauben heißt. In einer Notlage setzt sie ihr Vertrauen auf Jesus. Sie ist fest davon überzeugt, dass er helfen kann. Aber Jesus weist sie zurück – mit harten, schroffen Worten. Jedoch, Maria lässt sich nicht beirren. Ihr Glaube ist mehr als nur ein Wunsch nach Sensation. Ihr Vertrauen erweist sich als tragfähig. Sie erlebt das helfende Wunder. So erkennt sie die Herrlichkeit Jesu. Sie erfährt, dass Gott durch Jesus handelt.

Haben wir einen solchen Glauben? Einen Glauben, der sich von Leere und Mangel nicht entmutigen lässt? Einen Glauben, der auch eine scheinbare Zurückweisung aushalten kann? Einen Glauben, der auch ein zweites oder drittes Mal zu Gott betet? Einen Glauben, der sich nicht enttäuscht abwendet, wenn Wünsche nicht sofort erfüllt werden?
Ich selbst tue mir oftmals schwer, mich nicht auf meine Wünsche zu versteifen. Zu Erwarten, dass meine Wünsche so und so sich erfüllen müssen. Im Rückblick muss ich aber erkennen, dass Gotte meine Wünsche auf seine Art und Weise erfüllt.

Das Weinwunder von Kana ist eine Verheißung: Jesus will Freude und Fülle schenken. Er sucht Menschen, die sich beschenken lassen wollen und lassen. Auf seine Art und Weise.  Amen.

 

Gottesdienst am 10.01.2021 - 1. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zum Lesegottesdienst für den 1. Sonntag nach Epiphanias, dem 10. Januar 2021.
Der Wochenspruch für die neue Woche steht im Römerbrief:
„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ (Römer 8, 14).
Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel.

Wir beginnen mit dem Lied „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude“ (EG 66, 1.2.8)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.

Wir beten:
Herr, durch unsere Taufe gehören wir zu dir, zu deiner Gemeinde.
Du liebst uns, als wären wir deine eigenen Kinder.
So wollen wir auch leben und füreinander da sein.
Dazu bitten wir dich um deinen guten Geist.
Amen.

Die Lesung und zugleich der Predigttext stehen im Römerbrief des Apostels Paulus, Kapitel 12, Verse 1-8:
„Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich`s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des anderen Glied.
Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.“
Amen.

Lied: „Christus, das Licht der Welt“ (EG 410, 1.2)

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und von dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Geschwister, in meiner früheren Gemeinde am Niederrhein habe ich einmal eine alte Dame zum Geburtstag besucht, die kurz vorher in ein Alten- und Pflegeheim umgezogen war. Nach einer längeren Krankheit kam sie zuhause nicht mehr alleine zurecht.

„Nun bin ich hier“, sagte sie mir, „und habe auf einmal viel Zeit. Ich kann ja nicht mehr so viel machen, und hier brauch` ich es auch nicht mehr. Mir wird das meiste abgenommen. Aber eines kann ich immer noch tun: ich bete für meine Familie. Die sind so beschäftigt mit ihrer Arbeit und dem ganzen Alltag, dass sie dazu gar nicht mehr kommen. Ich aber habe die Zeit und die Ruhe dazu. Dann denke ich erst einmal nach, wie es ihnen geht, was für sie wichtig sein könnte und dann bringe ich das im Gebet vor Gott.“
Gebete können etwas bewirken, diese Erfahrung habe ich immer wieder gemacht. Und diese alte Dame, die für ihre Familienangehörigen betet, tut ihnen damit etwas sehr Gutes. Und auch sich selbst. Denn Beten verändert Menschen. Und veränderte Menschen verändern die Welt. Die Frau im Altenheim hat erkannt, dass sie noch etwas Sinnvolles tun kann, auch wenn sie körperlich schwach ist und Hilfe braucht. Ihr Beten versteht sie als einen wichtigen Dienst.

Darum geht es auch dem Apostel Paulus in unserem heutigen Predigttext. Er meint: „Ihr Christinnen und Christen habt von Gott verschiedene Gaben mitbekommen. Setzt diese Gaben füreinander ein. Sie sind ein Zeichen für die Gnade Gottes, die er euch schenkt. Ihr seid reich beschenkt worden. Ihr habt allen Grund, dafür dankbar zu sein.“

In diesen letzten Monaten haben wir gar nicht mehr so viele Möglichkeiten gehabt, unsere Gaben und Begabungen füreinander einzusetzen. Manches durfte einfach nicht mehr sein. Ein Ehrenamt ausüben? Menschen besuchen? Sich in der Gemeinde engagieren? Ging alles nicht mehr.

Ähnliches hat damals auch Paulus erlebt. Er hätte so gerne alle seine Gemeinden, die er einmal gegründet hatte, immer wieder besucht. Er war aber manches Mal gezwungen, seine Reisen dorthin zu unterbrechen, weil er krank geworden war, ins Gefängnis kam, weil sein Schiff kenterte. Immer wieder etwas anderes, er brauchte dann selbst Hilfe. Und trotz dieser Schwierigkeiten hat er an so viele Menschen die christliche Botschaft verkündigen können, hat christliche Gemeinden ins Leben gerufen, hat die Christinnen und Christen ermutigt, ihrem Glauben treu zu bleiben, tröstete, ermahnte. Gab Auskunft bei theologischen Fragen. Zeit seines Lebens war er mit den Gemeinden in Kontakt. Und wenn es nicht ging, dass er sie zu ihnen reiste, dann durch Briefe, die er ihnen schrieb. Dadurch hat er auch große räumliche Distanzen überwinden können. Und er hat auch für die Menschen dort gebetet; er wusste ja durch Briefe, die er selbst von dort erhielt, auch durch seine Mitarbeiter, die ihm berichteten, immer ganz gut, welches gerade die besonderen Probleme und Schwierigkeiten der Christen waren und konnte ihre Anliegen vor Gott bringen. Ich finde es ganz beeindruckend, wie er trotz der vielen Herausforderungen, mit denen er fertigwerden musste- und oft waren sie für ihn lebensgefährlich- seinen Mut und sein Vertrauen zu Gott bewahren konnte. Paulus war sich bewusst, dass er das nicht aus sich selbst heraus vermag, sondern dass Gott ihm die Kraft dazu schenkt. So schreibt er in seinen Briefen: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Und: „Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Liebe Geschwister, das ist ein „vernünftiger Gottesdienst“ (Römer 12, 1) in diesen Wochen, in denen darüber diskutiert wird, ob es überhaupt vernünftig ist, Gottesdienste in unseren Kirchen anzubieten. Ich persönlich finde es wichtig, dass Menschen zum Gottesdienst kommen können und nicht nur digitale oder schriftliche Angebote wahrnehmen können. Hier machen sie die selten gewordene Erfahrung von Gemeinschaft; die Musik, die Gebete, die Lesung, die Predigt, die ganze Atmosphäre in der Kirche verkünden die christliche Botschaft, die eine Botschaft der Hoffnung ist. Wir haben ja auch ein gutes Sicherheitskonzept, Abstände und Hygieneregeln werden eingehalten, alles andere wäre unvernünftig.

Der Apostel Paulus erinnert daran, dass es darüber hinaus noch den Gottesdienst gibt, der mehr ist als die Zusammenkunft von Christinnen und Christen in der Kirche. Auch das ist Gottesdienst, wenn wir im Alltag unsere Gaben und Begabungen füreinander einsetzen. Und das kann zu unterschiedlichen Zeiten und Bedingungen ganz verschieden aussehen, das ist nichts für immer Festgelegtes. Unser christlicher Glaube und die Art und Weise, wie wir ihn leben und gestalten, das ist in Bewegung. Das erfordert, immer wieder zu fragen: was möchte Gott von mir in der jetzigen Situation? Welche Gaben habe ich durch ihn, die ich einsetzen kann? Wie kann ich anderen Menschen am besten dienen? Was ist jetzt dran und wichtig und worauf sollte ich besser verzichten?

Danach fragten Paulus und die Christen damals schon, und das fragen auch wir heute. Paulus antwortet darauf in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: Gott möchte von uns, dass wir uns selbst zurücknehmen, bescheiden leben, füreinander da sind, Mitgefühl zeigen, uns über unseren Glauben austauschen und uns so auf dem Weg des Glaubens weiterhelfen.

Liebe Geschwister, ich denke, das sind Antworten, die auch uns hilfreich sind, wenn wir nach Gottes Auftrag an uns in dieser Welt und dieser Zeit fragen. Wir Christinnen und Christen des 21. Jahr -hunderts, wir hier in der evangelischen Gemeinde Bühlertal, wir sind Teil des Leibes Christi und von Gott mit Gaben ausgestattet, um einander zu dienen. Genauso wie Paulus damals, wie die Christen in den Gemeinden in Kleinasien und Europa, die er gegründet hat. Räumliche und zeitliche Entfernungen spielen keine Rolle dabei.

Auch die Menschen, die weit weg von uns leben, von deren Schicksal wir durch die Medien erfahren, sind Teil dieses Leibes und wir sind verantwortlich für sie. Können für sie beten, für sie einstehen auch mit Taten. Das ist uns im letzten Jahr noch einmal sehr deutlich geworden: dass wir weltweit zusammengehören und aufeinander angewiesen sind. So möge Gott uns schützen, dass wir auch im neuen Jahr in seinem Namen zusammenkommen und in seinem Sinn leben und handeln.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Lied: „Suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt“ (EG 182, 1.2.4)

Wir beten:
Herr, du lässt uns Gemeinde sein. Du fügst uns zusammen wie die Teile eines Körpers. Hilf uns dabei, unsere besonderen Gaben zu entdecken und einander mit unseren Gaben zu achten. Schenke uns gute Ideen, wie wir auch unter den Bedingungen der Corona-Krise füreinander da sein können und so leben, wie du dir das für uns vorstellst. Mit deiner Hilfe kann uns das gelingen. Durch deine Gnade sind wir, was wir sind. Und können stark sein, auch, wenn wir schwach sind. Dafür danken wir dir.

Wir vertrauen uns dir an, mit dem, was uns bewegt, mit denen, um die wir uns sorgen
(hier ist Platz für eigene Fürbitten).

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,…

Lied: „Mache dich auf und werde Licht“ (EG 545)

So lasst euch segnen:
Der Herr segne dich und behüte dich auf all deinen Wegen.
Amen.

 

Gottesdienst am 03.01.2021 - 2. Sonntag nach Weihnachten

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Lese- Gottesdienst für den 2. Sonntag nach Weihnachten.
Heute wollen wir uns mit der Jahreslosung für das neue Jahr 2021 aus dem Lukasevangelium beschäftigen.
Die Lieder bitte im Gesangbuch nachschlagen.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.

Lied EG 64, 1.6: „Der du die Zeit in Händen hast“
                                      
Wir sind hier zusammen im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Amen.

Wir beten:
Herr, lass unsere Füße sichere Schritte tun, deine Worte leiten uns auf allen unseren Wegen.
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn. Amen.

Als Lesung hören wir die Jahreslosung, Lukas 6, 36:
„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Amen.“

Lied EG 62, 1-3: „Jesus soll die Losung sein"

Predigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Geschwister,

der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat im Frühjahr des vergangenen Jahres, zu Beginn der Pandemie, einen starken Satz formuliert, der mir im Gedächtnis geblieben ist.
Dieser Satz ist ehrlich und wahrhaftig. Ich kann ihn für mich auch als einen Satz des Glaubens hören:
„Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen.“

Nur wenige Menschen, schon gar nicht Politiker, sprechen schon vorher davon, dass Fehler gemacht werden, dass es Irrtümer geben wird, Ungerechtigkeiten. Wer gibt schon zu, dass er vergebungsbedürftig ist? Deshalb ist es so ein erstaunlicher Satz. Und er trifft sich mit dem christlichen Grundsatz, dass wir Menschen alle von der Vergebung leben, von Gottes Vergebung und von der Vergebung unserer Mitmenschen. „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!“, so bitten wir im Vaterunsergebet. Ich finde es gut, wenn man ehrlich ist den eigenen Grenzen, Fehlern und Schwächen gegenüber, auch wenn das vielleicht angreifbar macht. Es ist unendlich befreiend.

Im Jahr 2020 sind wir sehr herausgefordert worden. Die Coronaepidemie hat dazu geführt, dass wir mit einer großen Zahl von Einschränkungen umgehen mussten und weiter müssen; Einschränkungen der persönlichen Freiheit, Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren, auch wirtschaftliche Schwierigkeiten resultierten daraus, Existenzgefährdungen. Den am Virus Erkrankten konnte nicht in allen Fällen optimal geholfen werden, trotz aller Bemühungen, aller Forschung und aller Fortschritte, die in dieser Zeit gemacht wurden. 34000 Menschen sind allein in Deutschland daran gestorben; von anderen hören wir, dass sie immer noch unter Nachwirkungen ihrer Erkrankung leiden.

Dass die Zahl der Neuerkrankungen immer noch so hoch ist, ist erschreckend. Warum nicht alle Menschen überzeugt werden konnten, durch entsprechendes Verhalten sich selbst und andere zu schützen, kann man nur vermuten. Dass das Misstrauen immer noch so groß ist, macht ratlos. Denn es versteht sich doch von selbst, dass da, wo verantwortlich gehandelt und entschieden wird, auch immer mitgedacht und eingestanden werden muss: es ist möglich, dass wir trotz guter Absichten und trotz gewissenhafter Diskussion und kompetenter Beratung Fehlentscheidungen treffen, Gefahren nicht richtig einordnen oder die eigenen Möglichkeiten überschätzen.

Und was für die Menschen in Politik und Gesellschaft, in Wirtschaft und Wissenschaft gilt, gilt für mein privates Leben genauso. Wir haben einander viel zu verzeihen: jede Beziehung, jede Freundschaft, jede berufliche und private Entscheidung, jede Verantwortung der Familie und den Freunden gegenüber, all das steht immer in der Gefahr zu enttäuschen. Es kann sein, dass ich scheitere, mich irre oder es kann sein, dass ich Erfolg habe, richtig liege, beides ist immer möglich und ist eine menschliche Erfahrung. Das ehrlich einzugestehen macht mir Mut zu leben, zu handeln, zu entscheiden, Fehler zuzugeben, neu anzufangen, zu lieben, um Vergebung zu bitten und zu verzeihen, Mensch zu sein.

Ein Mensch zu sein, wie Gott uns Menschen sein lässt: die aus der Vergebung leben. Das ist ehrlich und gut, befreit von aller Überheblichkeit. Und darin trifft sich der Satz von Jens Spahn aus mit dem biblischen Satz aus dem Lukasevangelium, der die Jahreslosung für das neue Jahr 2021 ist:
„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lukas 6, 36).

Das ist kein moralischer Appell, sondern zunächst ein Versprechen, eine Zusage. Jesus bietet uns hier etwas zum Leben an: „Euer Vater im Himmel ist barmherzig.“ Ein tröstlicher Satz. Jesus meint: das, was wir Menschen erleben und erleiden müssen, all das geht Gott zu Herzen. Die Sorgen, die Ängste, das Weinen, das Hoffen, das Beten, das Arbeiten, das Suchen nach Auswegen und Möglichkeiten, das geht Gott zu Herzen. Die Erkrankten und Gestorbenen, die Menschen in den Flüchtlingslagern, die Alten und Einsamen, die am Rande der Gesellschaft Lebenden, die sind Gott wichtig. Für die schlägt Gottes Herz, Tag für Tag, Mensch um Mensch.

Denn deshalb ist Gott selbst Mensch geworden. Das Weihnachtsfest, das wir gerade gefeiert haben und das dem Jahreswechsel immer um eine Woche vorausgeht, das ist die Vergewisserung dieses Versprechens: „Euer Vater im Himmel ist barmherzig.“ Gott hat ein Herz für euch. Er erbarmt sich. Besser kann man es gar nicht in Worte fassen, mit welcher Liebe und welcher Leidenschaft Gott für uns da sein möchte. Jedes Jahr, jeder Monat, jeder Tag, jede Stunde ist ein Zeichen seiner Barmherzigkeit. Und weil er seine Barmherzigkeit, seine Leidenschaft, seine Liebe, sein Mitleid und sein Mitgefühl für uns schon vorausschickt, sie uns schenkt, deshalb kann er auch um unser Herz, unser Mitgefühl, unser Mitleid werben: „Seid auch ihr barmherzig!“ Lasst euer Herz sprechen, denn Gott traut euch das zu. Dass ihr euer Herz und euren Verstand für eure Mitmenschen einsetzt.

Das biblische Wort der Jahreslosung ist ein wunderbares und wohltuendes Wort für 2021. Wir können es leicht mitnehmen auf den Wegen, die vor uns liegen. Seid barmherzig mit euch und anderen, egal, wer sie sind und wie sie leben, denn auch euer Vater ist barmherzig. In diesem Wort schlägt Gottes Herz. Es hilft uns, dass wir selbst Herz zeigen, Erbarmen haben, Liebe schenken. Dann kann 2021 für uns alle ein Jahr der Barmherzigkeit werden. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

Lied EG 61, 1.2: „Hilf, Herr Jesu, lass gelingen“

Wir beten:
Herr, unser Gott, du bist wie Vater und Mutter. Du bist barmherzig, schenkst Glauben und Liebe. Darum bitten wir dich: Hilf uns, dass wir deiner Zusage vertrauen können. Schenke uns die Kraft und den Mut, barmherzig zu sein mit anderen. Auch barmherzig mit uns selbst. Dass wir Fehler eingestehen, einander verzeihen, immer wieder neu miteinander anfangen. Das bitten wir dich durch deinen Sohn Jesus Christus. Amen.

Wir sprechen das Vaterunsergebet:
Vater Unser im Himmel…

So lasst euch den Segen Gottes zusprechen:
Der Segen Gottes komme über euch und bleibe bei euch von nun an bis in Ewigkeit.                              Amen.

Lied EG 170, 1-3:
„Komm, Herr, segne uns“

 

Gottesdienst am 31.12.2020 - Altjahresabend (Silvester)

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Geschwister,
herzlich willkommen beim Gottesdienst zum Selbstlesen und daheim Feiern.

Heute, am Sylvestertag, grüße ich Sie mit dem Tagesspruch aus Psalm 31, 16a: „ Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Das Wort erinnert uns daran, dass Gott uns dieses Jahr geschenkt hat. War es ein gutes Jahr? Oder eines, das wir gerne hinter uns lassen möchten? Was hat uns gefreut? Was hat uns traurig gemacht? Alles legen wir zurück in Gottes Hände.

Wenn Sie ein Gesangbuch zur Hand haben, hier passt das Lied EG 58, 1-3.7:
„Nun lasst uns gehen und treten“

Wir sind miteinander verbunden und vertrauen, dass auch Gott jetzt bei uns ist.
Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten:
Gott, wir danken dir für die Tage und Nächte, die du uns in diesem Jahr geschenkt hast.
Heute legen wir sie zurück in deine Hände. Wir bitten dich um deine Begleitung auch im neuen Jahr 2021. Amen.

Die Lesung und zugleich der Predigttext stehen im 2. Buch Mose, Kapitel 13, Verse 20-22:
„So zogen sie (die Israeliten) aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rand der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage, noch die Feuersäule bei Nacht. Amen.“

Lied EG 65, 1.2.7 „Von guten Mächten“

Ansprache:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Geschwister, nur noch wenige Stunden, dann geht das Jahr 2020 zuende. Am heutigen Abend schauen wir zurück. Und jede und jeder von uns könnte ganz viel erzählen davon, was wir erlebt haben an hellen und frohmachenden Situationen und Ereignissen. Aber auch von dem, was dunkle und schwere Erfahrungen waren, die wir machen mussten. Schade, dass wir uns jetzt hier nicht davon erzählen können, aber vielleicht später, wenn wir mit der Familie zusammensitzen oder am Telefon, wenn wir mit jemandem sprechen, der jetzt nicht bei uns sein kann. Manche Menschen schreiben auch zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel lange Briefe, in denen sie festhalten, was alles gewesen ist in dem einen Jahr. Die verschicken sie an Verwandte und Freunde. Eine schriftliche Jahresbilanz, eine gute Idee, vielleicht eine Anregung für uns. In der Lesung aus dem 2. Buch Mose haben wir gerade gehört, wie Gott die Israeliten am Tage durch eine Wolkensäule und in der Nacht durch eine Feuersäule während ihrer Wüstenwanderung leitete. Unzählige Tage und Nächte waren sie unterwegs.

366 Tage und Nächte haben wir im Jahr 2020 erlebt. Manche davon haben sich bei uns besonders tief eingeprägt. Keiner von uns hat vor einem Jahr geahnt, dass das Corona-Virus sich auf der ganzen Welt ausbreiten würde und die Menschen überall treffen würde. Damit ist in so mancher Hinsicht die Nacht über uns hineingebrochen. Viele Menschen erkrankten, starben, unter unsäglichen Bedingungen. Es gab bei vielen Sorgen um den Arbeitsplatz; andere wiederum mussten bis zur Erschöpfung arbeiten, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen. Es gab zuvor nie gekannte Engpässe bei der Versorgung. Das ganze öffentliche Leben ruhte, sogar Schulen und Kindertagesstätten waren geschlossen. Dunkel wurde es auch um uns als Gemeinde. In den Kirchen und Gemeinderäumen blieben für einige Wochen die Lichter aus. Noch nicht einmal Gottesdienste fanden statt, auch keine anderen Veranstaltungen. Die Konfirmation und andere besondere Anlässe, wie Taufen und Trauungen, mussten erst einmal verschoben werden. Bei Trauerfeiern durfte nur der allerengste Familienkreis zusammenkommen, das war bitter.

Und trotzdem gab es auch Lichtblicke. Sitzungen und Besprechungen wurden eben telefonisch oder als Videokonferenz abgehalten. Man konnte sich über Mails oder über Whatsapp austauschen; anspre chende Gottesdienste gab es in großer Auswahl in digitaler Form, aus allen möglichen Gemeinden, die konnte man anschauen. Wie schön war es, als dann die Tage immer heller und sonniger wurden und manches draußen stattfinden konnte. So war es ja auch möglich, den großen Himmelfahrtsgottesdienst um die Kapelle zum guten Hirten auf dem Sand zu feiern.

Sie, liebe Geschwister, erinnern sich in dieser Stunde, in der wir auf das zuende gehende Jahr zurückschauen, an viele Situationen, die Sie als Gemeinde erlebt haben. Und auch ohne Corona wäre es kein leichtes Jahr gewesen für die evangelische Kirchengemeinde. Dazu kommen Ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen; die Highlights und die Tiefpunkte. Welche Tage und welche Nächte haben Sie besonders vor Augen und könnten davon berichten? Zurück zu unserem Bibeltext: Die Israeliten haben die Erlebnisse ihrer Tage und Nächte weitererzählt. Von der Wüstenwanderung, bei der Gott sie als Wolken- oder als Feuersäule begleitete und ihnen den Weg wies. Die Menschen haben diese besonderen Erscheinungen als etwas Übernatürliches gedeutet und auf Gott bezogen. Der Herr hat sie aus der ägyptischen Sklaverei befreit, der führt sie so weiter durch die Wüste bis ins Gelobte Land. Mose spielt dabei natürlich auch eine wichtige Rolle, aber er führt letztlich nur das aus, was Gott vorhat. Die Menschen haben Gott vertraut, dass er den richtigen Weg kennt und sie leitet. Sie folgten ihm nach und glaubten an ihn. In manchen Tagen und Nächten wird ihnen das schwergefallen sein. Es gab auch Momente des Zweifels und der Angst. Manchmal fühlten sie sich von Gott verlassen, hatten Hunger und Durst, wurden bedroht durch andere Völker. Dann gab es die anderen Tage und Nächte, an denen sie jubelten und feierten, dass der Herr sie bewahrte. An denen sie spürten, dass Gott nah bei ihnen war.

Und als sie dann am Ziel angekommen waren, nach jahrzehntelangem Unterwegssein- von 40 Jahren spricht die Bibel- und zurückschauten, da wurde ihnen bewusst, wie Gott an allen Tagen und Nächten bei ihnen gewesen ist und ihre Wege überblickt hat. Sie sind dort angekommen, wohin Gott sie bringen wollte. Das gab ihnen Vertrauen auch für die Zukunft: Gott überblickt auch die Wege, die noch vor uns liegen. Liebe Geschwister, Gott überblickt alle unsere Wege. Die, die wir schon gegangen sind und die, die noch kommen werden. Vielleicht gelingt es uns, das alte und das neue Jahr und unser Leben überhaupt aus dieser Perspektive zu sehen. Ist das nicht erstaunlich, welche Wege er uns 2020 gewiesen hat, sodass wir weitergehen konnten? Wir sind nicht alleine unterwegs, Gott ist bei uns, begleitet uns, führt uns. Er lässt sich sicher auch im neuen Jahr 2021 für uns etwas Hilfreiches einfallen, so wie die Wolken- und die Feuersäule für die Israeliten, damit wir mit ihm in Verbindung bleiben und uns orientieren können.

Ich wünsche uns, dass wir deshalb voller Vertrauen dem Jahreswechsel entgegensehen. Was immer da auch auf uns zukommen wird an dunklen Stunden und an Lichtblicken: Gott ist bei uns und wird unseren Weg erleuchten. Dietrich Bonhoeffer hat das in wunderschöne Worte gefasst: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag." Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft zu fassen vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

Lied EG 395, 1-3: „Vertraut den neuen Wegen“

Fürbitten:
Unser Gott, du bist Anfang und Ende. Du bist mit uns auf dem Weg. Am Ende des Jahres bringen wir dir unseren Dank für alles Gute, was du uns in diesem Jahr geschenkt hast. Erhalte uns die Erinnerungen an die schönen und frohen Momente, die wir erleben durften.
Es war aber auch viel Schweres und Trauriges dabei. Wir bitten dich für uns und alle Menschen, die manches/vieles sogar erleiden und erdulden mussten in den letzten Monaten.
Schenke uns die nötige Geduld und das Vertrauen auf dich, damit wir auch weiter jeden Tag und jede Nacht aus deiner Hand nehmen.
Den Weinenden schenke Trost, den Kranken, dass sie wieder gesund werden, den Trauernden, dass sie an der Hoffnung festhalten. Den Verstorbenen schenke das ewige Leben, das du uns verheißen hast.
Wir wissen, dass wir von deinen guten Mächten wunderbar geborgen sind. Deshalb erwarten wir getrost, was kommen mag. Denn du bist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Alles, was wir Gott sonst noch sagen möchten, sagen wir mit den Worten des Vaterunsergebetes:
Vater Unser im Himmel…

So lasst euch den Segen Gottes zusprechen:
Der Segen Gottes, der komme über dich und bleibe bei dir von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Am Ende unseres Gottesdienstes steht das Lied EG 44, 1-3:
„O, du fröhliche“

Ein gesegnetes neues Jahr 2021 für Sie und Ihre Lieben wünscht Pfarrerin Anke Mühlenberg- Knebel.